riechen

GrammatikVerb · riecht, roch, hat gerochen
Aussprache
Worttrennungrie-chen
Wortbildung mit ›riechen‹ als Erstglied: ↗Riechfläschchen · ↗Riechkolben · ↗Riechmittel · ↗Riechnerv · ↗Riechorgan · ↗Riechsalz · ↗Riechschleimhaut · ↗Riechsinn · ↗Riechstoff · ↗Riechstörung · ↗Riechzelle · ↗riechbar
 ·  mit ›riechen‹ als Letztglied: ↗anriechen · ↗beriechen · ↗erriechen · ↗hereinriechen · ↗hineinriechen · ↗reinriechen
 ·  formal verwandt mit: ↗dumpfriechend · ↗scharfriechend · ↗wohlriechend
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
einen Geruch verbreiten
Beispiele:
etw. riecht gut, angenehm, appetitlich, frisch, lieblich, schlecht, unangenehm, streng, übel, widerlich
die Milch riecht schon sauer
die Blumen rochen betäubend, stark, schwach, gar nicht
hier riecht es muffig, versengt, wie angebrannt
modrig riechende Kellerräume
aus dem Mund riechen
er roch penetrant nach Bier
das ganze Haus hat nach frischer Farbe gerochen
hier riecht es nach Gas, Rauch, Krankenhaus
umgangssprachlich, übertragen etw. riecht nach etw.etw. sieht nach etw. aus
Beispiele:
das riecht mir aber sehr nach Sensationshascherei
saloppdas Angebot riecht faul (= scheint nicht einwandfrei zu sein)
Die Ausreden des kleinen Herrn rochen nach Geistesgegenwart [A. ZweigDe Vriendt275]
Ich kann mir nicht helfen, aber es riecht nach Krieg, ihr Leute [NellFischer129]
2.
den Geruch von etw. wahrnehmen
Beispiele:
ich rieche Parfüm, Maiglöckchen, Fisch, Gas, Brandgeruch
riechst du die See?
sie roch diesen Duft gern
er kann Zwiebeln nicht riechen (= ihm ist der Geruch von Zwiebeln zuwider)
den Geruch von etw. prüfen
Beispiele:
an einer Blume, Flüssigkeit riechen
er zog den Korken heraus und roch in den Flaschenhals
übertragen
Beispiele:
umgangssprachlichich hatte eure Absicht längst gerochen (= gemerkt)
umgangssprachlicher muss die Gefahr, das Unglück direkt gerochen (= geahnt, gespürt) haben
saloppdas kann ich doch nicht riechen! (= ahnen, wissen!)
umgangssprachlichdu hattest wohl den Braten gerochen? (= du hattest wohl gemerkt, was los war?)
umgangssprachlichsie haben Lunte gerochen (= sie haben die Gefahr, das Verborgene gewittert)
umgangssprachlichdu darfst mal (dran) riechen! (= du kannst es dir mal ansehen, musst es mir aber wieder zurückgeben!)
umgangssprachlichder Neue hat gerade mal an der Sache gerochen (= der Neue kennt die Sache erst seit kurzem, flüchtig)
salopp, abwertendjmdn. nicht riechen können (= jmdn. nicht ausstehen können)
abwertender roch überall Spione (= er vermutete überall Spione) [Feuchtw.Füchse285]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

riechen · Riecher
riechen Vb. ‘einen Geruch von sich geben, ausströmen, einen Geruch wahrnehmen’, ahd. riohhan (8. Jh.), mhd. riechen ‘rauchen, qualmen, dampfen, einen Geruch von sich geben’, spätmhd. auch transitiv ‘einen Geruch wahrnehmen’, entsprechend (sowohl intransitiv wie transitiv) mnd. rēken, mnl. nl. rieken, afries. riaka ‘riechen’, (nur intransitiv) aengl. rēocan ‘rauchen, qualmen, dampfen, einen Geruch von sich geben’, (intransitiv und transitiv) engl. to reek ‘riechen, räuchern’, anord. rjūka ‘rauchen, dampfen, stieben, fahren’, schwed. ryka ‘rauchen, qualmen, schwelen, dampfen’, daneben ablautend mhd. (md.) rūchen, mnd. mnl. rūken, nl. ruiken (intransitiv und transitiv). Die Herkunft dieser Verbalbildungen und der zugehörigen, unter ↗Rauch und ↗Geruch (s. d.) genannten Formen ist ungewiß. Vergleicht man jedoch griech. eré͞ugesthai (ἐρεύγεσθαι) ‘durch den Mund von sich geben, ausspeien, rülpsen, aufstoßen’, lat. ērūgere ‘ausrülpsen, auswerfen’, lit. ráugti ‘einsäuern, gären lassen’, ráugėti ‘rülpsen, sauer aufstoßen, sauer werden’, ablautend lit. rū́gti ‘gären, sauer werden’, lett. rūgt ‘säuern, aufgehen, gären, aufstoßen, aufsteigen, rauchen’, russ. rygát’ (рыгать) ‘laut rülpsen’, so ist ein Anschluß an ie. *rē̌ug- ‘sich erbrechen, rülpsen, hervorbrechen’ möglich, wobei sich aus ‘hervorbrechen’ die alte germ. Bedeutung ‘aufsteigen’ (von Rauch) entwickelt haben kann. Riecher m. ‘Nase’, umgangssprachlich (18. Jh.), auch ‘Gefühl, Ahnungsvermögen’ in der Wendung einen guten, den richtigen Riecher haben ‘zutreffend ahnen, richtig vermuten’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(angenehm) riechen (nach) · (ein) angenehmer Geruch (geht aus von)  ●  ↗duften  Hauptform · Wohlgeruch verströmen  geh., literarisch
Assoziationen
Synonymgruppe
beriechen · ↗beschnuppern · ↗beschnüffeln · riechen (an) · ↗schnuppern · ↗schnüffeln · ↗wittern  ●  ↗winden  Jägersprache · ↗beschnobern  ugs. · ↗flehmen  fachspr. · ↗schnobern  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(einen) Geruch wahrnehmen · (jemandem) in die Nase steigen · riechen
Assoziationen
Synonymgruppe
(einen Geruch) ausdünsten · ↗(einen Geruch) verströmen · (irgendwie) riechen
Assoziationen
  • (einen) Geruch haben · riechen nach

Typische Verbindungen
computergeneriert

Alkohol Benzin Bier Braten Desinfektionsmittel Duft Farbe Fisch Geruch Gras Gummi Holz Kaffee Leder Luft Moder Parfüm Rauch Schwefel Schweiß Staub Urin Weihrauch förmlich muffig schmecken streng süßlich Öl überall

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›riechen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auf keinen Fall sollte an Stellen ausprobiert werden, auf denen vorher Schmuck getragen wurde - sonst rieche es immer metallisch.
Der Tagesspiegel, 24.12.2003
Was aber nach ihm kommt, riecht bedrohlich nach dem Nichts.
Die Zeit, 17.07.2003, Nr. 30
Da er sich höchstens einmal im Monat wäscht, riecht er sehr streng.
Hasselbach, Ingo u. Bonengel, Winfried: Die Abrechnung, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1993], S. 81
Kurz zuvor hatte es geregnet, und die Luft roch nach nassem Gras.
Beckenbauer, Franz: Einer wie ich, München: Wilhelm Heyne Verlag 1977, S. 105
Es roch wie damals und doch waren fremde Gerüche dabei.
Weissmann, Maria Luise: Skizzen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1920], S. 7077
Zitationshilfe
„riechen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/riechen>, abgerufen am 21.11.2019.

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