rieseln

Grammatik Verb · rieselt, rieselte, ist/hat gerieselt
Aussprache 
Worttrennung rie-seln
Wortbildung  mit ›rieseln‹ als Erstglied: ↗Rieselfeld · ↗Rieselregen · ↗Rieselschnee · ↗Rieselwasser · ↗Rieselwiese · ↗rieselfähig
 ·  mit ›rieseln‹ als Letztglied: ↗berieseln · ↗durchrieseln · ↗einrieseln · ↗herabrieseln · ↗herunterrieseln · ↗hinunterrieseln · ↗niederrieseln · ↗wegrieseln · ↗überrieseln
 ·  mit ›rieseln‹ als Grundform: ↗Geriesel
eWDG, 1974

Bedeutung

sacht rinnen
a)
spärlich fließen, in feinen Tropfen, unzähligen Partikeln herunterfallen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
die Quelle rieselt spärlich
Blut rieselt aus der Wunde
Körner sind durch die Finger gerieselt
Sand durch die Finger rieseln lassen
Lindenblüten rieselten ihr ins Haar
Tränen sind über ihre Wangen gerieselt
der Kalk ist von den Wänden gerieselt
ein dünn rieselnder Brunnen
Kälteschauer rieseln (= laufen prickelnd) über jmds. Rücken
übertragen
Beispiele:
neuer Lebensmut rieselte durch seine Adern
dabei rieselt es einem kalt über den Rücken (= schaudert einen)
Aber die Gerüchte rieseln durch die Mauern, träufeln sich in die Ohren und Herzen [ SteinbergEinzug28]
b)
kaum hörbar fließen, in feinen Tropfen, unzähligen Partikeln fast geräuschlos herunterfallen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
die Quelle rieselt eintönig
wir hörten das Bächlein rieseln
Leise rieselt der Schnee [Weihnachtslied]
hinter der Tapete hat leise der Kalk gerieselt
das einschläfernde Rieseln des Regens
bildlich
Beispiel:
umgangssprachliches rieselt im Gemäuer (= Widersprüche in einer anachronistischen gesellschaftlichen Institution, in einem historisch überlebten Staat treten zutage)
übertragen
Beispiele:
saloppbei ihm rieselt schon der Kalk (= er wird langsam alt, hat keinen jugendlichen Schwung mehr)
gehoben rieselnde (= sanft fallende, leise rauschende) Seide
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

rieseln Vb. ‘sacht fließen, rinnen, in feinen Tropfen niederfallen’, mhd. riselen ‘tröpfeln, leise regnen’, Iterativbildung zu dem unter ↗Reise (s. d.) angeführten starken Verb ahd. rīsan ‘fallen, niederfallen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
rieseln · ↗sickern · ↗tropfen · ↗träufeln · ↗tröpfeln · ↗verrinnen

Typische Verbindungen zu ›rieseln‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›rieseln‹.

Verwendungsbeispiele für ›rieseln‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Jedenfalls rieselte immer wieder der Rost zwischen unseren Fingern hindurch.
Dark, Jason [d.i. Rellergrad, Helmut]: Die Skelett-Vampire, Bergisch Gladbach: Bastei 1992 [1978], S. 40
Von den Steinen rieseln dann die Tropfen in die bebaute Erde.
Die Zeit, 09.12.1954, Nr. 49
Das Flüstern der betenden Mäuse rieselte wie Sand über ihn.
Koeppen, Wolfgang: Tauben im Gras. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1951], S. 13
Eine Angestellte hatte am Morgen den halbverschlossenen Brief entdeckt, aus dem Pulver rieselte.
Die Welt, 20.10.2001
Der Regen rieselte, unermüdlich, sacht, die Bäume raschelten und rauschten.
Roth, Joseph: Radetzkymarsch, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1978 [1932], S. 415
Zitationshilfe
„rieseln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/rieseln>, abgerufen am 28.11.2020.

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