rinnen

Grammatik Verb · rinnt, rann, ist/hat geronnen
Aussprache 
Worttrennung rin-nen
Wortbildung  mit ›rinnen‹ als Erstglied: ↗Rinnstein  ·  mit ›rinnen‹ als Letztglied: ↗abrinnen · ↗ausrinnen · ↗durchrinnen2 · ↗durchrinnen1 · ↗herabrinnen · ↗herunterrinnen · ↗hinabrinnen · ↗hindurchrinnen · ↗hinunterrinnen · ↗zerrinnen
 ·  mit ›rinnen‹ als Grundform: ↗entrinnen · ↗gerinnen  ·  formal verwandt mit: ↗Gerinnsel
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
(sacht, gleichmäßig) fließen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
der Regen rinnt
das Schmelzwasser rinnt zu Tal
Regentropfen rinnen über die Fensterscheiben
der Schweiß rann ihm von der Stirn
Blut war aus der Wunde geronnen und auf den Kragen getropft
unaufhörlich rinnende Tränen
in unzähligen Partikeln sacht, gleichmäßig und ohne Stocken fallen
Beispiele:
das Kind lässt den feinen Sand durch die Finger rinnen
Die Roggenkörner ... rinnen in die Säcke [ StrittmatterTinko385]
übertragen
Beispiele:
ein Gefühl der Angst, Freude rann durch ihre Adern
dabei rinnt es einem eiskalt über den Rücken (= schaudert einen)
umgangssprachlichdas Geld rinnt einem nur so durch die Finger (= das Geld ist schnell ausgegeben)
die Tage sind uns durch die Finger geronnen (= sehr schnell vergangen)
gehobendie Zeit rinnt, die Jahre rinnen
2.
landschaftlich leck, undicht sein
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
der Eimer rinnt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

rinnen · Rinne · Rinnstein · Rinnsal
rinnen Vb. ‘(stetig, langsam) fließen’, ahd. rinnan ‘fließen, laufen’ (8. Jh.), mhd. rinnen ‘fließen, von einer Flüssigkeit fortgetragen werden, schwimmen, triefen, laufen, rennen’, asächs. rinnan, mnd. mnl. rinnen, afries. rinna, renna, aengl. rinnan (engl. to run mit dem vom Perf. stammenden schwundstufigen -u-), anord. renna, rinna, schwed. rinna, got. rinnan ‘rennen, laufen’ (germ. *rennan) ist ein ursprüngliches Nasalpräsens, das sich außergerm. vergleichen läßt mit aind. riṇā́ti ‘läßt strömen, läßt laufen, entblößt’, rī́yatē ‘rinnt, gerät ins Fließen’, lat. rīvus ‘Bach’, aslaw. rěka, russ. reká (река) ‘Fluß’, aslaw. rinçti sę ‘sich stürzen’, russ. rínut’sja (ринуться) ‘sich stürzen, jagen’. Als Ausgangsform ist ansetzbar ie. *rei- ‘fließen’, das sich an die unter ↗Ernst und ↗Reise (s. d.) angeführte Wurzel ie. *er-, *or-, *r- ‘sich in Bewegung setzen, erregen, in die Höhe bringen (auch von Bewegung nach abwärts)’ anschließen läßt. S. auch ↗gerinnen. Rinne f. ‘lange, schmale Vertiefung im Boden, offenes Abflußrohr, Rille’, ahd. rinna (8. Jh.), mhd. rinne ‘Wasserfluß, Quell, Dachtraufe, Wasserleitung, -röhre’, got. rinnō ‘Gießbach’; vgl. ablautend mhd. mnd. renne, schwed. ränna sowie mnd. runne, aengl. rynel(e), rinnele ‘Wasserlauf, Strom’, engl. runnel ‘Rinnsal, Rinnstein’. Rinnstein m. ‘in Stein gehauene, gemauerte Rinne im Straßenpflaster’ (Ende 16. Jh.). Rinnsal n. (früher auch m.), älter Rinnsel, ‘kleiner Wasserlauf’ (19. Jh.), zuvor ‘Flußbett, Rinne’ (16. Jh.), rinsel, rintzel ‘Lab, Milchgerinnungsmittel’ (15. Jh.); zum Suffix s. ↗-sal, ↗-sel.

Thesaurus

Synonymgruppe
fließen · ↗fluten · ↗quellen · rinnen · ↗strömen  ●  ↗rauschen  ugs.
Synonymgruppe
baden · ↗schwimmen  ●  ↗paddeln  ugs. · ↗plantschen  ugs. · rinnen (von Haarwild)  fachspr., Jägersprache
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›rinnen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›rinnen‹.

Verwendungsbeispiele für ›rinnen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In dem völlig überfüllten Raum ist es drückend heiß, der Schweiß rinnt schneller, als das Bier gezapft werden kann.
Der Tagesspiegel, 20.09.2004
Kot rann durch die Kästen auf die jeweils darunter hockenden Hühner.
Die Welt, 09.06.1999
Dabei rinnt ihm der gleichförmig niedergehende Regen ununterbrochen in den Kragen.
Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 225
Dann beginnt er zu zittern, alle Kraft rinnt aus seinen Händen fort.
Baum, Vicky: Menschen im Hotel, München: Droemersche Verlagsanstalt 1956 [1929], S. 317
Was ich empfange als Gold in die mühsamen Hände, es rinnt als Staub, unfruchtbarer Staub, auf den entfliehenden Weg.
Schaeffer, Albrecht: Helianth II, Bonn: Weidle 1995 [1920], S. 314
Zitationshilfe
„rinnen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/rinnen>, abgerufen am 20.10.2020.

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