Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

rituell

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung ri-tu-ell
Wortzerlegung Ritus -uell
Wortbildung  mit ›rituell‹ als Grundform: Rituell
Herkunft aus gleichbedeutend rituelfrz
eWDG

Bedeutungen

1.
dem kultischen, religiösen Ritus gemäß, auf ihm beruhend
Beispiele:
eine rituelle Vorschrift, Handlung
nach rituellem Brauch zubereitete Fastenspeisen
die alten rituellen Bräuche in Afrika
das rituelle Saugrohr … mit dem der Schamane bei den Indianern … den »Krankheitsstoff« aus den Patienten entfernt [ Urania1958]
Der Anspruch der Juden, rituell verpflegt zu werden [ A. ZweigEinsetzung443]
2.
übertragen sich immer gleichbleibend, regelmäßig und zugleich feierlich, zeremoniell
Beispiele:
scherzhaftdie rituellen Bewegungen des Barmixers
Er legte das Sielengeschirr mit ritueller Ordentlichkeit auf den Wagen [ JahnnNiederschrift2,105]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ritus · rituell · Ritual
Ritus m. ‘religiöse Zeremonie, kultischer Brauch, Ordnung der Kulthandlungen, kultische Texte religiöser Gemeinschaften’ (Ende 16. Jh.), ‘Festbrauch, feststehender Ablauf einer (feierlichen) Handlung, regelmäßig sich wiederholender Ablauf’ (Anfang 17. Jh.), Übernahme von lat. rītus ‘hergebrachte Weise der Religionsübung, religiöser Brauch, Zeremonie, Sitte, Gewohnheit, Art’. rituell Adj. ‘dem Ritus, kirchlich-kultischem Brauch entsprechend, zeremoniell’ (Anfang 19. Jh.), verallgemeinert ‘in gleichbleibender, regelmäßig sich wiederholender feierlicher Form ablaufend’ (1. Hälfte 20. Jh.), frz. rituel, entsprechend lat. rītuālis ‘den religiösen Brauch, religiöse Zeremonien betreffend’. Ritual n. ‘schriftlich fixierte Ordnung der römisch-katholischen Liturgie’, auch (neben Rituale bzw. Ritualbuch) ‘Zeremonienbuch’, danach ‘geordnete Gesamtheit der festgelegten Bräuche, Kultordnung’ (18. Jh.), ‘wiederholtes, festgelegtes und daher gleichbleibendes Vorgehen, Verfahren’ (2. Hälfte 18. Jh.), aus lat. rītuāle, substantiviertem Neutr. von lat. rītuālis (s. oben). Im 20. Jh. als Fachausdruck der Psychologie und Verhaltensforschung ‘genormte, typisierte Verhaltensweise, ritueller Ablauf einer Handlung’.

Thesaurus

Religion
Synonymgruppe
rituell · zeremoniell

Typische Verbindungen zu ›rituell‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›rituell‹.

Verwendungsbeispiele für ›rituell‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie sollte kulturelle Überlieferungen weder dekonstruktivistisch auflösen noch als »Andenken des Seins« rituell wiederholen. [Die Zeit, 25.05.2005, Nr. 22]
Stellt sie mehr dar als die Erfüllung einer rituellen Pflicht? [Die Zeit, 25.09.1992, Nr. 40]
Das rituelle Fasten ist so etwas wie eine neue Mode geworden. [Süddeutsche Zeitung, 19.12.2001]
Das stört die Bürger nicht, sie beklatschen das Symbol, den rituellen Akt der Reinigung. [Süddeutsche Zeitung, 03.05.1997]
Das identitätsverbürgende religiöse Bewußtsein regeneriert und erhält sich durch rituelle Praxis. [Habermas, Jürgen: Theorie des kommunikativen Handelns - Bd. 2. Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1981, S. 79]
Zitationshilfe
„rituell“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/rituell>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
ritualistisch
ritualisiert
ritualisieren
ritual
rittlings
ritz
ritz-ratz
ritzen
ritzeratze
ritzig