roden
GrammatikVerb · rodete, hat gerodet
Aussprache
Worttrennungro-den
Wortbildung mit ›roden‹ als Erstglied: ↗Rodegemeinschaft · ↗Rodehacke · ↗Rodeland
 ·  mit ›roden‹ als Letztglied: ↗ausroden  ·  mit ›roden‹ als Binnenglied: ↗Kartoffelrodemaschine
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
jmd. rodet etw.(eine Waldfläche) durch Fällen der Bäume und Ausgraben der Stümpfe urbar machen
Beispiele:
Was sie hier auf steilen Feldern anbauen, reicht gerade zum Leben – Mais und Bohnen, Chili, Tomaten und Chayote, eine grüne Kürbisart, die nach Kohlrabi schmeckt. Doch das Land wird knapp […]. Früher rodete man einfach neue Waldflächen, mit Axt und Feuer. [Die Zeit, 21.01.2010, Nr. 04]
Wir füttern Tiere mit Nahrungsmitteln, die viele Menschen sattmachen könnten, […] um schneller und mehr Fleisch produzieren zu können. Hierfür roden wir Waldflächen, die der Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten sind, Ureinwohner beherbergen und als CO2-Speicher elementar für unser Klima sind. [siebenhundertsachen.wordpress.com, 15.08.2013] abwertend
Für deren [Futtermittel] Anbau werden weit größere Flächen an Tropenwäldern gerodet als für menschliches Siedlungsland. Noch mehr Land verbrauchen die gigantischen Rinderherden. [Berliner Zeitung, 09.08.2002]
Seitdem hat der Fremde […] viel Land gerodet in der Gegend, er hat Platz geschaffen für Olivenplantagen und Weinberge, Gärten und Orangenbäume […]. [Der Tagesspiegel, 15.06.1997]
Ist das Feld nach einigen Jahren erschöpft und bringt es keine ausreichenden Ernten mehr, dann nimmt der Besitzer ein neues Stück vor, rodet den Wald oder Busch mit Feuer oder Axt und pflügt es um. [Die Zeit, 13.04.1950, Nr. 15 I]
Die Erregungen und Lasten der Kriegsjahre untätig zu ertragen hätte mich umgebracht. So gab es keinen Ausweg, als neue Felder zu roden und zur Ernte reif zu machen, und zwar Felder, die durch den Krieg nicht verwüstet werden konnten. Gab es solche Felder? Ja, es gab solche: die der reinen Wissenschaft. [Ostwald, Wilhelm: Lebenslinien. Eine Selbstbiographie, 3 Teile. In: Simons, Oliver (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 – 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1927], S. 49713] im Bild
Kollokationen:
mit Akkusativobjekt: den Urwald, Dschungel, Wälder roden
hat Präpositionalgruppe/-objekt: roden für Plantagen, für den Anbau [von Getreide o.Ä.]
in Koordination: trockenlegen, entwässern, planieren und roden
2.
jmd. rodet etw.(Bäume o. Ä.) fällen und die Wurzeln, Wurzelstöcke ausgraben
Beispiele:
Alle zehn Jahre muss ein Waldgebiet gepflegt werden. Dazu bahnt sich die zehn Tonnen schwere Maschine ihren Weg durch die Arbeitsgassen und rodet schwache und schiefe Bäume. Die restlichen Bäume erhalten dadurch mehr Platz. [Bild, 04.02.2004]
Sie heirateten 1948 […]. Dann zogen sie nach Butmir, auch ein Dorf nahe Sarajevo, und kauften 2600 Quadratmeter Brachland, ein Stück Erde voller Gestrüpp. Sie rodeten die Pflanzen und bauten ein Haus. [Spiegel, 24.05.2012 (online)]
Noch blühen Obstbäume und Ginster in den Kleingärten […]. Aber nicht mehr lange: Am Dienstag beginnen Mitarbeiter einer Firma aus Rhinow damit, die Bäume und Sträucher zu roden. [Berliner Zeitung, 11.04.1998]
Franziskus Daniels, der 1733 Abt von Kloster Kamp wurde, liebte den Prunk und verabscheute den sauren Wein, der damals am Südhang gezogen wurde. Also rodete er die Reben und begann, […] aus dem Weinberg einen feudalen Garten zu machen. [Die Zeit, 29.03.1996, Nr. 14]
Der Rentner, der dicke Baumwurzeln aus dem Hang rodet, scheint für die Dresdner Weinberge zu leben. [Die Zeit, 18.09.1992, Nr. 39]
Kollokation:
mit Akkusativobjekt: Bäume, Pflanzen roden
3.
jmd. rodet etw. landschaftlich einen Weinberg (in der Absicht, ihn neu anzulegen) tief umgraben
Beispiele:
Die europäischen Rebsorten hatten dem neuen Feind [Reblaus] wenig entgegenzusetzen, die Reben kümmerten dahin oder starben ganz ab. Das einzige Gegenmittel bestand darin, die Weinberge zu roden und neu zu bepflanzen – und zwar mit Reben, die den Schädlingen trotzen konnten. [www.swr.de, aufgerufen am 31.07.2017]
Rodung und Neuanlage […] – Aus diversen Gründen ist es manchmal erforderlich, einen Weinberg zu roden. [Komplettbewirtschaftung & Dienstleistungen im Weinbau – Rodung und Neuanlage, aufgerufen am 31.07.2017]
4.
jmd., etw. rodet etw. landschaftlich bei der Ernte aus dem Boden graben, herausholen
Beispiele:
Die dieses Jahr erhofften 45 Tonnen Kartoffeln werden mit dem Kartoffelvollernter gerodet. Dieser gräbt sich hydraulisch in eine Reihe und fördert die Kartoffeln aus der Erde. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2005]
Die Bauern in Niedersachsen haben 2002 weniger Kartoffeln gerodet als im Jahr zuvor. [Die Welt, 24.01.2003]
Der alte Balla rodete Kartoffeln. [Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 663]
Trotz aller Mahnungen und Drohungen war von zehn Traktoren kaum einer nachts auf den Feldern, um […] Rüben zu roden oder Kraut abzufahren. [Die Zeit, 07.12.1962, Nr. 49]
Kollokation:
mit Akkusativobjekt: Kartoffeln roden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

roden · reuten · Reute · Radehacke · Radehaue
roden Vb. ‘urbar machen, Wurzelstöcke herausreißen’, mhd. (md.) rūten, rutten, roten, roden, mnd. rōden, rāden ‘urbar machen’, mnl. rōden, nl. rooien (s. auch die unter ↗ausrotten genannten Formen) haben neben sich (ablautend) nhd. (obd.) reuten Vb. ‘urbar machen’, ahd. riuten ‘roden, herausreißen, ausrotten’ (10. Jh.; vgl. irriuten, 9. Jh.), mhd. riuten, frühnhd. rüten, reuten sowie Reute f. ‘urbar gemachtes Stück Land’, ahd. riutī (10. Jh.; vgl. niuriutī, 900), mhd. riute. Sie folgen wie awest. raoδya- (Part. Fut. Pass.) ‘urbar zu machend’ ie. *reudh- ‘roden’, einer Dentalerweiterung der verbreiteten Wurzel ie. *reu-, *reu̯ə- ‘aufreißen, graben, aufwühlen, ausreißen, raffen’ (s. auch ↗Raub, ↗raufen, ↗rauh, ↗Riemen). Rode-, Radehacke f. ‘schwere Hacke’ (18. Jh.), mnd. rōdehacke; auch Radehaue f. Radehawe (16. Jh.), rodehauwe (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abholzen · ↗absägen · ↗schlagen  ●  ↗fällen  Hauptform · ↗umhauen  ugs. · ↗umsägen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
mit der Wurzel entfernen · mitsamt (der) Wurzel entfernen  ●  ↗roden (Gehölze)  fachspr.
Assoziationen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anbauflächen Bannwald Berghänge Büsche Dickicht Dschungel Gehölze Gestrüpp Hecken Hektar Mangrovenwälder Plantagen Regenwald Sträucher Tropenwälder Unkraut Urwald Waldflächen Waldstück Wildwuchs Wälder angepflanzt ausroden bebauen bepflanzen entwässern gemäht pflanzen planiert trockengelegt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›roden‹.

Zitationshilfe
„roden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/roden>, abgerufen am 21.09.2017.

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