roh

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›roh‹ als Erstglied: ↗Rohbau · ↗Rohbaumwolle · ↗Rohbenzin · ↗Rohbogen · ↗Rohbraunkohle · ↗Rohdiamant · ↗Roheisen · ↗Rohertrag · ↗Rohgas · ↗Rohgemüse · ↗Rohglyzerin · ↗Rohholz · ↗Rohkaffee · ↗Rohkautschuk · ↗Rohkohle · ↗Rohkost · ↗Rohköstler · ↗Rohleinwand · ↗Rohling · ↗Rohmaterial · ↗Rohmetall · ↗Rohmilch · ↗Rohpapier · ↗Rohprodukt · ↗Rohprotein · ↗Rohseide · ↗Rohseife · ↗Rohstahl · ↗Rohstoff · ↗Rohtabak · ↗Rohware · ↗Rohwasser · ↗Rohwurst · ↗Rohzucker · ↗Rohzustand · ↗Rohöl · ↗Rohübersetzung · ↗roherweise · ↗rohgezimmert
 ·  mit ›roh‹ als Letztglied: ↗halbroh  ·  mit ›roh‹ als Grundform: ↗verrohen
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
ungekocht, ungebraten
Beispiele:
ein rohes Ei
rohes Obst, Fleisch, roher Schinken, rohe Milch
rohe Klöße (= Klöße aus ungekochten Kartoffeln)
Diät mit roher Kost
Gemüse roh essen
umgangssprachlich jmdn., etw. wie ein rohes Ei (= sehr vorsichtig) behandeln
2.
nicht bearbeitet, verarbeitet, unfertig
Beispiele:
rohes Holz, Leder, rohe Leinwand, rohes Material
ein roh behauener Stein
ein Regal aus rohen Brettern zimmern
der Bau ist im Rohen (= als Rohbau) fertig
ein roher (= noch nicht in den Einzelheiten ausgeführter) Entwurf
nach roher (= ungefährer) Schätzung
3.
rohes Fleischvon der Haut entblößtes, blutiges Fleisch
Beispiel:
bei dem Unfall verletzte er sich so stark, dass das rohe Fleisch zu sehen war
4.
im Verhalten anderen gegenüber gefühllos, grob, verletzend
Beispiele:
ein roher Mensch
umgangssprachlich ein roher, harter Bursche
jmdn. roh behandeln
sich roh benehmen
er hat ein rohes Wesen, rohe Umgangsformen
derb
Beispiele:
jmdm. mit rohen Worten erwidern
er ist kein Freund von rohen Späßen
ein roher Geschmack
rücksichtslos, grausam, brutal
Beispiele:
auf die Anwendung roher Gewalt verzichten
Wo rohe Kräfte sinnlos walten, / Da kann sich kein Gebild gestalten [SchillerGlocke]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

roh · Roheit · Rohling · verrohen · Rohstoff
roh Adj. ‘nicht zubereitet, ungekocht, unbehauen, ungeschliffen, ungebildet, gewalttätig’, ahd. (h)rō, Genitiv (h)rōwes (9. Jh.), mhd. rou, , , rōch, rouch, asächs. hrāo, mnd. , mnl. raeu, rau, nl. rauw, aengl. hrēaw, engl. raw, anord. hrār, schwed. (germ. *hrawa-) und außergerm. aind. krūráḥ ‘wund, roh, blutig, grausam, hart’, air. crūaid ‘hart, fest’, lat. crūdus ‘ungekocht, blutend, unreif, unverdaut, rauh, unbearbeitet, gefühllos’ sowie aind. kravíḥ ‘rohes Fleisch’, mir. crū ‘Blut’, kymr. crau ‘Blut’, griech. kréas (κρέας) ‘Fleisch, Fleischstück’, lat. cruor ‘rohes, dickes Blut außerhalb des Körpers’, lit. kraũjas ‘Blut’, apoln. kry, poln. krew, aslaw. krъvь, russ. krov’ (кровь) ‘Blut’ führen auf eine Wurzel ie. *kreu(ə)-, *krū- ‘dickes, stockendes Blut, blutiges, rohes Fleisch’. Roheit f. ‘roher Zustand, rohe Gesinnung, rohes Benehmen, Grausamkeit’ (15. Jh.). Rohling m. ‘grausamer, niederträchtiger Mensch’ (15. Jh.), dann auch Bezeichnung für bestimmte noch zu bearbeitende Werkstücke. verrohen Vb. ‘gefühllos, grausam werden’ (Ende 19. Jh.). Rohstoff m. ‘Naturprodukt vor der Bearbeitung’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
im Rohzustand · ↗krud · ↗krude · roh · ↗unbearbeitet · ↗unbehandelt · ↗unverarbeitet
Assoziationen
Synonymgruppe
grausam · ↗hart · roh · ↗wild
Synonymgruppe
nicht gar · roh · ungekocht
Synonymgruppe
brachial · ↗gewalttätig · ↗grob · ↗grobschlächtig · ↗handgreiflich · ↗rabiat · roh · ↗ruppig
Assoziationen
Synonymgruppe
banausisch · ↗grobschlächtig · ↗kulturlos · ↗primitiv · roh  ●  ↗prollig  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Beton Betonwand Brett Ei Fisch Fleisch Gemüse Gewalt Gurke Holztisch Karotte Kartoffel Kartoffelscheibe Mauerwerk Möhre Sauerkraut Schinken Sprosse Thunfisch Tomate Ziegelwand Zwiebel behauen belassen gekocht gezimmert unbehauen ungebildet ungeschlacht zusammengezimmert

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›roh‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So roh spricht er, so pur lacht er, so desillusioniert gibt er sich.
Die Zeit, 04.05.2007, Nr. 18
Vor zehn Jahren schien sie noch voller roher Energie zu sein.
Der Tagesspiegel, 19.01.2003
Aus dem roh gemauerten Eingang des Hauses trat ein alter Mann.
Moers, Walter: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Frankfurt a. M.: Eichborn 1999, S. 337
Gewiß wäre es zu einfach, sie als roh, rücksichtslos, einfach als unerzogen zu bezeichnen.
Ichenhäuser, Ernst Z.: Erziehung zum guten Benehmen, Berlin: Volk u. Wissen 1983, S. 381
Sie konnten es dadurch sogar roh essen, so zart war es.
Braun, Anne u. Nell, Edith: Man muß sich nur zu helfen wissen, Leipzig: Verl. für die Frau 1971, S. 193
Zitationshilfe
„roh“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/roh>, abgerufen am 19.10.2019.

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