romanisch

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungro-ma-nisch (computergeneriert)
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›romanisch‹ als Erstglied: ↗Romanik · ↗romanisieren  ·  mit ›romanisch‹ als Letztglied: ↗galloromanisch · ↗hochromanisch · ↗ostromanisch · ↗rätoromanisch · ↗spätromanisch · ↗südromanisch · ↗westromanisch
eWDG, 1974

Bedeutungen

I.
die Romanik betreffend, im Kunststil der Romanik
Beispiele:
der romanische Stil
eine romanische Kirche
eine Stadt mit romanischen, gotischen und barocken Bauwerken
das typische Element der romanischen Kunst ist der Rundbogen
II.
zu den Romanen gehörend, von den Romanen herrührend, für die Romanen typisch
Beispiele:
Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch und Rumänisch sind die bekanntesten romanischen Sprachen
romanische Länder
Mit Subtilität Revanche nehmen, – das ist, Sie werden mich pardonieren, von romanischer Größe [FürnbergMozart-Novelle61]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

romanisch · Romanik · Romanist · Romanistik · romanistisch
romanisch Adj. ‘dem europäischen Kunststil der hochfeudalen Epoche (etwa 1000 bis 1250) zugehörig, zur Familie der aus dem Lateinischen hervorgegangenen Sprachen gehörend oder für deren Sprecher charakteristisch’. Das nach lat. Rōmānus ‘römisch’ (vom Stadtnamen lat. Rōma) gebildete Adjektiv ist, zunächst in demselben Sinne, seit dem 16. Jh. gebräuchlich. Im 18./19. Jh. kommt es vereinzelt auch (als Ableitung von ↗Roman, s. d.) in der Bedeutung ‘romanhaft’ vor. Der im ausgehenden 18. Jh. einsetzenden terminologischen Verwendung in der Sprachwissenschaft folgt Anfang des 19. Jhs. der kunstgeschichtliche Terminus, der sich auf die Feststellung gründet, daß im Baustil des Hochmittelalters Elemente der antiken römischen Baukunst fortleben; hierzu Romanik f. (Anfang 20. Jh.). Romanist m. ‘Lehrer, Forscher auf dem Gebiet der Romanistik’. Aus lat. Rōmānus ‘römisch’ und der (im Frühnhd. häufig negative Wertung ausdrückenden) Ableitungssilbe -ist, die auf lat. -ista, griech. -istēs (-ιστης) zurückgeht, wird im 16. Jh. Romanist ‘Anhänger des Papsttums’ geschaffen. Das Substantiv ist in diesem Sinne noch im 17. Jh. üblich, steht im 18. Jh. gelegentlich für ‘Romanschreiber’ (unter Einfluß von gleichbed. frz. romaniste), bezeichnet um die Mitte des 19. Jhs. (wie engl. romanist bereits vom 17. Jh. an) in der Rechtswissenschaft den Vertreter des römischen Rechts (im Unterschied zu ↗Germanist, s. d.) und findet sich schließlich seit der 2. Hälfte des 19. Jhs. in der oben angegebenen modernen Bedeutung. Nach dem Modell von Romanist entstehen in der Wissenschaftssprache des 19. Jhs. zunächst ↗Germanist und ↗Slawist (s. d.); der Bildungstyp wird dann für die den verschiedenen Zweigen der Philologie entsprechenden Personenbezeichnungen geläufig, s. ↗Anglist, vgl. Nordist, Bohemist, Keltist, Orientalist. Romanistik f. Wissenschaft von den romanischen Sprachen und Literaturen (20. Jh.); romanistisch Adj. ‘in das Gebiet der Romanistik gehörend’ (2. Hälfte 19. Jh.), auch ‘das römische Recht vertretend’ (Mitte 19. Jh.), vorher schon ‘zur römischen Kirche, zum Papsttum gehörig’ (16. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Basilika Baukunst Baustil Buchhandlung Cafe Café Dom Dorfkirche Fresko Kapelle Kapitell Kathedrale Kirchenbau Kirchenruine Kirchlein Klosterkirche Kreuzgang Krypta Liebfrauenkirche Philologie Rundbogen Sprachraum Sprachwissenschaft Stiftskirche Wandmalerei angelsächsisch byzantinisch germanisch gotisch slawisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›romanisch‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Früher war das - in den romanischen Ländern zumal - üblicher als heute.
Die Welt, 20.04.2000
Der ursprünglich romanische Dom hingegen erhielt im letzten Jahrhundert ein klassizistisches Aussehen.
Süddeutsche Zeitung, 18.11.1997
Auch hier kennt der romanische Stil kein allgemein befolgtes Gesetz.
Gudenrath, Eduard: Geist und Gestalt in der Baukunst, Berlin: Oestergaard 1929, S. 50
Beides mag gleichzeitig der Fall sein, aber vielleicht ist doch wohl das romanische Element in mir stärker dosiert.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1924. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1924], S. 92
In den romanischen Gebieten verteilt man sich zwischen die Romanen.
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Zweiter Teil: Die Germanen, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1921], S. 22184
Zitationshilfe
„romanisch“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/romanisch>, abgerufen am 16.11.2018.

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