rubrizieren

GrammatikVerb · rubrizierte, hat rubriziert
Aussprache
Worttrennungru-bri-zie-ren · rub-ri-zie-ren
WortzerlegungRubrik-ieren
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
a)
in eine Rubrik, in Rubriken einordnen
Beispiele:
Umgeben mit Champignons und Bratkartoffeln und garniert mit größeren Stücken Geflügelleber ruft das Gericht ein gewisses Völlegefühl hervor. Unter »Unsere Sattmacher« ist es zu Recht auf der Speisekarte rubriziert. [Berliner Zeitung, 02.09.2000]
Jürgen Wertheimer und Peter Zima[…] beklagen angesichts der »Infantilisierung in der Fun-Gesellschaft« die Erosion von »kritischen Haltungen« und dem »Sinn für Nuancen«. Freilich ist es bei den genannten Autoren mit der Nuancierung auch nicht weit her. Hier wird unterschiedslos alles unter Pop oder Fun-Gesellschaft rubriziert, was man nicht so richtig kennt und irgendwie als falsch empfindet. [Der Tagesspiegel, 22.06.2001]
Umfangreicher ist bei Picasso dann aber das, was hier unter Sehnsucht rubriziert ist. [Süddeutsche Zeitung, 04.10.2000]
Es mag überraschen, von Isaiah Berlin, dem vor zwei Jahren verstorbenen Philosophen, an dieser Stelle zu hören. Er wird üblicherweise unter den Stichworten Moralphilosophie, politische Theorie oder Liberalismus rubriziert. [Die Zeit, 25.11.1999, Nr. 48]
b)
kategorisieren, klassifizieren
Beispiele:
Verloren geht […] die einfache Wahrheit, daß sich freiheitliches Denken schwerlich rubrizieren läßt und daß letztlich alle Präfixe von neo-, ordo- bis paläoliberal bloß Interpretations- und Geschmackssache am Rande sind. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.10.2004]
Von 50 Millionen Menschen, die jährlich sterben, kommen 80000 durch Katastrophen um. Mit seinem Werk »Im Schattenreich der Gefahren« bringt Pointner sozusagen System in die Katastrophe. In Diagrammen und Tabellen wird der Schrecken kategorisiert, rubriziert, aufgelistet. [Die Zeit, 02.02.1996, Nr. 6]
In Deutschland lassen sich die Skandale und Skandälchen ordentlich rubrizieren, wie es sich für ein Land der Sekundärtugenden geziemt: Späths Traumschiff-Affäre, Stolpes IM-Sekretär-Affäre, Lafontaines Rotlicht-Affäre, Streibls Amigo-Affäre, Krauses Putzfrauen- und Umzugs-Affäre, Engholms Schubladen-Affäre. [Berliner Zeitung, 08.05.1993]
An Erhebungen, Befragungen, Vermessungen fehlt es hierzulande nicht, und was noch nicht erfaßt ist, wird es demnächst, wovon das Statistische Jahrbuch […] beredt Zeugnis ablegt, indem es gnadenlos subsumiert und rubriziert, was sich zwischen Bierausschank und Jagdunfall in dieser Republik ereignet. [konkret, 2000. Zitiert nach: konkret, 1986.]
Sind die Wirtschaftsfunktionäre, die solche Schreiben verfassen und solche Formblätter ausfüllen, so weit vom Leben entfernt, daß ihnen die lebendige, demokratische, schöpferische Mitarbeit der Menschen unserer Republik nicht anders denkbar ist als verbürokratisiert, rubriziert und eingeordnet in tausend technische Termini? [Neues Deutschland, 07.02.1965]
2.
Buchwesen, früher mit einer roten Überschrift, mit roten Initialen versehen
Beispiele:
Von diesem Prachtexemplar der Satz-, Kalligrafie-, Druck- und Buchkunst sind 49 Exemplare erhalten; jedes ein Unikat, individuell illuminiert und rubriziert, jedes für einen bestimmten Käufer angefertigt, der sich sein Exemplar persönlich widmen lassen konnte mit einer Verzierung über einem Initial, die der Rubrikator speziell nach Auftrag anfertigte. [Süddeutsche Zeitung, 03.05.2000]
»Biblia pulchra« – die schöne Bibel – nannte Peter Schöffer noch um 1470 stolz seine achtundvierzigzeilige Bibel, die er am 14. August 1462 zusammen mit Johann Fust vollendet hatte. Fust und Schöffer verkauften die Bibel in ganz Europa. Dabei wurde ein Teil der Auflage im Auftrag Fusts illuminiert, während andere Exemplare Mainz ohne jegliche Dekoration verließen. Tenschert, Rotthalmünster und Ramsen, bietet nun eine Bibel, die der sogenannte "Fust-Meister" kalligraphierte und illuminierte – für 4,8 Millionen Franken – und ein weiteres Exemplar, das in Oberitalien rubriziert und mit Initialen ausgestattet wurde - für drei Millionen Franken. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.07.2006]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Rubrik · rubrizieren
Rubrik f. ‘Spalte, in die (unter einer Überschrift) bestimmte Sachgruppen eingeordnet werden, Abschnitt’, entlehnt (15. Jh.) aus lat. rubrīca ‘rote Farbe’, spätlat. ‘(mit roter Farbe geschriebener) Titel eines Gesetzes’, dann das ‘Gesetz’ selbst; eigentlich ‘rote Erde, Rötelstein’, substantiviert aus der Fügung rubrīca terra; zu lat. ruber (s. ↗rot, ↗Rubin). Im Dt. folgt das Substantiv zunächst lat. Verwendung ‘(zum Schreiben dienende) rote Farbe, Tinte, Rötelstift’, auch ‘rote Schrift’, bezeichnet dann (seit Anfang 16. Jh.) die in mittelalterlichen Handschriften und frühen Drucken auftretende ‘(durch rote Schrift hervorgehobene) Überschrift’, auch ‘(in Rot gehaltenes) Initial’ (eines Buches, Kapitels, Gesetzes, Paragraphen) und entwickelt von daher die heutige Bedeutung ‘unter einer Überschrift stehender Abschnitt, Spalte, Kolumne’. Übertragener Gebrauch begegnet vereinzelt seit der 2. Hälfte des 17. Jhs., häufiger im 20. Jh. im Sinne von ‘Kategorie, in die man jmdn., etw. gedanklich einordnet, Fach, Klasse, Abteilung’. rubrizieren Vb. ‘mit Überschriften, Initialen versehen’ (17. Jh.), ‘einordnen’ (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
aufteilen · ↗einordnen · ↗einteilen · ↗kategorisieren · ↗klassifizieren · rubrizieren
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Begriff Kategorie Stichwort

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›rubrizieren‹.

Zitationshilfe
„rubrizieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/rubrizieren>, abgerufen am 22.10.2019.

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