ruhelos

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungru-he-los
WortzerlegungRuhe-los
Wortbildung mit ›ruhelos‹ als Erstglied: ↗Ruhelosigkeit
eWDG, 1974

Bedeutung

ohne Ruhe, voller Unrast
Beispiele:
ein ruheloser Mensch, ein ruheloses Leben
mit ruheloser Geschäftigkeit
ruhelos hin und her laufen, umherblicken
sein Herz ist ruhelos
warum ich denn so ruhelos in den Ländern umherschweifen muß [Hausm.Lampioon216]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ruhe · ruhen · ruhelos · Ruhestatt · Ruhestätte · Ruhestand · ruhig · beruhigen · ruhsam · geruhsam · Unruhe
Ruhe f. ‘Stille, Untätigkeit, Entspannung’, ahd. ruowa (um 800), mhd. ruo(we), mnd. rouwe, rōwe, mnl. rouwe, rowe, aengl. rōw, anord. , schwed. ro ‘Ruhe’ setzen germ. *rōwō (ie. *rōu̯ā), ablautendes ahd. rāwa (9. Jh.), mhd. mnd. rāwe, mnl. rauwe dagegen germ. *rēwō (ie. *rēu̯ā) voraus. Außergerm. vergleichen sich awest. airime Adv. ‘still, ruhig sitzend’, griech. erōḗ (ἐρωή) ‘das Aufhören, Ruhe, Rast’, erōé͞in (ἐρωεῖν) ‘ruhen, rasten, nachlassen’, kymr. araf ‘ruhig, mild, langsam’. Erschließbar ist eine Wurzel ie. *erə-, *rē- ‘ruhen’ (wozu auch ↗Rast, s. d.). ruhen Vb. ‘Entspannung finden, still liegen, rasten, auf etw. fest liegen, stehen’, ahd. ruowēn (11. Jh.), mhd. ruo(we)n, mnd. ro(u)wen, mnl. rouwen, ruwen, daneben (ablautend) ahd. rāwēn (um 1000), mhd. mnd. rāwen ‘(aus)ruhen’ sind Bildungen zu den genannten Substantiven. ruhelos Adj. ‘von innerer Unruhe erfüllt, unstet, voll Unrast’, mhd. ruowelōs. Ruhestatt, Ruhestätte f. ‘Ruheplatz, Grabstätte’, mhd. ruowestat. Ruhestand m. ‘Zeit der Ruhe und des Friedens, Waffenstillstand’ (16. Jh.), ‘inneres Gleichgewicht’ (17. Jh.), ‘Lebensabschnitt nach dem Ausscheiden aus der beruflichen Tätigkeit’ (19. Jh.). ruhig Adj. ‘bewegungslos, still, nicht aufgeregt’, mhd. ruowec, ruowic, frühnhd. rūwig (15. Jh.). beruhigen Vb. ‘ruhig machen, zufriedenstellen, besänftigen’, reflexiv ‘ruhig werden, sich zufriedengeben’ (16. Jh.). ruhsam Adj. ‘ruhig, behaglich, ohne Eile, ohne Aufregung’ (15. Jh. ruosam, md. rusam, bei Luther rugsam); vgl. mnd. rou(we)sam; heute dafür geruhsam Adj. mhd. (md.) gerūgesam. Unruhe f. ‘anhaltende innere Erregung, Besorgnis, störende geräuschvolle Bewegung’, Unruhen (Plur.) ‘Empörung, Aufruhr einer größeren Gruppe von Menschen’, ahd. unruowa (8. Jh.), mhd. unruo(we), (md.) unrū sowie ahd. unrāwa (um 1000), mhd. unrāwe; auch ‘Uhrpendel’ (16. Jh.), dann ‘Schwungrad in Uhren, Gangregler’ (Mitte 17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
anfällig · ↗instabil · ↗labil · ↗launenhaft · ↗launisch · nicht stabil · ruhelos · ↗unbeständig · unkonstant · ↗unsicher · ↗unstet · ↗wandelbar · ↗wechselhaft  ●  durch den Wind (sein)  ugs.
Assoziationen
  • Auf und Ab der Gefühle · Wechselbad der Gefühle · emotionale Achterbahn(fahrt) (journal.)  ●  Achterbahn(fahrt) der Gefühle  fig.
  • angespannt · aufgeregt · ↗nervös · überreizt
Synonymgruppe
getrieben · ↗rastlos · ruhelos · ↗unruhig · ↗zappelig  ●  (jemand) kann nicht fünf Minuten still sitzen  ugs., fig., variabel
Assoziationen
Synonymgruppe
aufgeregt · beunruhigt · erregt · ↗fieberhaft · ↗gereizt · ↗kribbelig · ↗nervös · ruhelos · ↗schreckhaft · ↗unruhig · wie ein aufgescheuchtes Huhn  ●  ↗(ganz) durcheinander  ugs. · ↗aufgedreht  ugs. · ↗aufgekratzt  ugs. · aufgewühlt  ugs. · durch den Wind  ugs., fig. · ↗fickerig  ugs., norddeutsch · ↗fickrig  ugs., norddeutsch · ↗hibbelig  ugs., regional · ↗hippelig  ugs., regional · ↗kabbelig  ugs. · ↗kirre  ugs. · ↗rappelig  ugs. · ↗rapplig  ugs. · wie angestochen  ugs. · ↗zappelig  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein) unruhiger Geist (sein) · immer in Aktion · immer in Bewegung · nicht stillsitzen können · ↗nimmermüde · ↗quirlig · ↗rastlos · ↗rege · ↗regsam · ruhelos  ●  Hummeln im Hintern haben  ugs. · Pfeffer im Hintern haben  ugs. · keine Ruhe im Hintern (haben)  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bein Dasein Dichter Existenz Flucht Geist Gewissen Nacht Rebell Reich Reisende Seele Suche Wanderer Wanderleben Wanderung durchstreifen dynamisch ehrgeizig einsam irren nachts rastlos streifen umherirren umherstreifen umherwandern umherziehen wandern wälzen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ruhelos‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Fernhin breitete Ull und ruhlos die Grenze Seines Reiches über die grünende Erde.
Blunck, Hans Friedrich: Sage vom Reich I, Hamburg: Hanseatische Verlagsanstalt 1941/42, S. 74
Er ist weniger der Mittelpunkt eines Reichs als dessen ruhloser Meldegänger.
Die Zeit, 29.09.2008, Nr. 39
Solche Sachen zu machen, braucht Ruhe und Zeit, beides gut für ruhlose Rentner.
Der Tagesspiegel, 15.08.2003
Holt lief aus dem Haus, durch die Villenstraßen der Südvorstadt, ruhlos, aufgewühlt.
Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1963], S. 367
Aus echtem Fernweh wurde das ruhlose Unterwegsseinmüssen, das Getriebensein der Weltflüchtigen.
Die Zeit, 13.05.1960, Nr. 20
Zitationshilfe
„ruhelos“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ruhelos>, abgerufen am 10.12.2019.

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