Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

ruhelos

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung ru-he-los
Wortzerlegung Ruhe -los
Wortbildung  mit ›ruhelos‹ als Erstglied: Ruhelosigkeit
eWDG

Bedeutung

ohne Ruhe, voller Unrast
Beispiele:
ein ruheloser Mensch, ein ruheloses Leben
mit ruheloser Geschäftigkeit
ruhelos hin und her laufen, umherblicken
sein Herz ist ruhelos
warum ich denn so ruhelos in den Ländern umherschweifen muß [ Hausm.Lampioon216]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ruhe · ruhen · ruhelos · Ruhestatt · Ruhestätte · Ruhestand · ruhig · beruhigen · ruhsam · geruhsam · Unruhe
Ruhe f. ‘Stille, Untätigkeit, Entspannung’, ahd. ruowa (um 800), mhd. ruo(we), mnd. rouwe, rōwe, mnl. rouwe, rowe, aengl. rōw, anord. , schwed. ro ‘Ruhe’ setzen germ. *rōwō (ie. *rōu̯ā), ablautendes ahd. rāwa (9. Jh.), mhd. mnd. rāwe, mnl. rauwe dagegen germ. *rēwō (ie. *rēu̯ā) voraus. Außergerm. vergleichen sich awest. airime Adv. ‘still, ruhig sitzend’, griech. erōḗ (ἐρωή) ‘das Aufhören, Ruhe, Rast’, erōé͞in (ἐρωεῖν) ‘ruhen, rasten, nachlassen’, kymr. araf ‘ruhig, mild, langsam’. Erschließbar ist eine Wurzel ie. *erə-, *rē- ‘ruhen’ (wozu auch Rast, s. d.). ruhen Vb. ‘Entspannung finden, still liegen, rasten, auf etw. fest liegen, stehen’, ahd. ruowēn (11. Jh.), mhd. ruo(we)n, mnd. ro(u)wen, mnl. rouwen, ruwen, daneben (ablautend) ahd. rāwēn (um 1000), mhd. mnd. rāwen ‘(aus)ruhen’ sind Bildungen zu den genannten Substantiven. ruhelos Adj. ‘von innerer Unruhe erfüllt, unstet, voll Unrast’, mhd. ruowelōs. Ruhestatt, Ruhestätte f. ‘Ruheplatz, Grabstätte’, mhd. ruowestat. Ruhestand m. ‘Zeit der Ruhe und des Friedens, Waffenstillstand’ (16. Jh.), ‘inneres Gleichgewicht’ (17. Jh.), ‘Lebensabschnitt nach dem Ausscheiden aus der beruflichen Tätigkeit’ (19. Jh.). ruhig Adj. ‘bewegungslos, still, nicht aufgeregt’, mhd. ruowec, ruowic, frühnhd. rūwig (15. Jh.). beruhigen Vb. ‘ruhig machen, zufriedenstellen, besänftigen’, reflexiv ‘ruhig werden, sich zufriedengeben’ (16. Jh.). ruhsam Adj. ‘ruhig, behaglich, ohne Eile, ohne Aufregung’ (15. Jh. ruosam, md. rusam, bei Luther rugsam); vgl. mnd. rou(we)sam; heute dafür geruhsam Adj. mhd. (md.) gerūgesam. Unruhe f. ‘anhaltende innere Erregung, Besorgnis, störende geräuschvolle Bewegung’, Unruhen (Plur.) ‘Empörung, Aufruhr einer größeren Gruppe von Menschen’, ahd. unruowa (8. Jh.), mhd. unruo(we), (md.) unrū sowie ahd. unrāwa (um 1000), mhd. unrāwe; auch ‘Uhrpendel’ (16. Jh.), dann ‘Schwungrad in Uhren, Gangregler’ (Mitte 17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
getrieben · rastlos · ruhelos · unruhig · zappelig  ●  (jemand) kann nicht fünf Minuten still sitzen  ugs., fig., variabel
Synonymgruppe
aufgeregt · beunruhigt · erregt · fieberhaft · gereizt · kribbelig · nervös · ruhelos · schreckhaft · unruhig · wie ein aufgescheuchtes Huhn  ●  (ganz) durcheinander  ugs. · aufgedreht  ugs. · aufgekratzt  ugs. · aufgewühlt  ugs. · durch den Wind  ugs., fig. · fickerig  ugs., norddeutsch · fickrig  ugs., norddeutsch · hibbelig  ugs., regional · hippelig  ugs., regional · kabbelig  ugs. · kirre  ugs. · rappelig  ugs. · rapplig  ugs. · wie angestochen  ugs. · zappelig  ugs.
Synonymgruppe
(ein) unruhiger Geist (sein) · immer in Aktion · immer in Bewegung · nicht stillsitzen können · nimmermüde · quirlig · rastlos · rege · regsam · ruhelos  ●  Hummeln im Hintern haben  ugs. · Pfeffer im Hintern haben  ugs. · keine Ruhe im Hintern (haben)  ugs.
Assoziationen
  • aufgedreht · aufgeputscht · aufgeregt · überdreht  ●  aufgekratzt  ugs. · aus dem Häuschen  ugs. · unter Strom  ugs., fig.
  • getrieben · rastlos · ruhelos · unruhig · zappelig  ●  (jemand) kann nicht fünf Minuten still sitzen  ugs., fig., variabel

Typische Verbindungen zu ›ruhelos‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ruhelos‹.

Verwendungsbeispiele für ›ruhelos‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nun begann sie seine Hände zu drücken und ihn dabei verlangend anzusehen; sie wurde immer ruheloser. [Huch, Friedrich: Pitt und Fox, München: Langewiesche-Brandt 1910 [1909], S. 115]
Beiden blieb dadurch das ruhelose Schicksal erspart, Hammer zu sein am langen Arm der Arbeit. [Die Zeit, 01.05.2013, Nr. 18]
Er ist nicht der ruhelose Motor einer großen Gemeinschaft, obwohl seine Ruhe knapp bemessen sein dürfte. [Die Zeit, 05.07.1956, Nr. 27]
Die Szenen spielen sich in extrem langen Einstellungen ab, gefilmt von einer ruhelosen Kamera. [Süddeutsche Zeitung, 11.09.2003]
Wenn sie mehr essen, als sie benötigen, werden sie ruhelos. [Süddeutsche Zeitung, 12.01.1999]
Zitationshilfe
„ruhelos“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ruhelos>.

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