ruhen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungru-hen
Wortbildung mit ›ruhen‹ als Erstglied: ↗ruhenlassen  ·  mit ›ruhen‹ als Letztglied: ↗aufruhen · ↗ausruhen  ·  mit ›ruhen‹ als Grundform: ↗beruhen · ↗geruhen
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
gehoben jmd. ruhtjmd. findet Entspannung
a)
jmd. ruht sich aus, erholt sich
Beispiele:
auf einer Bank, im Lehnstuhl ruhen
im Schatten eines Baumes ruhen
das Kind ruht an der Brust der Mutter
die müden Glieder ruhen lassen
lass uns unter dieser Eiche ein wenig ruhen!
der ruhende Wanderer
sprichwörtlich nach getaner Arbeit ist gut ruhen
sprichwörtlich nach dem Essen soll man ruhen oder tausend Schritte tun
bildlich
Beispiele:
der Wald, See ruht still (= liegt ruhig da)
ihre fleißigen Hände ruhten nie (= sie arbeitete immer)
den Geist ruhen lassen (= sich geistig nicht anstrengen)
mit Verneinung
übertragen
Beispiele:
die Angelegenheit lässt mich nicht ruhen (= beschäftigt mich dauernd)
er will nicht ruhen (= er will in seinen Anstrengungen nicht nachlassen), bis alles geregelt ist
ich will nicht ruhen und rasten (= ich will unermüdlich tätig sein)
nicht (eher) ruhen, bis ... (= nicht aufhören, bis ...)
b)
jmd. schläft
Beispiele:
gut, lange, bis zum Morgen ruhen
ich wünsche wohl zu ruhen! (= Wunsch beim Schlafengehen)
wie haben Sie geruht?
gehoben, verhüllend, bildlich jmd. ist, liegt begraben
Beispiele:
auf dem Friedhof, im Grabe ruhen
ruhe sanft!, ruhe in Frieden!, hier ruht (in Gott) ... (= Grabinschrift)
lass die Toten ruhen! (= sprich nichts Nachteiliges über die Toten!)
2.
etw. ruhtetw. geht nicht weiter
a)
etw. ist zum Stillstand gekommen
Beispiele:
die Maschine, Arbeit, der Betrieb, das Geschäft, die Produktion ruht
während der Demonstration ruhte der Verkehr
im Winter ruht die Binnenschifffahrt
bildlich
Beispiele:
der Acker, Boden ruht (= liegt brach)
jmd. ist der ruhende Pol (= feste, Ruhe ausstrahlende Punkt)
Wir dürfen glücklich sein, daß die Waffen ruhn (= dass der Krieg zu Ende ist)! [BredelSöhne250]
b)
etw. ist vorübergehend nicht wirksam
Beispiele:
eine Mitgliedschaft, ein Vertrag, Arbeitsverhältnis ruht
Jura ein Prozess, Verfahren ruht
Jura eine ruhende Klage
c)
Verkehrswesen
Beispiel:
der ruhende Verkehr (= auf öffentlichen Straßen und Plätzen abgestellte Fahrzeuge)
3.
etw. ruht auf, in etw., jmdm.etw. liegt auf, in etw., jmdm.
a)
gehoben etw. befindet sich auf, in einer bestimmten Stelle
Beispiel:
seine Hand ruht auf ihrem Arm
bildlich
Beispiele:
ihr Auge ruht (= verweilt) auf seinem Antlitz
sein Schicksal ruht in ihren Händen (= ist in ihre Hände gegeben)
Sein Blick ruhte ... in Ulrikes Augen [AndresLiebesschaukel118]
b)
etw. findet seine Stütze auf, in etw.
Beispiele:
die Brücke ruht auf vier Pfeilern
der Balken ruht in zwei Haken
bildlich etw. lastet auf jmdm., etw.
Beispiele:
diese Aufgabe, Verantwortung ruht auf ihm
alles ruht auf seinen Schultern
ein schwerer Verdacht ruhte auf ihnen
eine Schuld, Hypothek ruht auf dem Grundstück
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ruhe · ruhen · ruhelos · Ruhestatt · Ruhestätte · Ruhestand · ruhig · beruhigen · ruhsam · geruhsam · Unruhe
Ruhe f. ‘Stille, Untätigkeit, Entspannung’, ahd. ruowa (um 800), mhd. ruo(we), mnd. rouwe, rōwe, mnl. rouwe, rowe, aengl. rōw, anord. , schwed. ro ‘Ruhe’ setzen germ. *rōwō (ie. *rōu̯ā), ablautendes ahd. rāwa (9. Jh.), mhd. mnd. rāwe, mnl. rauwe dagegen germ. *rēwō (ie. *rēu̯ā) voraus. Außergerm. vergleichen sich awest. airime Adv. ‘still, ruhig sitzend’, griech. erōḗ (ἐρωή) ‘das Aufhören, Ruhe, Rast’, erōé͞in (ἐρωεῖν) ‘ruhen, rasten, nachlassen’, kymr. araf ‘ruhig, mild, langsam’. Erschließbar ist eine Wurzel ie. *erə-, *rē- ‘ruhen’ (wozu auch ↗Rast, s. d.). ruhen Vb. ‘Entspannung finden, still liegen, rasten, auf etw. fest liegen, stehen’, ahd. ruowēn (11. Jh.), mhd. ruo(we)n, mnd. ro(u)wen, mnl. rouwen, ruwen, daneben (ablautend) ahd. rāwēn (um 1000), mhd. mnd. rāwen ‘(aus)ruhen’ sind Bildungen zu den genannten Substantiven. ruhelos Adj. ‘von innerer Unruhe erfüllt, unstet, voll Unrast’, mhd. ruowelōs. Ruhestatt, Ruhestätte f. ‘Ruheplatz, Grabstätte’, mhd. ruowestat. Ruhestand m. ‘Zeit der Ruhe und des Friedens, Waffenstillstand’ (16. Jh.), ‘inneres Gleichgewicht’ (17. Jh.), ‘Lebensabschnitt nach dem Ausscheiden aus der beruflichen Tätigkeit’ (19. Jh.). ruhig Adj. ‘bewegungslos, still, nicht aufgeregt’, mhd. ruowec, ruowic, frühnhd. rūwig (15. Jh.). beruhigen Vb. ‘ruhig machen, zufriedenstellen, besänftigen’, reflexiv ‘ruhig werden, sich zufriedengeben’ (16. Jh.). ruhsam Adj. ‘ruhig, behaglich, ohne Eile, ohne Aufregung’ (15. Jh. ruosam, md. rusam, bei Luther rugsam); vgl. mnd. rou(we)sam; heute dafür geruhsam Adj. mhd. (md.) gerūgesam. Unruhe f. ‘anhaltende innere Erregung, Besorgnis, störende geräuschvolle Bewegung’, Unruhen (Plur.) ‘Empörung, Aufruhr einer größeren Gruppe von Menschen’, ahd. unruowa (8. Jh.), mhd. unruo(we), (md.) unrū sowie ahd. unrāwa (um 1000), mhd. unrāwe; auch ‘Uhrpendel’ (16. Jh.), dann ‘Schwungrad in Uhren, Gangregler’ (Mitte 17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
ruhen · ↗schlummern  ●  ↗schlafen  Hauptform · (sich) in Morpheus' Armen wiegen  geh. · Bubu machen  ugs., Kindersprache · an der Matratze horchen  ugs. · ↗dösen  ugs. · in Morpheus' Armen liegen  geh. · in Morpheus' Armen ruhen  geh. · ↗knacken  ugs. · ↗koksen  ugs. · ↗pennen  ugs., salopp · ↗pofen  ugs., salopp · ↗ratzen  ugs. · ↗schnarchen  ugs.
Unterbegriffe
  • durchschlafen · gut schlafen
  • (den) Schlaf des Gerechten schlafen · (tief und) fest schlafen · schlafen in himmlischer Ruh · schlafen wie ein Baby · schlafen wie ein Bär · schlafen wie ein Murmeltier · schlafen wie ein Stein · schlafen wie ein Toter · tief schlafen
Assoziationen
Synonymgruppe
ausruhen · ↗bleiben · ruhen
Synonymgruppe
erlahmen · ↗festfahren · ↗gleichbleiben · ins Stocken geraten · ins Stocken kommen · lahm liegen · ruhen · ↗stagnieren · ↗stehen bleiben · ↗stillstehen · ↗stocken  ●  ↗einfrieren  fig. · auf Eis liegen  ugs., fig. · nicht weiterkommen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Frist (bis zu ...) verlängern · ↗aussetzen · ruhen (lassen) · ↗unterbrechen · ↗vertagen · ↗zurückstellen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arbeit Arbeitsverhältnis Auge Bauarbeit Baustelle Friede Friedhof Fundament Gebein Grab Hoffnung Kissen Mitgliedschaft Pfeiler Schoß Schublade Schulter See Segen Sockel Säule aufruhen ausruhen hier rasten sanft still vorerst wohlgefällig Überrest

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ruhen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Theoretisch könnten die Investoren das Verfahren in den nächsten drei Jahren ruhen lassen.
Der Tagesspiegel, 15.11.2001
Man ruht sich also aus auf der einmal eroberten Position.
Süddeutsche Zeitung, 28.09.2001
Dann geht man im All auf und ruht darin aus.
Alt, Franz: Liebe ist möglich, München: Piper 1985, S. 21
Ich soll doch den Fall mal ruhen lassen, meinst Du.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 15.02.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Aber wenn die ganze Welt etwas sieht, so ruht sie um die Handlung selbst.
Rubiner, Ludwig: Die Änderung der Welt. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1916], S. 16814
Zitationshilfe
„ruhen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ruhen>, abgerufen am 24.05.2019.

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