ruhen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung ru-hen
Wortbildung  mit ›ruhen‹ als Erstglied: Ruheenergie · Ruhenergie · Ruhestätte · ruhen lassen · ruhenlassen
 ·  mit ›ruhen‹ als Letztglied: aufruhen · ausruhen  ·  mit ›ruhen‹ als Grundform: beruhen · geruhen
Mehrwortausdrücke  ruhender Pol
eWDG

Bedeutungen

1.
gehoben jmd. ruhtjmd. findet Entspannung
a)
jmd. ruht sich aus, erholt sich
Beispiele:
auf einer Bank, im Lehnstuhl ruhen
im Schatten eines Baumes ruhen
das Kind ruht an der Brust der Mutter
die müden Glieder ruhen lassen
lass uns unter dieser Eiche ein wenig ruhen!
der ruhende Wanderer
sprichwörtlichnach getaner Arbeit ist gut ruhen
sprichwörtlichnach dem Essen soll man ruhen oder tausend Schritte tun
bildlich
Beispiele:
der Wald, See ruht still (= liegt ruhig da)
ihre fleißigen Hände ruhten nie (= sie arbeitete immer)
den Geist ruhen lassen (= sich geistig nicht anstrengen)
übertragen
Grammatik: mit Verneinung
Beispiele:
die Angelegenheit lässt mich nicht ruhen (= beschäftigt mich dauernd)
er will nicht ruhen (= er will in seinen Anstrengungen nicht nachlassen), bis alles geregelt ist
ich will nicht ruhen und rasten (= ich will unermüdlich tätig sein)
nicht (eher) ruhen, bis … (= nicht aufhören, bis …)
b)
jmd. schläft
Beispiele:
gut, lange, bis zum Morgen ruhen
ich wünsche wohl zu ruhen! (= Wunsch beim Schlafengehen)
wie haben Sie geruht?
gehoben, verhüllend, bildlich jmd. ist, liegt begraben
Beispiele:
auf dem Friedhof, im Grabe ruhen
ruhe sanft!, ruhe in Frieden!, hier ruht (in Gott) … (= Grabinschrift)
lass die Toten ruhen! (= sprich nichts Nachteiliges über die Toten!)
2.
etw. ruhtetw. geht nicht weiter
a)
etw. ist zum Stillstand gekommen
Beispiele:
die Maschine, Arbeit, der Betrieb, das Geschäft, die Produktion ruht
während der Demonstration ruhte der Verkehr
im Winter ruht die Binnenschifffahrt
bildlich
Beispiele:
der Acker, Boden ruht (= liegt brach)
jmd. ist der ruhende Pol (= feste, Ruhe ausstrahlende Punkt)
Wir dürfen glücklich sein, daß die Waffen ruhn (= dass der Krieg zu Ende ist)! [ BredelSöhne250]
b)
etw. ist vorübergehend nicht wirksam
Beispiele:
eine Mitgliedschaft, ein Vertrag, Arbeitsverhältnis ruht
Juraein Prozess, Verfahren ruht
Juraeine ruhende Klage
c)
Verkehrswesen
Beispiel:
der ruhende Verkehr (= auf öffentlichen Straßen und Plätzen abgestellte Fahrzeuge)
3.
etw. ruht auf, in etw., jmdm.etw. liegt auf, in etw., jmdm.
a)
gehoben etw. befindet sich auf, in einer bestimmten Stelle
Beispiel:
seine Hand ruht auf ihrem Arm
bildlich
Beispiele:
ihr Auge ruht (= verweilt) auf seinem Antlitz
sein Schicksal ruht in ihren Händen (= ist in ihre Hände gegeben)
Sein Blick ruhte … in Ulrikes Augen [ AndresLiebesschaukel118]
b)
etw. findet seine Stütze auf, in etw.
Beispiele:
die Brücke ruht auf vier Pfeilern
der Balken ruht in zwei Haken
bildlich etw. lastet auf jmdm., etw.
Beispiele:
diese Aufgabe, Verantwortung ruht auf ihm
alles ruht auf seinen Schultern
ein schwerer Verdacht ruhte auf ihnen
eine Schuld, Hypothek ruht auf dem Grundstück
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ruhe · ruhen · ruhelos · Ruhestatt · Ruhestätte · Ruhestand · ruhig · beruhigen · ruhsam · geruhsam · Unruhe
Ruhe f. ‘Stille, Untätigkeit, Entspannung’, ahd. ruowa (um 800), mhd. ruo(we), mnd. rouwe, rōwe, mnl. rouwe, rowe, aengl. rōw, anord. , schwed. ro ‘Ruhe’ setzen germ. *rōwō (ie. *rōu̯ā), ablautendes ahd. rāwa (9. Jh.), mhd. mnd. rāwe, mnl. rauwe dagegen germ. *rēwō (ie. *rēu̯ā) voraus. Außergerm. vergleichen sich awest. airime Adv. ‘still, ruhig sitzend’, griech. erōḗ (ἐρωή) ‘das Aufhören, Ruhe, Rast’, erōé͞in (ἐρωεῖν) ‘ruhen, rasten, nachlassen’, kymr. araf ‘ruhig, mild, langsam’. Erschließbar ist eine Wurzel ie. *erə-, *rē- ‘ruhen’ (wozu auch Rast, s. d.). ruhen Vb. ‘Entspannung finden, still liegen, rasten, auf etw. fest liegen, stehen’, ahd. ruowēn (11. Jh.), mhd. ruo(we)n, mnd. ro(u)wen, mnl. rouwen, ruwen, daneben (ablautend) ahd. rāwēn (um 1000), mhd. mnd. rāwen ‘(aus)ruhen’ sind Bildungen zu den genannten Substantiven. ruhelos Adj. ‘von innerer Unruhe erfüllt, unstet, voll Unrast’, mhd. ruowelōs. Ruhestatt, Ruhestätte f. ‘Ruheplatz, Grabstätte’, mhd. ruowestat. Ruhestand m. ‘Zeit der Ruhe und des Friedens, Waffenstillstand’ (16. Jh.), ‘inneres Gleichgewicht’ (17. Jh.), ‘Lebensabschnitt nach dem Ausscheiden aus der beruflichen Tätigkeit’ (19. Jh.). ruhig Adj. ‘bewegungslos, still, nicht aufgeregt’, mhd. ruowec, ruowic, frühnhd. rūwig (15. Jh.). beruhigen Vb. ‘ruhig machen, zufriedenstellen, besänftigen’, reflexiv ‘ruhig werden, sich zufriedengeben’ (16. Jh.). ruhsam Adj. ‘ruhig, behaglich, ohne Eile, ohne Aufregung’ (15. Jh. ruosam, md. rusam, bei Luther rugsam); vgl. mnd. rou(we)sam; heute dafür geruhsam Adj. mhd. (md.) gerūgesam. Unruhe f. ‘anhaltende innere Erregung, Besorgnis, störende geräuschvolle Bewegung’, Unruhen (Plur.) ‘Empörung, Aufruhr einer größeren Gruppe von Menschen’, ahd. unruowa (8. Jh.), mhd. unruo(we), (md.) unrū sowie ahd. unrāwa (um 1000), mhd. unrāwe; auch ‘Uhrpendel’ (16. Jh.), dann ‘Schwungrad in Uhren, Gangregler’ (Mitte 17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
ruhen · schlummern  ●  schlafen  Hauptform · (sich) in Morpheus' Armen wiegen  geh. · Bubu machen  ugs., Babysprache · an der Matratze horchen  ugs. · dösen  ugs. · in Morpheus' Armen liegen  geh. · in Morpheus' Armen ruhen  geh. · knacken  ugs. · koksen  ugs. · pennen  ugs., salopp · pofen  ugs., salopp · ratzen  ugs. · schnarchen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
ausruhen · bleiben · ruhen
Synonymgruppe
erlahmen · festfahren · gleichbleiben · ins Stocken geraten · ins Stocken kommen · lahm liegen · ruhen · stagnieren · stehen bleiben · stillstehen · stocken  ●  einfrieren  fig. · auf Eis liegen  ugs., fig. · nicht weiterkommen  ugs.
Synonymgruppe
Frist (bis zu ...) verlängern · aussetzen · ruhen (lassen) · unterbrechen · vertagen · zurückstellen  ●  auf Eis legen  fig. · sistieren  geh., bildungssprachlich
Assoziationen
Synonymgruppe
ruhen (Arbeiten) · vorübergehend eingestellt (worden) sein
Assoziationen
  • es passiert nichts · nichts passiert  ●  (es ist) tote Hose  ugs., salopp · es ist nichts los  ugs. · es tut sich nichts  ugs.
  • (die) Arbeit(en) einstellen · aufhören zu arbeiten
  • die Arbeit niederlegen · in Streik treten · in den Ausstand treten · streiken

Typische Verbindungen zu ›ruhen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ruhen‹.

Verwendungsbeispiele für ›ruhen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dann geht man im All auf und ruht darin aus. [Alt, Franz: Liebe ist möglich, München: Piper 1985, S. 21]
Er ließ wenigstens seine Augen darauf ruhen, da er nicht fähig war, sich davon zuzuführen. [Mann, Thomas: Der Zauberberg, Gütersloh: Bertelsmann 1998 [1924], S. 81]
Auch wenn sie sich poetisch‑ironisch präsentiert, ruht sie auf einer soliden logischen Basis. [Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 1, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 325]
Der moderne kapitalistische Betrieb ruht innerlich vor allem auf der Kalkulation. [Weber, Max: Parlament und Regierung im neugeordneten Deutschland. In: Weber, Marianne (Hg.) Gesammelte Politische Schriften, München: Drei Masken Verl. 1921 [1918], S. 134]
Beim Ausatmen sinken die Arme, die Füße ruhen im ausgewogenen Stand. [Die Zeit, 06.04.2000, Nr. 15]
Zitationshilfe
„ruhen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/ruhen>.

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