Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

rutschen

Grammatik Verb · rutscht, rutschte, ist gerutscht
Aussprache 
Worttrennung rut-schen
Wortbildung  mit ›rutschen‹ als Erstglied: Rutschbahn · Rutscher · Rutschgefahr · Rutschpartie · rutschfest · rutschsicher
 ·  mit ›rutschen‹ als Letztglied: Seilrutsche · abrutschen · ausrutschen · durchrutschen · herausrutschen · herumrutschen · herunterrutschen · hinabrutschen · hinrutschen · hochrutschen · langrutschen · nachrutschen · näherrutschen · reinrutschen · runterrutschen · verrutschen · wegrutschen · zusammenrutschen
 ·  mit ›rutschen‹ als Grundform: Rutsch

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. sich gleitend auf einer Fläche fortbewegen oder abwärts gleiten
    1. [übertragen] ...
    2. [landschaftlich] schlittern
  2. 2. [salopp] ⟨irgendwohin rutschen⟩ eine kleine Reise, eine Spritztour machen
  3. 3. [umgangssprachlich, scherzhaft] ⟨das Essen rutscht nicht⟩ das Essen ist jmdm. zuwider, widersteht jmdm.
eWDG

Bedeutungen

1.
sich gleitend auf einer Fläche fortbewegen oder abwärts gleiten
Beispiele:
er rutschte auf der Bank zur Seite, hin und her
sie rutschen in den Graben
der Hut ist ihm ins Gesicht gerutscht
die Strümpfe rutschen (= sitzen nicht fest)
er ist mit dem Fuß gerutscht (= ist ausgeglitten)
übertragen
Beispiele:
umgangssprachlich, abwertendvor jmdm. auf den Knien rutschen (= sich vor jmdm. erniedrigen, sich vor jmdm. unterwürfig verhalten)
umgangssprachlich, scherzhaftihr rutscht das Geld leicht durch die Finger (= sie gibt es leicht aus)
salopp, scherzhaftihm rutschte das Herz in die Hose (= er verlor den Mut)
landschaftlich schlittern
Beispiel:
über den gefrorenen Schnee rutschen
2.
salopp irgendwohin rutscheneine kleine Reise, eine Spritztour machen
Beispiele:
wir sind zum Wochenende an die Ostsee gerutscht
es wäre unverantwortlich, wenn man bei dieser Gelegenheit nicht weiter rutschte; – hinüber bis nach San Francisco [ SchnitzlerDas weite LandI]
3.
umgangssprachlich, scherzhaft das Essen rutscht nichtdas Essen ist jmdm. zuwider, widersteht jmdm.
Beispiele:
es wollte nicht rutschen
»Trink einen, dann rutscht es [das Wellfleisch] besser« [ StrittmatterTinko202]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

rutschen · rutsch · Rutsch1 · rutschig · Rutsch2 · Rutsche · Rutschbahn
rutschen Vb. ‘sich gleitend auf einer Fläche fortbewegen, (aus)gleiten’ (16. Jh.), rütschen (15. Jh.) steht mit affektischer Lautverschärfung (-tsch- aus -tz-, s. fletschen) zu lautmalendem spätmhd. rutzen, rützen. Vielleicht (vgl. Ahd. Wb. 7, 1304) hierher ahd. rūtezzen ‘etw. überstürzt tun’ (9. Jh.). Aus dem Verb rückgebildet rutsch Interjektion Schallwort für gleitende Bewegung, kindersprachlich (mit Sekundärablaut) rirarutsch. Rutsch1 m. ‘gleitende Abwärtsbewegung’, obd. Erdrutsch ‘Bergsturz’, im 19. Jh. in die Literatursprache aufgenommen. Auch (scherzhaft) ‘kleiner, kurzer Ausflug’, im Anschluß an rutschen ‘(aus)fahren, reisen’. rutschig Adj. ‘glatt, schlüpfrig’ (19. Jh.), älter rutschicht, rütschicht (17. Jh.). Rutsch2 m. im Neujahrswunsch Guten Rutsch (ins Neue Jahr)! (um 1900). Herkunft ungewiß. Durchaus möglich ist ein Anschluß der Wendung an Rutsch im Sinne von ‘Ausflug, Fahrt, Reise’ (s. oben). Doch erwägenswert ist auch der Herleitungsversuch aus jidd. rosch ‘Kopf, Erstes, Anfang’, rosch ha schono ‘Neujahr’ (vgl. Wolf Rotw. 269); im Dt. an Rutsch1 (s. o.) angeglichen und aufgefaßt als ‘fröhliches Hinübergleiten’. Rutsche f. ‘(steiler) Bergabhang, Böschung’, mhd. rütsche, heute ‘Gleitbahn’ (für Holz-, Gerölltransport), auch (Not)rutsche in Flugzeugen (20. Jh.). Rutschbahn f. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
rutschen · verrutschen
Synonymgruppe
glitschen · rutschen · schlindern · schlittern  ●  schliddern  ugs., norddeutsch
Assoziationen
Synonymgruppe
gleiten · glitschen · rutschen  ●  flutschen  ugs.

Typische Verbindungen zu ›rutschen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›rutschen‹.

Verwendungsbeispiele für ›rutschen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber dann rutschte ihr das Buch aus den Fingern und sie schlief ein. [Funke, Cornelia: Tintenherz, Hamburg: Cecilie Dressler Verlag 2003, S. 53]
Mit jeder Bewegung, die er versucht, rutscht er ein Stück tiefer in den feuchten Brei. [Bobrowski, Johannes: Levins Mühle, Frankfurt a. M.: Fischer 1964, S. 192]
Ich kann am Ball vorbeitreten, er rutscht mir durch die Hände. [Die Zeit, 25.06.1998, Nr. 27]
Erst in diesem Jahr sind auch sie leicht ins Minus gerutscht. [Die Zeit, 28.11.1997, Nr. 49]
Sie rutschen fast immer auf den gleichen Bahnen; darauf kann man sich einrichten. [o. A. [cs]: Mure. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1991]]
Zitationshilfe
„rutschen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/rutschen>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
ruthenisch
rustikal
russophob
russlanddeutsch
russischsprachig
rutschfest
rutschig
rutschsicher
rußbraun
rußen