säuerlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungsäu-er-lich
Wortbildung mit ›säuerlich‹ als Erstglied: ↗Säuerlichkeit
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
ein wenig sauer, schwach sauer
a)
entsprechend der Bedeutung von sauer (Lesart 1 a)
Beispiele:
ein säuerlicher Wein
eine säuerliche Apfelsorte
ein säuerlich schmeckender Hagebuttentee
eine säuerliche Süßspeise aus Moosbeeren [RennKindheit58]
b)
ein wenig gegoren, leicht verdorben
Beispiele:
die Milch riecht schon säuerlich
im Treppenhaus roch es säuerlich und ungelüftet
Ein ... säuerlicher Geruch von menschlichen Ausdünstungen, von Fischen und Branntwein [BredelHeerstraßen28]
2.
leicht verdrießlich, missmutig, missvergnügt
Beispiele:
er lächelte säuerlich, machte ein säuerliches Gesicht
etw. säuerlich sagen, fragen
er sah säuerlich aus
Cicero bestätigte den Brief in einigen säuerlichen Sätzen [BrechtCaesar196]
eine säuerliche, ältliche Tochter [DurieuxTür66]
Sie lief die Treppe hinunter zu ihrer Wirtin, dem säuerlichen Fräulein Gebhardt [UhsePatrioten1,72]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sauer · säuerlich · säuern · versauern · Säure · Sauerampfer · Ampfer · Sauerstoff · sauersüß · Sauerteig · Sauertopf · Sauregurkenzeit
sauer Adj. (vom Geschmack) ‘scharf und zusammenziehend’, auch ‘säurehaltig, geronnen’ (von Milch), verschiedentlich übertragen ‘mühevoll, schwer, verärgert’, ahd. (8. Jh.), mhd. mnd. aengl. sūr, mnl. suur, nl. zuur, engl. sour, anord. sūrr, schwed. sur. Germ. *sūra- ‘sauer, salzig’, auch ‘feucht’ (vgl. ahd. sūrougi ‘triefäugig, halbblind’, 9. Jh., asächs. sūrōgi, aengl. sūrēagede, sūrīege, anord. sūreygr) läßt sich vergleichen mit lit. (älter mundartlich) sū́ras ‘gesalzen’, lett. sūrs ‘salzig, bitter’, lit. sū́ris ‘(harter und stark gesalzener) Käse’, aslaw. syrъ ‘feucht, naß’, russ. syrój (сырой) ‘roh, feucht, sauer’, aslaw. syrъ, russ. syr (сыр) ‘Käse’, (mit Ablaut) anord. saurr ‘Schmutz, feuchte Erde’, aslaw. surovъ ‘hart, grausam’, russ. suróvyj (суровый) ‘rauh, roh’ und auf ie. *suəro- ‘sauer, salzig, bitter’, eigentlich ‘saftend, käsig geronnen, schleimig naß’ zurückführen. Dies gehört zur Wurzel ie. *seu-, *seu̯ə-. *sū- ‘tropfen lassen, schlürfen, saugen’ (s. ↗saufen, ↗saugen, ↗suhlen). Vgl. die Wendungen etw. wird jmdm. sauer ‘zur Qual, schwer’, mhd. sūr werden ‘qualvoll, peinlich werden’; jmdm. das Leben sauer (‘zur Qual’) machen (15. Jh.); jmdn. sauer ankommen ‘Mühe, Qual verursachen’, mhd. sūr ankomen. säuerlich Adj. ‘leicht sauer schmeckend’ (17. Jh.), sauerlicht (16. Jh.). säuern Vb. ‘sauer machen’, ahd. sūren (9. Jh.), mhd. siuren. versauern Vb. ‘sauer werden, machen’ (15. Jh.), zu nhd. sauern ‘sauer werden, sein’, ahd. sūrēn (9. Jh.), mhd. sūren, siuren. Säure f. ‘saure Beschaffenheit, Herbheit, Schärfe, sauer schmeckende Flüssigkeit’ (Essig u. dgl.), ahd. sūrī (9. Jh.), mhd. siure, Abstraktum zu sauer (s. oben); in der Chemie ‘mit Basen Salze bildende Verbindung’ (18. Jh.). Sauerampfer m. Name einer sauer schmeckenden Wiesenpflanze, ahd. sūrampho (Hs. 12. Jh.), mhd. sūrampfe, dann sūrampfer (14. Jh.), nhd. Sauerampfer (15. Jh.). Daneben steht früher bezeugtes Ampfer m. ahd. amph(a)ra f. (10. Jh.), amph(a)ro m. (11./12. Jh.), mhd. ampfer, nd. Amper, aengl. ampre, Substantivierung eines in anord. apr (aus *ampaR) ‘hart, böse’, schwed. amper ‘scharf, herb, derb’, nl. amper (älter, doch noch mundartlich) ‘scharf, herb, sauer’ erhaltenen Adjektivs. Diesem vergleichbar sind aind. amláḥ, amblaḥ ‘sauer’ und lat. amārus ‘bitter’. Erschließen läßt sich eine Wurzel ie. *am- ‘bitter, sauer’ (da die genannten Bildungen aus semantischen Gründen besser nicht zu einer Wurzel ie. *om- ‘roh, bitter’ gerechnet werden sollten). Die Komposition ahd. sūrampho ist als eine verdeutlichende Bildung zu dem (vielleicht nicht mehr verstandenen) Grundwort anzusehen. Sauerstoff m. farb-, geruch-, geschmackloses Gas. Das Anfang der 70er Jahre des 18. Jhs. entdeckte chemische Element nannte Lavoisier (1783), der den sauren Charakter vieler Oxide feststellte und fälschlich annahm, daß alle Säuren Sauerstoff enthielten, frz. gaz oxygène ‘säurebildendes Gas’ bzw. substantiviert nlat. oxygenium, frz. oxygène; vgl. griech. oxýs (ὀξύς) ‘scharf, herb, bitter, sauer, schnell, heftig’ (s. ↗Oxid) und s. ↗-gen. Den frz. Ausdruck übersetzt Girtanner (in Analogie zu Stick- und Wasserstoff) mit Sauerstoff (1791). sauersüß Adj. ‘sauer und süß zugleich’ (17. Jh.), häufiger süßsauer (16. Jh.); vgl. mhd. sīn süeʒe sūreʒ ungemach. Sauerteig m. ‘gärender Mehlteig, der dem Brotteig als Treibmittel zugefügt wird’ (15. Jh.). Sauertopf m. ‘verdrießlicher, mürrischer Mensch’ (16. Jh.), eigentlich ‘Essigtopf’, vgl. mnd. sūr ‘Essig’. Sauregurkenzeit f. ‘ereignisarme Zeit’, eigentlich ‘Juli und August, die Zeit, in der die Gurken reifen’. Im 18. Jh. unter Berliner Kaufleuten für den ‘geruhsamen Geschäftsgang während des Sommers’ verbreitet, seit der Mitte des 19. Jhs. als Ausdruck der Tagespresse für die ‘ereignis- und stoffarme Zeit der Hundstage’, dann allgemein zur Bezeichnung einer ereignislosen Zeit.

Thesaurus

Synonymgruppe
gereizt · ↗giftig  ●  (leicht / ziemlich) angesäuert  ugs. · angefressen  ugs. · angesickt  ugs. · eingeschnappt  ugs. · ↗sauer  ugs., Hauptform · ↗stinkig  ugs. · säuerlich  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Apfel Aroma Beigeschmack Duft Dunst Frucht Geruch Geschmack Gesichtsausdruck Grinsen Kommentar Lächeln Miene Mine Moralismus Nachgeschmack Note Sauce Unterton anmerken bitter herb leicht lächeln riechen riechend schmecken schmeckend süß verziehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›säuerlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Seine Frau kam herein, ein vertrocknetes kleines Wesen von säuerlichem Aussehen.
Knittel, John: Via Mala, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1957 [1934], S. 98
Die Alternative heißt Epa und entlockt den Männern ein säuerliches Grinsen.
Die Welt, 09.01.2002
Obergärige Biere schmecken etwas säuerlich, schäumen stark und haben eine hellgelbe Farbe.
Schwarz, Peter-Paul (Hg.), Gepflegte Gastlichkeit, Wiesbaden: Falken-Verl. Sicker 1967, S. 187
Das ganze Haus roch säuerlich von der Anstrengung, arm, aber vornehm zu sein.
Wolf, Christa: Der geteilte Himmel, Halle (Saale): Mitteldeutscher Verl. 1963, S. 261
Der säuerliche Geruch der Schalottensauce lag beharrlich in der Luft.
Mann, Thomas: Buddenbrooks, Frankfurt a. M.: Fischer 1989 [1901], S. 36
Zitationshilfe
„säuerlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/säuerlich>, abgerufen am 13.12.2018.

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