säumen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungsäu-men
Wortbildung mit ›säumen‹ als Erstglied: ↗Säumling  ·  mit ›säumen‹ als Letztglied: ↗besäumen · ↗einsäumen · ↗umsäumen
 ·  formal verwandt mit: ↗handgesäumt
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
ein Kleidungsstück, Wäschestück mit einem Saum versehen
Beispiele:
ein Laken, Tischtuch, Taschentuch säumen
die Decke, das Kleid ist gesäumt
Ich sitze den halben Tag und säume Windeln [StrittmatterOchsenkutscher144]
2.
gehoben etw. begrenzen, umranden, einfassen
Beispiele:
Zehntausende Werktätige säumten die Straßen, durch die die Astronauten fuhren
viele Tausende begeisterter Menschen säumten die Strecke der Radfahrer
alte Fachwerkhäuser säumten den Marktplatz
zahlreiche Badeorte säumen die Küste
schneebedeckte Berge säumen das Tal
hohe Pappeln säumen die Allee
ein leuchtender, heller Streifen säumt den Horizont
Exotische Schilfarten, Bambus und Papyros, säumten die Ziergewässer [Th. MannKrull8,600]
oft im Part. Prät.
Beispiele:
die Radrennbahn war von Zuschauern dicht gesäumt
eine von hohen Mauern gesäumte Gasse
die Gartenwege sind von Sträuchern, Blumen gesäumt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Saum1 · Säule2 · säumen1
Saum1 m. ‘umgebogener, angenähter Stoffrand’, ahd. (um 800), mhd. soum (auch ‘Land, Grenze’), asächs. mnd. sōm, mnl. soom, nl. zoom, afries. sām, aengl. sēam, engl. seam, anord. saumr, schwed. söm (germ. *sauma-), Bildungen mit dem Suffix ie. -mo- neben aind. syū́man- ‘Band, Riemen, Gurt, Kette, Naht am Schädel’, griech. hymḗn (ὑμήν) ‘dünne Haut, Membrane, Sehne’ mit dem Suffix ie. -men-. Dazu gehören die Verben ahd. siuwen (9. Jh.), mhd. siuwen, sūwen, sūen, asächs. siuwian, mnd. sūwen, aengl. si(o)wan, engl. to sew, anord. sȳja, schwed. sy, got. siujan ‘nähen’, aind. sī́vyati ‘näht (an), bindet zusammen, fügt zusammen’, lat. suere ‘(zusammen)nähen’, lit. siū́ti, aslaw. šiti, russ. šit’ (шить) ‘nähen’ und mit Instrumentalsuffix germ. -ilō auch (md. und nordd.) Säule2 f. ‘Ahle (des Schuhmachers), Pfriem’, ahd. siuwila (10. Jh.), mhd. siuwele, siule, mnd. sǖle, sūl. Auszugehen ist von ie. *si̯ū-, *sīu̯- (und ie. *sū-?) ‘nähen’. Die Frage nach der Entstehung dieser Formen und ihrem genauen Verhältnis zueinander bleibt offen. säumen1 Vb. ‘Stoff mit einem Saum versehen’ (15. Jh.).

säumen2 · versäumen · Versäumnis · säumig · Säumnis · Saumseligkeit · saumselig
säumen2 Vb. ‘zögern, sich verweilen, trödeln’, mhd. sūmen ‘aufhalten, hinhalten, verzögern, versäumen, warten lassen, jmdn. auf-, abhalten, hindern’, reflexiv ‘sich aufhalten, verspäten’, mnd. sǖmen; der im Mhd. bezeugte transitive Gebrauch ist in neuerer Sprache unüblich. Ohne sichere Anknüpfungsmöglichkeiten; ein vermuteter Zusammenhang mit griech. eā́n (ἐᾶν) ‘(zu)lassen, gestatten, in Ruhe lassen, unterlassen’ und dessen zu erschließender Stammform *(σ)εϜα- ist ungewiß. Früher belegt als das Simplex ist die Präfixbildung versäumen Vb. ‘verpassen, nicht wahrnehmen, nicht tun’, ahd. firsūmen (9. Jh.), mhd. versūmen ‘ungetan, unbeachtet lassen, ab-, auf-, zurückhalten, irren, vernachlässigen, im Stich lassen, sich verspäten’; Versäumnis n. ‘Unterlassung, das Zuspätkommen’, mhd. versūmnisse. säumig Adj. ‘zögernd, langsam, verspätet, nachlässig’, ahd. sūmīg (um 800), mhd. sūmic. Säumnis f. n. ‘das Zögern, Verspätung’, mhd. sūmnisse f. Saumseligkeit f. ‘Neigung zum Säumen, Nachlässigkeit’ (17. Jh.), zu saumselig Adj. ‘langsam, nachlässig’, mhd. sūmeselic, abgeleitet von mhd. sūmesal, -seli, -sele, nhd. Saumsal (bis ins 18. Jh.).

Saum2 · säumen3 · Säumer · Saumsattel · Saumpferd · Saumtier · Saumpfad
Saum2 m. ‘Traglast (eines Tieres)’, ahd. (8. Jh.), mhd. soum, entlehnt (wie auch aengl. sēam) aus mlat. sauma f. n. ‘Packsattel’, dann die ‘aufgelegte Last’. Dies beruht auf spätlat. sagma f. n., das seinerseits griech. ságma (σάγμα) entspricht, einer Bildung zu griech. sáttein (σάττειν) ‘bepacken, beladen, ausrüsten’. Heute begegnet Saum nur noch in obd. Mundarten. Ebenso säumen3 Vb. ‘auf Lasttieren befördern’, mhd. soumen (nach mlat. sagmare ‘ein Lasttier beladen’). Säumer m. ‘Lasttier, Lasttierbesitzer, -treiber’, mhd. soumære. Saumsattel m. ‘(hölzerner) Lastensattel’, ahd. soumsatul, mhd. soumsatel. Saumpferd n. ‘lasttragendes Pferd’, frühnhd. soumerpfert. Saumtier n. (18. Jh.). Saumpfad m. ‘für Saumtiere begehbarer Gebirgspfad’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
absetzen · ↗besetzen · ↗einfassen · ↗einsäumen · säumen · ↗ummanteln · ↗umsäumen · ↗verbrämen · ↗verzieren  ●  ↗bordieren  fachspr. · ↗galonieren  fachspr.
Assoziationen
Synonymgruppe
grenzen (an) · säumen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Allee Auffahrt Autowrack Birke Bürgersteig Fachwerkhaus Gasse Hauptstraße Holzhaus Hunderttausend Landstraße Palme Pappel Pfad Platane Prachtstraße Promenade Sandstrand Schaulustige Strandpromenade Straße Straßenrand Tausend Ufer Weg Wegrand Weide Zehntausend Zypresse einsäumen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›säumen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Deshalb ist die Straße fast ausschließlich von öffentlichen Gebäuden gesäumt.
Süddeutsche Zeitung, 07.07.2004
In diesem Winter säumten sie noch bei minus zwanzig Grad die Straßen.
Die Zeit, 07.03.1997, Nr. 11
Er war oft farbig gesäumt, auch purpurn oder schwarz gefärbt.
o. A.: Lexikon der Kunst - K. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 19819
Und den See, der nicht zu sehen ist, säumen die vielen Friedhöfe.
Bachmann, Ingeborg: Malina, Gütersloh: Bertelsmann 1992 [1971], S. 137
Und hier war ein Platz, von drei Seiten gesäumt von altertümlichen, niedrigen Häusern.
Salomon, Ernst von: Der Fragebogen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1951], S. 474
Zitationshilfe
„säumen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/säumen#1>, abgerufen am 26.08.2019.

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säumen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungsäu-men
Wortbildung mit ›säumen‹ als Erstglied: ↗saumselig  ·  mit ›säumen‹ als Grundform: ↗Säumnis
eWDG, 1974

Bedeutung

gehoben zögern, lange verweilen, sich aufhalten
Beispiele:
er säumte nicht, ihr die Nachricht mitzuteilen
wir werden nicht säumen, können nicht länger säumen
säume nicht!
er wird keine Minute säumen
er machte sich ohne zu säumen ans Werk
Spät kommt Ihr – Doch Ihr kommt! Der weite Weg, / Graf Isolan, entschuldigt Euer Säumen [SchillerPiccolominiI 1]
wendet euch ... an alle, die noch schwanken und säumen (= sich nicht entschließen können) [BecherMacht der Poesie88]
ohne Säumensofort, schnell entschlossen
Beispiel:
sie brachen ohne Säumen auf
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Saum1 · Säule2 · säumen1
Saum1 m. ‘umgebogener, angenähter Stoffrand’, ahd. (um 800), mhd. soum (auch ‘Land, Grenze’), asächs. mnd. sōm, mnl. soom, nl. zoom, afries. sām, aengl. sēam, engl. seam, anord. saumr, schwed. söm (germ. *sauma-), Bildungen mit dem Suffix ie. -mo- neben aind. syū́man- ‘Band, Riemen, Gurt, Kette, Naht am Schädel’, griech. hymḗn (ὑμήν) ‘dünne Haut, Membrane, Sehne’ mit dem Suffix ie. -men-. Dazu gehören die Verben ahd. siuwen (9. Jh.), mhd. siuwen, sūwen, sūen, asächs. siuwian, mnd. sūwen, aengl. si(o)wan, engl. to sew, anord. sȳja, schwed. sy, got. siujan ‘nähen’, aind. sī́vyati ‘näht (an), bindet zusammen, fügt zusammen’, lat. suere ‘(zusammen)nähen’, lit. siū́ti, aslaw. šiti, russ. šit’ (шить) ‘nähen’ und mit Instrumentalsuffix germ. -ilō auch (md. und nordd.) Säule2 f. ‘Ahle (des Schuhmachers), Pfriem’, ahd. siuwila (10. Jh.), mhd. siuwele, siule, mnd. sǖle, sūl. Auszugehen ist von ie. *si̯ū-, *sīu̯- (und ie. *sū-?) ‘nähen’. Die Frage nach der Entstehung dieser Formen und ihrem genauen Verhältnis zueinander bleibt offen. säumen1 Vb. ‘Stoff mit einem Saum versehen’ (15. Jh.).

säumen2 · versäumen · Versäumnis · säumig · Säumnis · Saumseligkeit · saumselig
säumen2 Vb. ‘zögern, sich verweilen, trödeln’, mhd. sūmen ‘aufhalten, hinhalten, verzögern, versäumen, warten lassen, jmdn. auf-, abhalten, hindern’, reflexiv ‘sich aufhalten, verspäten’, mnd. sǖmen; der im Mhd. bezeugte transitive Gebrauch ist in neuerer Sprache unüblich. Ohne sichere Anknüpfungsmöglichkeiten; ein vermuteter Zusammenhang mit griech. eā́n (ἐᾶν) ‘(zu)lassen, gestatten, in Ruhe lassen, unterlassen’ und dessen zu erschließender Stammform *(σ)εϜα- ist ungewiß. Früher belegt als das Simplex ist die Präfixbildung versäumen Vb. ‘verpassen, nicht wahrnehmen, nicht tun’, ahd. firsūmen (9. Jh.), mhd. versūmen ‘ungetan, unbeachtet lassen, ab-, auf-, zurückhalten, irren, vernachlässigen, im Stich lassen, sich verspäten’; Versäumnis n. ‘Unterlassung, das Zuspätkommen’, mhd. versūmnisse. säumig Adj. ‘zögernd, langsam, verspätet, nachlässig’, ahd. sūmīg (um 800), mhd. sūmic. Säumnis f. n. ‘das Zögern, Verspätung’, mhd. sūmnisse f. Saumseligkeit f. ‘Neigung zum Säumen, Nachlässigkeit’ (17. Jh.), zu saumselig Adj. ‘langsam, nachlässig’, mhd. sūmeselic, abgeleitet von mhd. sūmesal, -seli, -sele, nhd. Saumsal (bis ins 18. Jh.).

Saum2 · säumen3 · Säumer · Saumsattel · Saumpferd · Saumtier · Saumpfad
Saum2 m. ‘Traglast (eines Tieres)’, ahd. (8. Jh.), mhd. soum, entlehnt (wie auch aengl. sēam) aus mlat. sauma f. n. ‘Packsattel’, dann die ‘aufgelegte Last’. Dies beruht auf spätlat. sagma f. n., das seinerseits griech. ságma (σάγμα) entspricht, einer Bildung zu griech. sáttein (σάττειν) ‘bepacken, beladen, ausrüsten’. Heute begegnet Saum nur noch in obd. Mundarten. Ebenso säumen3 Vb. ‘auf Lasttieren befördern’, mhd. soumen (nach mlat. sagmare ‘ein Lasttier beladen’). Säumer m. ‘Lasttier, Lasttierbesitzer, -treiber’, mhd. soumære. Saumsattel m. ‘(hölzerner) Lastensattel’, ahd. soumsatul, mhd. soumsatel. Saumpferd n. ‘lasttragendes Pferd’, frühnhd. soumerpfert. Saumtier n. (18. Jh.). Saumpfad m. ‘für Saumtiere begehbarer Gebirgspfad’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
absetzen · ↗besetzen · ↗einfassen · ↗einsäumen · säumen · ↗ummanteln · ↗umsäumen · ↗verbrämen · ↗verzieren  ●  ↗bordieren  fachspr. · ↗galonieren  fachspr.
Assoziationen
Synonymgruppe
grenzen (an) · säumen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Allee Auffahrt Autowrack Birke Bürgersteig Fachwerkhaus Gasse Hauptstraße Holzhaus Hunderttausend Landstraße Palme Pappel Pfad Platane Prachtstraße Promenade Sandstrand Schaulustige Strandpromenade Straße Straßenrand Tausend Ufer Weg Wegrand Weide Zehntausend Zypresse einsäumen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›säumen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Deshalb ist die Straße fast ausschließlich von öffentlichen Gebäuden gesäumt.
Süddeutsche Zeitung, 07.07.2004
In diesem Winter säumten sie noch bei minus zwanzig Grad die Straßen.
Die Zeit, 07.03.1997, Nr. 11
Er war oft farbig gesäumt, auch purpurn oder schwarz gefärbt.
o. A.: Lexikon der Kunst - K. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 19819
Und den See, der nicht zu sehen ist, säumen die vielen Friedhöfe.
Bachmann, Ingeborg: Malina, Gütersloh: Bertelsmann 1992 [1971], S. 137
Und hier war ein Platz, von drei Seiten gesäumt von altertümlichen, niedrigen Häusern.
Salomon, Ernst von: Der Fragebogen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1951], S. 474
Zitationshilfe
„säumen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/säumen#2>, abgerufen am 26.08.2019.

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