süß

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›süß‹ als Erstglied: ↗Süßigkeit · ↗Süßkirsche · ↗Süßkram · ↗Süßmaul · ↗Süßmost · ↗Süßreserve · ↗Süßspeise · ↗Süßstoff · ↗Süßware · ↗Süßwasser · ↗Süßwein · ↗süßsauer
 ·  mit ›süß‹ als Letztglied: ↗bittersüß · ↗herb-süß · ↗herbsüß · ↗honigsüß · ↗sauersüß · ↗zuckersüß
 ·  mit ›süß‹ als Grundform: ↗Süße
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
Geschmacksbezeichnung   wie Zucker, Honig schmeckend
Gegenwort zu sauer
Beispiele:
etw. schmeckt süß
das Kompott ist sehr, widerlich süß
süße Speisen, Kirschen, Früchte
ein süßer Wein
süße (= nicht bittere) Mandeln
er trinkt gern süßen (= gesüßten) Kaffee
scherzhaft er war voll des süßen Weines (= berauscht, betrunken)
sie isst gern Süßes, hatte Appetit auf etw. Süßes
2.
im Geruch dem Geschmack von 1 ähnlich, vergleichbar
Beispiele:
ein süßer Duft, Geruch von Blüten, Flieder
ein süßes Parfüm
Es roch warm und süß wie im Keller der Bäckerei [BöllHaus319]
3.
eine angenehme Empfindung hervorrufend
a)
gehoben lieblich und zart klingend, wohlklingend
Beispiele:
ein süßer Klang
umgangssprachlich sie hat ein süßes Stimmchen
die süßen Töne der Flötenbläser [Hesse3,287]
Sein Spiel war ... von süßem Wohllaut [Th. MannFaustus6,271]
b)
umgangssprachlich anmutig, hübsch
Beispiele:
ein süßes Kind, Geschöpf
ihr süßer, roter Mund
die Kleine hat ein süßes Gesicht
entzückend
Beispiele:
sie trug ein süßes Kleid, hatte eine süße Bluse an
die Puppe sieht süß aus
das Baby, Kätzchen ist (einfach) süß
vertraulich so ein süßer Fratz!
so etw. Süßes!
spöttisch was hast du denn, meine Süße, mein Süßer? (= zärtliche Anrede)
c)
wohltuend, erfreulich
Beispiele:
in süßen Schlaf, Schlummer sinken
einen süßen Traum haben
süß schlafen, schlummern, träumen
das süße Leben (= Nichtstun und Luxus) lieben
süßes Nichtstun (= Dolcefarniente)
umgangssprachlich, scherzhaft eine süße Last (= eine Last, die man gern trägt)
umgangssprachlich, scherzhaft Rache ist süß
das war ein süßer Trost für sie
dieser Auftritt [mag] dem armen Manne ... eine süße Genugtuung für die Nichtachtung gewesen sein [KügelgenJugenderinnerungen47]
ein Kuß des oder der heimlich Begehrten [war] der süßeste Lohn [MarchwitzaUnter uns120]
dichterisch Eine süße Traurigkeit breitete sich in seinem Herzen aus [StrittmatterWundertäter133]
dichterisch In diesem Geschreibsel war eine fast süße Schwermut [RennAdel293]
dichterisch Der süße Schauder schlug ihr die Zähne aufeinander [H. Mann9,327]
dichterisch Die Hoffnung schon erfüllt die Brust / Mit unaussprechlich süßer Lust [BeethovenFidelioI 2]
4.
abwertend übertrieben, oft heuchlerisch freundlich, liebenswürdig
Beispiele:
sie setzte ein süßes Lächeln, eine süße Miene auf
süß lächelnd dankte sie dafür
sie ließ sich von seinen süßen Reden nicht betören
salopp er versuchte es, kam auf die süße Tour
Fallen Sie diesem Verbrecher nicht auf seine süßen (= glatten) Manieren herein [RehfischHexen63]
Alles erhielt in ihrem Munde, in ihren süßen Worten einen ganz eigenen Zauberreiz [E. T. A. Hoffm.Kater Murr5,495]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

süß · Süße · süßen · versüßen · Süßigkeit · süßlich · Süßholz · Süßholzraspler · Süßstoff
süß Adj. ‘wie Zucker oder Honig schmeckend’ (von Speisen), im Geruch diesem Geschmack vergleichbar, übertragen ‘lieblich, wohlklingend, entzückend, wohltuend’, später auch abschätzig (2. Hälfte 18. Jh.) ‘geziert, weichlich, fade’, ahd. suoʒi (8. Jh.), mhd. süeʒe, suoʒe, (md.) sūʒe, sōʒe ‘süß, mild, angenehm, lieblich, freundlich’, asächs. swōti, mnd. sȫte, mnl. soete, nl. zoet, aengl. swēte, engl. sweet, anord. sœtr, schwed. söt (germ. *swōtja-, aus *swōtu-) führen mit aind. svādúḥ ‘wohlschmeckend, süß’, griech. hēdýs (ἡδύς, aus *Ϝαδύς) ‘erfreulich, süß, lieblich’, hḗdesthai (ἥδεσθαι) ‘sich freuen’, lat. suāvis ‘lieblich, angenehm, anziehend’ auf eine Wurzel ie. *su̯ād- ‘süß, an etw. Geschmack, Freude finden’. Der Anlaut germ. sw- verliert w vor dumpfen Vokal. Süße f. ‘das Süßsein, süßer Geschmack, Geruch, süße Art, (übertriebene) Freundlichkeit, Liebenswürdigkeit’, ahd. suoʒī (8. Jh.), mhd. süeʒe, suoʒe ‘Süßigkeit, Lieblichkeit, Freundlichkeit, Wohlgeruch’. süßen Vb. ‘(Speisen, Getränke) süß machen, zuckern’, ahd. suoʒen ‘süß machen’ (9. Jh.), mhd. süeʒen, suoʒen, auch ‘angenehm machen, erquicken, erfreuen’. versüßen Vb. ‘angenehm machen, erleichtern’, mhd. versüeʒen ‘ganz süß machen’. Süßigkeit f. ‘das Süßsein, Süße’, mhd. süeʒecheit, süeʒekeit, zu dem weitergebildeten Adjektiv mhd. süeʒec ‘süß, lieblich’; heute vor allem Süßigkeiten (Plur.) ‘Naschereien, Süßes in Form von Schokolade, Pralinen, Bonbons o. ä.’ (18. Jh.). süßlich Adj. ‘ein wenig süß schmeckend, riechend, freundlich, angenehm’, auch (seit 2. Hälfte 18. Jh.) abschätzig im Sinne von ‘unangenehm, geziert, fade, kitschig, weichlich’, ahd. suoʒlīh (9. Jh.; vgl. suoʒlīhho Adv., 8. Jh.), mhd. süeʒlich, (md.) sūʒlich ‘süß, milde, angenehm, lieblich, freundlich’. Süßholz n. süßschmeckende, zur Lakritzengewinnung verwendete Wurzel des Süßholzstrauches, mhd. süeʒholz, für griech.-lat. glycyrrhiza ‘Süßwurzel, -holz’ (s. ↗Lakritze); dafür auch Süßwurz(el) (16. Jh.); in übertragenem Sinne seit dem 16. Jh. verwendet; vgl. dazu Süßholz raspeln ‘einer Frau in auffallender Weise schmeicheln, ihr den Hof machen, mit ihr schöntun’, Süßholzraspler m. ‘Schmeichler, Schöntuer’ (beide Mitte 19. Jh.). Süßstoff m. synthetisch hergestellte organische Verbindung, die ohne Nährwert süßt (2. Hälfte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(ganz) reizend · ↗allerliebst · ↗herzallerliebst · ↗herzig · ↗puppig · ↗wonnig · zum Knuddeln  ●  ↗niedlich  Hauptform · süß  emotional · ↗goldig  ugs. · ↗putzig  ugs. · ↗schnatz  ugs., regional · ↗schnuckelig  ugs. · zum Abknutschen  ugs. · zum Anknabbern  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
süß · ↗süßlich · ↗zuckerig
Assoziationen
Synonymgruppe
drollig · ↗goldig · ↗knuddelig · ↗knuffig · ↗niedlich · ↗possierlich  ●  ↗putzig  ugs. · süß  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Baby Brei Duft Fratz Frucht Gebäck Geheimnis Geschmack Gift Jenseits Leckerei Lächeln Mädel Nichtstun Rache Saft Sahne Senf Speise Tee Versuchung Wein Welpe bitter ehrenvoll klebrig saftig salzig sauer schmecken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›süß‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wo ist seine getrennte Frau Dana (37), die vier süßen Kids?
Bild, 20.12.2005
Er war wundervoll, nett zu jedem, süß, mit einem großartigen Sinn für guten Geschmack.
Der Tagesspiegel, 02.03.2003
Und Du wirst Dich unterhalten mit dem süßen kleinen Ding.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 05.11.1941, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Ich habe bis jetzt noch keinen gesehen mit süßem Blut?
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 27.09.1939, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Sie haben selbst Kinder, und die sangen soeben von einer süßen Ruh!
Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 21671
Zitationshilfe
„süß“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/süß>, abgerufen am 22.05.2019.

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