Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

süß

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Wortbildung  mit ›süß‹ als Erstglied: Süßgewässer · Süßhahn · Süßholz · Süßigkeit · Süßkartoffel · Süßkirsche · Süßklee · Süßkram · Süßmaul · Süßmost · Süßreserve · Süßspeise · Süßstoff · Süßware · Süßwasser · Süßwein · süßsauer
 ·  mit ›süß‹ als Letztglied: bittersüß · herb-süß · herbsüß · honigsüß · sauersüß · zuckersüß
 ·  mit ›süß‹ als Grundform: Süße
Mehrwortausdrücke  das süße Leben
eWDG

Bedeutungen

1.
Geschmacksbezeichnung   wie Zucker, Honig schmeckend
in gegensätzlicher Bedeutung zu sauer
Beispiele:
etw. schmeckt süß
das Kompott ist sehr, widerlich süß
süße Speisen, Kirschen, Früchte
ein süßer Wein
süße (= nicht bittere) Mandeln
er trinkt gern süßen (= gesüßten) Kaffee
scherzhafter war voll des süßen Weines (= berauscht, betrunken)
sie isst gern Süßes, hatte Appetit auf etw. Süßes
2.
im Geruch dem Geschmack von 1 ähnlich, vergleichbar
Beispiele:
ein süßer Duft, Geruch von Blüten, Flieder
ein süßes Parfüm
Es roch warm und süß wie im Keller der Bäckerei [ BöllHaus319]
3.
eine angenehme Empfindung hervorrufend
a)
gehoben lieblich und zart klingend, wohlklingend
Beispiele:
ein süßer Klang
umgangssprachlichsie hat ein süßes Stimmchen
die süßen Töne der Flötenbläser [ Hesse3,287]
Sein Spiel war … von süßem Wohllaut [ Th. MannFaustus6,271]
b)
umgangssprachlich anmutig, hübsch
Beispiele:
ein süßes Kind, Geschöpf
ihr süßer, roter Mund
die Kleine hat ein süßes Gesicht
entzückend
Beispiele:
sie trug ein süßes Kleid, hatte eine süße Bluse an
die Puppe sieht süß aus
das Baby, Kätzchen ist (einfach) süß
vertraulichso ein süßer Fratz!
so etw. Süßes!
spöttischwas hast du denn, meine Süße, mein Süßer? (= zärtliche Anrede)
c)
wohltuend, erfreulich
Beispiele:
in süßen Schlaf, Schlummer sinken
einen süßen Traum haben
süß schlafen, schlummern, träumen
das süße Leben (= Nichtstun und Luxus) lieben
süßes Nichtstun (= Dolcefarniente)
umgangssprachlich, scherzhafteine süße Last (= eine Last, die man gern trägt)
umgangssprachlich, scherzhaftRache ist süß
das war ein süßer Trost für sie
dieser Auftritt [mag] dem armen Manne … eine süße Genugtuung für die Nichtachtung gewesen sein [ KügelgenJugenderinnerungen47]
ein Kuß des oder der heimlich Begehrten [war] der süßeste Lohn [ MarchwitzaUnter uns120]
dichterischEine süße Traurigkeit breitete sich in seinem Herzen aus [ StrittmatterWundertäter133]
dichterischIn diesem Geschreibsel war eine fast süße Schwermut [ RennAdel293]
dichterischDer süße Schauder schlug ihr die Zähne aufeinander [ H. Mann9,327]
dichterischDie Hoffnung schon erfüllt die Brust / Mit unaussprechlich süßer Lust [ BeethovenFidelioI 2]
4.
abwertend übertrieben, oft heuchlerisch freundlich, liebenswürdig
Beispiele:
sie setzte ein süßes Lächeln, eine süße Miene auf
süß lächelnd dankte sie dafür
sie ließ sich von seinen süßen Reden nicht betören
salopper versuchte es, kam auf die süße Tour
Fallen Sie diesem Verbrecher nicht auf seine süßen (= glatten) Manieren herein [ RehfischHexen63]
Alles erhielt in ihrem Munde, in ihren süßen Worten einen ganz eigenen Zauberreiz [ E. T. A. Hoffm.Kater Murr5,495]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A2.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

süß · Süße · süßen · versüßen · Süßigkeit · süßlich · Süßholz · Süßholzraspler · Süßstoff
süß Adj. ‘wie Zucker oder Honig schmeckend’ (von Speisen), im Geruch diesem Geschmack vergleichbar, übertragen ‘lieblich, wohlklingend, entzückend, wohltuend’, später auch abschätzig (2. Hälfte 18. Jh.) ‘geziert, weichlich, fade’, ahd. suozi (8. Jh.), mhd. süeze, suoze, (md.) sūze, sōze ‘süß, mild, angenehm, lieblich, freundlich’, asächs. swōti, mnd. sȫte, mnl. soete, nl. zoet, afries. aengl. swēte, engl. sweet, anord. sœtr, schwed. söt (germ. *swōtja-, aus *swōtu-) führen mit aind. svādúḥ ‘wohlschmeckend, süß’, griech. hēdýs (ἡδύς, aus *ϝαδύς) ‘erfreulich, süß, lieblich’, hḗdesthai (ἥδεσθαι) ‘sich freuen’, lat. suāvis ‘lieblich, angenehm, anziehend’ auf eine Wurzel ie. *su̯ād- ‘süß, an etw. Geschmack, Freude finden’. Der Anlaut germ. sw- verliert w vor dumpfen Vokal. Süße f. ‘das Süßsein, süßer Geschmack, Geruch, süße Art, (übertriebene) Freundlichkeit, Liebenswürdigkeit’, ahd. suozī (8. Jh.), mhd. süeze, suoze ‘Süßigkeit, Lieblichkeit, Freundlichkeit, Wohlgeruch’. süßen Vb. ‘(Speisen, Getränke) süß machen, zuckern’, ahd. suozen ‘süß machen’ (9. Jh.), mhd. süezen, suozen, auch ‘angenehm machen, erquicken, erfreuen’. versüßen Vb. ‘angenehm machen, erleichtern’, mhd. versüezen ‘ganz süß machen’. Süßigkeit f. ‘das Süßsein, Süße’, mhd. süezecheit, süezekeit, zu dem weitergebildeten Adjektiv mhd. süezec ‘süß, lieblich’; heute vor allem Süßigkeiten (Plur.) ‘Naschereien, Süßes in Form von Schokolade, Pralinen, Bonbons o. ä.’ (18. Jh.). süßlich Adj. ‘ein wenig süß schmeckend, riechend, freundlich, angenehm’, auch (seit 2. Hälfte 18. Jh.) abschätzig im Sinne von ‘unangenehm, geziert, fade, kitschig, weichlich’, ahd. suozlīh (9. Jh.; vgl. suozlīhho Adv., 8. Jh.), mhd. süezlich, (md.) sūzlich ‘süß, milde, angenehm, lieblich, freundlich’. Süßholz n. süßschmeckende, zur Lakritzengewinnung verwendete Wurzel des Süßholzstrauches, mhd. süezholz, für griech.-lat. glycyrrhiza ‘Süßwurzel, -holz’ (s. Lakritze); dafür auch Süßwurz(el) (16. Jh.); in übertragenem Sinne seit dem 16. Jh. verwendet; vgl. dazu Süßholz raspeln ‘einer Frau in auffallender Weise schmeicheln, ihr den Hof machen, mit ihr schöntun’, Süßholzraspler m. ‘Schmeichler, Schöntuer’ (beide Mitte 19. Jh.). Süßstoff m. synthetisch hergestellte organische Verbindung, die ohne Nährwert süßt (2. Hälfte 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(ganz) reizend · allerliebst · herzallerliebst · herzig · puppig · wonnig · zum Knuddeln  ●  niedlich  Hauptform · süß  emotional · goldig  ugs. · putzig  ugs. · schnatz  ugs., regional · schnuckelig  ugs. · zum Abknutschen  ugs. · zum Anknabbern  ugs.
Synonymgruppe
süß · süßlich · zuckerig
Synonymgruppe
drollig · goldig · knuddelig · knuffig · niedlich · possierlich  ●  putzig  ugs. · süß  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›süß‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›süß‹.

Verwendungsbeispiele für ›süß‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mein rauher Vater betet ebenso zerknirscht wie meine süße Mutter. [Voß, Richard: Zwei Menschen, Stuttgart: Engelhorn 1911 [1949], S. 41]
Ich nähre es mit süßer Milch, sie bekommt ihm bestens. [Kafka, Franz: Eine Kreuzung. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1917], S. 10468]
Es ist im süßesten Alter, schwarzweiß gefleckt wie die Mutter. [Die Zeit, 06.06.1997, Nr. 24]
Dem Helden des süßen Lebens erwiesen zehntausend die letzte Ehre. [Die Zeit, 23.05.1997, Nr. 22]
Alsdann wird das heilige Herz meiner süßen Mutter bluten um ihres glückseligen Sohnes willen. [Voß, Richard: Zwei Menschen, Stuttgart: Engelhorn 1911 [1949], S. 71]
Zitationshilfe
„süß“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/s%C3%BC%C3%9F>.

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