sakral

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungsa-kral · sak-ral
HerkunftLatein
Wortbildung mit ›sakral‹ als Erstglied: ↗Sakralbau · ↗sakralisieren
eWDG, 1974

Bedeutung

Religion den Gottesdienst, religiöse Handlungen, Dinge betreffend
Beispiele:
sakrale Gewänder, Gesänge, Tänze, Riten
ein sakraler Raum
die sakrale Kunst
ein sakrales Bauwerk, Gebäude
bildlich besonders würdevoll, feierlich
Beispiele:
Es herrscht eine beinahe sakrale Stille [A. NeumannEs waren ihrer sechs214]
Er füllte mit Bewegungen, die etwas Sakrales an sich hatten, die Gläser bis zum Rande [Weiskopf4,530]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Sakrament · sakra · sackerment · sapperment · sackerlot · sapperlot · sakral · Sacra · Sakristan · Sigrist · Sakristei · sakrosankt
Sakrament n. von Christus eingesetzte Handlung, bei der den Gläubigen nach ihrer Überzeugung durch ein sichtbares Zeichen göttliche Gnade zuteil wird, auch das sichtbare Zeichen, das ‘Gnadenmittel’ (Hostie, Wein, Öl) selbst, mhd. sacrament (besonders ‘Abendmahl, konsekrierte Hostie’), entlehnt aus gleichbed. kirchenlat. sacrāmentum, älter und biblisch ‘religiöses Geheimnis’, lat. ‘feierliche Verpflichtung (z. B. zum Kriegsdienst), Eid’, einer Bildung zu lat. sacrāre ‘einer Gottheit weihen, widmen, heilig, unsterblich machen’ (vgl. lat. sacer ‘heilig, geweiht’). Aus der Verwendung des Wortes in Beteuerungs- und Schwurformeln entwickelt sich Sakrament, zumal in der interjektionalen Verkürzung (obd.) sakra und den Zersprechungen sackerment, sapperment seit dem 16. Jh. zum derben Ausdruck des Erstaunens oder der Entrüstung. Dazu sackerlot Interjektion Ausruf des Erstaunens, der Verwünschung, des Zornes, entlehnt (17. Jh.) aus frz. sacrelotte, einer euphemistischen Bildung nach frz. sacredieu (entstellt auch sacrebleu), aus sacré nom (de Dieu) ‘geheiligter Name (Gottes)’; zu frz. sacré Part. Prät. von sacrer ‘weihen, heiligen’ (lat. sacrāre, s. oben). In abermaliger Entstellung sapperlot (17. Jh.), erweitert Botz schlapperloth (s. ↗potz); nach frz. saperlotte. sakral Adj. ‘Religiöses, den Kult, Gottesdienst betreffend’ (Mitte 19. Jh.), Neubildung zu Sacra Plur. ‘Heiligtümer, heilige Gegenstände und Handlungen’ (16. Jh.), Übernahme von gleichbed. lat. sacra Plur., zu lat. sacrum n. ‘Heiligtum, heilige, gottesdienstliche Handlung’, einer Substantivierung von lat. sacer (s. oben). Von kirchenlat. sacrum ‘Gottesdienst’ sind abgeleitet Bezeichnungen für ‘Kirchendiener, Küster’ wie Sakristan m. entlehnt (15. Jh.) aus gleichbed. mlat. sacristanus, und älteres Sigrist m. (noch landschaftlich), asächs. sigiristo, mhd. sigrist(e), entlehnt aus mlat. sacrista m. Sakristei f. ‘Nebenraum einer Kirche zum Umkleiden für den Geistlichen und zur Aufbewahrung kirchlicher Geräte’, mhd. sacristīe (13. Jh.), aus gleichbed. mlat. sacristia, älter auch ‘Amt des Kirchendieners’ (zu mlat. sacrista ‘Kirchendiener’, von lat. sacer, s. oben). sakrosankt Adj. ‘hochheilig, unverletzlich, unantastbar’ (Mitte 17. Jh.), aus gleichbed. lat. sacrōsānctus, einer verstärkenden Zusammensetzung von lat. sacer (s. oben) mit lat. sānctus ‘heilig, unverletzlich, unantastbar’ (s. ↗Sankt). Anfangs in dt. Texten mit lat. Flexion.

Thesaurus

Synonymgruppe
ehrwürdig · ↗heilig · sakral
Assoziationen
Antonyme
  • sakral

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ambiente Andacht Anmutung Aura Baukunst Baute Bauwerk Charakter Chormusik Feierlichkeit Gegenstand Gesang Handlung Handlungsbereich Kunstgegenstand Kunstschatz Kunstwerk Königtum Liedgut Prostitution Sphäre Stämmeverband Stätte Weihe anmutend aufgeladen profan quasi weltlich Überhöhung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›sakral‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die in den neunziger Jahren neue Sehnsucht nach dem sakralen Raum bietet den Architekten die Chance, von den ausgetretenen architektonischen Wegen abzuweichen.
Der Tagesspiegel, 28.06.2002
Doch nicht alle sakralen Bilder fielen dem Sturm zum Opfer.
Die Welt, 14.02.2001
Warum habe ich denn die sakrale Musik so schlecht verkauft?
Walser, Martin: Halbzeit, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997 [1960], S. 297
Das angeeignete Ding zieht ebenso wie das sakrale Ding alle Dinge an sich, die es berühren, und eignet sie sich an.
Habermas, Jürgen: Theorie des kommunikativen Handelns - Bd. 2. Zur Kritik der funktionalistischen Vernunft, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1981, S. 113
Für sakrales Gerät wandte R. häufig die alte Technik der Feuervergoldung an.
o. A.: Lexikon der Kunst - R. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1994], S. 27826
Zitationshilfe
„sakral“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/sakral>, abgerufen am 09.12.2019.

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