Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

satt

Grammatik Adjektiv · Komparativ: satter · Superlativ: am sattesten
Aussprache 
Wortbildung  mit ›satt‹ als Erstglied: Sattdampf · sattblau · sattgelb · sattgrün · sattsam · sattschwarz
 ·  mit ›satt‹ als Letztglied: knüppeldicksatt · lebenssatt · nimmersatt · nudeldicksatt · sterbenssatt · übersatt
 ·  formal verwandt mit: unersättlich

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. ohne Bedürfnis zu essen, nicht (mehr) hungrig
    1. [übertragen] ...
    2. genug
  2. 2. [abwertend, übertragen] selbstzufrieden, selbstgefällig
  3. 3. ...
  4. 4. ⟨etw., jmdn. satt haben⟩ einer Sache, jmds. überdrüssig sein, werden
    1. [gehoben] ⟨etw., einer Sache, jmds. satt sein, werden⟩
  5. 5. [schweizerisch] eng, knapp
eWDG

Bedeutungen

1.
ohne Bedürfnis zu essen, nicht (mehr) hungrig
Beispiele:
satt sein, werden
bist du schon satt?
jetzt bin ich aber endgültig satt
saloppwenn ich sein blasiertes Gesicht sehe, bin ich schon satt (= habe ich genug)
er war so satt, dass er sich kaum noch rühren konnte
von diesem Essen bin ich nicht satt geworden
er wird einfach nicht mehr satt
sich (an etw.) satt essen
in seiner Jugend konnte er sich nie richtig satt essen
umgangssprachlichder Junge ist kaum satt zu kriegen
dieses reichhaltige Essen macht satt (= stillt schnell den Hunger)
ein satter Magen
scherzhaftdas satte Gefühl kommt nach
sich satt trinken
sprichwörtlichwenn die Maus satt ist, schmeckt das Mehl bitter
Die Ziege antwortete: / »Ich bin so satt, / Ich mag kein Blatt: meh! meh!« [ GrimmTischchen, deck’ dich1,126]
Er graunste wie ein satter Kater in der Sonne […] [ O. M. GrafBolwieser104]
übertragen
Beispiele:
das Auge, er konnte sich daran nicht satt sehen (= konnte nicht aufhören hinzusehen)
Man sieht sich leicht an Wald und Feldern satt […] [ GoetheFaustI 1102]
genug
Beispiele:
viele Menschen auf der Welt haben noch nicht satt zu essen
landschaftlich satt Brot, Milch haben, bekommen
2.
abwertend, übertragen selbstzufrieden, selbstgefällig
Beispiele:
ein sattes Lächeln, Gesicht, Behagen, Leben
satte Sicherheit, Zufriedenheit
der satte Bürger, Philister
[…] die satte und zahlungsfähige Moral des deutschen Spießbürgers […] [ MehringLessing-Legende455]
[…] ein Krieg der Zufriedenen und Satten, der Vornehmen und Pfründeninhaber […] gegen das Volk, die Armen, die Entrechteten […] [ BredelVäter28]
3.
Beispiele:
satte (= volle, warm leuchtende) Farben, Farbtöne
die Herbst- und Wintermode bevorzugt gedämpfte, satte Töne
ein sattes Grün, Rot, Blau
gehoben satt grüne Wiesen
gehoben sattes (= saftig grünes) Laub
gehobendas satt (= warm) leuchtende Abendlicht
Jakob Filters Lodenmantel war von sattem Vorkriegsförstergrün […] [ H. KantAula291]
4.
etw., jmdn. satt habeneiner Sache, jmds. überdrüssig sein, werden
Beispiele:
das Leben, die Großstadt, jmds. Benehmen, Gerede (gründlich) satt haben
sie hatte diese eintönige Arbeit schon lange satt
nun habe ich aber deine ewigen Ausreden satt!
er hatte dieses Treiben satt bis zum Überdruss
umgangssprachlicher hatte dieses Treiben satt bis an den Hals, bis zum Halse
umgangssprachlichich habe es restlos satt mit ihm, habe ihn einfach satt
zwei Jahre nach der Hochzeit hatten sie sich endgültig satt
umgangssprachlichetw., jmdn. satt bekommen
umgangssprachlichdu wirst es schon noch satt kriegen, ihr nachzulaufen
gehoben etw., einer Sache, jmds. satt sein, werden
Beispiele:
ich bin es satt, mich von ihm bevormunden zu lassen
er wurde nicht satt, ihre Vorzüge zu schildern (= er wurde nicht müde, ihre Vorzüge zu schildern)
Ich bin des trocknen Tons nun satt […] [ GoetheFaustI 2009]
5.
schweizerisch eng, knapp
Beispiele:
ein satt anliegender Pullover
das Bein wird von diesem vollelastischen Wollstrumpf satt umschlossen
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

satt · Sattheit · sättigen · Sättigung · sattsam
satt Adj. ‘nicht hungrig’, ahd. (9. Jh.), mhd. mnd. mnl. sat ‘gesättigt, voll, genügend’, asächs. sad, nl. zat, aengl. sæd (auch ‘überdrüssig’, woraus engl. sad ‘traurig, ernst, bedrückt’), anord. saðr, got. saþs (germ. *sada-) beruht auf einem mit dem Suffix ie. -to- gebildeten Partizipialadjektiv. Verwandt sind (ablautend) got. gasōþjan ‘sättigen’, sōþ oder sōþs ‘Sättigung’ sowie außergerm. lat. satis ‘genug’, satur ‘satt’, air. sāith ‘Sattheit’, lit. sotùs ‘satt’, so daß eine Wurzel ie. *sā-, *sə- ‘satt, sättigen’ angesetzt werden kann, wozu auch aind. asinváḥ ‘unersättlich’ und griech. (Aorist) ā́sai (ᾆσαι) ‘sättigen’, ásē (ἄση) ‘Ekel, Unbehagen, Verdruß’, eigentlich ‘Übersättigung’, gehören und wohl auch (allerdings mit Umgestaltung des Vokalismus) aslaw. sytъ, russ. sýtyj (сытый) ‘satt’. – Sattheit f. ‘Zustand des Sattseins’, mhd. satheit. sättigen Vb. ‘satt machen’, mhd. setigen, settigen, älter sat(t)en, set(t)en; Sättigung f. (15. Jh.). sattsam Adj. ‘genügend, hinlänglich’ (17. Jh.), zuvor (bei Luther) ‘gut genährt, üppig, übermütig’.

Thesaurus

Synonymgruppe
gesättigt · satt  ●  voll  ugs.
Antonyme
Synonymgruppe
ausgelastet · gesättigt · satt
Synonymgruppe
befriedigt · gesättigt · satt · saturiert · zufrieden
Synonymgruppe
(es) reicht · ausreichend · gebührend · genug · genügend · hinlänglich · hinreichend · in Maßen · sattsam · zur Genüge  ●  über Mangel an (etwas) kann sich niemand beklagen  floskelhaft, variabel · (und das) nicht zu knapp  ugs. · reichlich  ugs. · satt (nachgestellt)  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
intensiv · leuchtend (Farbe) · satt (Farbe) · stark (Farbe) · strahlend (Farbe) · voll (Farbe)  ●  kräftig (Farbe)  Hauptform · lebhaft (Farbe)  fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
mehr als · satt (adjektivisch) · über  ●  gut  ugs.
Assoziationen
  • ein wenig mehr (als) · etwas mehr (als) · gut (vor Maßen u. Zahlen) · kaum mehr (als) · knapp über · leicht über  ●  einige (+ Zahl)  geh., veraltend, literarisch · etwas über  ugs.
  • deutlich mehr als · deutlich über · reichlich · reichlich über · viel mehr als · weit mehr als · weit über · weitaus mehr (als)

Typische Verbindungen zu ›satt‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›satt‹.

Verwendungsbeispiele für ›satt‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ein Trick, um abzunehmen, besteht darin, sich niemals satt zu essen. [Fresenius, Hanna: Sauna, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1987 [1974], S. 61]
Man spricht von knallgelb, von schreiendem Rot, von grellem Licht, von einem satten Blau. [Reimann, Hans: Vergnügliches Handbuch der Deutschen Sprache, Düsseldorf: Econ-Verl. 1964 [1931], S. 17]
In einzelnen Ländern fand aber eine stark abweichende parteipolitische Entwicklung satt. [Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1931, S. 331]
Eine satte Mehrheit von drei Vierteln hält Reformen für notwendig; so gut wie niemand will das System lassen, wie es ist. [Die Zeit, 06.08.1998, Nr. 33]
Dabei ist eine satte Mehrheit der unter 45jährigen, insbesondere die jungen Frauen, rot‑grün gesinnt. [Der Spiegel, 26.09.1994]
Zitationshilfe
„satt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/satt>.

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