satt

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›satt‹ als Erstglied: ↗sattblau · ↗sattgelb · ↗sattgrün · ↗sattsam · ↗sattschwarz
 ·  mit ›satt‹ als Letztglied: ↗knüppeldicksatt · ↗lebenssatt · ↗nimmersatt · ↗nudeldicksatt · ↗sterbenssatt · ↗übersatt
 ·  formal verwandt mit: ↗unersättlich
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
ohne Bedürfnis zu essen, nicht (mehr) hungrig
Beispiele:
satt sein, werden
bist du schon satt?
jetzt bin ich aber endgültig satt
salopp wenn ich sein blasiertes Gesicht sehe, bin ich schon satt (= habe ich genug)
er war so satt, dass er sich kaum noch rühren konnte
von diesem Essen bin ich nicht satt geworden
er wird einfach nicht mehr satt
sich (an etw.) satt essen
in seiner Jugend konnte er sich nie richtig satt essen
umgangssprachlich der Junge ist kaum satt zu kriegen
dieses reichhaltige Essen macht satt (= stillt schnell den Hunger)
ein satter Magen
scherzhaft das satte Gefühl kommt nach
sich satt trinken
sprichwörtlich wenn die Maus satt ist, schmeckt das Mehl bitter
Die Ziege antwortete: / »Ich bin so satt, / Ich mag kein Blatt: meh! meh!« [GrimmTischchen, deck' dich1,126]
Er graunste wie ein satter Kater in der Sonne [O. M. GrafBolwieser104]
übertragen
Beispiele:
das Auge, er konnte sich daran nicht satt sehen (= konnte nicht aufhören hinzusehen)
Man sieht sich leicht an Wald und Feldern satt [GoetheFaustI 1102]
genug
Beispiele:
viele Menschen auf der Welt haben noch nicht satt zu essen
landschaftlich satt Brot, Milch haben, bekommen
2.
abwertend, übertragen selbstzufrieden, selbstgefällig
Beispiele:
ein sattes Lächeln, Gesicht, Behagen, Leben
satte Sicherheit, Zufriedenheit
der satte Bürger, Philister
die satte und zahlungsfähige Moral des deutschen Spießbürgers [MehringLessing-Legende455]
ein Krieg der Zufriedenen und Satten, der Vornehmen und Pfründeninhaber ... gegen das Volk, die Armen, die Entrechteten [BredelVäter28]
3.
Beispiele:
satte (= volle, warm leuchtende) Farben, Farbtöne
die Herbst- und Wintermode bevorzugt gedämpfte, satte Töne
ein sattes Grün, Rot, Blau
gehoben satt grüne Wiesen
gehoben sattes (= saftig grünes) Laub
gehoben das satt (= warm) leuchtende Abendlicht
Jakob Filters Lodenmantel war von sattem Vorkriegsförstergrün [H. KantAula291]
4.
etw., jmdn. satt habeneiner Sache, jmds. überdrüssig sein, werden
Beispiele:
das Leben, die Großstadt, jmds. Benehmen, Gerede (gründlich) satt haben
sie hatte diese eintönige Arbeit schon lange satt
nun habe ich aber deine ewigen Ausreden satt!
er hatte dieses Treiben satt bis zum Überdruss
umgangssprachlich er hatte dieses Treiben satt bis an den Hals, bis zum Halse
umgangssprachlich ich habe es restlos satt mit ihm, habe ihn einfach satt
zwei Jahre nach der Hochzeit hatten sie sich endgültig satt
umgangssprachlich etw., jmdn. satt bekommen
umgangssprachlich du wirst es schon noch satt kriegen, ihr nachzulaufen
gehoben etw., einer Sache, jmds. satt sein, werden
Beispiele:
ich bin es satt, mich von ihm bevormunden zu lassen
er wurde nicht satt, ihre Vorzüge zu schildern (= er wurde nicht müde, ihre Vorzüge zu schildern)
Ich bin des trocknen Tons nun satt [GoetheFaustI 2009]
5.
schweizerisch eng, knapp
Beispiele:
ein satt anliegender Pullover
das Bein wird von diesem vollelastischen Wollstrumpf satt umschlossen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

satt · Sattheit · sättigen · Sättigung · sattsam
satt Adj. ‘nicht hungrig’, ahd. (9. Jh.), mhd. mnd. mnl. sat ‘gesättigt, voll, genügend’, asächs. sad, nl. zat, aengl. sæd (auch ‘überdrüssig’, woraus engl. sad ‘traurig, ernst, bedrückt’), anord. saðr, got. saþs (germ. *sada-) beruht auf einem mit dem Suffix ie. -to- gebildeten Partizipialadjektiv. Verwandt sind (ablautend) got. gasōþjan ‘sättigen’, sōþ oder sōþs ‘Sättigung’ sowie außergerm. lat. satis ‘genug’, satur ‘satt’, air. sāith ‘Sattheit’, lit. sotùs ‘satt’, so daß eine Wurzel ie. *sā-, *sə- ‘satt, sättigen’ angesetzt werden kann, wozu auch aind. asinváḥ ‘unersättlich’ und griech. (Aorist) ā́sai (ᾆσαι) ‘sättigen’, ásē (ἄση) ‘Ekel, Unbehagen, Verdruß’, eigentlich ‘Übersättigung’, gehören und wohl auch (allerdings mit Umgestaltung des Vokalismus) aslaw. sytъ, russ. sýtyj (сытый) ‘satt’. Sattheit f. ‘Zustand des Sattseins’, mhd. satheit. sättigen Vb. ‘satt machen’, mhd. setigen, settigen, älter sat(t)en, set(t)en; Sättigung f. (15. Jh.). sattsam Adj. ‘genügend, hinlänglich’ (17. Jh.), zuvor (bei Luther) ‘gut genährt, üppig, übermütig’.

Thesaurus

Synonymgruppe
gesättigt · satt  ●  ↗voll  ugs.
Unterbegriffe
  • sehr satt · völlig satt  ●  ↗pappsatt  ugs.
Antonyme
Synonymgruppe
ausgelastet · gesättigt · satt
Synonymgruppe
befriedigt · gesättigt · satt · ↗saturiert · ↗zufrieden
Synonymgruppe
(es) reicht · ausreichend · ↗gebührend · ↗genug · ↗genügend · ↗hinlänglich · ↗hinreichend · in Maßen · ↗sattsam · zur Genüge  ●  über Mangel an (etwas) kann sich niemand beklagen  floskelhaft, variabel · (und das) nicht zu knapp  ugs. · ↗reichlich  ugs. · satt (nachgestellt)  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
intensiv · leuchtend (Farbe) · satt (Farbe) · strahlend (Farbe) · ↗voll (Farbe)  ●  ↗kräftig (Farbe)  Hauptform · ↗lebhaft (Farbe)  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufschlag Bass Blau Drehmoment Farbe Gehaltserhöhung Gelb Gewinn Grün Klang Kursgewinn Linksschuss Mehrheit PS Plopp Plus Profit Provision Prämie Rabatte Rot Schuß Selbstzufriedenheit Sound Wiese Zufriedenheit essen fressen selbstzufrieden sonnen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›satt‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und in den Büchern der meisten Investoren finden sich erstmals seit 2000 wieder satte Gewinne.
Die Welt, 22.12.2003
Er habe es satt, von ihm vorgeführt zu werden, Defizite vorgehalten zu bekommen.
Der Tagesspiegel, 18.10.2002
Ein Trick, um abzunehmen, besteht darin, sich niemals satt zu essen.
Fresenius, Hanna: Sauna, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1987 [1974], S. 61
Wir alle haben es so satt, noch länger hier herumzufallen.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 09.10.1938, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
In einzelnen Ländern fand aber eine stark abweichende parteipolitische Entwicklung satt.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1931, S. 331
Zitationshilfe
„satt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/satt>, abgerufen am 21.10.2019.

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