sauber
GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungsau-ber
Wortbildung mit ›sauber‹ als Erstglied: ↗Sauberkeit · ↗Saubermann · ↗saubermachen
 ·  mit ›sauber‹ als Letztglied: ↗bildsauber · ↗blitzsauber · ↗pieksauber · ↗unsauber
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
frei von Schmutz, Verunreinigungen, rein
Beispiele:
die Wäsche, das Kleid, Taschentuch, die Schürze, das Geschirr, Besteck, Glas, Zimmer, der Tisch ist sauber
er zieht täglich ein sauberes (= frisch gewaschenes) Hemd an
die Kinder haben alle saubere Hände, Fingernägel, waren sauber gewaschen, sind immer sauber gekleidet
diese Stadt, Straße ist sehr sauber
die Fenster sind nicht sauber
er hält seine Kleidung, sein Fahrrad peinlich sauber
die Berliner Luft ist relativ sauber
die Wälder müssen sauber bleiben
das Kind ist schon sauber (= das Kind meldet schon an, dass es seine Notdurft verrichten will)
bildlich
Beispiel:
sie haben immer saubere Hände gehabt (= sie haben immer anständig gehandelt)
keine saubere Weste haben salopp nicht ohne Schuld sein
Beispiel:
ein Politiker braucht eine saubere Weste [M. WalserEhen336]
2.
genau, sorgfältig, exakt
Beispiele:
er hat eine saubere Arbeit, Abschrift geliefert
er hat eine saubere Handschrift
sie vollzogen eine saubere Trennung
etw. sauber abgrenzen, differenzieren
der Schüler hat den Aufsatz sauber geschrieben, die Kante sauber gefeilt, das Schiffsmodell sauber gearbeitet
sein Haar ist sauber gescheitelt
ein sauber gestopftes Loch
ein sauber eingebundenes Buch
fehlerlos, einwandfrei
Beispiele:
die Eiskunstläuferin lief eine saubere Kür
sie hat einen sauberen Sopran
seine Geige hat einen sauberen Klang
er brachte die Sonate mit sauberer Technik zu Gehör
er schreibt, spricht ein sauberes Deutsch
das Zusammenspiel des Bläserquartetts war nicht ganz sauber
3.
anständig, lauter, sittlich einwandfrei
Beispiele:
er hat einen sauberen Charakter, eine saubere Gesinnung
er ist ein sauberer, aufrechter Mensch
das ist ein klares und sauberes Buch über Sexualprobleme
die Kinder sollen eine saubere Einstellung zu allen Fragen der Geschlechterbeziehungen haben
wir müssen eine moralisch saubere Jugend erziehen
diese Sache ist nicht sauber
seine Haltung, Vergangenheit ist nicht ganz sauber
sein Gewissen ist sauber (= unbelastet von Schuld)
wir müssen saubere Verhältnisse schaffen sowohl im Gefühlsleben als auch im Reich des Begrifflichen [Becher5,121]
4.
abwertend unlauter, sittlich schlecht, unehrenhaft
Beispiele:
man wird dem sauberen Herrn, Burschen noch auf die Schliche kommen
das sind mir ja saubere Freunde, Kerle, Brüder, Früchtchen!
ihr seid eine saubere Gesellschaft, ein sauberes Pärchen!
von ihnen sind saubere Dinge bekannt
seine sauberen Pläne müssen zum Scheitern gebracht werden
das sind ja saubere Geschichten!
ihr sauberer Mann, der Schuft, der windige, der hat ihr geholfen [O. M. GrafMitmenschen113]
5.
umgangssprachlich, (besonders) süddeutsch, (besonders) österreichisch, (besonders) schweizerisch bezeichnet eine Steigerung
a)
beachtlich, ziemlich groß
Beispiele:
er hat ein sauberes Häufchen Geld gespart
das Segelflugzeug hatte eine saubere (= enorme) Höhe erreicht
Zur Erzeugung eines sauberen Zorns rasch ein paar Wahrheiten [M. WalserÜberlebensgroß13]
b)
adverbiell
tüchtig, gehörig, sehr
Beispiele:
er hat uns sauber betrogen
denen haben wir es sauber heimgezahlt!
Die macht sich sauber Illusionen, sich so [elegant] zu kleiden [DürrenmattBesuchIII]
c)
erfreulich, angenehm, tadellos
Beispiel:
in N lässt es sich sauber leben
in Ausrufen
Beispiele:
das ist sauber!
sauber, sauber!
6.
süddeutsch, österreichisch, schweizerisch hübsch, schmuck
Beispiele:
ein sauberes Mädchen
ein sauberer Bursche
seine Tochter sieht sauber aus
Sauber, oder wie man im Hochdeutschen sagt, schmuck und schön ist ja die einzige Erbin vom Schwabrucker nie gewesen [O. M. GrafMitmenschen14]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sauber · Sauberkeit · säuberlich · säubern · Säuberung
sauber Adj. ‘rein, schmutzfrei’, ahd. sūbar, sūbiri (9. Jh.), mhd. sūber, sūver, sūfer ‘sauber, rein, schön’, asächs. suҍri, mnl. sūver, nl. zuiver, aengl. sȳfre (‘nüchtern, mäßig, makellos, rein’) sind über vlat. *sūber bzw. *sūbrius ‘mäßig, besonnen’ entlehnt aus lat. sōbrius ‘nüchtern (nicht betrunken), enthaltsam, besonnen’ (wohl entstanden aus *sō(d)-, Nebenform zu lat. sē(d) ‘ohne’, und lat. ēbrius ‘trunken’, eigentl. ‘naß, befeuchtet’). Die Bedeutungsentwicklung führt von ‘nüchtern, enthaltsam, besonnen’ über ‘makellos’ zu ‘rein’. Sauberkeit f. ‘Zustand der Reinheit’ (16. Jh.), anfangs auch Sauberheit, mhd. sūberheit ‘Reinheit, Schönheit, Vornehmheit’; vgl. ahd. unsūbarkeit ‘Unflat, Schmutz’ (11. Jh.). säuberlich Adj. ‘reinlich’, ahd. sūbarlīhho Adv. (11. Jh.), mhd. sūberlich ‘artig, züchtig, anständig’. säubern Vb. ‘saubermachen, reinigen, von Verunreinigungen befreien’, ahd. sūbaren, sūbiren, sūbarōn (9. Jh.), mhd. sūbern, siubern; Säuberung f. ‘Reinigung’, mhd. sūberunge ‘Säuberung, Läuterung’.

Thesaurus

Synonymgruppe
gepflegt · gereinigt · ↗hygienisch · ↗rein · ↗reinlich
Assoziationen
Synonymgruppe
(da) könnte man vom Fußboden essen · ↗blitzblank · ↗blitzeblank · blitzesauber · ↗blitzsauber · fleckenlos sauber · ↗hygienisch · makellos sauber · porentief rein (Werbesprache) · ↗proper · ↗rein · ↗spiegelblank · strahlend sauber · ↗tipptopp  ●  vor Sauberkeit strahlen  variabel · (es) blitzt und blinkt  ugs. · auf Hochglanz (poliert)  ugs., fig., variabel · ↗picobello  ugs. · ↗pieksauber  ugs. · wie geleckt  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
geputzt · gereinigt · gesäubert · gewienert · poliert
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
aseptisch · desinfiziert · entkeimt · ↗hygienisch · ↗keimfrei · ↗steril · sterilisiert
Assoziationen
  • aseptische Knochennekrose · aseptische Osteonekrose
Synonymgruppe
fantastisch · ↗großartig · ↗phantastisch · ↗toll  ●  1A  ugs. · ↗Sahne  ugs. · allererste Sahne  ugs. · ↗astrein  ugs. · ↗bombastisch  ugs. · ↗bombig  ugs. · ↗cool  ugs. · der Hit  ugs. · ↗doll  ugs. · ↗dufte  ugs. · erste Sahne  ugs. · ↗geil  ugs. · ↗genial  ugs. · ↗hasenrein  ugs. · ↗klasse  ugs. · ↗knorke  ugs., berlinerisch, veraltet · leinwand  ugs., österr. · leiwand  ugs., österr. · nicht schlecht  ugs. · phatt  ugs., Jargon · ↗prima  ugs. · ↗spitze  ugs. · ↗stark  ugs. · ↗super  ugs. · ↗tipptopp  ugs. · tofte  ugs. · töfte  ugs., ruhrdt. · zum Reinlegen  ugs.
Unterbegriffe
  • pontastisch  ●  fantastic  fachspr., engl. · ↗fantastisch  fachspr.
Assoziationen
Synonymgruppe
den Regeln entsprechend · ↗korrekt · ↗ordnungsgemäß · rechtlich einwandfrei · ↗regelgerecht · ↗regelkonform · ↗vorschriftsmäßig  ●  ↗ordnungsmäßig  fachspr., Jargon · wie es sich gehört  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(mein) Kompliment! · ↗Chapeau · alle Achtung! · ausgezeichnet! · bravo! · ein Hoch auf ...! · ein Lob dem (...)! · ein Lob der (...)! · recht so!  ●  vortrefflich!  veraltend, scherzhaft-ironisch · Hut ab!  ugs. · Nicht schlecht, Herr Specht!  ugs., Spruch · Respekt!  ugs. · gut gemacht!  ugs. · holla, die Waldfee!  ugs., Spruch · sauber!  ugs. · à la bonne heure!  geh., franz.
Assoziationen
  • Achtung · ↗Anerkennung · ↗Beachtung · ↗Bestätigung · ↗Bewunderung · ↗Ehrerbietung · ↗Hochachtung · ↗Respekt · ↗Wertschätzung · ↗Zuspruch
  • (das war) richtig! · gut gemacht! · gut so! · richtig so!  ●  saubere Arbeit!  ugs.
  • Beweihräucherung · ↗Schmus · ↗Schöntuerei · schöne Worte  ●  Lobestirade(n)  abwertend · ↗Schmeichelei  Hauptform · Süßholzraspelei  fig. · ↗Gesülze  ugs. · ↗Lobhudelei  ugs. · Lobtirade(n)  geh., abwertend
  • nein sowas!  ●  (ich glaub') mich trifft der Schlag!  ugs., Spruch · (ja) ist das denn die Möglichkeit!?  ugs. · Da staunt der Laie, und der Fachmann wundert sich. (Zitat)  ugs., Spruch · Donnerlittchen!  ugs., regional · Donnerwetter!  ugs. · Herrschaftszeiten!  ugs. · Mann Mann Mann!  ugs. · Mannomann!  ugs. · Mensch Meier!  ugs. · Menschenskinder!  ugs. · Teufel auch!  ugs. · Wahnsinn!  ugs. · ach du grüne Neune!  ugs. · ach ja?  ugs. · ach was!  ugs. · also sowas!  ugs. · alter Schwede!  ugs. · caramba!  ugs. · da bin ich (aber) sprachlos!  ugs. · da bin ich platt!  ugs. · da bleibt einem (ja) die Spucke weg!  ugs., sprichwörtlich, fig. · da hört sich doch alles auf!  ugs., Spruch · do legst di nieda  ugs., bair. · ei der Daus!  ugs., veraltet · fuck! (bewundernd)  ugs., salopp · gütiger Himmel!  ugs. · hasse (noch) Töne?!  ugs., ruhrdt. · holla, die Waldfee!  ugs. · hört, hört!  ugs., veraltend · ich glaub es nicht!  ugs. · ich kann dir sagen!  ugs. · ich werd' verrückt!  ugs. · irre!  ugs. · jetzt hört sich aber alles auf!  ugs. · krass!  ugs. · leck mich fett!  ugs. · lecko mio!  ugs. · leckofanni!  ugs. · mein lieber Herr Gesangverein!  ugs., veraltet · mein lieber Scholli!  ugs., ruhrdt. · mein lieber Schwan!  ugs. · nicht zu fassen!  ugs. · nicht zu glauben!  ugs. · nun schau sich das einer an!  ugs., Spruch · oha!  ugs. · oho!  ugs. · potz Blitz  ugs., veraltet · potzblitz!  ugs., veraltet · potztausend!  ugs., veraltet · sackerlot!  ugs., veraltet · sackerment!  ugs., veraltet · sapperlot!  ugs., regional, veraltet · sapperment!  ugs., veraltet · schau mal (einer) an!  ugs. · sieh mal (einer) an!  ugs. · sowas aber auch!  ugs. · unglaublich!  ugs. · verdammt juchhe!  ugs. · verdammt nochmal!  ugs. · voll krass!  ugs.
  • (der) hat es echt drauf  ugs. · das macht ihm so schnell keiner nach  ugs., Spruch · das muss erst mal einer nachmachen!  ugs. · reife Leistung!  ugs., Spruch · saubere Arbeit!  ugs., Spruch
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abgase Athleten Diesel Energie Energiequelle Gewässer Image Kleidung Luft Lösung Radsport Schnitt Sport Spritzen Strände Toiletten Trennung Trinkwasser Umwelt Wasser Wehrmacht Weste Wäsche adrett anständig ehrlich fair gepflegte klinisch ordentlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›sauber‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Einen sauberen Schnitt zu machen ist doch gar nicht so schwer.
Die Zeit, 07.12.2005, Nr. 49
Dabei wird es so sauber, dass es ohne chemische Aufbereitung getrunken werden kann.
Der Tagesspiegel, 31.08.2003
Du bist dann zwar äußerlich sauber, aber innen, das ist alles drin.
Wallraff, Günter: Ganz unten, Berlin: Aufbau-Verl.1986 [1985], S. 145
Du machst doch wohl Deine Stube sonntags nicht selbst sauber?
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 01.12.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Die Statistik müßte sofort die Listen schließen, wenn alle Frauen schwören würden, trotzdem morgens hübsch, wenigstens sauber, frisiert zu erscheinen!
Baudissin, Wolf von u. Baudissin, Eva von: Spemanns goldenes Buch der Sitte. In: Zillig, Werner (Hg.), Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1901], S. 22555
Zitationshilfe
„sauber“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/sauber>, abgerufen am 28.06.2017.

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