Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

saufen

Grammatik Verb · säuft, soff, hat gesoffen
Aussprache 
Worttrennung sau-fen
Wortbildung  mit ›saufen‹ als Erstglied: Saufabend · Saufaus · Saufbold · Saufbruder · Sauferei · Saufexzess · Saufgelage · Saufkopf · Saufkumpan · Saufsack · Sauftour · Säufer
 ·  mit ›saufen‹ als Letztglied: Gesaufe · absaufen · ansaufen · aussaufen · besaufen · durchsaufen · ersaufen · herumsaufen · tot saufen · totsaufen · versaufen · vollsaufen · wegsaufen · weitersaufen
 ·  mit ›saufen‹ als Grundform: Gesöff · Saufen
eWDG

Bedeutung

Flüssigkeit zu sich nehmen, sich Flüssigkeit zuführen
a)
vom Tier
Beispiele:
das Vieh säuft (Wasser)
Katzen, Kälber, Fohlen saufen Milch
er gab dem Pferd (einen Eimer Wasser) zu saufen
b)
vom Menschen
α)
vulgär trinken
Beispiele:
sauf endlich deine Medizin!
er säuft nur Milch
sie haben seit Tagen nichts als Wasser gesoffen
er soff viele Kognak, Glas Bier, viel Rotwein
Wein, Bier, Schnaps saufen
der hat wohl Schnaps gesoffen! (= ist wohl betrunken!)
salopp, derb, abwertend
Beispiel:
du musst ja Tinte gesoffen haben! (= du mußt verrückt sein, wenn du das getan hast!)
β)
vulgär unmäßig, gierig, in einem Zuge trinken
Beispiele:
er soff literweise Wasser
er hatte solch einen Durst, dass er beinahe die Wasserleitung leer gesoffen hätte
γ)
salopp, derb, abwertend in großen Mengen Alkohol zu sich nehmen, trinken
Beispiele:
er hat (die ganze Nacht) gesoffen
er hatte Kopfschmerzen, weil er den Abend vorher gesoffen hatte
sie soffen, bis sie umfielen
er säuft mit jedem, wie ein Bürstenbinder, Loch
er wird sich noch arm, dumm, krank, zu Tode, um den Verstand saufen
er säuft alle unter den Tisch (= er verträgt mehr Alkohol als die anderen)
gewohnheitsmäßig Alkohol trinken
Beispiele:
er säuft
er ist ganz tüchtig, solange er nicht säuft
er kann das Saufen nicht lassen, will sich das Saufen abgewöhnen
er fing vor Kummer, aus Verzweiflung an zu saufen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

saufen · supfen · süpfeln · Säufer · Sauferei · Saufaus · besaufen · besoffen · versaufen · versoffen · ersaufen · ersäufen · Suff · süffig · süffeln
saufen Vb. ‘trinken’ (vom Vieh), ‘unmäßig trinken, Alkohol zu sich nehmen’ (derb), ahd. sūfan (9. Jh.), mhd. sūfen ‘schlürfen, trinken’, mnd. mnl. sūpen, nl. zuipen, aengl. sūpan, engl. to sup, anord. sūpa, schwed. supa (germ. *sūpan). Herkunft ungesichert. Das Verb kann mit den unter Suppe und seufzen (s. d.) genannten Formen sowie mit aind. sū́paḥ ‘Brühe, Suppe’ und aslaw. sъsati, russ. sosát’ (сосать) ‘saugen’ an eine mit Labial erweiterte (ie. *seub-, *sūb- bzw. *seup-, *sūp-) lautmalende Wurzel ie. *seu-, *seu̯ə-, *sū- ‘tropfen lassen, schlürfen, saugen’ angeschlossen werden (wozu auch mit Guttural erweitertes saugen, s. d.). Die alte Bedeutung ‘schlürfen’ (vgl. noch engl. to sup ‘schlürfen, in kleinen Schlucken trinken, nippen’) entwickelt sich im 16. Jh. zu ‘hastig und viel, maßlos trinken’ (besonders Alkohol). Als Intensivum abgeleitet supfen Vb. ‘schlürfend trinken’ (15. Jh.), süpfeln Vb. (16. Jh.). Säufer m. ‘wer sich (regelmäßig) betrinkt’ (16. Jh.). Sauferei f. ‘Trinkgelage’ (15. Jh.). Saufaus m. ‘Trunkenbold’, imperativischer Satzname (Hans Sauffauß, 1595), nd. Sūpūt. besaufen Vb. (reflexiv) ‘sich betrinken’, dazu besoffen Part.adj. ‘betrunken’ (16. Jh.). versaufen Vb. ‘versinken, ertrinken’, mhd. versūfen; dagegen ahd. firsūfan ‘(gierig) hinunterschlürfen’ (8. Jh.); dann ‘mit Trinken durchbringen’ (15. Jh.), dazu versoffen Part.adj. ‘durch Saufen heruntergekommen, dem Alkohol ergeben’ (16. Jh.). ersaufen Vb. ‘in der Flut umkommen, ertrinken’ (16. Jh.); vgl. mhd. ersoffen ‘betrunken’, ahd. irsūfan ‘(gierig) hinunterschlürfen’ (8. Jh.). Dazu im 16. Jh. das umgelautete Kausativum ersäufen Vb. ‘versenken, ertränken’, mhd. ersoufen; dafür ahd. bisoufen (um 800). Suff m. (mit der Nebenform Soff, s. Gesöff) ‘Trunksucht, Alkoholrausch, Betrunkenheit’ (17. Jh.). süffig Adj. ‘angenehm, leicht zu trinken, wohlschmeckend’ (19. Jh.), älter ‘trunkliebend, dem Trinken ergeben’ (16. Jh.). süffeln Vb. ‘mit Genuß trinken’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) betrinken · (sich) sinnlos betrinken · (viel Alkohol) trinken  ●  feiern  jugendsprachlich, verhüllend · (einen) verlöten  ugs., regional · (einen) über den Durst trinken  ugs., variabel · (sich einen) ballern  ugs. · (sich etwas) genehmigen  ugs. · (sich) abschießen  ugs. · (sich) besaufen  ugs. · (sich) die Hucke vollsaufen  ugs. · (sich) die Kante geben  ugs. · (sich) einen auf die Lampe gießen  ugs., fig. · (sich) einen hinter die Binde kippen  ugs., fig. · (sich) einen zur Brust nehmen  ugs. · (sich) volllaufen lassen  ugs. · (sich) zudröhnen  ugs. · (sich) zulaufen lassen  ugs. · (sich) zusaufen  ugs. · (sich) zuschütten  ugs. · bechern  ugs. · bürsteln  ugs., österr. · ins Glas schauen  ugs. · saufen  ugs. · süppeln  ugs. · tschechern  ugs., salopp, ostösterreichisch · zechen  ugs.
Oberbegriffe
  • (sich) einen (...) genehmigen · Alkohol trinken  ●  (eine Flasche Wein o.ä.) verpitschen  ugs., ruhrdt. · (sich) (die) Kehle anfeuchten  ugs. · (sich) (die) Kehle ölen  ugs. · (sich) (einen) hinter die Binde kippen  ugs. · einen heben  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(Kraftstoff) verbrauchen  ●  fressen  ugs. · saufen  ugs. · schlucken  ugs.
Synonymgruppe
trinken  ●  (nasser) Alkoholiker (sein)  variabel · alkoholabhängig (sein)  variabel · zur Flasche greifen  fig. · an der Flasche hängen  ugs., fig. · saufen  derb
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (bei alkoholischen Getränken) nicht nein sagen · (dem Alkohol) zugetan · (sich) gerne (schon mal) einen trinken · gerne dem Alkohol zusprechen · mit dabei sein wenn es was zu trinken gibt  ●  gerne Alkohol trinken  Hauptform · dem Trunke hold (sein)  geh. · nicht ins Glas spucken  ugs.
  • alkoholabhängig · alkoholkrank · alkoholsüchtig · trunksüchtig  ●  dem Trunke hold (sein)  altertümelnd, verhüllend · versoffen  derb
Synonymgruppe
Flüssigkeit aufnehmen · saufen (Tiere)  ●  trinken  Hauptform · die Kehle herunterlaufen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›saufen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›saufen‹.

Verwendungsbeispiele für ›saufen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich saufe mich langsam vom Mittag durch den Nachmittag in die Nacht hinein. [Späth, Gerold: Commedia, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1980 [1980], S. 1]
Selbst schuld, sagen die einen, was musste er auch immer saufen. [Die Zeit, 09.08.2010, Nr. 32]
Er hat alle unter den Tisch gesoffen ", sagt der grauhaarige Mann leise. [Die Zeit, 03.05.2010, Nr. 18]
Er prahlt nicht, er säuft nicht, er rülpst nicht, er ernährt sich gesund. [Die Zeit, 10.11.2008, Nr. 45]
Dann fangen sie alle an zu saufen, sagt er weiter. [Die Zeit, 14.12.2005, Nr. 50]
Zitationshilfe
„saufen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/saufen>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
sauertöpfisch
sauertöpfig
sauersüß
sauerstoffzehrend
sauerstoffhaltig
saufrech
saugeil
saugen
saugfähig
saugrob