saugen
GrammatikVerb · saugte, hat gesaugt
GrammatikVerb · sog, hat gesogen
Aussprache
Worttrennungsau-gen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›saugen‹ als Erstglied: ↗Saugbeton · ↗Saugferkel · ↗Saugheber · ↗Saughub · ↗Saugluftbremse · ↗Sauglüfter · ↗Saugmassage · ↗Saugnapf · ↗Saugpost · ↗Saugpumpe · ↗Saugrohr · ↗Saugrüssel · ↗Saugwurm · ↗Säugling · ↗saugfähig
 ·  mit ›saugen‹ als Letztglied: ↗absaugen · ↗ansaugen · ↗aufsaugen · ↗aussaugen · ↗einsaugen · ↗festsaugen · ↗heraussaugen · ↗hineinsaugen · ↗staubsaugen · ↗vollsaugen · ↗wegsaugen
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
etw., besonders Flüssigkeit, einziehen, in sich aufnehmen
a)
unter Anspannung der Mundmuskulatur
Beispiele:
das Kälbchen saugt (am Euter)
die Ferkel saugten quiekend
ein saugendes Junges
der Säugling saugt an der Mutterbrust, Flasche
das Kind saugt Milch aus der Flasche
er saugt den Saft aus der Apfelsine, die Milch aus der Kokosnuss
sie saugen mit dem Strohhalm die Limonade aus dem Glas
Gift, Blut aus einer Wunde saugen
bildlich
Beispiel:
jmdm. das Mark aus den Knochen saugen (= jmdn. ausnutzen, ausbeuten, allmählich ruinieren)
sich [Dativ] etw. aus den Fingern saugen salopp etw. erdichten, erfinden
Beispiele:
so ein Gerücht saugt sich keiner aus den Fingern
diese Behauptung hat er sich aus den Fingern gesogen, gesaugt
b)
mit dem Saugrüssel oder Stechrüssel
Beispiele:
die Mücken saugen Blut
die Bienen saugen Nektar (aus den Blüten)
die Zwei flügler saugen Pflanzensäfte
c)
mit den Wurzelfasern
Beispiel:
die Wurzeln saugen die Feuchtigkeit aus dem Boden
bildlich
Beispiel:
Die Sonne sog die Kälte aus der Erde [L. FrankMännerquartett1,331]
d)
gehoben Luft tief einatmen, einsaugen
Beispiele:
er sog die frische Luft durch die Nase
er sog den Zigarettenrauch in seine Lungen
2.
gehoben, übertragen
a)
etw. in sich saugenetw. intensiv aufnehmen, einsaugen
Beispiele:
dessen [des Sommers] Nächte und Tage er erlebt und ganz in sich gesogen hat [Hofmannsth.ProsaI 244]
Mit wahrer Gier saugt Harry Heine jedes Wort Schlegels in sich [SteinbergTag170]
Ihre saugenden Grauaugen verfolgten ihn bei allem, was er tat [StrittmatterWundertäter243]
b)
etw. aus etw. saugenetw. aus etw. gewinnen, schöpfen
Beispiele:
er sog neue Kraft, Anregungen, Mut aus dem Erlebnis, Kunstgenuss
Vielleicht hätte ich eine allzu große Beruhigung daraus nicht gesogen [G. Hauptm.4,281]
3.
an etw. saugenunter Anspannung der Mundmuskulatur, die dabei ein Vakuum erzeugt, mit den Lippen, dem Mund an etw. ziehen
Beispiele:
er saugt an seiner Pfeife, der Zigarette
er sog an der Oberlippe, seinen Zähnen
das Kind saugt (= lutscht) am Daumen, an den Fingern
der Bär saugte an seinen Tatzen
bildlich
Beispiel:
an den Hungerpfoten saugen (= Hunger leiden) salopp
4.
saugte, ›hat‹, gesaugt
Beispiel:
einen Teppich saugen (= einen Teppich mit dem Staubsauger reinigen)
5.
sich voll mit Flüssigkeit saugensich mit Flüssigkeit anreichern, füllen
Beispiel:
der Schwamm, das Badetuch, der Schuh hatte sich voll Wasser gesogen
Flüssigkeit saugt sich in etw.Flüssigkeit dringt in etw. ein
Beispiel:
die Tinte, der Wein hat sich in das Tischtuch gesaugt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

saugen · Sog · suckeln · Säugling
saugen Vb. ‘Flüssigkeit mit Lippen und Zunge einziehen’, ahd. sūgan (8. Jh.), mhd. mnd. sūgen, asächs. aengl. sūgan, mnl. sūghen, nl. zuigen, anord. sūga, schwed. suga (germ. *sūgan) und die verwandten Bildungen mit -k- wie aengl. sūcan, engl. to suck, aengl. socian, engl. to soak ‘durchtränkt werden, durchsickern’, mhd. suc, soc ‘Säugung, Säugezeit, Saft’ sind mit lat. sūgere ‘saugen’, sūcus ‘Saft’, kymr. sugno ‘Saft’ (und vielleicht auch lett. sūkt ‘saugen’) auf eine Gutturalerweiterung (ie. *seug-, *sūg- bzw. *seuk-, *sūk-) der unter ↗saufen (s. d.) angegebenen lautmalenden Wurzel ie. *seu-, *seu̯ə-, *sū- ‘tropfen lassen, schlürfen, saugen’ zurückzuführen, wozu auch aind. sunṓti ‘preßt aus, keltert’ gestellt werden kann. Sog m. ‘saugende Strömung’ (18. Jh.), aus nd. Sog, nl. zog ‘Kielwasser’, einem Wort der Seemannssprache, vgl. mnd. soch ‘das (Ein)saugen’. suckeln Vb. ‘in kleinen Zügen saugen’, ablautende Iterativbildung zu saugen (suggeln, 14. Jh., aussuckeln, 15. Jh.). Säugling m. ‘Kleinstkind’, mhd. sūgelinc.

Thesaurus

Synonymgruppe
auslutschen · ↗aussaugen · ↗nuckeln · ↗ziehen  ●  ↗suckeln  ugs. · zutzeln  ugs., bair., österr. · ↗zuzeln  ugs., österr., bair.
Synonymgruppe
Staub saugen · durchsaugen  ●  ↗staubsaugen  Hauptform
Oberbegriffe
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Blut Feuchtigkeit Fingern Flüssigkeit Honig Lungen Nektar Pfeife Pumpe Saft Schwamm Staubsauger Strohhalm Unterdruck Vampir Zigarette Zigarre Zitzen absaugt ansaugt aufsaugt aussaugt einsaugt festsaugt gierig heraussaugt hineinsaugt saugt staubsaugt wegsaugt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›saugen‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dort saugen sie bis zu einer Stunde, danach fallen sie ab.
Süddeutsche Zeitung, 27.03.2002
Er wird sich das alles aber kaum aus den Fingern gesogen haben.
Der Tagesspiegel, 26.10.1998
Er sog die salzige Luft ein, hatte die Augen geschlossen.
Jentzsch, Kerstin: Seit die Götter ratlos sind, München: Heyne 1999 [1994], S. 251
Da das Baby noch nichts bekommt, saugt es besonders kräftig.
Wilberg, Gerlinde M.: Zeit für uns, München: Frauenbuchverl. 1979, S. 162
Hans sog mit Behagen die Luft der kleinen Stadt in die Nase.
Spoerl, Heinrich: Die Feuerzangenbowle, München: Piper o.J. [1933], S. 378
Zitationshilfe
„saugen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/saugen>, abgerufen am 21.11.2017.

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