Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

schämen

Grammatik Verb · reflexiv
Aussprache 
Worttrennung schä-men
Wortbildung  mit ›schämen‹ als Letztglied: beschämen · totschämen
eWDG

Bedeutung

Scham empfinden
Beispiele:
sich schämen, etw. zu tun
schämst du dich gar nicht, so zu lügen, so faul, ungezogen zu sein?
umgangssprachlichsich bis in die Seele hinein, zu Tode, in Grund und Boden schämen
umgangssprachlichsich [Dativ] die Augen aus dem Kopf (= sehr) schämen
sich wegen der schmutzigen Kleidung schämen
sich wegen einer begangenen Dummheit vor den Eltern, der Familie schämen
sich für das, was man getan hat, schämen
Du sollst dich schämen, so von deinem toten Vater zu reden [ BaierlFlinz7]
gehoben sich einer Sache, jmds. schämen
Beispiele:
sich seiner Angst, Ausflüchte, Feigheit, Vergangenheit, des Verdachts schämen
Schon frühzeitig habe ich mich der Gedichte geschämt und schäme mich ihrer noch heute [ KischMarktplatz68]
Er schämte sich der Schwester, und er liebte sie zugleich [ WeismantelRiemenschneider139]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Scham · schämen · beschämen · verschämt · unverschämt · schamhaft · schamlos
Scham f. ‘das Gefühl, bloßgestellt zu werden oder zu sein, Scheu, Verlegenheit’, ahd. scama ‘Beschämung, Zerknirschung, Bestürzung, Schande’ (8. Jh.), mhd. schame, auch ‘Ärgernis’ und (verhüllend, wie noch heute) ‘Geschlechtsteile’, asächs. skama, mnd. schām(e), mnl. scāme, aengl. sc(e)amu, engl. shame (germ. *skamō f.) und das schwache Verb got. skaman ‘sich schämen’ haben keine sicheren Anknüpfungen außerhalb des Germ., so daß die Etymologie ungeklärt bleibt. Eine Herleitung von der Wurzel ie. *k̑em- ‘bedecken, verhüllen’ (s. Hemd) ist wenig wahrscheinlich. schämen Vb. reflexiv ‘Scham empfinden’, ahd. scamēn (8. Jh.), scamōn (9. Jh.), mhd. schamen, schemen, schämen, auch ‘schmähen, schänden’. beschämen Vb. ‘Schamgefühl bereiten, verlegen machen’, mhd. beschemen ‘in Schmach oder Scham bringen, schänden’. verschämt Part.adj. ‘scheu, voller Schamgefühl’ (18. Jh.), ‘schamlos, voller Schande’ (16. Jh.); vgl. mhd. verschemen, verschamen ‘in Scham, Schande versinken’ und ahd. firscamēn ‘aufhören, sich zu schämen’ (um 1000). unverschämt Part.adj. ‘ohne Schamgefühl, frech’, spätmhd. unverschamet. schamhaft Adj. ‘voller Scham, scheu, schüchtern’, ahd. scamahaft (8. Jh.), mhd. schamehaft. schamlos Adj. ‘ohne Schamgefühl, frech’, ahd. scamalōs (10. Jh.), mhd. scham(e)lōs.

Typische Verbindungen zu ›schämen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schämen‹.

Verwendungsbeispiele für ›schämen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Leider blieb mir die Kirche trotz besten Willens völlig egal und ich schämte mich dafür. [Krausser, Helmut: Eros, Köln: DuMont 2006, S. 42]
Obwohl mein Vater seit mehr als zwanzig Jahren tot ist, schäme ich mich noch immer für ihn. [Genazino, Wilhelm: Die Liebesblödigkeit, München, Wien: Carl Hanser Verlag 2005, S. 112]
Vor den klaren Augen unseres Kindes, denen nichts entging, schämten wir uns ihrer. [Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 1766]
Ich suche in mir, manchmal finde ich nichts, dann bin ich von mir enttäuscht und schäme mich. [Die Zeit, 17.06.1999, Nr. 25]
Und da schämen Sie sich nicht, dieser Gruppe weiter anzugehören? [Die Zeit, 29.11.1996, Nr. 49]
Zitationshilfe
„schämen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/sch%C3%A4men>.

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