Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

schändlich

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung schänd-lich
Wortbildung  mit ›schändlich‹ als Erstglied: Schändlichkeit · schändlicherweise
eWDG

Bedeutungen

1.
so geartet, dass es eine Schande ist, dass es Schmach, Unehre bringt
Beispiele:
schändliche Absichten, Taten
ein schändlicher Betrug, Verrat
er nahm ein schändliches Ende
salopp, abwertendjmd. hat ein schändliches Maul (= Schandmaul)
umgangssprachlichein schändliches Mundwerk haben
sich schändlich benehmen
jmdn. schändlich, in schändlicher Weise betrügen, im Stich lassen, verlassen
ein schändlicher (= nichtswürdiger, niederträchtiger) Mensch
sie hatte ein weiches Herz, und das erleichterte ihr den Erwerb [Kuppelei], denn sie wußte, daß er schändlich war [ MusilDrei Frauen59]
es wäre schändlich (= beschämend), wenn dir das Mahl mißriete [ G. KaiserTanakaI]
Rom hat einen schändlichen Kaiser [ DürrenmattRomulusI]
2.
umgangssprachlich sehr unangenehm, scheußlich
Beispiele:
heute ist schändliches Wetter
daß sie [die Wildkatzen] ihm … auf den Kopf gesprungen sind und ihn schändlich zugerichtet haben [ R. GerlachVierfüßler266]
salopp, übertrieben überaus, sehr
Grammatik: adverbiell
Beispiele:
sich schändlich ärgern
etw. ärgert ihn schändlich, ist schändlich teuer
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schande · schänden · schandbar · schändlich
Schande f. ‘etw. Beschämendes, Schmach, Schimpf, Unehre, Verachtetsein’, ahd. scanta (8. Jh.), mhd. schande ‘schämenswertes Tun, Laster’, auch ‘Schamteile’, mnd. schande, mnl. scande, nl. schande, afries. skonde, skande, aengl. scand, got. skanda (germ. *skamdō) steht mit Dentalsuffix neben den unter Scham, schämen (s. d.) behandelten Wörtern mit Übergang von -m- vor Dental zu -n-. Vgl. auch (mit Partizipialsuffix gebildet) ahd. scant Adj. ‘beschämt’ (9. Jh.), aengl. scand ‘Schurke’. Als Ausgangsbedeutung der Abstraktbildung ergibt sich ‘Verletzung, Verminderung der Ehre, des Ansehens’. Hierzu die Wendung (mit erstarrtem Dativ Plur.) zuschanden werden ‘vernichtet werden’, vgl. ahd. zi scantōn werdan ‘beschämt werden’ (um 1000), mhd. ze schanden werden. Oft als erstes Kompositionsglied (bereits im Mhd. einsetzend, danach sehr produktiv bis in die Gegenwart) für etw., das als häßlich und schmähend, als abschreckend, empörend, verabscheuungswürdig gekennzeichnet werden soll, vgl. Schandbuch, -fleck, -lied, -maul, -pfahl, -schnauze, -tat. schänden Vb. ‘in Schande bringen’, ahd. giskenten (8. Jh.), skenten (9. Jh.), mhd. schenden ‘entehren, beschimpfen, lästern, schimpfen, verfluchen, tadeln’. schandbar Adj. ‘Schande bringend, abscheulich’, mhd. schandebære. schändlich Adj. ‘mit Schande behaftet, unehrenhaft, abscheulich’, ahd. scantlīh (8. Jh.), mhd. schantlich, schentlich ‘schämenswert, entehrend, schmachvoll’.

Thesaurus

Synonymgruppe
erbärmlich · niederträchtig · schandbar · schnöde · schändlich · verachtenswert · verächtlich  ●  eine Schande  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
demütigend · entehrend · entwürdigend · erniedrigend · schmachvoll · schmählich · schändlich  ●  schimpflich  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›schändlich‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schändlich‹.

Verwendungsbeispiele für ›schändlich‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es war das schändlichste Versagen in der Geschichte der Vereinten Nationen. [Die Zeit, 07.04.2004, Nr. 15]
Sie empfinden es aber auch schändlich, die Polen jetzt allein zu lassen. [Die Zeit, 11.01.1982, Nr. 02]
Es ist schändlich, zu verbrennen, was man einmal flammenden Herzens angebetet hat. [Die Zeit, 17.04.1964, Nr. 16]
Das ist kein schändliches Treiben, das sofort beendet werden muss. [Süddeutsche Zeitung, 19.02.2004]
Wer den Bucks ihren schändlichen Raub abjagen wollte, durfte auch vor starken Mitteln nicht zurückschrecken. [Mann, Heinrich: Der Untertan, Gütersloh: Bertelsmann 1990 [1918], S. 237]
Zitationshilfe
„schändlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/sch%C3%A4ndlich>.

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