schätzen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungschät-zen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›schätzen‹ als Erstglied: ↗Schätzer · ↗Schätzergebnis · ↗Schätzpreis · ↗Schätzwert · ↗schätzbar · ↗schätzenswert
 ·  mit ›schätzen‹ als Letztglied: ↗abschätzen · ↗danebenschätzen · ↗einschätzen · ↗geringschätzen · ↗hochschätzen · ↗unterschätzen · ↗wertschätzen · ↗überschätzen
 ·  mit ›schätzen‹ als Grundform: ↗verschätzen
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
eine Größe, ein Maß, einen Wert von etw., jmdm. ungefähr, grob bestimmen
Beispiele:
die Höhe, Länge, Breite, Tiefe, den Durchmesser, Umfang von etw. schätzen
eine Anzahl, Menge, Entfernung schätzen
die Uhrzeit, jmds. Alter schätzen
den Preis, die Kosten von etw. schätzen
sie schätzt ihn auf fünfzig (Jahre)
wie alt schätzt du ihn?
ich hätte ihn (für) älter, jünger geschätzt
ich schätze, es ist (ungefähr) fünf Uhr
wann, schätzen Sie, könnte er (etwa) hier sein?
ich schätze, dass wir mit mindestens 50 Teilnehmern rechnen können
der Schaden, Verlust wird auf (zirka) 20 000 Euro geschätzt
grob geschätzt, dürften es (an) dreißig Meter sein
das scheint mir zu niedrig geschätzt
umgangssprachlich etw. annehmen, vermuten
Beispiele:
ich schätze, es wird noch eine ganze Weile dauern
ich schätze, dass er krank ist
wie wir schätzen, hat sie die Röteln
2.
eine Größe, ein Maß, einen Wert von etw. exakt feststellen
a)
den Zeitwert, Preis einer gebrauchten beweglichen Sache oder eines Grundstücks, oft durch einen amtlichen Taxator, ermitteln, feststellen, etw. taxieren
Beispiele:
ein Auto, Haus, Grundstück, Gemälde schätzen (lassen)
der Taxator hatte den Gebrauchtwagen auf 5 000 Euro geschätzt
b)
Beispiel:
biblisch daß ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt (= gezählt, taxiert) würde [Anfang der biblischen Weihnachtsgeschichte]
3.
jmdn., etw. hochachten, große Achtung vor jmdm., etw. haben
Beispiele:
jmds. Arbeit, Hilfsbereitschaft, Fleiß, Talent, Fähigkeiten schätzen
einen Mitarbeiter, Künstler schätzen
er schätzt klare Verhältnisse, präzise Formulierungen
ich kannte ihn persönlich und schätzte ihn außerordentlich, nicht sonderlich
ein fleißiger und von allen Kollegen geschätzter Mitarbeiter
meine sehr geschätzten Damen und Herren! (= Anrede)
veraltet [besonders in Geschäftsbriefen: ] Ihr geschätztes Schreiben vom ...
Wer schätzte es nicht, sich seiner Freundschaft zu rühmen? [FürnbergMozart-Novelle11]
etw., jmdn. zu schätzen wissen
Beispiele:
alle wussten seine Aufrichtigkeit, Leistung zu schätzen
der Kenner weiß diesen edlen Wein zu schätzen
sie hat ihn nie so recht zu schätzen gewusst
sich glücklich schätzenabgeblasst   über etw. glücklich, froh sein, sich freuen
Beispiele:
ihr könnt euch glücklich schätzen, ein so begabtes Kind zu haben
Sie sollten sich glücklich schätzen, dass Sie bei dem Unfall so glimpflich davongekommen sind
er schätzte sich glücklich, weil ...
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schatz · schatzen · schätzen · schätzbar · unschätzbar · Schätzung
Schatz m. ‘angehäufte Kostbarkeiten (besonders Schmuck, Edelsteine, Geld), Wertgegenstände, Reichtümer (vgl. Kunst-, Bodenschätze), geachtete, geliebte Person’, ahd. scaz ‘Münze, Geld, Reichtum’ (8. Jh.), mhd. scha(t)z ‘verarbeitetes Edelmetall, Geld und Gut, Reichtum, Tribut, Steuer, Wert, Preis’, asächs. skatt, mnd. schat, mnl. scat, nl. schat, aengl. sceatt, anord. skattr ‘Steuer, Schatz’, schwed. skatt, got. skatts ‘Münze, Geld’, afries. sket, schet, schat ‘Geld, Vieh’ (germ. *skatta-) haben keine außergerm. Verwandten und sind etymologisch ungeklärt. Die wohl älteste, im Afries. bezeugte Bedeutung ‘Vieh’ findet sich wieder in wahrscheinlich aus dem Germ. entlehntem aslaw. skotъ ‘Vieh, Haustier’, russ. skot (скот) ‘Vieh’, so daß man eine Entwicklung von ‘Vieh’ als Zeichen des Reichtums zu ‘Geld, Besitz’ annehmen kann (vgl. dazu lat. pecū ‘Vieh’ und pecūnia ‘Vermögen, Geld’, s. ↗Vieh und die dort dargestellte Entwicklung im Germ.). de Vries Nl. 609 f. (wo zahlreiche, letztlich nicht befriedigende Herleitungsversuche angeführt werden) erwägt, da Bedeutungen wie ‘Zins, Steuer’ dem Germ. fremde Begriffe seien, Rückführung der Formen auf ein östliches Wanderwort. Im 13. Jh. steht Schatz im Sinne von ‘niedergelegter, angehäufter Reichtum’ neben ↗Hort (s. d.) und wird im 15. Jh. Bezeichnung für ‘das Liebste, das größte Glück, den liebsten Menschen’. schatzen Vb. ‘Reichtümer ansammeln’ (bis ins 17. Jh.), ahd. scazzōn (9. Jh.), mhd. schatzen; die daneben im Mhd. bezeugte Bedeutung ‘besteuern, mit einer Abgabe belegen’ lebt weiter in dem Denominativum ↗brandschatzen (s. d.). schätzen Vb. ‘den Wert (eines Vermögens) beurteilen, taxieren, vermuten’, übertragen ‘achten, verehren’, mhd. schetzen ‘Geld abnehmen, besteuern, Lösegeld auferlegen, nach Wert oder Zahl veranschlagen, glauben, meinen’. schätzbar Adj. ‘so beschaffen, daß der Wert bestimmt, daß taxiert werden kann’ (17. Jh.); vgl. vom Substantiv abgeleitetes spätmhd. schazbære ‘kostbar’. unschätzbar Adj. ‘nicht taxierbar’ (17. Jh.), ‘sehr kostbar, außerordentlich wertvoll’ (16. Jh., besonders geläufig seit dem 18. Jh.). Schätzung f. ‘ungefähre Berechnung, Taxierung, Verehrung, Achtung’, mhd. schatzunge, schetzunge ‘Besteuerung, Taxierung’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(von etwas) ausgehen · ↗annehmen · ↗denken · ↗erwarten · ↗glauben · ↗meinen · ↗mutmaßen · ↗vermuten  ●  tippen auf  fig. · schätzen  ugs. · zu wissen glauben  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
abschätzen · schätzen · ↗vermuten · ↗vorausberechnen · ↗vorhersagen · ↗vorhersehen  ●  hypothetisieren  fachspr. · ↗prognostizieren  geh. · ↗präsumieren  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
bewerten · ↗beziffern (auf) · ↗festsetzen (auf) · schätzen · ↗taxieren · ↗wertschätzen
Synonymgruppe
achten · ↗akzeptieren · ↗anerkennen · ↗respektieren · schätzen · ↗wertschätzen · ↗würdigen · zu schätzen wissen  ●  (achtungsvoll) aufblicken zu  fig. · ↗ehren  geh. · ↗ästimieren  geh., veraltend
Unterbegriffe
  • großen Respekt vor (etwas) erweisen · ↗hoch schätzen · ↗respektieren · sehr achten · sehr schätzen · viel von (etwas) halten  ●  den Hut vor (etwas) ziehen  ugs. · ↗wertschätzen  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(einer Sache) (etwas) abgewinnen · ↗(etwas für gut/schlecht) befinden · ↗beurteilen · ↗bewerten · ↗einschätzen · ↗ermessen · ↗evaluieren · ↗gewichten · schätzen · ↗werten · ↗würdigen  ●  (etwas) finden (an)  ugs. · ↗(gut, schlecht) finden  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein) Lob aussprechen · (sich) anerkennend äußern · (viel) Gutes nachsagen · Anerkennung zollen · Lob zollen · ↗belobigen · ↗benedeien · eine hohe Meinung haben · ↗gutheißen · ↗laudieren · ↗loben · lobend erwähnen · ↗lobpreisen · ↗preisen · ↗rühmen · schätzen · ↗würdigen
Assoziationen
  • (ein) Loblied anstimmen (auf) · (jemandem) ein großes Lob aussprechen · (jemandem) großes Lob spenden · (jemandem) hohes Lob zollen · (jemandes) Lob singen · (jemandes) Loblied singen · ↗(sehr) rühmen · (sich) in Lobeshymnen ergehen · in den Himmel heben · in den höchsten Tönen loben · in den höchsten Tönen reden (von) · ↗lobpreisen · sehr loben  ●  (sich) in Lobtiraden ergehen  abwertend · (einer Sache / jemandem) Weihrauch spenden  geh., fig. · (jemandem einen) Lorbeerkranz flechten  geh., fig. · (jemandem) Lorbeerkränze flechten  geh., fig. · (jemandem) ein dickes Lob geben  ugs. · (sich) in Lobestiraden ergehen  geh., abwertend · des Lobes voll (sein)  geh. · voll des Lobes (sein)  geh. · über den grünen Klee loben  ugs.
  • Betonung auf etwas legen · Nachdruck verleihen · Wert auf die Feststellung legen · Wert legen auf · ↗akzentuieren · ↗betonen · ↗herauskehren · ↗herausstellen · ↗herausstreichen · ↗hervorheben · mit Nachdruck erklären · nachdrücklich betonen · ↗pointieren  ●  ↗unterstreichen  fig.
  • auszeichnen · ↗dekorieren · eine Auszeichnung verleihen
  • (die) Lorbeeren ernten · (eine) gute Bewertung bekommen · (viel) gelobt werden · nur Gutes hören (von)
  • akzeptieren · ↗billigen · ↗goutieren · ↗gutheißen
  • Lobeshymne (oft fig. und iron.) · ↗Lobpreisung · ↗Lobrede · Lobschrift · ↗Preisung · ↗Weihrauch (oft iron.) · ↗Würdigung  ●  ↗Aretalogie  geh., griechisch · Aretologie  geh., griechisch · ↗Eloge  geh., franz. · ↗Elogium  geh., lat. · ↗Laudatio  geh., lat.
  • (die) Werbetrommel rühren · Publicity machen für · Werbung machen · ↗anpreisen · ↗bewerben · ↗promoten · ↗propagieren · ↗umwerben · ↗werben  ●  ↗hochhalten  fig. · Rummel machen um  ugs.
  • begeistert aufgenommen werden · begeisterte Aufnahme finden · gefeiert werden · mit Preisen überhäuft werden

Typische Verbindungen
computergeneriert

Analyst Branchenkenner DM Euro Experte Fachleute Gesamtkosten Gesamtschaden Kosten Mark Milliarde Million Sachschaden Schade Schaden Vermögen Volumen Wert Zahl abschätzen auf besonders durchaus ein einschätzen gering glücklich kennen sehr so

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schätzen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie nennt ihn einen "klugen Kopf", er schätzt ihre Erfahrung.
Die Zeit, 14.10.2013, Nr. 41
Frauen schätzen Männer, die auch von anderen Männern geschätzt werden.
Schwanitz, Dietrich: Männer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 37
Dein Vater ist ein Mann, dessen Alter nicht zu schätzen ist.
Hilsenrath, Edgar: Das Märchen vom letzten Gedanken, München: Piper 1989, S. 70
Wer sich häufig massieren läßt, weiß den Wert einer guten Massage zu schätzen.
Fresenius, Hanna: Sauna, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1987 [1974], S. 17
Den Wert des Geldes lerne ich eigentlich erst jetzt so richtig schätzen.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 12.04.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„schätzen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schätzen>, abgerufen am 19.02.2019.

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