Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

schöngeistig

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung schön-geis-tig
GrundformSchöngeist
eWDG

Bedeutungen

1.
die schöne Literatur, die schönen Künste betreffend
Beispiele:
die schöngeistige Literatur
schöngeistige Werke, Texte, Lektüre
2.
sich an der schönen Literatur, den schönen Künsten erbauend, begeisternd
Beispiele:
er ist ein schöngeistiger Mensch
ein Porträt der Frau von Staël oder einer anderen schöngeistigen Frau [ Hofmannsth.ProsaI 184]
Er galt für einen hellen, schlauen, witzigen, ja sogar schöngeistigen Kopf [ Th. MannBuddenbrooks1,242]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schön · Schönheit · schönen · verschönen · verschönern · beschönigen · Schöngeist · schöngeistig · schöntun
schön Adj. ‘in jeder Hinsicht gut anzusehen, wohlgefällig, bewundernswert’, ahd. scōni ‘ansehnlich, glänzend, rein, herrlich, gut, angenehm’ (8. Jh.), mhd. schœn(e), auch ‘schonend, freundlich’, asächs. skōni, mnd. schȫn(e), mnl. scōne, nl. schoon, afries. skēne, aengl. scīene, scēne, engl. (poetisch) sheen, anord. (als zweites Kompositionsglied) -skjōni, got. skauns oder skauneis ‘anmutig’ (germ. *skauni-) ist ein mit dem Suffix ie. bzw. germ. -ni- gebildetes Verbaladjektiv zu der unter schauen (s. d.) genannten Wurzel ie. *(s)keu- ‘worauf achten, beobachten, schauen’. Auszugehen ist von einer Bedeutung ‘sichtbar, anschaubar’, die sich zu ‘ansehnlich’ und ‘gut, angenehm’ (auch von Gehörseindrücken) weiterentwickelt. Der Bezug des Wortes auf den vom humanistischen Bildungsideal geprägten ästhetischen Bereich, vgl. Fügungen wie schöne Künste (frz. les beaux-arts), schöne Wissenschaften (frz. les belles-lettres), schöne Literatur, erfolgt im 18. Jh. Zum alten adverbiellen Gebrauch s. schon. Schönheit f. ‘das Schönsein, das Schöne’, mhd. schœnheit, schōnheit ‘Herrlichkeit, Pracht, Zierde, Schmuck, Unterhaltung, Festlichkeit’. schönen Vb. vornehmlich fachsprachlich ‘Färbungen verbessern, Wein klären’ (19. Jh.); nur selten ‘schönmachen, verschönern’, ahd. scōnen (um 800), scōnōn (9. Jh.), mhd. schœnen ‘schönmachen, schmücken, verherrlichen’; dafür heute verschönen Vb. mhd. verschœ̄nen, oder verschönern Vb. ‘schöner machen’ (17. Jh.). beschönigen Vb. ‘etw. weniger schwerwiegend, günstig darstellen’ (18. Jh.), älter beschönen, mhd. beschœnen ‘schönmachen, entschuldigen, rechtfertigen’. Schöngeist m. ‘wer von den schönen Künsten begeistert ist’ (18. Jh.), nach frz. bel esprit, bald auch ironisch; älter schöner Geist (17. Jh.); dazu schöngeistig Adj. (Anfang 19. Jh.), schöngeistige Schriften (19. Jh.). schöntun Vb. ‘freundlich sein, schmeicheln’ (17. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›schöngeistig‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schöngeistig‹.

Verwendungsbeispiele für ›schöngeistig‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das Interesse an ihnen war unterschiedlich, und nicht anders als in der schöngeistigen Literatur hing der Erfolg nicht immer vom Wert ab. [Bauer, Hans: Tisch und Tafel in alten Zeiten, Leipzig: Koehler & Amelang 1967, S. 194]
Für schöngeistige Literatur, auch für deren Autoren, zeigte er kein Interesse. [Der Spiegel, 07.07.1980]
In einem schöngeistigen Verlag, in einer alten Villa, war eingebrochen worden. [Die Zeit, 20.11.1970, Nr. 47]
So verrieten gerade die Anzeigen der großen schöngeistigen Verlage, wie dürftig der Schnitt auch heuer wieder war. [Die Zeit, 27.09.1951, Nr. 39]
Bis dahin aber müssen wir uns mit schöngeistigen Erklärungen zufrieden geben. [Der Tagesspiegel, 13.07.2001]
Zitationshilfe
„schöngeistig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/sch%C3%B6ngeistig>.

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