schöngeistig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungschön-gei-stig (computergeneriert)
GrundformSchöngeist
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
die schöne Literatur, die schönen Künste betreffend
Beispiele:
die schöngeistige Literatur
schöngeistige Werke, Texte, Lektüre
2.
sich an der schönen Literatur, den schönen Künsten erbauend, begeisternd
Beispiele:
er ist ein schöngeistiger Mensch
ein Porträt der Frau von Staël oder einer anderen schöngeistigen Frau [Hofmannsth.ProsaI 184]
Er galt für einen hellen, schlauen, witzigen, ja sogar schöngeistigen Kopf [Th. MannBuddenbrooks1,242]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schön · Schönheit · schönen · verschönen · verschönern · beschönigen · Schöngeist · schöngeistig · schöntun
schön Adj. ‘in jeder Hinsicht gut anzusehen, wohlgefällig, bewundernswert’, ahd. scōni ‘ansehnlich, glänzend, rein, herrlich, gut, angenehm’ (8. Jh.), mhd. schœn(e), auch ‘schonend, freundlich’, asächs. skōni, mnd. schȫn(e), mnl. scōne, nl. schoon, afries. skēne, aengl. scīene, scēne, engl. (poetisch) sheen, anord. (als zweites Kompositionsglied) -skjōni, got. skauns oder skauneis ‘anmutig’ (germ. *skauni-) ist ein mit dem Suffix ie. bzw. germ. -ni- gebildetes Verbaladjektiv zu der unter ↗schauen (s. d.) genannten Wurzel ie. *(s)keu- ‘worauf achten, beobachten, schauen’. Auszugehen ist von einer Bedeutung ‘sichtbar, anschaubar’, die sich zu ‘ansehnlich’ und ‘gut, angenehm’ (auch von Gehörseindrücken) weiterentwickelt. Der Bezug des Wortes auf den vom humanistischen Bildungsideal geprägten ästhetischen Bereich, vgl. Fügungen wie schöne Künste (frz. les beaux-arts), schöne Wissenschaften (frz. les belles-lettres), schöne Literatur, erfolgt im 18. Jh. Zum alten adverbiellen Gebrauch s. ↗schon. Schönheit f. ‘das Schönsein, das Schöne’, mhd. schœnheit, schōnheit ‘Herrlichkeit, Pracht, Zierde, Schmuck, Unterhaltung, Festlichkeit’. schönen Vb. vornehmlich fachsprachlich ‘Färbungen verbessern, Wein klären’ (19. Jh.); nur selten ‘schönmachen, verschönern’, ahd. scōnen (um 800), scōnōn (9. Jh.), mhd. schœnen ‘schönmachen, schmücken, verherrlichen’; dafür heute verschönen Vb. mhd. verschœ̄nen, oder verschönern Vb. ‘schöner machen’ (17. Jh.). beschönigen Vb. ‘etw. weniger schwerwiegend, günstig darstellen’ (18. Jh.), älter beschönen, mhd. beschœnen ‘schönmachen, entschuldigen, rechtfertigen’. Schöngeist m. ‘wer von den schönen Künsten begeistert ist’ (18. Jh.), nach frz. bel esprit, bald auch ironisch; älter schöner Geist (17. Jh.); dazu schöngeistig Adj. (Anfang 19. Jh.), schöngeistige Schriften (19. Jh.). schöntun Vb. ‘freundlich sein, schmeicheln’ (17. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Buch Charakter Ding Literatur Neigung Verlag Verleger Zirkel wissenschaftlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schöngeistig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Für schöngeistige Literatur, auch für deren Autoren, zeigte er kein Interesse.
Der Spiegel, 07.07.1980
In einem schöngeistigen Verlag, in einer alten Villa, war eingebrochen worden.
Die Zeit, 20.11.1970, Nr. 47
Das Interesse an ihnen war unterschiedlich, und nicht anders als in der schöngeistigen Literatur hing der Erfolg nicht immer vom Wert ab.
Bauer, Hans: Tisch und Tafel in alten Zeiten, Leipzig: Koehler & Amelang 1967, S. 194
Er knüpfte eine Unterhaltung mit mir an und fand, daß ich mich wissenschaftlich und schöngeistig beschäftigt hatte.
Bergg, Franz: Ein Proletarierleben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 8842
Ich willigte wohl um so leichter ein, als ich dachte, dadurch selbstständiger zu werden - natürlich meiner schöngeistigen Neigungen wegen.
Schaeffer, Albrecht: Helianth II, Bonn: Weidle 1995 [1920], S. 138
Zitationshilfe
„schöngeistig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schöngeistig>, abgerufen am 17.02.2019.

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