schöpfen
GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungschöp-fen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›schöpfen‹ als Erstglied: ↗Schöpfbrunnen · ↗Schöpfeimer · ↗Schöpfer2 · ↗Schöpfer1 · ↗Schöpfkelle · ↗Schöpflöffel · ↗Schöpfrad · ↗Schöpfung · ↗Schöpfwerk
 ·  mit ›schöpfen‹ als Letztglied: ↗abschöpfen · ↗aufschöpfen · ↗ausschöpfen · ↗einschöpfen · ↗herausschöpfen · ↗vollschöpfen
 ·  Ableitung von ›schöpfen‹: ↗erschöpfen  ·  formal verwandt mit: ↗handgeschöpft
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
mit einem Gefäß, einer Kelle, der hohlen Hand einen (kleinen) Teil Flüssigkeit aus einer größeren Menge Flüssigkeit herausholen, entnehmen
Beispiele:
Wasser (mit einem Eimer) aus dem Brunnen, Bach, Kessel, der Wanne schöpfen
er musste das Wasser aus dem Boot schöpfen
sie schöpfte die Suppe aus der Terrine in die Teller
Einer ... schöpfte mit der Hand Wasser und schlürfte es [RennKrieg76]
bildlich
Beispiel:
Aus dem gemeinsamen Topf der Güterproduktion schöpfen alle [RathenauBriefe1,368]
übertragen
Beispiele:
der Dichter hat aus alten Quellen, seiner Phantasie geschöpft
er konnte aus seiner praktischen Erfahrung schöpfen
er konnte aus dem reichen Fundus seines Wissens schöpfen gehoben
sie kann aus dem Vollen schöpfen (= sie hat alles so reichlich zur Verfügung, dass sie großzügig und ohne Einschränkung wirtschaften kann) umgangssprachlich
2.
Beispiele:
Atem, Luft schöpfen (= tief einatmen)
er wollte frische Luft schöpfen (= ist ins Freie, an die frische Luft gegangen)
bildlich
Beispiel:
jetzt können wir wieder Luft schöpfen (= jetzt haben wir wieder etw. mehr Zeit, jetzt hat sich unsere Lage verbessert)
3.
abgeblasst   etw. bekommen
Beispiele:
Hoffnung, frischen Mut, neue Kraft schöpfen
Verdacht, Argwohn schöpfen
aus etw. Trost schöpfen
4.
Papier schöpfen fachsprachlich Papierbrei mit einem Sieb aus der Bütte herausnehmen und auf die Form gießen
Beispiel:
[das Papier in Bogenform] wurde geschöpft oder als Büttenpapier erzeugt [Werkunterricht1958]
5.
Jägersprache vom Haarwild   Wasser zu sich nehmen, trinken
Beispiel:
der Hirsch schöpft
6.
veraltet etw. schaffen, erschaffen
Beispiel:
Goethe hat viele neue Worte geschöpft
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schöpfen · erschöpfen · erschöpft · unerschöpflich · Schöpfer
schöpfen Vb. ‘Flüssigkeit mit einer Kelle oder einem Gefäß entnehmen’, auch ‘(er)schaffen’ (heute selten, im 19. Jh. veraltend). Laut- und bedeutungsgleich stehen nebeneinander ein starkes Verb ahd. skephen und ein schwaches Verb ahd. skephen, beide für ‘(er)schaffen, gestalten, bilden’ und ‘(Wasser) schöpfen’ (s. ↗schaffen). Vielleicht darf davon ausgegangen werden, daß die Bedeutung ‘(Wasser) schöpfen’ zunächst allein dem schwachen Verb zukam, das dann als eine Bildung zu dem unter ↗Schaff (s. d.) behandelten Substantiv anzusehen wäre. Die semantische Vermischung beider Verben ist jedenfalls im Ahd. bereits vollzogen. Während starkes ahd. skephen in schaffen weiterlebt (und die Bedeutung ‘Wasser schöpfen’ aufgibt), setzt sich schwaches ahd. skephen mit seinen beiden Bedeutungen in mhd. schepfen, nhd. (mit Rundung zu ö) schöpfen (schöpfte, geschöpft) fort. Vgl. auch (schwach flektierend) mnd. nl. scheppen ‘(Wasser) schöpfen’. erschöpfen Vb. ‘vollständig behandeln, die Kräfte völlig aufbrauchen’, eigentl. ‘bis zum Ende ausschöpfen’, ahd. irskephen ‘schwächen, erschöpfen’ (9. Jh.), mhd. erschepfen; erschöpft Part.adj. ‘am Ende seiner Kräfte, ermüdet’ (18. Jh.). unerschöpflich Adj. ‘unbegrenzt’ (15. Jh.). Schöpfer m. ‘Schöpfgefäß, -kelle’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Synonymgruppe
Assoziationen
  • löffeln · mit einem Löffel essen
Synonymgruppe
anfertigen · ↗entwerfen · ↗entwickeln · ↗erschaffen · ↗erstellen · ↗erzeugen · ↗gestalten · ↗hervorbringen · ↗kreieren · ↗produzieren · ↗realisieren · ↗schaffen  ●  ↗formen  geh.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abstiegskampf Atem Brunnen Eimer Erfahrungsschatz Fundus Hoffnung Hubraum Inspiration Kraft Lebensmut Liter Mut Optimismus PS Quelle Quellen Reservoir Selbstbewusstsein Selbstvertrauen Synergien Verdacht Vollen Wasser Zuversicht abschöpft ausschöpft daraus kW personell

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schöpfen‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Daher, aus den endgültigen Sätzen, schöpft er seine auratische Kraft als Schriftsteller.
Die Welt, 26.07.2001
Das macht mich traurig, aber das genieße ich auch, da schöpfe ich viel Kraft.
Der Tagesspiegel, 13.04.2001
Wir finden bei ihm die ganze Fülle antiker dichterischer Formen, und auch sprachlich schöpft er aus den verschiedensten Traditionen.
Mohrmann, Chr.: Altchristliche Dichtung. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 2298
Denn woher sonst sollte sie ihr Wissen um die reale Welt schöpfen?
Hartmann, Nicolai: Der Aufbau der realen Welt, Berlin: de Gruyter 1940, S. 447
Da ist jedes Wort eine Phrase, aus der Tiefe der Intuition geschöpft.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 18612
Zitationshilfe
„schöpfen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schöpfen>, abgerufen am 20.11.2017.

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