schaben

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungscha-ben (computergeneriert)
Wortbildung mit ›schaben‹ als Erstglied: ↗Schabblatt · ↗Schabeblatt · ↗Schabefleisch · ↗Schabeisen · ↗Schabemesser · ↗Schabkunst · ↗Schabmesser
 ·  mit ›schaben‹ als Letztglied: ↗abschaben · ↗aufschaben · ↗ausschaben · ↗durchschaben · ↗entlangschaben · ↗herausschaben
 ·  mit ›schaben‹ als Grundform: ↗zerschaben
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
mit einem scharfen Gerät über die Oberfläche von etw. streichen und dadurch sie selbst oder etw. von ihr entfernen
etw. schaben
Beispiele:
Möhren schaben
neue Kartoffeln schaben
etw. von etw. schaben
Beispiele:
den Rest des Rührteiges mit einem Teigschaber aus der Schüssel schaben
Die Hacke glitzert, mit der er das Harz von den Bäumen schabt [RoseggerWaldschulmeister1,79]
Technik mit einem Schaber von der Oberfläche eines Werkstücks feinste Späne abheben, um die Oberfläche dadurch möglichst eben und glatt zu machen
Beispiel:
ein Werkstück schaben
2.
salopp, scherzhaft
Beispiele:
sich schaben (= sich rasieren)
sich [Dativ] den Bart schaben
3.
sich, etw. an etw. schabensich, etw. an etw. reiben, scheuern
Beispiele:
sich [Dativ] die Finger wund schaben
Rinder, die sich am Drahtzaun schaben [RennKrieg26]
behaglich schabte er den Rücken an der sonndurchwärmten Hauswand [ViebigWeiberdorf52]
4.
mit etw. auf einer Fläche entlangfahren und dabei ein leises kratzendes Geräusch erzeugen
Beispiele:
Die Eßlöffel der Kleinen schaben auf dem Tellergrund [StrittmatterOchsenkutscher218]
Guido ... schabte mit einer Schuhspitze auf dem Boden [M. WalserHalbzeit475]
5.
Beispiel:
Geschabtes (= Schabefleisch)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schaben · Schabe1 · Schabe2 · schäbig · Schabe3 · Schabsel
schaben Vb. ‘reiben, abkratzen, radieren’. Das gemeingerm., ursprünglich starke Verb ahd. scaban (9. Jh.; giscaban, 8. Jh.), mhd. schaben ‘kratzen, radieren, scharren’, reflexiv ‘schäbig werden, glatt werden, polieren’, intransitiv ‘schnell weggehen’, asächs. skaƀan, mnd. schāven, mnl. scāven, nl. schaven, aengl. sc(e)afan, engl. to shave, anord. skafa, schwed. skava, got. skaban ‘die Haare scheren’ (germ. *skaban) läßt sich mit lat. scabere ‘kratzen, reiben’, scaber ‘rauh, krätzig’, scabiēs ‘Rauhigkeit, Räude’, lit. skõbti ‘mit dem Beitel, Schaber aushöhlen, (in Holz) schneiden’, russ.-kslaw. skoblь, russ. skóbel’ (скобель) ‘Schabmesser’ auf ie. *skā̌b(h)- zurückführen, eine durch Labialwechsel unterschiedene Variante der Wurzel ie. *(s)kē̌p-, *(s)kō̌p-, *(s)kā̌p- ‘mit scharfem Werkzeug schneiden, spalten’, wozu auch ↗schaffen, ↗Schaff, ↗Schaft, ↗schöpfen (s. d.) gehören. Übertritt zur schwachen Flexion erfolgt etwa im 16. Jh., zunächst im Prät. (schabte), zögernd im Part. Prät. (geschabt; doch geschaben vereinzelt noch im 19. Jh.). Vom Verb abgeleitet Schabe1 f. ‘Schabeisen (zum Glätten), Hobel’, ahd. scabo m. (9./10. Jh.), scaba f. (11. Jh.) ‘Schabeisen’, mhd. schabe f. ‘Schabeisen, Hobel’, asächs. skaƀo m., mnd. mnl. schave, nl. schaaf, aengl. sceafa m., anord. skafi m. ‘Schabeisen’. Schabe2 f. Name für ein abgeflachtes, käferähnliches, lichtscheues Insekt, das vornehmlich in Küchen, Backstuben und Speichern lebt, ‘Kakerlak’. Als Tiername zuerst mhd. schabe zur Bezeichnung (13. Jh.) der ‘Kleidermotte’ (so noch heute gebietsweise in Süddeutschland), danach steht Schabe als Gemeinschaftsname für ‘Holzwurm, Assel’ (16. Jh.) und anderes Kleingetier, dessen schädliche Wirksamkeit sich als schabendes, raspelndes Fressen darstellt. In diesem Sinne, also gleichsam als ‘Mehl, Staub machendes (oder fressendes?) Tierchen’, ist auch (trotz Ebbinghaus in: General Linguistics 17 (1977) 92 f.) das lat. ērūca glossierende aengl. mǣlsceafa (10. Jh.) aufzufassen. Erst im 18. Jh. wird Schabe (auch in den Zusammensetzungen Bäcker-, Mehl-, Küchenschabe als literatursprachlicher Name im oben genannten Sinne üblich. Vgl. Pfeifer Tiernamen Beiheft 2 (1965). S. auch ↗Schwabe. schäbig Adj. ‘räudig, krätzig, abgeschabt, abgenutzt, kleinlich, geizig’, mhd. schebic ‘räudig, von schlechtem Aussehen’, mit affektiver Geminierung mnd. mnl. schabbich ‘krätzig, schorfig’, nl. schabbig ‘abgenutzt, abgeschabt’, engl. shabby (vgl. aengl. sceabbede ‘krätzig, schorfig’) sind Ableitungen von Substantiven, die zu dem unter schaben (s. oben ) behandelten Verb gebildet sind, wie ahd. scabado, skebido m. (9. Jh.), asächs. skaƀaðo m., aengl. sceabb, anord. skabb n. ‘Räude, Krätze’ (woraus engl. scab), schwed. skabb und (erst seit dem 18. Jh. bezeugtes) nhd. Schabe3 f. ‘Räude, Krätze’, vereinzelt auch Schäbe (18. Jh.), nd. Schabbe. Die als Tierkrankheit verbreitete Räude verursacht Juckreiz, so daß sich die erkrankten Tiere reiben und abgeschabte Stellen im Fell entstehen. Vom Aussehen (‘abgeschabt, abgenutzt’ von der Kleidung) wird schäbig auf das Verhalten (‘kleinlich, geizig, erbärmlich’) übertragen. Schabsel n. ‘abgeschabtes Teilchen’ (17. Jh.); zum Suffix s. ↗-sal, ↗-sel.

Thesaurus

Synonymgruppe
kratzen · ↗ritzen · schaben · ↗scharren

Typische Verbindungen
computergeneriert

Brett Fleisch Gitarre Haut Karotte Knochen Lack Löffel Messer Möhre Oberfläche Saite Sand Spätzle ab abschaben ausschaben bohren entlang entlangschaben herausschaben herum klopfen kratzen schneiden sägen vorsichtig waschen weg zupfen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schaben‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Mann am Steuer winkt, wenig später schabt der Kiel über den Sand.
Süddeutsche Zeitung, 30.03.2004
Er nahm sich keine Zeit mehr, ihn zu schaben oder zu schneiden.
Völkischer Beobachter (Reichsausgabe), 02.03.1932
Schon weil das damit verbundene Geräusch stört, kratzt oder schabt man nicht auf den Tellern herum.
Weber, Annemarie (Hg.), Die Hygiene der Schulbank, Wiesbaden: Falken-Verl. 1955, S. 221
Dem Bauern und seinem Weibe schien es kaum an den Stiefelsohlen zu schaben.
Stehr, Hermann: Der Heiligenhof, München: List 1952 [1918], S. 134
Unter diesen Worten schälte sie den Apfel und schabte ihn; denn sie hatte fast keinen Zahn mehr im Munde.
Christ, Lena: Erinnerungen einer Überflüssigen. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1912], S. 16878
Zitationshilfe
„schaben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schaben>, abgerufen am 24.08.2019.

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