schamlos

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungscham-los
WortzerlegungScham-los
Wortbildung mit ›schamlos‹ als Erstglied: ↗Schamlosigkeit
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
grob gegen Sitte und Anstand verstoßend, unsittlich, unanständig
Beispiele:
eine schamlose Person, ein schamloses Geschöpf
schamlose Reden, Ausdrücke, Gebärden
sie ist schamlos gekleidet
eine ... von den schamlosesten Unflätereien strotzende, zwanzig Seiten lange Abhandlung [WedekindFrühlings ErwachenIII 1]
2.
ohne jede Scheu sich über die Grenzen des Taktes hinwegsetzend, unverschämt, dreist, unverfroren
Beispiele:
eine schamlose Frechheit, Anspielung, Enthüllung, Beleidigung, Indiskretion
jmdn. schamlos belügen, ausbeuten
schamlos wie unechte Liebe ist [Ch. WolfGeteilter Himmel144]
Man erlebte ... schamlose Inspektionen bestimmter Körperteile [NollHolt1,411]
so schamlos frech verspottete man dich [SchillerStuartIV 3]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Scham · schämen · beschämen · verschämt · unverschämt · schamhaft · schamlos
Scham f. ‘das Gefühl, bloßgestellt zu werden oder zu sein, Scheu, Verlegenheit’, ahd. scama ‘Beschämung, Zerknirschung, Bestürzung, Schande’ (8. Jh.), mhd. schame, auch ‘Ärgernis’ und (verhüllend, wie noch heute) ‘Geschlechtsteile’, asächs. skama, mnd. schām(e), mnl. scāme, aengl. sc(e)amu, engl. shame (germ. *skamō f.) und das schwache Verb got. skaman ‘sich schämen’ haben keine sicheren Anknüpfungen außerhalb des Germ., so daß die Etymologie ungeklärt bleibt. Eine Herleitung von der Wurzel ie. *k̑em- ‘bedecken, verhüllen’ (s. ↗Hemd) ist wenig wahrscheinlich. schämen Vb. reflexiv ‘Scham empfinden’, ahd. scamēn (8. Jh.), scamōn (9. Jh.), mhd. schamen, schemen, schämen, auch ‘schmähen, schänden’. beschämen Vb. ‘Schamgefühl bereiten, verlegen machen’, mhd. beschemen ‘in Schmach oder Scham bringen, schänden’. verschämt Part.adj. ‘scheu, voller Schamgefühl’ (18. Jh.), ‘schamlos, voller Schande’ (16. Jh.); vgl. mhd. verschemen, verschamen ‘in Scham, Schande versinken’ und ahd. firscamēn ‘aufhören, sich zu schämen’ (um 1000). unverschämt Part.adj. ‘ohne Schamgefühl, frech’, spätmhd. unverschamet. schamhaft Adj. ‘voller Scham, scheu, schüchtern’, ahd. scamahaft (8. Jh.), mhd. schamehaft. schamlos Adj. ‘ohne Schamgefühl, frech’, ahd. scamalōs (10. Jh.), mhd. scham(e)lōs.

Thesaurus

Synonymgruppe
lüstern · schamlos
Synonymgruppe
impertinent · schamlos · ↗unverfroren · ↗unverschämt  ●  das Letzte  ugs. · unterste Schublade  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
ausschweifend · ↗charakterlos · ↗haltlos · ↗hemmungslos · ohne Tugend · schamlos · ↗sittenlos · ↗tugendlos · ↗zuchtlos
Assoziationen
Synonymgruppe
Anstoß erregend · ↗anstößig · ↗obszön · ohne jedes Schamgefühl · schamlos · ↗schamverletzend · ↗schockierend
Assoziationen
Synonymgruppe
ohne Bedenken · ohne Hemmungen · schamlos · ↗ungeniert
Assoziationen
Synonymgruppe
frech · ↗keck · ↗kess · locker-flockig · ohne falsche Scham · ↗unbekümmert · ↗ungeniert · ↗ungezwungen · ↗vorlaut · ↗vorwitzig · ↗zwanglos  ●  schamlos  fig. · locker vom Hocker  ugs. · ↗schmerzfrei  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abkassieren Abzocker Ausbeutung Ausnutzen Ausnutzung Bereicherung Beutezug Finanz-Betrügerei Frechheit Heuchelei Instrumentalisierung Lüge Opportunist Preistreiberei Selbstbedienung Selbstbereicherung Untertreibung Verhöhnung Zurschaustellung ausbeuten ausnutzen ausnützen ausplündern ausschlachten bereichern geradezu lügen unanständig untertreiben Übertreibung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schamlos‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er behauptet, sie habe schamlos ausgenutzt, dass er was getrunken hatte.
Bild, 20.10.2003
In schamloser Weise gingen heute die Besitzer gegen ihre ländlichen Arbeiter vor.
Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 03.03.1904
Das geruchlose Kind roch ihn schamlos ab, so war es!
Süskind, Patrick: Das Parfum, Zürich: Diogenes 1985, S. 16
Ich rede gern schamlos drein, aber ich schäme mich, ich gebe mich respektlos und sehne mich danach, achten zu können.
Koeppen, Wolfgang: Der Tod in Rom. In: ders., Drei Romane, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1972 [1954], S. 385
Nicht alle empfanden es, aber alle waren niedergeworfen, waren schamlos entblößt, und an allen geschah es.
Plievier, Theodor: Stalingrad, München u. a.: Desch 1973 [1946], S. 122
Zitationshilfe
„schamlos“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schamlos>, abgerufen am 21.03.2019.

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