scharfe Zunge

Grammatik Mehrwortausdruck
Aussprache [ˌʃaʁfə ˈʦʊŋə]
Bestandteile scharfZunge
ZDL-Vollartikel, 2020

Bedeutungen

1.
bildlich Vorliebe für provokante, kritische, verletzende Äußerungen; Fähigkeit zu beißendem Spott
Grammatik: nur im Singular
Kollokationen:
als Akkusativobjekt: eine scharfe Zunge haben
als Adverbialbestimmung: mit scharfer Zunge kommentieren, sprechen
in Präpositionalgruppe/-objekt: für seine scharfe Zunge bekannt, berüchtigt sein
Beispiele:
Er ist berüchtigt für seine scharfe Zunge und spottet auch gern über Parteikollegen[…]. [Neue Zürcher Zeitung, 05.12.2017]
Zur Höchstform lief Schmidt allerdings dann auf, wenn er mit scharfer Zunge das politische Geschehen kommentierte. [Die Welt, 18.08.2017]
Willkommen am »Concours d’art oratoire Michel Nançoz«, dem Redekunst-Wettbewerb des Genfer Anwaltsverbandes. Jeweils im März wird unter den angehenden Strafverteidigern derjenige mit der schärfsten Zunge, mit dem grössten Sprachwitz und den besten Argumenten auserkoren. [Neue Zürcher Zeitung, 02.04.2016]
Der Moderator ist bekannt für seine scharfe Zunge und sorgt immer wieder gerne für Eklats. [Die Zeit, 09.03.2016 (online)]
Der 52-Jährige verfügt über 30 Jahre Erfahrung im Geschäft, eine scharfe Zunge, einen hellen Verstand und eine Haltung, die es für Geld nicht zu kaufen gibt. [Der Standard, 23.09.2014]
Mit seinem unbändigen Witz und seiner scharfen Zunge sprach Han Han vielen Gleichaltrigen, die unter dem Leistungsdruck in den Mittelschulen [Chinas] ächzten, aus dem Herzen. [Neue Zürcher Zeitung, 07.04.2010]
Sie hat eine scharfe Zunge, liebt kleine, bösartige Witze. [Feuchtwanger, Lion: Die Geschwister Oppermann, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1933], S. 45]
2.
missgünstige Person, die böswillige Kritik, Gerüchte, rufschädigende Verleumdungen o. Ä. über jmdn. oder etw. äußert oder das Handeln einer Person bewusst negativ darstellt
metonymisch
Grammatik: meist im Plural
Kollokationen:
als Aktiv-/Passivsubjekt: scharfe Zungen behaupten, sprechen von etw.
Beispiele:
Scharfe Zungen behaupten schon lange, er [Silvio Berlusconi] habe sich 1994 zum Ministerpräsidenten wählen lassen, um sein damals hoch verschuldetes Unternehmen zu sanieren – was ihm mithilfe einer Steuerreform auch eindrucksvoll gelang; und sein politisches Comeback 2001 habe vor allem das Ziel gehabt, sich die Probleme mit der Justiz und mindestens eine drohende Gefängnisstrafe vom Halse zu schaffen. [Der Tagesspiegel, 04.12.2002]
2007 bis 2015 verdienten Bill und Hillary 139 Millionen Dollar. Es gibt scharfe Zungen, die daher von »Clinton Incorporated« sprechen, dem profitablen Familienunternehmen. [Der Standard, 05.11.2016]
Wenn [Fußballtrainer] Lattek von scharfen Zungen mitunter beschrieben wird als rüpelnder Rentner, Fallbeil der Kritik oder als böser, alter Mann, müssen wir dagegenhalten, dass schon der junge Udo nicht ohne war. [Die Welt, 18.01.2010]
Schweizerisch kann Schneide gleichfalls ein böses, schneidendes Maul sein. Dazu gehört das Sprichwort »Scharfe Schwerter schneiden sehr, scharfe Zungen noch viel mehr«. [Röhrich, Lutz: Schneid(e). In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 5586]
Wie lange moderieren Sie das Dschungelcamp noch? […] Die schärfsten Zungen des Dschungels: Sonja Zietlow und Daniel Hartwich lästern und lachen wieder zwei Wochen über die Camp-Kandidaten […] [Bild, 13.01.2017] ungewöhnl.
Sie [die Kolumnistin Candace Bushnell] galt Mitte der neunziger Jahre als die schärfste Zunge und spitzeste Feder Manhattans. [Der Spiegel, 03.09.2001, Nr. 36] ungewöhnl. Sg.
Zitationshilfe
„scharfe Zunge“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/scharfe%20Zunge>, abgerufen am 30.05.2020.

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