scharfe Zunge

Grammatik Mehrwortausdruck
Aussprache [ˌʃaʁfə ˈʦʊŋə]
Bestandteile scharfZunge
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
bildlich Vorliebe für provokante, kritische, verletzende Äußerungen; Fähigkeit zu beißendem Spott
Grammatik: nur im Singular
Kollokationen:
als Akkusativobjekt: eine scharfe Zunge haben
als Adverbialbestimmung: mit scharfer Zunge kommentieren, sprechen
in Präpositionalgruppe/-objekt: für seine scharfe Zunge bekannt, berüchtigt sein
Beispiele:
Er ist berüchtigt für seine scharfe Zunge und spottet auch gern über Parteikollegen[…]. [Neue Zürcher Zeitung, 05.12.2017]
Zur Höchstform lief Schmidt allerdings dann auf, wenn er mit scharfer Zunge das politische Geschehen kommentierte. [Die Welt, 18.08.2017]
Willkommen am »Concours d’art oratoire Michel Nançoz«, dem Redekunst‑Wettbewerb des Genfer Anwaltsverbandes. Jeweils im März wird unter den angehenden Strafverteidigern derjenige mit der schärfsten Zunge, mit dem grössten Sprachwitz und den besten Argumenten auserkoren. [Neue Zürcher Zeitung, 02.04.2016]
Der Moderator ist bekannt für seine scharfe Zunge und sorgt immer wieder gerne für Eklats. [Die Zeit, 09.03.2016 (online)]
Der 52‑Jährige verfügt über 30 Jahre Erfahrung im Geschäft, eine scharfe Zunge, einen hellen Verstand und eine Haltung, die es für Geld nicht zu kaufen gibt. [Der Standard, 23.09.2014]
Mit seinem unbändigen Witz und seiner scharfen Zunge sprach Han Han vielen Gleichaltrigen, die unter dem Leistungsdruck in den Mittelschulen [Chinas] ächzten, aus dem Herzen. [Neue Zürcher Zeitung, 07.04.2010]
Sie hat eine scharfe Zunge, liebt kleine, bösartige Witze. [Feuchtwanger, Lion: Die Geschwister Oppermann. Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1933], S. 45]
2.
missgünstige Person, die böswillige Kritik, Gerüchte, rufschädigende Verleumdungen o. Ä. über jmdn. oder etw. äußert oder das Handeln einer Person bewusst negativ darstellt
metonymisch
Grammatik: meist im Plural
Kollokationen:
als Aktiv-/Passivsubjekt: scharfe Zungen behaupten, sprechen von etw.
Beispiele:
Scharfe Zungen behaupten schon lange, er [Silvio Berlusconi] habe sich 1994 zum Ministerpräsidenten wählen lassen, um sein damals hoch verschuldetes Unternehmen zu sanieren – was ihm mithilfe einer Steuerreform auch eindrucksvoll gelang; und sein politisches Comeback 2001 habe vor allem das Ziel gehabt, sich die Probleme mit der Justiz und mindestens eine drohende Gefängnisstrafe vom Halse zu schaffen. [Der Tagesspiegel, 04.12.2002]
2007 bis 2015 verdienten Bill und Hillary 139 Millionen Dollar. Es gibt scharfe Zungen, die daher von »Clinton Incorporated« sprechen, dem profitablen Familienunternehmen. [Der Standard, 05.11.2016]
Wenn [Fußballtrainer] Lattek von scharfen Zungen mitunter beschrieben wird als rüpelnder Rentner, Fallbeil der Kritik oder als böser, alter Mann, müssen wir dagegenhalten, dass schon der junge Udo nicht ohne war. [Die Welt, 18.01.2010]
Schweizerisch kann Schneide gleichfalls ein böses, schneidendes Maul sein. Dazu gehört das Sprichwort »Scharfe Schwerter schneiden sehr, scharfe Zungen noch viel mehr«. [Röhrich, Lutz: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten. Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994] [1973], S. 5586]
Wie lange moderieren Sie das Dschungelcamp noch? […] Die schärfsten Zungen des Dschungels: Sonja Zietlow und Daniel Hartwich lästern und lachen wieder zwei Wochen über die Camp‑Kandidaten […] [Bild, 13.01.2017] ungewöhnl.
Sie [die Kolumnistin Candace Bushnell] galt Mitte der neunziger Jahre als die schärfste Zunge und spitzeste Feder Manhattans. [Der Spiegel, 03.09.2001] ungewöhnl. Sg.

letzte Änderung:

Zitationshilfe
„scharfe Zunge“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/scharfe%20Zunge>, abgerufen am 08.05.2021.

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