scharren

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung schar-ren
Wortbildung  mit ›scharren‹ als Letztglied: ↗abscharren · ↗aufscharren · ↗ausscharren · ↗einscharren · ↗herumscharren · ↗zusammenscharren · ↗zuscharren
 ·  mit ›scharren‹ als Grundform: ↗Gescharr · ↗Gescharre · ↗verscharren · ↗zerscharren
eWDG

Bedeutungen

1.
von Tieren   (mit den Füßen) den Erdboden nur an der Oberfläche mit oft wiederholten, schnellen, kratzenden Bewegungen aufwühlen
Beispiele:
die Hühner scharren im Sand, Mist
der Hahn scharrt in der Erde nach Würmern
die Pferde scharren ungeduldig mit den Hufen
ein Loch scharrendurch Kratzen ein Loch graben
Beispiel:
ein Loch in den Boden, in die Erde scharren
selten den Boden scharren
Beispiel:
die Pferde scharrten den Boden
2.
etw. durch Kratzen mit den Füßen oder einem stumpfen Gerät (irgendwohin) fortbewegen
Beispiele:
umgangssprachlicher scharrte das welke Laub, Reisig auf einen Haufen
umgangssprachlichsie scharrten den Schmutz von einer Ecke in die andere
die Rentiere scharren den Schnee von den Flechten
fachsprachlichHarz von den Baumstämmen scharren (= abkratzen)
umgangssprachlicher ... scharrte dann mit den Füßen Sand und Steine über die Stengel [ RinserLobel53]
fachsprachlichdas ... aufgetrocknete Harz, das gescharrt wird [ Wissenschaft und Fortschritt1954]
salopp, abwertend, bildlich gierig Geld zusammenraffen
Beispiele:
Also, dann wird jetzt gescharrt und gespart [ MarchwitzaJugend127]
für Borgias Ruhm habe ich allen meinen Reichtum gescharrt und gekratzt und gehäuft [ KlabundBorgia53]
3.
durch Kratzen auf einer Oberfläche, besonders dem Erdboden, ein Geräusch erzeugen
Beispiele:
der Hund scharrt an der Tür, um sich bemerkbar zu machen
der Bleistift scharrte auf dem Papier
der Junge scharrte mit dem Fuß, mit den Füßen (im raschelnden Laub)
man hörte das Scharren vieler Füße, Schuhe, Sohlen, Schritte auf den Steinfliesen
ein Arbeiter schaufelt scharrend Koks in ein Kellerloch [ Kellerm.Totentanz206]
die Füße scharrten die Dielen [ J. RothHiob104]
(mit den Füßen) scharrenzum Zeichen des Missfallens die Füße wiederholt geräuschvoll auf dem Boden hin- und herschieben
Beispiele:
im Hörsaal wurde gescharrt, gezischt und gepfiffen
Im Saale rückwärts wurde von den Kleinaktionären mit den Füßen gescharrt [ MoloEin Deutscher355]
4.
landschaftlich, salopp, abwertend heiser sprechen, krächzen; sich räuspern
Beispiele:
scharrend sprechen, lachen
Sievers ... scharrte den Herren einen schönen guten Morgen [ RaabeII 1,190]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scharren · verscharren
scharren Vb. ‘geräuschvoll (mit den Füßen) kratzen, die obere Erdschicht wegkratzen’, mhd. scharren ist eine ablautende Intensivbildung zu ahd. skerran ‘(ab)kratzen’ (9. Jh.), mhd. scherren, auch ‘graben’, nhd. (nach dem 17. Jh. nur noch selten belegt) scherren ‘schaben, kratzen’. Verwandt sind asächs. ofskerran ‘abkratzen’, mnl. scarren, scerren, schwed. skorra ‘schnarren’, nhd.schurren (s. d.). Man vergleicht damit lat. carrere ‘(Wolle) krempeln’, aslaw. krasta ‘Kruste, Grind, Räude’, russ. korósta (короста) ‘Krätze, Grind’, lit. kar̃šti ‘krempeln, hecheln’ und die unter ↗harsch (s. d.) abgehandelten Wortformen. Auszugehen ist von ie. *kars- ‘kratzen, striegeln, krempeln’. Zur Erklärung der germ. Verben muß das Hinzutreten eines anlautenden s und Umgestaltung der Ablautverhältnisse in Anlehnung an die Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘schneiden’ (s. ↗scheren1) angenommen werden. verscharren Vb. ‘oberflächlich in die Erde eingraben, mit Erde zudecken’ (16. Jh.), in affektischer Umgangssprache ‘beerdigen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
kratzen · ↗ritzen · ↗schaben · scharren

Typische Verbindungen zu ›scharren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›scharren‹.

Verwendungsbeispiele für ›scharren‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er kratzt sich am Bein und scharrt mit den Schuhen im Sand.
Dückers, Tanja: Spielzone, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2002 [1999], S. 42
Der Hund scharrte an einer Tür, wurde liebevoll schimpfend weitergezogen.
Hahn, Ulla: Unscharfe Bilder, München: Deutsche Verlags-Anstalt 2003, S. 178
Sie hatten Stöcke in der Hand und scharrten damit in der Asche.
Pausewang, Gudrun: Die Wolke, Ravensburg: Maier 1989 [1987], S. 79
Im Gras neben dem Misthaufen scharrten Hühner und pickten mit ihren gelben Schnäbeln in der Erde.
Pressler, Mirjam: Malka Mai, Weinheim Basel: Beltz & Gelberg 2001, S. 34
Er scharrte mit den Füßen im Boden, bog ein paar Zweige auseinander, suchte den ganzen Waldrand ab.
Harig, Ludwig: Ordnung ist das ganze Leben, München u. a.: Hanser 1987 [1986], S. 153
Zitationshilfe
„scharren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/scharren>, abgerufen am 24.02.2021.

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