Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

scharwenzeln

Grammatik Verb · scharwenzelt, scharwenzelte, ist/hat scharwenzelt
Nebenform selten scherwenzeln · Verb · scherwenzelt, scherwenzelte, ist/hat scherwenzelt
Aussprache  [ʃaʁˈvɛnʦl̩n] · [ʃɛʁˈvɛnʦl̩n]
Worttrennung schar-wen-zeln · scher-wen-zeln
GrundformScharwenzel
Wortbildung  mit ›scharwenzeln‹ als Erstglied: Scharwenzler  ·  mit ›scharwenzeln‹ als Letztglied: herumscharwenzeln · herumscharwänzeln · rumscharwenzeln · rumscharwänzeln
 ·  mit ›scharwenzeln‹ als Grundform: Scharwenzelei
eWDG und ZDL

Bedeutung

umgangssprachlich, abwertend jmd. scharwenzelt jmdm.ZDL, jmd. scharwenzelt um jmdn.ZDLsich übereifrig, unterwürfig um jmdn. bemühen
Synonym zu liebedienern
Beispiele:
er ist, hat die ganze Zeit um seinen Chef, um die Damen scharwenzelt
[Der Emu] Emil[…] scharrt und scharwenzelt um die ein Jahr jüngere Emilia, dass es für den Beobachter die reinste Freude ist. [Saarbrücker Zeitung, 02.03.2020]ZDL
Den Chinesen scharwenzeln unsere Bundesräte, als ob es keine Lager für Uiguren gäbe und die neue Seidenstrasse ein Hilfswerkprojekt wäre. [Der Bund, 31.12.2019]ZDL
Würde es ihm anstehen, beim Kaiser zu antichambrieren (= um Gunst betteln) und zu scherwenzeln, zur Messe zu gehen und mit jedem Günstling schönzutun, der eben in Flor war? [Huch, Ricarda: Der Dreißigjährige Krieg. Wiesbaden: Insel-Verl. 1958 [1914], S. 293]ZDL
Wir sind Schweizer und verstehen uns nicht auf das Scharwenzeln bei Hofe […] [ Ric. HuchConfalonieri49]
im Bild jmd. scharwenzelt um jmdn., etw.sich nicht auf geradem Weg, in Schlangenlinien auf etw. zu oder um jmdn., etw. herum bewegenZDL
Beispiele:
Meine Kollegin und ich scharwenzelten durch die Menschenmassen bei der anschließenden Party, als ein uns wohlgesonnener VIP‑Betreuer uns ein Zeichen gab, unauffällig eine rote Kordel zu passieren und die dahinter liegende Treppe auf die Galerie hinaufzusteigen. [Berliner Morgenpost, 08.11.2021]
Wer weiß, hätten die passsicheren gestandenen Recken in Gelb‑Schwarz ernst gemacht, dann hätten sie das sogenannte »Top Team Peking« (ja, irgendwann soll es ja wieder mal Olympische Winterspiele geben) nicht nur mit einem 7:2 vom Eis scharwenzelt. [Der Tagesspiegel, 07.11.2020]
Im sechsten Gang und bei knapp 2.000 Touren scharwenzelt die Z [ein Motorrad] durchs Dorf, nur um am Ortsende im gleichen Gang formidabel und gleichmäßig bis an den roten Bereich zu beschleunigen. [Leipziger Volkszeitung, 20.06.2020]
Bis vor ein paar Jahren scharwenzelte noch Labrador‑Retriever‑Dame Mara durch die 180 Quadratmeter große Wohnung mit ihren vier Zimmern in der Südvorstadt. [Leipziger Volkszeitung, 02.05.2020]
bildlich Mittels kaum noch zählbarer Nicknamen scharwenzelte er durch diesen Blog … [Der stillschweigende Streit um die Lachnummer, 12.01.2018, aufgerufen am 01.09.2020]

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Scharwenzel · Wenzel · scharwenzeln · Scharwenzler
Scharwenzel älter Scherwenzel m. ‘Bube, Unter, Junge’ (im Kartenspiel), daher auch eine Art Kartenspiel, übertragen ‘dienstbeflissener Mensch, Allerweltsdiener’ (Mitte 18. Jh.); wohl Entlehnung (Mitte 17. Jh.) in der Oberlausitz aus tschech. (mundartlich) červenc ‘Unter aller Farben’ (eigentlich ‘roter Unter, Herzbube’), z. B. in dem alten tschechischen Hasardkartenspiel Straschak, abgeleitet von tschech. červený ‘rot’. Der dt. Ausdruck steht unter dem Einfluß von Wenzel m. ‘Unter, Bube, Junge’ (für die vier höchsten Trümpfe beim Skat), nach dem Männernamen Wenzel, dem böhmischen Nationalheiligen (ahd. Wenzil, mhd. Wenzel), aus atschech. *Vęceslav (latinisiert Venceslaus), tschech. Václav (s. Fatzke). – scharwenzeln Vb. (landschaftlich auch scherwenzeln) ‘das Kartenspiel Scharwenzel spielen’ (Ende 17. Jh.), auch ‘sich durch Dienstbeflissenheit angenehm zu machen suchen, liebedienern, übereifrig den Hof machen’; diese Bedeutung (wie auch ‘dienstbeflissener Mensch’, s. oben) entwickelt sich wohl unter dem Einfluß von schwänzeln ‘geziert einherstolzieren, jmdn. umschmeicheln’ (s. d.), vielleicht mit volksetymologischer Anlehnung an frz. cher ‘teuer, lieb’. Scharwenzler m. ‘wer durch Dienstbeflissenheit auffallen will’ (Anfang 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
trippeln · tänzeln  ●  scharwenzeln  ugs.
Zitationshilfe
„scharwenzeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/scharwenzeln>.

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