scharwenzeln

Grammatik Verb · scharwenzelt, scharwenzelte, ist/hat scharwenzelt
Nebenform scharwänzeln · Verb · scharwänzelt, scharwänzelte, ist/hat scharwänzelt
Aussprache [ʃaʁˈvɛnʦl̩n]
Worttrennung schar-wen-zeln ● schar-wän-zeln
Grundform Scharwenzel
Wortbildung  mit ›scharwenzeln‹ als Erstglied: Scharwenzler  ·  mit ›scharwenzeln‹ als Letztglied: herumscharwenzeln · herumscharwänzeln · rumscharwenzeln · rumscharwänzeln
 ·  mit ›scharwenzeln‹ als Grundform: Scharwenzelei
Herkunft Scharwenzel
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich, abwertend sich übereifrig, unterwürfig um jmdn. bemühen, liebedienern
Beispiele:
er ist, hat die ganze Zeit um seinen Chef, um die Damen scharwenzelt
Wir sind Schweizer und verstehen uns nicht auf das Scharwenzeln bei Hofe [ Ric. HuchConfalonieri49]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Scharwenzel · Wenzel · scharwenzeln · Scharwenzler
Scharwenzel älter Scherwenzel m. ‘Bube, Unter, Junge’ (im Kartenspiel), daher auch eine Art Kartenspiel, übertragen ‘dienstbeflissener Mensch, Allerweltsdiener’ (Mitte 18. Jh.); wohl Entlehnung (Mitte 17. Jh.) in der Oberlausitz aus tschech. (mundartlich) červenc ‘Unter aller Farben’ (eigentlich ‘roter Unter, Herzbube’), z. B. in dem alten tschechischen Hasardkartenspiel Straschak, abgeleitet von tschech. červený ‘rot’. Der dt. Ausdruck steht unter dem Einfluß von Wenzel m. ‘Unter, Bube, Junge’ (für die vier höchsten Trümpfe beim Skat), nach dem Männernamen Wenzel, dem böhmischen Nationalheiligen (ahd. Wenzil, mhd. Wenzel), aus atschech. *Vęceslav (latinisiert Venceslaus), tschech. Václav (s. Fatzke). scharwenzeln Vb. (landschaftlich auch scherwenzeln) ‘das Kartenspiel Scharwenzel spielen’ (Ende 17. Jh.), auch ‘sich durch Dienstbeflissenheit angenehm zu machen suchen, liebedienern, übereifrig den Hof machen’; diese Bedeutung (wie auch ‘dienstbeflissener Mensch’, s. oben) entwickelt sich wohl unter dem Einfluß von schwänzeln ‘geziert einherstolzieren, jmdn. umschmeicheln’ (s. d.), vielleicht mit volksetymologischer Anlehnung an frz. cher ‘teuer, lieb’. Scharwenzler m. ‘wer durch Dienstbeflissenheit auffallen will’ (Anfang 19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
trippeln · tänzeln  ●  scharwenzeln  ugs.

Typische Verbindungen zu ›scharwenzeln‹, ›scharwänzeln‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›scharwenzeln‹.

Verwendungsbeispiele für ›scharwenzeln‹, ›scharwänzeln‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da ich ihn nicht angesprochen habe, als er neben mir scharwenzelte (wie verzweifelt muss er sein!
Süddeutsche Zeitung, 23.07.2002
Jetzt scharwenzelt sie nur noch mit energischem Hüftschwung durch die Gemächer.
Der Tagesspiegel, 24.01.2005
Noch einmal kann sie sich freimachen und durch Felder und Gehölze scharwenzeln.
Die Zeit, 16.09.1999, Nr. 38
Sie gurrt, sie tänzelt und scharwenzelt und dann erliegt sie Wenzels Unverstelltheit.
Süddeutsche Zeitung, 02.04.2003
Mal dräut ihm zufolge der Gewerkschaftsstaat, mal höhnt er über die „Reichen“, die um den Tisch des Kanzlers „scharwenzeln“.
Die Zeit, 08.08.1980, Nr. 33
Zitationshilfe
„scharwenzeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/scharwenzeln>, abgerufen am 19.10.2021.

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