schassen

Grammatik Verb · schasst, schasste, hat geschasst
Aussprache 
Worttrennung schas-sen

Bedeutungsübersicht+

  1. [umgangssprachlich, veraltend] jmdn. schimpflich entlassen
    1. a) [Schülersprache] jmdn. von der Schule verweisen
    2. b) jmdn. schimpflich aus seinem Amt entlassen, davonjagen
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich, veraltend jmdn. schimpflich entlassen
a)
Schülersprache jmdn. von der Schule verweisen
Beispiele:
Um die Zeit [Dezember 1939] haben sie mich von der Schule geschaßt [ M. W. SchulzStaub im Wind206]
ich werde ja doch über kurz oder lang aus dem Lyzeum geschaßt, weil ich jüdisch bin [ A. NeumannEs waren ihrer sechs274]
b)
jmdn. schimpflich aus seinem Amt entlassen, davonjagen
Beispiel:
Nachdem ich nichts getaugt, ein ... geschaßter Hauslehrer, der unbrauchbarste Bibliothekar gewesen war [ Sternheim4,333]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schassen Vb. ‘jmdn. schimpflich von einer Hochschule oder einer ähnlichen Institution verweisen, relegieren’, entlehnt (18. Jh.) aus frz. chasser ‘jagen, vertreiben, aus einer Stellung fortjagen’, afrz. chacier, aus vlat. *captiāre ‘auf etw. Jagd machen, zu ergreifen suchen’ (lat. captāre), einer Ableitung von lat. capere (captum) ‘nehmen, fassen, (er)greifen’, das mit dem unter ↗heben (s. d.) behandelten Verb verwandt ist. schassen ist anfangs in der Studenten- und Schülersprache geläufig, gilt später auch in allgemeiner Umgangssprache für ‘jmdn. entlassen, hinauswerfen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemanden aus etwas) jagen · (jemanden) in die Flucht schlagen · ↗(jemanden) verjagen · ↗(jemanden) vertreiben · ↗(jemanden) wegjagen · ↗davonjagen · ↗fortjagen · ↗verscheuchen  ●  ↗wegbeißen  fig. · mit einem Fußtritt vor die Tür jagen  derb, variabel · schassen  ugs. · wegjagen wie einen räudigen Hund  derb, Jargon, variabel · zum Teufel jagen  ugs.
Assoziationen
  • (etwas) schlechtreden · ↗(jemandem etwas) verekeln · ↗(jemandem etwas) vergällen · ↗(jemandem etwas) verleiden · ↗(jemandem etwas) vermiesen · (jemandem) die Lust verderben · ↗(jemanden) vergraulen  ●  (jemandem) den Appetit verderben  variabel · ↗(etwas) miesmachen  ugs. · in die Suppe spucken  ugs.
  • ausgrenzen · ↗ausklammern · ↗ausschließen · ↗aussperren · draußen halten · ↗fernhalten · ↗heraushalten · ↗isolieren · keinen Zutritt gewähren · nicht (mit) einbeziehen · nicht dabeihaben wollen · nicht hereinlassen · nicht mitmachen lassen · nicht reinlassen  ●  außen vor lassen  ugs.
  • (jemandem) zeigen, wo die Tür ist · ↗fortschicken · ↗hinausschicken · ↗hinauswerfen · nach Hause schicken · ↗wegschicken · zum Gehen auffordern  ●  (jemandem) die Tür weisen  geh. · (jemanden) an die frische Luft befördern  ugs. · ↗(jemanden) hinauskomplimentieren  geh. · des Saales verweisen  geh. · ↗hinausbefördern  ugs. · hinausexpedieren (sehr selten)  geh., bildungssprachlich · rausschicken  ugs. · ↗rausschmeißen  derb · ↗rauswerfen  ugs. · vom Hausrecht Gebrauch machen  geh., juristisch, verhüllend · ↗vor die Tür setzen  ugs.
  • Geh weg! · Geh! · Mach, dass du fortkommst!  ●  Fort mit dir!  veraltend · Geh mit Gott, aber geh!  Redensart · Wegtreten!  militärisch · Abflug!  ugs. · Abmarsch!  ugs. · Baba und foi ned.  ugs., wienerisch · Da ist die Tür!  ugs. · Fahr zur Hölle!  derb, aggressiv · Geh (doch) dahin, wo der Pfeffer wächst!  ugs. · Geh mir aus den Augen!  ugs. · Geh mir vom Acker!  ugs. · Geh sterben!  vulg. · Hau ab und komm nicht wieder!  ugs. · Hau ab!  ugs. · Hinfort mit dir!  geh., altertümelnd · Hutsch dich!  ugs., österr. · Kratz die Kurve!  ugs. · Mach 'n Abgang!  ugs. · Mach 'ne Fliege!  ugs. · Mach Meter!  ugs., österr. · Mach die Fliege!  ugs. · Mach, dass du wegkommst!  ugs. · Pack dich!  ugs. · Raus (mit dir)!  ugs. · Scher dich fort!  ugs., veraltend · Scher dich weg!  ugs., veraltend · Scher dich zum Teufel!  ugs., veraltend · Schieb ab!  ugs. · Schieß in'n Wind!  ugs. · Schleich di!  ugs., süddt. · Schleich dich!  ugs. · Schwirr ab!  ugs. · Sieh zu, dass du Land gewinnst!  ugs. · Sieh zu, dass du weiterkommst!  ugs. · Verpiss dich!  derb · Verschwinde wie der Furz im Winde!  ugs., scherzhaft · Verschwinde!  ugs. · Verzieh dich!  ugs. · Verzupf dich!  ugs., österr. · Weiche von mir!  geh., veraltet · Zieh Leine!  ugs. · Zieh ab!  ugs. · Zisch ab!  ugs.
  • hinausekeln · ↗vergraulen · wegekeln · ↗wegmobben  ●  ↗wegbeißen  fig. · ↗rausekeln  ugs. · rausmobben  ugs.
  • auseinander jagen · auseinander treiben · ↗zerstreuen
  • (jemanden) ausschließen (aus) · (jemanden) ausstoßen (aus) · abgemeldet sein (bei) · brechen mit · für jemanden gestorben sein  ●  ↗(jemanden) verstoßen  Hauptform · ↗(jemanden) ächten  veraltend
  • (eine) Absage erteilen · (einen) abschlägigen Bescheid erteilen (Amtsdeutsch, veraltend) · (jemandem) die Tür vor der Nase zuschlagen · (jemandem) eine Abfuhr erteilen · ↗(jemanden) abweisen · ↗ablehnen · ↗fortschicken · nicht eingehen auf · ↗verschmähen · ↗wegschicken · ↗wegweisen · ↗zurückstoßen  ●  (etwas) abschlägig bescheiden  Amtsdeutsch · ↗(jemanden) zurückweisen  Hauptform · (man) beschied ihn kühl, dass  geh., floskelhaft, distanzsprachlich · abblitzen lassen  ugs. · ↗abbügeln  ugs. · auflaufen lassen  ugs. · die kalte Schulter zeigen  ugs., fig. · ↗einen Korb geben  ugs., fig. · in die Wüste schicken  ugs., fig. · kalt auflaufen lassen  ugs. · von der Bettkante stoßen  ugs. · zur Hölle schicken  ugs.
Synonymgruppe
entlassen  ●  (jemandem) den Vertrag nicht verlängern  variabel · ↗(jemanden) kündigen  Hauptform · ↗freisetzen  verhüllend · ↗freistellen  verhüllend · ↗(eiskalt) abservieren  ugs., salopp · ↗(jemandem) den Stuhl vor die Tür setzen  ugs., fig. · ↗(jemanden) loswerden  ugs. · ↗(sich jemandes) entledigen  geh. · ↗absägen  ugs., salopp · achtkantig rauswerfen  ugs., variabel · auf die Straße setzen  ugs., fig. · ↗feuern  ugs. · hochkant(ig) rauswerfen  ugs., variabel · im hohen Bogen rauswerfen  ugs., fig. · ↗rausschmeißen  ugs., salopp · ↗rauswerfen  ugs. · schassen  ugs.
Unterbegriffe
  • (jemanden) aus dem Amt vertreiben · (jemanden) seines Amtes entheben  ●  (jemanden) aus dem Amt jagen  ugs.
Assoziationen
  • (die) Arbeit verlieren · (jemandes) Arbeitsverhältnis wird beendet · gehen müssen · gekündigt werden · rausgeworfen werden · wegrationalisiert werden  ●  (der) Stuhl wird (jemandem) vor die Tür gesetzt  fig. · auf die Straße gesetzt werden  fig. · entlassen werden  Hauptform · seinen Hut nehmen müssen  fig. · vor die Tür gesetzt werden  fig. · (die) rote Karte kriegen  ugs., fig. · (sich) was Neues suchen können  ugs. · achtkantig rausfliegen  ugs. · ↗fliegen  ugs., fig. · gefeuert werden  ugs. · gegangen werden  ugs., scherzhaft · geschasst werden  ugs. · hochkant(ig) rausfliegen  ugs. · ↗rausfliegen  ugs. · rausgeschmissen werden  ugs.
  • (das) Arbeitsverhältnis beenden  ●  (die) Zusammenarbeit beenden  verhüllend, floskelhaft · ↗(sich) trennen  verhüllend, floskelhaft
  • Entlassungswelle · ↗Kündigungswelle · ↗Massenentlassung · ↗Rationalisierung  ●  ↗Kahlschlag  fig.
  • abberufen · ↗ablösen · ↗absetzen · ↗entlassen · ↗entmachten · seines Postens entheben  ●  ↗abhalftern  ugs. · seines Amtes entheben  geh. · seines Amtes entsetzen  geh., veraltet · seines Kommandos entheben  geh.
  • (jemanden) abwimmeln · ↗(jemanden) loswerden · (sich jemanden) vom Halse schaffen · ↗(sich jemandes) entledigen  ●  ↗(jemanden) entsorgen  derb
  • (jemandem) zeigen, wo die Tür ist · ↗fortschicken · ↗hinausschicken · ↗hinauswerfen · nach Hause schicken · ↗wegschicken · zum Gehen auffordern  ●  (jemandem) die Tür weisen  geh. · (jemanden) an die frische Luft befördern  ugs. · ↗(jemanden) hinauskomplimentieren  geh. · des Saales verweisen  geh. · ↗hinausbefördern  ugs. · hinausexpedieren (sehr selten)  geh., bildungssprachlich · rausschicken  ugs. · ↗rausschmeißen  derb · ↗rauswerfen  ugs. · vom Hausrecht Gebrauch machen  geh., juristisch, verhüllend · ↗vor die Tür setzen  ugs.

Typische Verbindungen zu ›schassen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schassen‹.

Verwendungsbeispiele für ›schassen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich würde nicht mehr »geschaßt« werden, das wußte ich nun.
Sudermann, Hermann: Das Bilderbuch meiner Jugend. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 961
Militärische Führer sind während der vergangenen Jahre in Scharen geschaßt worden.
Die Zeit, 01.06.1973, Nr. 23
Wenn man ihn jetzt geschasst hätte, wäre der Verlust verhältnismäßig gering geblieben.
Die Welt, 06.12.2003
Man hat uns noch nicht geschasst, es gab noch keinen Skandal.
Der Tagesspiegel, 31.08.2004
Gewaltige Flammen schassen aus den Fenstern und drohten in die Kontorräume überzuspringen.
Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 05.03.1907
Zitationshilfe
„schassen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schassen>, abgerufen am 06.03.2021.

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