Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

schaudern

Grammatik Verb
Aussprache  [ˈʃaʊ̯dɐn]
Worttrennung schau-dern
Wortbildung  mit ›schaudern‹ als Erstglied: schauderbar  ·  mit ›schaudern‹ als Letztglied: zurückschaudern · zusammenschaudern
eWDG

Bedeutungen

1.
Schauder empfinden, besonders Grauen, Abscheu, Angst, Ehrfurcht
Beispiele:
jmd. schaudert (vor jmdm., etw.)
die Gefahr, Drohung, der grässliche Anblick machte ihn schaudern
schaudernd wandte sie sich von dem Toten ab
ein Schaudern erfasst, ergreift, packt jmdn.
jmd. fühlt ein leises, tiefes, angstvolles, ehrfürchtiges Schaudern
Sie schauderten, sie entsetzten sich [ G. Hauptm.Quint1,405]
jmdn., jmdm. schaudert (es)
Beispiele:
mich, mir schaudert (es) bei dem Gedanken
es schauderte ihn, als er in den Abgrund sah
2.
durch Kälte oder durch eine heftige Empfindung, besonders durch Grauen, Abscheu, Angst, Ehrfurcht, zittern, frösteln
Beispiele:
jmd. schaudert (im kalten Wind)
schaudernd vor Müdigkeit saßen die Reisenden im Wartesaal
Er schaudert vor Angst … und jeder sieht, daß er krampfhaft den Versuch macht, sich zu beherrschen [ E. ClaudiusGrüne Oliven18]
ihre Stimme hat geschaudert, sooft sie die Milchschwester erwähnte [ H. MannVollendung Henri Quatre7,663]
jmdn., jmdm. schaudert (es)
Beispiele:
ihn, ihm schauderte in seinem dünnen Mantel
es schauderte sie vor Ergriffenheit
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schaudern · Schauder · schauderhaft · schauderös
schaudern Vb. ‘von Angst, Entsetzen geschüttelt werden, vor Kälte zittern’, frühnhd. schauderen (16. Jh.), übernommen (und durch Diphthongierung hd. Lautverhältnissen angepaßt) von im 14. Jh. am Niederrhein mit gelängtem Vokal auftretendem schūderen, das wie mnd. schōderen, schāderen, schodderen, nd. schuddern, mnl. schuderen, nl. (älter) schudderen (vgl. aus dem Mnd. mengl. shod(d)er, engl. to shudder) ‘zittern, schlottern’ iterativ zu dem unter schütten (s. d.) behandelten Verb gebildet ist. Schauder m. ‘Zittern des Körpers, Angst, Entsetzen’ (16. Jh.), aus dem Verb rückgebildet. schauderhaft Adj. ‘grauenvoll, abscheulich’ (18. Jh.), in der Studentensprache scherzhaft französierend schauderös Adj. (19. Jh.), lautlich angelehnt an Wörter wie ominös, skandalös.

Thesaurus

Synonymgruppe
(eine) Gänsehaut bekommen · (jemandem) schlottern die Knie · (vor Kälte) bibbern · am ganzen Körper zittern · erbeben · erschaudern · erschauern · erzittern · schaudern · schauern · weiche Knie haben · zittern  ●  schuckern  regional · (vor Angst) schlottern  ugs. · gebeutelt werden  ugs. · zittern wie Espenlaub  ugs., Verstärkung
Synonymgruppe
(jemandem) kalt den Rücken herunterlaufen · (sich) graulen · (sich) grausen · (sich) gruseln · schaudern · unheimlich (zumute) sein  ●  (jemanden) kalt überlaufen  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›schaudern‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schaudern‹.

Verwendungsbeispiele für ›schaudern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Was an der Wall Street passiert, läßt die Deutschen schaudern. [Der Spiegel, 18.08.1997]
Die nahen Bauten rings um die kilometerbreite Düne machen schaudern. [Die Zeit, 20.02.1978, Nr. 08]
Und ich schaudere, wenn ich daran denke, daß ich alles aus mir selbst herauszerren muß. [Die Zeit, 04.08.1949, Nr. 31]
Aber selbst davor schaudert es einen nicht, sondern man nimmt es mit heimlichem Stolz wahr und wünschte, es wäre so. [Die Zeit, 03.02.2003 (online)]
Man fühlt sich angezogen von diesem Ort und abgestoßen, man ist fasziniert und schaudert manchmal im selben Moment. [Der Tagesspiegel, 02.11.2000]
Zitationshilfe
„schaudern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schaudern>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
schauderhaft
schaudererregend
schauderbar
schaubar
schau
schaudervoll
schauderös
schauen
schauerartig
schauererregend