Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

schauern

Grammatik Verb · schauert, schauerte, hat geschauert
Aussprache  [ˈʃaʊ̯ɐn]
Worttrennung schau-ern
Wortbildung  mit ›schauern‹ als Letztglied: durchschauern · erschauern · zusammenschauern
eWDG

Bedeutungen

I.
durch eine heftige Empfindung, besonders durch Ehrfurcht, Ergriffenheit, Angst, Entsetzen, oder durch Kälte, Fieber zittern, frösteln
Beispiele:
jmd. schauert (im Regen, kalten Wind, ängstlich, vor Erregung)
die Ehrfurcht, das Glück, eine Drohung lässt jmdn. schauern
er schauerte bei dem Gedanken an den Tod
dem Fiebernden schauerte die Haut
ihm schauerten alle Glieder
Die Morgenkälte faßte mich und machte mich schauern [ RennKrieg324]
Der alte Mann schauerte am ganzen Leib, so durchfrostete ihn das Entsetzen [ St. ZweigNovellen2,399]
jmdn., jmdm. schauert (es)
Beispiele:
mich, mir schauerte
es schauerte sie vor Kälte, Ergriffenheit
ihn, ihm schauerte (= grauste) (es) vor der Einsamkeit, dem Tod
ein (eisiges, eiskaltes) Schauern ging, lief, kroch durch seine Glieder
II.
umgangssprachlich es schauertein Regenschauer, Hagelschauer oder Schneeschauer geht nieder
Beispiel:
es hat den ganzen Tag geschauert
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schauer2 · schauerlich · schaurig · schauern
Schauer2 m. ‘kurzer, heftiger Niederschlag, plötzliche Empfindung von Kälte, Angst, Entsetzen’, ahd. scūr (8. Jh.), mhd. schūr(e), schour, schoure ‘Hagel, Ungewitter’, übertragen ‘Leid, Verderben, Vernichtung’, asächs. skūr ‘Ungewitter, Sturm’, aengl. scūr ‘Ungewitter’, engl. shower und anord. skūr f., schwed. skur, got. skūra f. (in skūra windis ‘Sturmwind’), germ. *skūra lassen sich wohl wie armen. c̣urt ‘kalt, Kälte, Schauer’ als ablautende Bildungen mit lat. caurus ‘Nordwestwind’, lit. šiáurė ‘Norden’, šiaũras ‘kalt, nördlich, streng, durchdringend’ (besonders vom Wind), aslaw. sěverъ ‘Norden, Nordwind’, russ. séver (север) ‘Norden’ verbinden und auf ie. *k̑ēu̯er-, *sk̑ūr- ‘Nord(wind)’ zurückführen. Schauer im Sinne von ‘vorübergehendes Zittern des Körpers, Angst, Entsetzen’ und ‘Anfall von Fieber oder Frösteln’ wird im 17. Jh. (wohl unter Einfluß von nicht verwandtem Schauder, s. d.) gebräuchlich. schauerlich Adj. schaurig Adj. (beide 17. Jh.) ‘Entsetzen erregend, fürchterlich, grausig’. schauern Vb. ‘kurz und heftig regnen, hageln, stürmen, gewittern’, spätmhd. schauren ‘heulen’ (vom Sturm), ‘zittern, frösteln’ (16. Jh.), ‘Angst, Entsetzen, Freude, Ehrfurcht empfinden’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(eine) Gänsehaut bekommen · (jemandem) schlottern die Knie · (vor Kälte) bibbern · am ganzen Körper zittern · erbeben · erschaudern · erschauern · erzittern · schaudern · schauern · weiche Knie haben · zittern  ●  schuckern  regional · (vor Angst) schlottern  ugs. · gebeutelt werden  ugs. · zittern wie Espenlaub  ugs., Verstärkung

Verwendungsbeispiele für ›schauern‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und die vier schlafenden Leiber der Deutschen schauerten unter dem Schall. [Kolbenheyer, Erwin Guido: Das Gestirn des Paracelsus, München: J.F. Lehmanns 1964 [1921], S. 350]
Da sie das Ziel vor Augen hatten, schauerte Wollust durch ihr Leiden. [Kolbenheyer, Erwin Guido: Paracelsus, München: J. F. Lehmanns 1964 [1917], S. 90]
In der Nacht zum Montag schauert es im Norden weiterhin, auch Gewitter sind noch möglich. [Die Zeit, 21.08.2011 (online)]
Seine gequälte Resignation ließ endlich vor der Macht der Dorfinquisition schauern. [Die Welt, 08.11.2000]
Sie schauerte, wenn sie an die Anfangszeiten zurückdachte, besonders an den ersten Winter. [Heyking, Elisabeth von: Der Tag Anderer. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1905], S. 9679]
Zitationshilfe
„schauern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schauern>.

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