schaukeln

Grammatik Verb · schaukelt, schaukelte, hat/ist geschaukelt
Aussprache 
Worttrennung schau-keln
Wortbildung  mit ›schaukeln‹ als Erstglied: ↗Schaukelbewegung · ↗Schaukelbrett · ↗Schaukeldiät · ↗Schaukelgang · ↗Schaukelgerüst · ↗Schaukelpferd · ↗Schaukelpolitik · ↗Schaukelreck · ↗Schaukelringe · ↗Schaukelstuhl · ↗Schaukler
 ·  mit ›schaukeln‹ als Letztglied: ↗aufschaukeln · ↗dahinschaukeln · ↗durchschaukeln · ↗entgegenschaukeln · ↗heranschaukeln · ↗hin- und herschaukeln · ↗hinschaukeln · ↗hochschaukeln · ↗vorbeischaukeln
 ·  mit ›schaukeln‹ als Grundform: ↗Geschaukel · ↗Schaukelei
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
sich hin- und herschwingen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
a)
von Personen   mit Hilfe einer Schaukel
Beispiele:
Kinder schaukeln gerne
lass ihn auch mal schaukeln!
schaukle, schaukele nicht so hoch, wild!
jmd. schaukelt (an den Ringen, auf der Schaukel, mit dem Schaukelpferd)
sich schaukeln
Beispiel:
sie schaukelt sich gerne im Schaukelstuhl
b)
von Dingen, die hin- und herschwingen
Beispiele:
die Wiege schaukelt
der leere Schaukelstuhl hat noch eine Weile geschaukelt
2.
jmdn., etw. hin- und herschwingen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
er setzte den Jungen auf die Schaukel, das Schaukelpferd und schaukelte ihn
halte dich fest, ich schaukle, schaukele dich!
die Mutter schaukelte das Baby (in der Wiege)
jmd. schaukelt (= wiegt) ein Kind im Arm, auf den Knien
sie schaukelte die Wiege
bildlich
Beispiele:
saloppwir werden das Kind, die Sache schon schaukeln (= wir werden die Sache schon richtig erledigen)
salopp, scherzhaftdas hat er wieder fein geschaukelt
3.
sich schwankend bewegen
a)
hin- und herschwanken und auf- und abschwanken
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
das Schiff, der Zug schaukelt (heftig, leicht)
der Kahn schaukelt (auf dem Wasser, den Wellen)
der Sturm ließ die Straßenlampen schaukeln
salopp, scherzhafter hat ganz schön geschaukelt (= er war so betrunken, dass er geschwankt hat)
sie ging mit schaukelnden (= schwingenden, wackelnden) Hüften vor ihm her
das leise Schaukeln des Flugzeugs
sich schaukelnsich wiegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
der Schmetterling schaukelte sich auf der Blüte
Wildenten haben sich auf den Wellen geschaukelt
b)
sich schwankend in einer bestimmten Richtung vorwärtsbewegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
langsam schaukelt ein Blatt vom Baum
das Auto schaukelte durch Schlaglöcher, über holprige Straßen, ins Dorf
wir sind mit der alten Straßenbahn durch die ganze Stadt, nach Hause geschaukelt
saloppder Betrunkene ist singend über die Straße geschaukelt
salopp, scherzhaftnun wollen wir mal nach Hause schaukeln (= gemächlich gehen, fahren)
4.
jmdn., etw. schwankend bewegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
a)
jmdn., etw. hin- und herschwanken und auf- und abschwanken lassen
Beispiele:
wir ließen uns von den Wellen schaukeln
die Wellen schaukeln das Boot
der Wind schaukelte die Girlanden und Lampions
du sollst doch nicht den Kahn, mit dem Stuhl schaukeln!
b)
jmdn., etw. schwankend in einer bestimmten Richtung vorwärtsbewegen
Beispiele:
die Wellen schaukelten den Ball wieder ans Ufer
das Flugzeug hat uns sicher durch das Unwetter geschaukelt
salopp, scherzhafter hat uns alle mit seinem Wagen nach Hause geschaukelt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schaukel · schuckeln · schaukeln · verschaukeln · Schaukelpferd · Schaukelstuhl
Schaukel f. ‘an Seilen frei aufgehängter Sitz, der schwingend hin- und herbewegt wird’ (17. Jh.), älter Schuckel (Luther). Die heutige Form geht wohl auf eine nd. (nachträglich diphthongierte) Form mit gelängtem ū (vgl. ostfries. Schukel und Schūkel) zurück. Zugrunde liegt ein durch iteratives l erweiterter Wortstamm, dessen ursprünglicher Vokal o zu u gesenkt ist, vgl. mhd. schoc, schuc ‘schaukelnde Bewegung, Schaukel, Windstoß’, asächs. skok, skokka, mnd. schocke, schucke ‘Schaukel’, nl. schok ‘Stoß, Schlag’ und das Verb mhd. schocken, schucken, mnd. schocken, nd. schokken, schukken ‘stoßen, schütteln, in schaukelnder Bewegung sein’, mit iterativer l-Erweiterung frühnhd. schockelen, schückeln (Luther) sowie noch heute übliches schuckeln Vb. ‘schaukeln, rütteln’ (s. auch ↗schunkeln und ↗Schock1 m.). Weitere Herkunft ungeklärt. schaukeln Vb. ‘(sich) auf der Schaukel bewegen, sich schwingend bewegen, wiegend tanzen’ (17. Jh.). verschaukeln Vb. ‘die Zeit mit Schaukeln verbringen’ (19. Jh.), heute nur in übertragenem Sinne ‘irreführen, hintergehen, im Stich lassen’ (20. Jh.), eigentlich wohl, ausgehend vom Hin und Her der Bewegung, ‘jmdn. im Ungewissen lassen’. Schaukelpferd n. (18. Jh.). Schaukelstuhl m. (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
kippeln · ↗kippen · ↗rollen (Schiff) · schaukeln · ↗schunkeln · ↗schwanken · ↗schwenken · ↗stampfen (Schiff) · ↗wippen
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(einer Sache) Herr werden · ↗bewerkstelligen · ↗bewältigen · ↗deichseln · ↗meistern · ↗schaffen · zu Wege bringen · zustande bringen · zuwege bringen  ●  ↗(etwas) fertigbekommen  Hauptform · ins Lot bringen  fig. · ↗(einer Sache) beikommen  geh. · auf die Beine stellen  ugs., fig. · auf die Kette kriegen  ugs. · auf die Reihe bekommen  ugs. · auf die Reihe bringen  ugs. · auf die Reihe kriegen  ugs. · ↗fertig werden (mit)  ugs. · ↗fertigkriegen  ugs. · gebacken bekommen  ugs. · gebacken kriegen  ugs. · geregelt bekommen  ugs. · geregelt kriegen  ugs. · getan kriegen  ugs. · ↗hinbekommen  ugs. · ↗hinkriegen  ugs. · in den Griff bekommen  ugs. · ↗packen  ugs. · ↗rocken  ugs. · schaukeln  ugs. · ↗schultern  ugs. · ↗stemmen  ugs. · ↗wuppen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
oszillieren · ↗pendeln · schaukeln · ↗schwingen · ↗wiegen

Typische Verbindungen zu ›schaukeln‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schaukeln‹.

Verwendungsbeispiele für ›schaukeln‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und dann hatte der Kopflose im Sitzen zu schaukeln begonnen.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 223
Im sechsten Stock schaukelt es nur halb so viel wie da oben.
Die Welt, 10.04.2004
Da wir extrem politisch polarisiert sind, schaukelt sich das immer hoch.
Der Tagesspiegel, 17.08.2001
Von einem Kahn draußen auf dem See schaukelte Musik zu uns.
Klabund: Der Marketenderwagen. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1918], S. 2324
Meist steige ich damit in einen Baum und schaukle mich in den Zweigen und denke an Dich.
Reventlow, Franziska Gräfin zu: Ellen Olestjerne. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1903], S. 6087
Zitationshilfe
„schaukeln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schaukeln>, abgerufen am 24.11.2020.

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