Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

scheel

Grammatik Adjektiv
Aussprache  [ʃeːl]
Wortbildung  mit ›scheel‹ als Erstglied: Scheelsucht · scheeläugig
eWDG

Bedeutung

den Blick wie von der Seite aus schief auf jmdn., etw. gerichtet (und dabei gleichsam schielend)
a)
Beispiele:
ein vorwurfsvoll scheeler Seitenblick
scheel blicken
jmdn. scheel ansehen
b)
abschätzig, verächtlich
Beispiele:
wir haben keinen Grund, jmdn. wegen seiner Herkunft scheel anzusehen
scheele (= missbilligende) Blicke auf jmds. Ausgelassenheit werfen
c)
misstrauisch, argwöhnisch
Beispiel:
Von den Posten scheel beobachtet, gingen die vier am Zaun entlang [ ApitzNackt117]
d)
neidisch, missgünstig
Beispiel:
den Erfolg anderer scheel ansehen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheel · scheeläugig · scheelsüchtig · Scheelsucht
scheel Adj. ‘abschätzig, mißtrauisch, neidisch’ beruht auf mnd. schēl(e) ‘schielend’ (eigentlich ‘schiefäugig, schief, von der Seite her’), das durch Luthers Gebrauch in die Literatursprache aufgenommen wird. Daneben stehen ahd. skelah (8. Jh.), mhd. schelch, schel, schelwe ‘schielend, quer, schief, krumm’, aengl. sceol und (mit grammatischem Wechsel) anord. skjalgr, aschwed. skiœlgher. Das mit dem Suffix ie. -ko- (germ. -ha- in *skelha-) gebildete Adjektiv stellt sich mit griech. skélos (σκέλος) ‘Schenkel, Bein’, skoliós (σκολιός) ‘krumm, gebogen, verdreht, ungerecht’, lat. scelus ‘Bosheit, Verruchtheit, Verbrechen’ zur Wurzel ie. *(s)kel- ‘biegen, anlehnen, krumm, verkrümmt’ (auch moralisch). Dazu gehören auch (ohne anlautendes s und ablautend) aind. káṭakaḥ ‘Armband, Ring’, griech. kyllós (κυλλός) ‘verkrüppelt, verstümmelt’, lit. (mit k-Suffix) kul̃nas (aus *kulkn-) ‘Ferse, Hacke’, kslaw. klъka ‘Kniekehle’, serbokr. kȕka ‘Hüfte’. Heute vorwiegend in festen Verbindungen wie mit scheelen Augen ansehen (vgl. mhd. mit schilhen ougen), jmdn. scheel ansehen ‘mißgünstig, neidisch betrachten’ (16. Jh.), eigentlich ‘mit schielendem Blick, von der Seite her’. – scheeläugig Adj. ‘schielend, neidisch’, scheeläugicht (16. Jh.). scheelsüchtig Adj. ‘neidisch, mißgünstig’, scheelsichtig (17. Jh.), Scheelsucht f. (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
missgünstig· mit Neid· neiderfüllt· neidvoll  ●  neidhaft  schweiz. · neidig  landschaftlich · neidisch  Hauptform · scheelsüchtig  veraltet · abgünstig  geh., veraltet · scheel  ugs. · schiefmäulig  ugs., veraltend
Assoziationen
  • Eifersucht · Missgunst · Neid  ●  Scheelsucht  veraltet
  • (jemandem) nichts gönnen  ●  (jemandem) das Salz in der Suppe nicht gönnen  sprichwörtlich · (jemandem) nicht das Schwarze unter dem Fingernagel gönnen  sprichwörtlich · (jemandem) nicht das Schwarze unter den Fingernägeln gönnen  sprichwörtlich · (jemandem) nicht das Schwarze unter den Nägeln gönnen  sprichwörtlich · (jemandem) nicht die Butter auf dem Brot gönnen  sprichwörtlich
  • Neider  ●  Neidbolzen  ugs. · Neidhammel  ugs.
Synonymgruppe
scheel (ansehen)· schief (angucken)· schräg (gucken)
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›scheel‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›scheel‹.

Verwendungsbeispiele für ›scheel‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In der Nähe tanzte die junge Frau mit ihrem reichen Vater und blickte scheel auf den Matrosen und Maria. [Zwerenz, Gerhard: Die Ehe der Maria Braun, München: Goldmann 1979, S. 8]
Ich denke auch nicht, dass meine Sänger mich deshalb scheel ansehen würden. [Der Tagesspiegel, 05.10.2001]
Er hält sich abseits und blickt scheel zu ihnen hinüber. [Süddeutsche Zeitung, 15.01.2003]
Die Sekretärin sieht ihn zwar scheel von der Seite an, aber sie rückt das Gerät schließlich heraus. [C’t, 1999, Nr. 25]
Kaum daß jemand einen Smoking trägt, machen sie doch schon ein scheeles Gesicht. [Meißner, Hans-Otto: Man benimmt sich wieder, Giessen: Brühl 1950, S. 10]
Zitationshilfe
„scheel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/scheel>.

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