scheel

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›scheel‹ als Erstglied: ↗Scheelsucht · ↗scheeläugig
eWDG, 1974

Bedeutung

den Blick wie von der Seite aus schief auf jmdn., etw. gerichtet (und dabei gleichsam schielend)
a)
Beispiele:
ein vorwurfsvoll scheeler Seitenblick
scheel blicken
jmdn. scheel ansehen
b)
abschätzig, verächtlich
Beispiele:
wir haben keinen Grund, jmdn. wegen seiner Herkunft scheel anzusehen
scheele (= missbilligende) Blicke auf jmds. Ausgelassenheit werfen
c)
misstrauisch, argwöhnisch
Beispiel:
Von den Posten scheel beobachtet, gingen die vier am Zaun entlang [ApitzNackt117]
d)
neidisch, missgünstig
Beispiel:
den Erfolg anderer scheel ansehen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheel · scheeläugig · scheelsüchtig · Scheelsucht
scheel Adj. ‘abschätzig, mißtrauisch, neidisch’ beruht auf mnd. schēl(e) ‘schielend’ (eigentlich ‘schiefäugig, schief, von der Seite her’), das durch Luthers Gebrauch in die Literatursprache aufgenommen wird. Daneben stehen ahd. skelah (8. Jh.), mhd. schelch, schel, schelwe ‘schielend, quer, schief, krumm’, aengl. sceol und (mit grammatischem Wechsel) anord. skjalgr, aschwed. skiœlgher. Das mit dem Suffix ie. -ko- (germ. -ha- in *skelha-) gebildete Adjektiv stellt sich mit griech. skélos (σκέλος) ‘Schenkel, Bein’, skoliós (σκολιός) ‘krumm, gebogen, verdreht, ungerecht’, lat. scelus ‘Bosheit, Verruchtheit, Verbrechen’ zur Wurzel ie. *(s)kel- ‘biegen, anlehnen, krumm, verkrümmt’ (auch moralisch). Dazu gehören auch (ohne anlautendes s und ablautend) aind. káṭakaḥ ‘Armband, Ring’, griech. kyllós (κυλλός) ‘verkrüppelt, verstümmelt’, lit. (mit k-Suffix) kul̃nas (aus *kulkn-) ‘Ferse, Hacke’, kslaw. klъka ‘Kniekehle’, serbokr. kȕka ‘Hüfte’. Heute vorwiegend in festen Verbindungen wie mit scheelen Augen ansehen (vgl. mhd. mit schilhen ougen), jmdn. scheel ansehen ‘mißgünstig, neidisch betrachten’ (16. Jh.), eigentlich ‘mit schielendem Blick, von der Seite her’. scheeläugig Adj. ‘schielend, neidisch’, scheeläugicht (16. Jh.). scheelsüchtig Adj. ‘neidisch, mißgünstig’, scheelsichtig (17. Jh.), Scheelsucht f. (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
missgünstig · mit Neid · ↗neiderfüllt · ↗neidisch · ↗neidvoll  ●  ↗abgünstig  veraltet · ↗livid  veraltet, lat. · ↗livide  veraltet, lat. · neidhaft  schweiz. · ↗neidig  landschaftlich · ↗scheelsüchtig  veraltet · scheel  ugs. · ↗schiefmäulig  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auge Blick Seitenblick angesehen ansehen blicken gucken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›scheel‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Am Spiel mit der Macht hat Scheel wachsendes Vergnügen gefunden, aber daß ihn die Politik verzehrte, wird niemand behaupten.
Die Zeit, 24.05.1974, Nr. 22
Kaum daß jemand einen Smoking trägt, machen sie doch schon ein scheeles Gesicht.
Meißner, Hans-Otto: Man benimmt sich wieder, Giessen: Brühl 1950, S. 10
Und an der Ostpolitik von Brandt beteiligte sich Scheel mit Mut und Überzeugung.
Weizsäcker, Richard von: Dreimal Stunde Null? 1949 1969 1989, Berlin: Siedler Verlag 2001, S. 76
In der Nähe tanzte die junge Frau mit ihrem reichen Vater und blickte scheel auf den Matrosen und Maria.
Zwerenz, Gerhard: Die Ehe der Maria Braun, München: Goldmann 1979, S. 8
Zitationshilfe
„scheel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/scheel>, abgerufen am 19.09.2019.

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