scheiden

GrammatikVerb · schied, hat/ist geschieden
Aussprache
Worttrennungschei-den
Wortbildung mit ›scheiden‹ als Erstglied: ↗Scheidebrief · ↗Scheidegrenze · ↗Scheidekunde · ↗Scheidekunst · ↗Scheidelinie · ↗Scheidemünze · ↗Scheidewand · ↗Scheidewasser · ↗Scheideweg · ↗Scheidmann
 ·  mit ›scheiden‹ als Letztglied: ↗abscheiden · ↗ausscheiden · ↗dahinscheiden · ↗hinscheiden · ↗unterscheiden
 ·  mit ›scheiden‹ als Grundform: ↗bescheiden1 · ↗entscheiden · ↗verscheiden
 ·  formal verwandt mit: ↗schieds-
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹
eine Ehe gesetzlich, vor Gericht auflösen
Beispiele:
eine Ehe scheiden
die Ehe wurde rechtskräftig geschieden
ein geschiedener Mann
eine geschiedene Frau
sich scheiden lassen
die Ehe gesetzlich vor Gericht auflösen lassen
Beispiel:
nach zwei Jahren Ehe hatten sie sich wieder scheiden lassen
2.
mit Hilfsverb ›hat‹
gehoben etw. von etw., jmdn. von jmdm. scheiden
a)
etw. von etw., jmdn. von jmdm. trennen, sondern
Beispiele:
das Rote Meer scheidet Afrika von Asien
eine Zwischenwand schied die Kammer von der Küche
die Taten des Menschen in gute und böse scheiden
Erze vom tauben Gestein scheiden
die Böcke von den Schafen, die Spreu vom Weizen (= das Schlechte vom Guten) scheiden
die braven von den ungezogenen Kindern scheiden
gegensätzliche Meinungen scheiden uns
sich scheidensich voneinander trennen
Beispiele:
hier scheiden sich die Geister (= gehen die Meinungen scharf auseinander)
hier scheiden sich unsere Wege, die Ansichten
die Gäste schieden sich (= teilten sich auf) in zwei Gruppen
wenn du das tust, sind wir geschiedene Leute (= will ich nichts mehr von dir wissen)
dichterisch will ich mich scheiden (= trennen, lösen) / Von allen [BrechtGuter Mensch7]
b)
etw. von etw. unterscheiden
Beispiele:
die essbaren von den giftigen Pilzen scheiden können
er konnte das Echte vom Falschen nicht scheiden
zwischen diesen zwei Erscheinungen muss schärfer geschieden werden
3.
mit Hilfsverb ›ist‹
gehoben weggehen, Abschied nehmen
Beispiele:
fröhlich, herzlich, ohne Gruß scheiden
sie sind als Freunde, im guten voneinander geschieden
jmdn. (un)gern scheiden sehen
der scheidende Freund
das scheidende Mädchen
die scheidende (= untergehende) Sonne
das scheidende (= zu Ende gehende) Jahr
verhüllend (freiwillig) aus dem Leben scheiden (= sich das Leben nehmen)
verhüllend aus dem Amt, Dienst scheiden (= das Amt, den Dienst aufgeben)
sprichwörtlich Scheiden tut weh
sprichwörtlich Scheiden bringt Leiden
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheiden · Scheidung · entscheiden · entschieden · Entscheid · Entscheidung · unterscheiden · Unterschied · Scheidekunst · verscheiden
scheiden Vb. ‘trennen, weggehen’. Das ehemals reduplizierende Verb ahd. skeidan (8. Jh.), mhd. scheiden ‘teilen, trennen, entscheiden, beilegen, beenden, auslegen’, asächs. skēdan, skēðan, mnd. schēden, mnl. sceiden, scēden, nl. scheiden, afries. skētha, aengl. sc(e)ādan, engl. to shed, got. skaidan (germ. *skaidan) führt mit ↗Scheit, ↗Scheitel, ↗Schädel (s. d.) sowie mit (ablautend) lat. scūtum, air. scīath, aslaw. štitъ, russ. ščit (щит) ‘Schild’ auf ie. *skē̌it-, das sich wie *skē̌id-, wozu ↗scheißen (s. d.) und aind. chinátti ‘schneidet ab, spaltet, durchlöchert’, lat. scindere, griech. schízein (σχίζειν) ‘schlitzen, spalten, zerreißen, trennen’, lit. skíesti ‘verdünnen, trennen, scheiden’, als Dentalerweiterung zur Wurzel ie. *skē̌i- ‘schneiden, trennen, scheiden’ stellt; dazu s. auch ↗Schiene, ↗schier ‘beinahe’ sowie (mit Labial gebildetes) ↗Schiff, ↗Schicht. Ie. *skē̌i- kann als eine Erweiterung der Wurzel ie. *sē̌k- ‘schneiden’ (s. ↗Säge, ↗Segel und ↗Messer) angesehen werden. Nebenformen bzw. Sekundärbildungen zum oben genannten Verb wie ahd. skeidōn (Hs. 12. Jh.), mhd. scheiden ‘trennen, teilen, spalten, entfernen’ sowie mhd. (stark) schīden ‘auseinandergehen, scheiden, deuten, auslegen, entscheiden’ (wovon ↗gescheit, s. d.) und schwundstufiges (schwach) ahd. skidōn (um 1000), mhd. schiden ‘(unter)scheiden, einteilen, trennen, sondern’ sind im Nhd. aufgegeben (doch s. ↗Schiedsrichter). Scheidung f. ‘Trennung, Auflösung einer Ehe’, ahd. skeidunga ‘Meinungsverschiedenheit’ (9. Jh.), ‘Ehebruch, Ehescheidung’ (10. Jh.), mhd. scheidunge, auch ‘Entfernung, das Weggehen, Abschied, Tod, Entscheidung, Schlichtung’. entscheiden Vb. ‘einen Entschluß fassen, bestimmen, den Ausschlag geben’, mhd. entscheiden ‘unterscheiden, richterlich entscheiden, bescheiden’; entschieden Part.adj. ‘fest, bestimmt, abgemacht, entschlußfest’ (18. Jh.); Entscheid m. ‘Beschluß, Urteil’, frühnhd. entscheit ‘Entscheidung, Bescheid’ (15. Jh.); Entscheidung f. ‘Urteil, Schiedsspruch, Entschluß’ (16. Jh.). unterscheiden Vb. ‘auf Grund abweichender Merkmale auseinanderhalten’, ahd. untarskeidan (8. Jh.), untarskeitōn (um 800), untarskeidōn (10. Jh.) ‘trennen, teilen’, mhd. underscheiden, auch ‘erklären, Bescheid geben, anweisen’. Unterschied m. ‘Verschiedenheit, Andersartigkeit, trennendes Merkmal’, mhd. underschiet; vgl. ahd. untarskeit (8. Jh.), untarskeid (9. Jh.), mhd. underscheit. Scheidekunst f. praktisch angewandte Chemie, die Substanzen in einzelne Bestandteile zerlegt, trennt (17. Jh.). verscheiden Vb. ‘sterben’, frühnhd. auch ‘scheiden, weggehen, vergehen’, ahd. firskeidan ‘sterben’ (Hs. 12. Jh.), mhd. verscheiden ‘fort-, weggehen, verschwinden, sterben’, transitiv ‘einrichten, anordnen, entscheiden, beilegen’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(einander) entgegensetzen · ↗entzweien · ↗polarisieren · scheiden · ↗spalten · ↗trennen · ↗verfeinden  ●  (einen) Keil treiben (zwischen)  fig.
Assoziationen
  • (ein) Streitthema (sein) · (sich) uneinig sein (über etwas / in einem Punkt) · angefochten werden · bestritten (werden) · ↗fraglich · in Frage stehen(d) · ↗kontrovers · kontrovers diskutiert werden · nicht ausdiskutiert · nicht unumstritten · ↗streitig · ↗strittig · ↗unsicher · zur Debatte stehen(d)  ●  dünnes Eis  fig. · ↗kontroversiell  österr. · ↗umstritten  Hauptform · Darüber streiten sich die Gelehrten.  ugs., Spruch · mit Vorsicht zu genießen  ugs.
Synonymgruppe
(jemanden) verabschieden · ↗(sich) verabschieden · Abschied nehmen · Adieu sagen · Lebewohl sagen · Tschüs sagen · auf Wiedersehen sagen  ●  ↗(sich) empfehlen  geh. · scheiden  geh., veraltet
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Altersgrund Amt Ehe Einvernehmen Elter Geist Groll Gute Jahresende Leben Paar Spreu Streit Tod Unfriede Wehmut Weizen Zorn abscheiden aus ausscheiden dahinscheiden freiwillig heiraten ihr säuberlich verheiraten verwitwen voneinander vorzeitig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›scheiden‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wegen seines Sohnes muß ich mich doch nicht scheiden lassen.
Bild, 23.12.2004
Sie möchte ihn heiraten, aber vorher müsste sie sich scheiden lassen.
Der Tagesspiegel, 19.02.2001
So grundlegend nun diese beiden Gruppen von Religionen voneinander unterschieden sind, so wenig sind sie chemisch rein geschieden.
Holsten, W.: Religionsgeschichte. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 31627
Er schied die Tätigkeit als Forscher von der als Organisator.
Ostwald, Wilhelm: Lebenslinien. Eine Selbstbiographie, 3 Teile. In: Simons, Oliver (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 - 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1927], S. 39464
Mir blieb eben nichts übrig, als aus dem Leben zu scheiden.
Friedländer, Hugo: Ein Liebesdrama im Berliner Tiergarten. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1921], S. 8069
Zitationshilfe
„scheiden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/scheiden>, abgerufen am 25.08.2019.

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