scheinen

GrammatikVerb · schien, hat geschienen
Aussprache
Worttrennungschei-nen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›scheinen‹ als Erstglied: ↗scheinbar  ·  mit ›scheinen‹ als Letztglied: ↗anscheinen · ↗aufscheinen · ↗durchscheinen · ↗herabscheinen · ↗hereinscheinen · ↗hindurchscheinen · ↗hineinscheinen · ↗widerscheinen · ↗überscheinen
 ·  mit ›scheinen‹ als Grundform: ↗bescheinen · ↗erscheinen  ·  formal verwandt mit: ↗wahrscheinlich
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
Licht ausstrahlen, Helligkeit verbreiten
Beispiele:
die Sonne scheint hell, warm, golden
der Mond scheint mild, silbern
die Laterne hat ins Fenster geschienen
die Taschenlampe in alle Winkel und Ecken scheinen lassen
ein sehr hell scheinender Stern
Es schienen so golden die Sterne [Eichendorff1,30]
Licht widerstrahlen, schimmern, glänzen
Beispiele:
das blanke Metall schien in der Sonne, im Licht der Scheinwerfer
Es scheinen die alten Weiden so grau [GoetheErlkönig]
2.
meist im Präs. und Prät.
jmd., etw. scheint (jmdm.) gut zu seinjmd., etw. erweckt (bei jmdm.) den Anschein, ruft (bei jmdm.) den Eindruck hervor, als ob er, es gut sei
Beispiele:
er scheint, schien krank, gesund, glücklich, reich, arm zu sein
das schien heilsam, nötig, nützlich, unumgänglich, vernünftig
er schien selten, ungern zu lachen
er scheint im Stehen zu schlafen
sie schien nicht zu merken, dass sie beobachtet wurde
er scheint uns zu jung und unerfahren für diese Aufgabe
ein Zusammenstoß schien unvermeidlich (zu sein)
er schien ihnen der geeignetste Mann dafür (zu sein)
dieses Unternehmen scheint uns aussichtslos
eine endlos scheinende Nacht
Die Menschen sind nicht immer, was sie scheinen (= zu sein scheinen) [LessingNathanII 6]
oft unpers.
Beispiele:
es scheint, als wollte es nicht Frühling werden
es scheint, dass du helfen könntest
es scheint uns möglich zu kommen
es scheint uns an der Zeit zu gehen
sie ist reicher, als es scheint
umgangssprachlich mit den ewigen Fahrradpannen scheint es wie verhext
umgangssprachlich viel scheint da nicht los gewesen zu sein
er hat, so scheint es (= anscheinend), sein Geld vergessen
wie es scheint (= anscheinend), hat sie sich erkältet
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheinen · erscheinen · Erscheinung · wahrscheinlich · anscheinend · anscheinen · Schein · bescheinigen · Bescheinigung · scheinbar · unscheinbar · scheinheilig · scheintot · Scheintod · Scheinwerfer
scheinen Vb. ‘leuchten, glänzen’, übertragen ‘aussehen als ob, zu Vermutungen Anlaß geben’. Das mit Nasalformans gebildete gemeingerm. Verb ahd. skīnan (8. Jh.), mhd. schīnen ‘strahlen, glänzen, leuchten, erscheinen, sichtbar werden, dem Schein nach (aber nicht in Wirklichkeit) sein’, asächs. skīnan, mnd. schīnen, mnl. scīnen, nl. schijnen, afries. skīna, aengl. scīnan, engl. to shine, anord. skīna, schwed. skina, got. skeinan (verwandt mit ↗Schemen, ↗schier, ↗schimmern, s. d.) führen auf germ. *skīnan und stellen sich (wie Schein, s. unten) mit aind. chāyā́ ‘Schatten, Widerschein’, griech. skiá (σκιά) ‘Schatten’, aslaw. sěnь, russ. sen’ (сень) ‘Schatten’, aslaw. sịjati, russ. siját’ (сиять) ‘strahlen, glänzen’ zu einer Wurzel ie. *sk̑āi-, *sk̑i- ‘gedämpft schimmern, Schatten’. scheinen bezeichnet anfangs vor allem das Leuchten der Himmelskörper, steht dann (bereits ahd.) für ‘zum Vorschein kommen, sichtbar werden’ (im Nhd. dafür erscheinen, s. unten). Aus der Wendung mir scheint, mhd. eʒ schīnet mir ‘mich dünkt’ und aus Vergleichen ‘aussehen wie etw. (ohne Übereinstimmung mit der Wirklichkeit)’ entwickelt sich der moderne Gebrauch ‘den Eindruck erwecken, zur Vermutung Anlaß geben’. erscheinen Vb. ‘zum Vorschein kommen, sichtbar werden, hervortreten, veröffentlicht werden’, ahd. irskīnan ‘offenbar werden, sich zeigen, leuchten’ (um 800), mhd. (stark) erschīnen, daneben (schwach und kausativ) erscheinen ‘leuchten lassen, deutlich machen, zeigen’; Erscheinung f. ‘Aussehen, Aufmachung, Vision, Gespenst, Veröffentlichung, Wahrnehmung’, spätmhd. erschīnunge. wahrscheinlich Adj. ‘vermutlich’ (17. Jh.), nach nl. waarschijnlijk, einer Übersetzung von frz. vraisemblable, das seinerseits dem lat. vērī similis nachgebildet ist, wofür im Dt. zuvor der Wahrheit gleich, wahrähnlich (16. Jh.), der Wahrheit ähnlich (17. Jh.). anscheinend Adv. ‘offenbar, offensichtlich’ (18. Jh.), eigentlich Part. Präs. zu anscheinen Vb. ‘beleuchten, -strahlen’, älter ‘sichtbar werden, sich zeigen’, ahd. anaskīnan (um 1000), mhd. aneschīnen ‘bescheinen, beleuchten, sichtbar sein bzw. werden’. Schein m. ‘Lichtstrahl, Glanz, Schimmer, äußeres Aussehen, Trugbild, schriftlicher Nachweis, Bestätigung, Banknote’, ahd. skīn (9. Jh.), mhd. schīn ‘Strahl, Glanz, Helligkeit, Sichtbarkeit, sichtbarer Beweis’, woraus ‘schriftlicher Beweis, Urkunde, Dokument, schriftliche Bestätigung’ (15. Jh.), asächs. skīn ‘Licht, Glanz’, mnd. schīn, mnl. scijn, nl. schijn, aengl. scīn, engl. shine, (ablautend) anord. skin, schwed. sken. bescheinigen Vb. ‘(durch eine schriftliche Bestätigung) bezeugen’ (18. Jh.), ‘(mit Hilfe von Schriftstücken) beweisen’, mnd. beschēnigen (14. Jh.), niederrhein. bescheinigen (15. Jh.), seit dem 16. Jh. geläufig; Bescheinigung f. ‘Nachweis, Beweis’ (16. Jh.), ‘schriftliche Bestätigung’ (18. Jh.). scheinbar Adj. ‘nicht wirklich, nur vorgetäuscht’, ahd. skīnbāri ‘glänzend, leuchtend, offenbar, sichtbar’ (um 1000), mhd. schīnbære. unscheinbar Adj. ‘unauffällig’, eigentlich ‘nicht glänzend’ (15. Jh.). scheinheilig Adj. ‘sich heilig stellend, Aufrichtigkeit oder Frömmigkeit vortäuschend, heuchlerisch’ (um 1580), nl. schijnheilig (1557), nach die scheynenden heilgen (Luther 1518). scheintot Adj. ‘nur dem Schein nach, nicht wirklich tot’, Scheintod m. ‘Zustand, in dem alle Lebensäußerungen aufgehört zu haben scheinen’ (beide 19. Jh.). Scheinwerfer m. ‘einen gebündelten Lichtstrahl aussendende Lichtquelle’ (Campe 1791 für frz. réverbère ‘Reflektor, Hohlspiegel’).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) vorkommen (als ob) · (sich) anfühlen wie · (sich) darstellen (als) · (sich) präsentieren (als) · Eindruck machen (als ob) · ↗anmuten · ↗erscheinen · scheinen · ↗wirken  ●  ↗dünken  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
glühen · hell sein · ↗leuchten · scheinen  ●  ↗flammen  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
flimmern · ↗glänzen · scheinen · ↗schimmern
Oberbegriffe
Synonymgruppe
scheinen · ↗strahlen  ●  ↗lachen (Sonne)  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(die) Annahme ist berechtigt · (es) spricht einiges dafür · (es) spricht einiges für die Annahme (dass) · (jemanden) zu der Annahme berechtigen (dass) · annehmen dürfen · scheinen (dass) · vermutet werden dürfen  ●  zu vermuten sein  Hauptform · nicht von der Hand zu weisen sein  geh. · zu vermuten stehen  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Blick Sonne Zeit aber allerdings auch aufscheinen da dabei doch eher er es fast hier ich jedenfalls jedoch jetzt möglich noch nun nur selbst sicher sie so tatsächlich wieder zunächst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›scheinen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Lärm schien von dem Platz vor der Kirche zu kommen.
Funke, Cornelia: Tintenherz, Hamburg: Cecilie Dressler Verlag 2003, S. 452
Das Leid scheint durch sie hindurchzugehen wie durch ein Medium.
Die Zeit, 29.10.1998, Nr. 45
Vor allem scheint es uns, daß es von ihm nicht allzu großzügig ist, uns ein Drittel der Zeit zuzuweisen.
o. A.: Einhundertfünfundachtzigster Tag. Mittwoch, 24. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 18112
Damals schien der insoweit eingeschlagene Kurs durch den Erfolg gerechtfertigt.
o. A.: Einhundertdreiundachtzigster Tag. Montag, 22. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 14421
Und es scheint unmöglich, sie an nur einem Tag vorzubringen.
o. A.: Einhundertsiebzigster Tag. Mittwoch, 3. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 12496
Zitationshilfe
„scheinen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/scheinen>, abgerufen am 16.12.2018.

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