schenken

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungschen-ken (computergeneriert)
Wortbildung mit ›schenken‹ als Erstglied: ↗Schenker · ↗Schenkung  ·  mit ›schenken‹ als Letztglied: ↗ausschenken · ↗einschenken · ↗herschenken · ↗hinschenken · ↗nachschenken · ↗vollschenken · ↗wegschenken · ↗weiterschenken · ↗wiederschenken · ↗zurückschenken
 ·  mit ›schenken‹ als Grundform: ↗Schenk · ↗beschenken · ↗verschenken
eWDG, 1974

Bedeutungen

I.
1.
jmdm. etw. ohne Gegenleistung zu dauerndem Besitz geben, um ihn damit zu erfreuen
Beispiele:
einem Kind ein Buch, eine Tafel Schokolade schenken
jmdm. einen Strauß Blumen, kostbaren Schmuck schenken
er wollte sich nichts schenken lassen
jmdm. etw. zum Geburtstag, zu Weihnachten schenken
jmdm. etw. als Andenken, zur Erinnerung schenken
etw. geschenkt bekommen
umgangssprachlich ihm ist im Leben nichts geschenkt worden, er hat sich alles mühsam erarbeiten müssen
umgangssprachlich das, den möchte ich nicht geschenkt haben, bekommen, nehmen
umgangssprachlich für den Preis ist das wirklich, halb, fast geschenkt (= das ist sehr preiswert)
geschenkt ist geschenkt und wiederholen ist gestohlen (= Kinderreim)
sprichwörtlich einem geschenkten Gaul sieht, schaut man nicht ins Maul (= ein Geschenk muss man, auch wenn es Mängel hat, nehmen, wie es ist)
Wollen Sie uns nicht den Nachmittag schenken? (= den Nachmittag mit uns verbringen?) [G. Hauptm.Einsame MenschenI]
Ich halte deine Hand wie ein Leben, das uns noch einmal geschenkt ist [FrischDon JuanIII]
gehoben, bildlich
Beispiele:
dem Mann, Gatten ein Kind schenken (= ein Kind zur Welt bringen)
einem Kind das Leben schenken
sich einem Mann schenken (= sich einem Mann hingeben)
jmdm. das Leben schenken (= ihn am Leben lassen, nicht töten)
2.
dient zur Umschreibung eines Verbalbegriffes; in abgeblaßter Bedeutung   jmdm. etw. zukommen lassen, zuwenden, gewähren
Beispiele:
jmdm. seine Achtung schenken (= jmdn. achten)
jmdm., einer Sache, einem Vorgang Aufmerksamkeit, Beachtung schenken (= beachten, sich einer Sache widmen)
jmdm., jmds. Worten Gehör schenken (= jmdn. anhören)
einer Bitte Gehör schenken (= eine Bitte erfüllen)
jmdm., jmds. Worten, Versprechungen Glauben schenken (= glauben)
jmdm. sein Herz, Herz und Hand, Liebe, Zuneigung schenken
gehoben jmdm. ein geneigtes Ohr schenken (= jmds. Anliegen wohlwollend anhören)
jmdm. Vertrauen schenken (= jmdm. vertrauen)
3.
jmdm., sich etw. ersparen, erlassen
a)
jmdm. wird, bleibt nichts geschenktjmd. muss etw., alles ertragen, erdulden
Beispiele:
wir haben gewusst, dass uns dabei nichts geschenkt würde
umgangssprachlich in diesem kitschigen Roman bleibt uns aber auch nichts geschenkt
b)
umgangssprachlich sich [Dativ] etw. schenken (können)etw. besser, lieber unterlassen
Beispiele:
das gehört nicht zur Sache, das hätten sie sich schenken können
dies Buch zu lesen, kannst du dir schenken
schenken wir uns anzuhören, was sie sagt!
II.
gehoben, veraltend ein Getränk in ein Trinkgefäß eingießen, einschenken
Beispiele:
Kaffee in eine Tasse schenken
Wein aus einem Tonkrug in die Gläser schenken
zum Braten wurde ein saurer Landwein geschenkt
ein Getränk einfüllen und verkaufen, ausschenken
Beispiel:
kümmerte ihn die Polizeiverordnung nicht, denn wer konnte wissen, ob er Brot buk oder Schnaps schenkte? [ViebigSchlafendes Heer164]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schenken · Schenk(e) · Mundschenk · Schenkung · Geschenk · Schenke · Schank
schenken Vb. ‘unentgeltlich geben, als Gabe überlassen, überreichen’, ahd. skenken ‘zu trinken geben, einschenken’ (9. Jh.), mhd. mnd. schenken ‘zu trinken geben, zum Verkauf ausschenken, geben, verleihen’, asächs. skenkian, aengl. scencan, mnl. scenken, nl. schenken, afries. skenka, skanka (germ. *skankjan) ist verwandt mit ↗Schenkel, ↗Schinken, ↗hinken (s. d.) und weiteren dort genannten Wörtern. Zugrunde liegt die Wurzel ie. *(s)keng- ‘hinken; schief, schräg’. Auszugehen ist von der Bedeutung ‘einschenken, zu trinken geben’ (nur so ahd., asächs., aengl.), eigentlich ‘das Gefäß schief halten’; der heute herrschende Sinn entwickelt sich erst im Spätmhd. Mnd. (bzw. Mnl.) aus ‘darreichen’. Schenk(e) m. ‘Getränke Einschenkender, Hofbeamter für Getränke und Versorgung, Schankwirt, Kellermeister’, anfrk. skankio (8. Jh.), ahd. skenko, frühnhd. bier-, wīnschenke; Mundschenk m. (16. Jh.). Schenkung f. ‘Stiftung’, mhd. schenkunge ‘Geschenk’ (14. Jh.), auch ‘das Stillen von Kindern’ (15. Jh.). Geschenk n. ‘unentgeltlich Dargebrachtes’, mhd. geschenke ‘das Eingeschenkte’, spätmhd. ‘Geschenk’. Schenke f. ‘Gasthaus, Wirtshaus’ (von Obersachsen und Thüringen aus sich verbreitend), spätmhd. schenk(e) ‘Gabe, Geschenk’ (bis ins 17. Jh.), ‘Schmaus bei bestimmten Feiern, wo die Gäste Geschenke bringen, Schenkmaß, Wirtshaus’. Schank m. ‘das Ausschenken, Verkauf von (alkoholischen) Getränken’, noch erhalten in Schankstube, Schankwirt, Ausschank, mhd. schanc ‘Gefäß, aus welchem eingeschenkt wird’, dann ‘Wirtshaus’, auch ‘Geschenk’; rückgebildet (15. Jh.) aus schenken ‘ein-, ausschenken, zu trinken geben’.

Thesaurus

Synonymgruppe
beschenken · ↗bescheren · ↗gewähren · ↗hingeben · schenken · ↗spendieren · ↗springenlassen (Geld) · ↗widmen · ↗zueignen · ↗zuwenden · ↗überantworten · ↗übergeben · ↗überlassen · ↗überreichen  ●  ↗springen lassen (Geld)  ugs.
Assoziationen
  • (etwas) für jemanden bestimmt haben · (für jemanden) vorgesehen sein · (jemandem etwas) geben wollen · (jemandem etwas) zugedacht haben  ●  ↗(jemandem etwas) zueignen  geh.
Synonymgruppe
(darauf) verzichten, etwas zu tun · (es) dabei belassen · ↗(sich etwas) ersparen · (sich) beherrschen (etwas zu tun) · Abstand nehmen (von etwas) · ↗absehen (von) · ↗aufhören · ↗bleibenlassen · nicht machen · nicht tun  ●  ↗unterlassen  Hauptform · (es) gut sein lassen  ugs. · ↗(etwas) drangeben  ugs. · ↗(sich etwas) abschminken  ugs., fig. · (sich etwas) schenken  ugs. · ↗(sich etwas) sparen  ugs. · ↗(sich etwas) verkneifen  ugs. · (sich etwas) von der Backe putzen  ugs., fig. · (sich) die Mühe sparen (können)  ugs. · (sich) verabschieden (von etwas)  ugs. · (von etwas) die Finger lassen  ugs. · ↗bleiben lassen  ugs. · gar nicht erst versuchen  ugs. · ↗lassen  ugs. · ↗sausen lassen  ugs. · sein lassen  ugs.
Assoziationen
  • erfolglos · ohne Erfolg · ↗umsonst · ↗vergebens  ●  ↗fruchtlos (Anwaltsdeutsch)  Jargon · ↗vergeblich  Hauptform · (an/bei jemandem/etwas ist) Hopfen und Malz verloren  ugs. · außer Spesen nichts gewesen  ugs., Spruch · da kommt nix bei rum  ugs., salopp · dabei kommt nichts (he)rum  ugs. · ↗frustran (medizinisch)  fachspr. · für die Katz  ugs. · für die Tonne  ugs. · für nichts und wieder nichts  ugs. · kannst du knicken  ugs. · kannst du vergessen  ugs. · vergebene Liebesmüh  ugs. · vergebliche Liebesmüh  ugs.
  • (die) Finger lassen (von) · nicht anfassen · nicht anrühren  ●  nicht anpacken  ugs. · nicht gehen an  ugs.
  • (einer Sache) ein Ende machen · (sich) abwenden von · (sich) verabschieden von · ablassen von · ad acta legen · ↗aufgeben · ↗beenden · ↗fallen lassen · ↗fallenlassen · hinter sich lassen · ↗sausen lassen · ↗stoppen · ↗vergessen  ●  (einen) Schlussstrich ziehen  fig. · Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.  sprichwörtlich · ↗beerdigen  fig. · (davon) Abschied nehmen  ugs. · an den Nagel hängen  ugs., fig. · den Rücken kehren  ugs., fig. · ↗einstampfen  ugs., fig. · sterben lassen  ugs., fig. · zu Grabe tragen  ugs., fig. · über Bord werfen  ugs., fig.
Synonymgruppe
geben · schenken · ↗spendieren · ↗verschenken
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem etwas) gewähren · (jemandem etwas) zuteil werden lassen · (jemanden) bedenken (mit)  ●  (jemandem etwas) schenken (abstrakt)  fig. · ↗(jemandem) gehören  geh., fig. · ↗(jemandem) gelten  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abschied Aufmerksamkeit Augenmerk Beachtung Blume Dank Enkel Freund Freundin Geburtstag Gehör Glaube Glauben Hochzeit Lächeln Rose Sohn Tochter Vertrauen Weihnacht ausschenken du ein einschenken herschenken ich man nachschenken sie was

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schenken‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie konnte der Premier einem derart zwielichtigen Charakter sein Vertrauen schenken?
Die Zeit, 18.07.2011, Nr. 29
Sie will ein starker Charakter sein, und sie will nichts geschenkt.
Süddeutsche Zeitung, 27.12.2004
Gewöhnlich wird der junge Mann zuerst der jungen Dame etwas schenken, kaum umgekehrt.
Dänhardt, Reimar: Fein oder nicht fein, Berlin: Deutscher Militärverl. 1972 [1968], S. 185
Der Arzt schenkt ihm ein Glas Wein ein, präsentiert es ihm.
Hofmannsthal, Hugo von: Der Rosenkavalier. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1911], S. 10906
Um es herunterzuwürgen, schenkte er sich den vierten Korn ein.
Duncker, Dora: Großstadt. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1900], S. 15078
Zitationshilfe
„schenken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schenken>, abgerufen am 24.04.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Schenkelweichen
Schenkelknochen
Schenkelhilfe
Schenkelhalsfraktur
Schenkelhalsbruch
Schenker
Schenkung
Schenkungsbrief
Schenkungsgebühr
Schenkungssteuer