Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

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scheu

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Wortbildung  mit ›scheu‹ als Letztglied: arbeitsscheu · ehescheu · handscheu · kamerascheu · konfliktscheu · kontaktscheu · kopfscheu · lichtscheu · menschenscheu · männerscheu · pressescheu · risikoscheu · schussscheu · wasserscheu · weiberscheu · öffentlichkeitsscheu
 ·  mit ›scheu‹ als Grundform: Scheuheit
eWDG

Bedeutungen

1.
von Menschen   aus Furcht, Schüchternheit, Scham zurückhaltend, jmdn., etw. meidend
Beispiele:
ein scheuer Mensch
ein scheues, verschlossenes Kind, Mädchen
ein scheues Wesen haben
ein scheuer (= zaghafter) Blick, Kuss
mit einer raschen, scheuen Bewegung über etw. hinstreichen
sie trat scheu und verlegen in sein Zimmer
jmdn. scheu ansehen
sich scheu (nach allen Seiten) umsehen
scheu hinter sich blicken
scheu sah sie zu dem Manne auf
sie war scheu wie ein Reh
Nichts macht mich so verrückt wie ein scheues Weib [ FrischNun singen sie wiederV]
Ihm gefiel dieses Mädchen, das weder frech noch scheu war [ SeghersRettung3,214]
von Tieren   die Nähe des Menschen ängstlich meidend, bei der geringsten Annäherung fliehend
Beispiele:
ein scheues Reh, Tier, ein scheuer Vogel
Gemsen sind besonders scheu
Ein künstlich aufgezogener Fischotter wird sehr zahm … dagegen ist er in der Freiheit äußerst scheu [ Tageszeitung1963]
2.
besonders von Pferden   vor Schreck, Angst panikartig erregt, wild
Beispiele:
die Pferde wurden scheu
der Mann versuchte das scheu gewordene Pferd zu bändigen
»Du machst die Pferde scheu [ FalladaWolf2,275]
übertragen
Beispiel:
umgangssprachlichjmdm. die Pferde scheu machen (= jmdn. oder andere, zu denen der Sprecher in Beziehung steht, irremachen)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheu · Scheu · scheuen · Scheusal
scheu Adj. ‘schüchtern, zurückhaltend, furchtsam’. Mhd. schiech, schiehe, schie ‘verzagt, abschreckend, häßlich’ (noch obd. mundartlich schiech, s. d.), aengl. scēoh, engl. shy und (mit Ablaut und grammatischem Wechsel von h und g) mnd. schǖ(we), schügge, schūwe, mnl. scū, scou, nl. schuw, schwed. skygg führen auf germ. *skeuhwa-, *skūhwa-, *skugwa-. Setzt man danach ie. *skeuk- ‘gehetzt’ an, so kann dies als eine Gutturalerweiterung der Wurzel ie. *skē̌u- ‘werfen, schießen, stoßen’ (wozu auch schieben und schießen, s. d.) angesehen werden. Die heutige Form scheu (vgl. schew, scheuch bei Luther, schüch im 15. Jh.) hat sich lautlich an das Verb scheuen (s. unten) angelehnt. Scheu f. ‘Schüchternheit, (furchtsame) Zurückhaltung’, mhd. schiuhe ‘(Ab)scheu, Schreckbild’, frühnhd. Schew (Luther; noch Scheue im 18. Jh.), mnd. schǖwe, schū(w)e. S. dazu Abscheu, abscheulich. scheuen Vb. ‘zurückfahren, stutzen’, auch transitiv ‘aus Bangigkeit zu vermeiden suchen’ und reflexiv ‘Furcht, Widerwillen empfinden, sich zurückhalten’, ahd. skiuhen ‘sich entsetzen, meiden’ (8. Jh.), mhd. schiuhen, schiuwen, schūen ‘scheu machen, erschrecken, meiden, sich entsetzen, scheuchen, verjagen’, mnd. schǖwen, schū(w)en, mnl. scūwen, scouwen, nl. schuwen, gebildet zum Adjektiv. Scheusal n. ‘Schreckbild, grauenerregendes Wesen’, mhd. schiuwesal, frühnhd. schusel (15. Jh.), gebildet mit dem Suffix -sal, -sel (s. d.) zum Substantiv (s. oben) in seiner frühen Bedeutung ‘Schreckbild’ oder zum Verb im Sinne von ‘(Ab)scheuerregendes’.

Thesaurus

Synonymgruppe
gehemmt · kontaktarm · kontaktscheu · scheu · schüchtern · selbstunsicher (psychol.) · unsicher · zaghaft · zurückhaltend  ●  verklemmt  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
eingeschüchtert · scheu · verschüchtert · verunsichert  ●  kleinlaut  ugs. · leise weinend  ugs., fig. · so klein mit Hut (+ Geste)  ugs., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(die) Nähe des Menschen meidend · ausgewildert · nicht an (den Kontakt mit) Menschen gewöhnt · scheu · verwildert · wild

Typische Verbindungen zu ›scheu‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›scheu‹.

Verwendungsbeispiele für ›scheu‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Auch Hoff blickte etwas scheu zu dem flatternden Tuch hinauf. [Marchwitza, Hans: Roheisen, Berlin: Verlag Tribüne Berlin 1955, S. 902]
In den letzten Tagen waren seine Augen so unsicher und scheu geworden. [Mann, Thomas: Der Zauberberg, Gütersloh: Bertelsmann 1998 [1924], S. 1029]
Und die Musik von Lou Reed war nun längst kein scheues Suchen mehr. [Die Zeit, 21.06.1996, Nr. 26]
Die Rehe sind scheu, aber schlau, sie fliehen im allerletzten Moment. [Die Zeit, 07.06.2012, Nr. 24]
Sie sah scheu an dem fremden Manne empor, der ihr wohl zu vornehm erschien, um mit ihr verwandt zu sein. [Keller, Paul: Ferien vom Ich, München: Bergstadtverl. Korn 1963 [1915], S. 59]
Zitationshilfe
„scheu“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/scheu>.

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