Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

scheußlich

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Worttrennung scheuß-lich
Wortbildung  mit ›scheußlich‹ als Erstglied: Scheußlichkeit

Bedeutungsübersicht+

  1. [abwertend] ...
    1. 1. abscheuerregend, abstoßend, hässlich
    2. 2. [umgangssprachlich] unangenehm, peinigend
eWDG

Bedeutung

abwertend
1.
abscheuerregend, abstoßend, hässlich
a)
das ästhetische Empfinden verletzend
Beispiele:
ein scheußlicher Anblick, Gestank, Geschmack
eine scheußliche Vase, Fotografie
saloppeine scheußliche Fratze
ein scheußliches, kitschiges Gemälde
ein Meisterwerk mit einem scheußlichen Rahmen
ein Affe mit einem scheußlichen Hinterteil
etw., jmd. sieht scheußlich aus, riecht scheußlich
etw. klingt, schmeckt scheußlich
eine scheußliche (= entstellende) Narbe
scheußliche Kleidung
eine scheußliche (= geschmacklose) Krawatte
der Sturz aus einem eingebildeten Paradies in die scheußlichste Gosse [ KischMarktplatz243]
b)
moralisch abscheulich, verabscheuenswürdig, gemein, verwerflich
Beispiele:
ein scheußlicher Kerl
ein scheußliches Laster, Verbrechen, ein scheußlicher Verrat
eine scheußliche Tat, Verleumdung
die Hinrichtung auf dem Marktplatz war ein scheußliches Schauspiel
saloppein scheußliches (= großes) Unrecht
saloppsein Benehmen war einfach scheußlich (= sehr ungezogen, sehr schlecht)
Wirklich scheußlich, die Frau in solch eine Lage zu bringen [ BaierlFlinz2]
2.
umgangssprachlich unangenehm, peinigend
Beispiele:
ein scheußlicher Gedanke, Traum
scheußliches (= sehr schlechtes) Wetter
eine scheußliche (= sehr schlimme) Erkältung
eine scheußliche Atmosphäre von erzwungener Feierlichkeit
das scheußliche Gefühl des schlechten Gewissens
sich in einer scheußlichen Lage befinden
ein scheußliches Gefühl, wenn der Wagen ins Schleudern kommt
es war eine scheußliche Zeit im Krankenhaus
Was ich Ihnen sagen möchte, ist mehr als unangenehm – geradezu scheußlich [ RauchfußLämmer292]
Morgens, so gegen zehn oder elf Uhr, war sie scheußlich (= unausstehlich) [ BöllZug165]
salopp, übertrieben sehr
Grammatik: adverbiell
Beispiele:
das tut scheußlich weh, ist scheußlich unangenehm, langweilig
sich scheußlich ärgern
scheußlich frieren
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheußlich Adj. ‘grausig, eklig, unangenehm’, mhd. schiuzlich ‘scheu, verzagt, abscheulich, häßlich’ ist eine Ableitung von mhd. schiuzen ‘Scheu oder Abscheu empfinden, grauen’ (aus vorauszusetzendem *schiuhezen), einer Intensivbildung zu mhd. schiuhen ‘scheu machen’ (s. scheu). Das Adjektiv erhält um 1500 unter Anlehnung an Scheusal seine heutige Lautgestalt (scheuslich Luther). Im Sinne von ‘unangenehm, widerlich’ (scheußliches Wetter, scheußliche Kälte) und ‘schlecht’ (eine scheußliche Aufführung) besonders seit dem 19. Jh. geläufig.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) zuwider · abscheulich · entsetzlich · furchtbar · fürchterlich · grässlich · schauderhaft · scheußlich · schrecklich · widerlich  ●  abominabel  geh., bildungssprachlich, selten, franz., veraltet, lat.
Assoziationen
Synonymgruppe
abscheulich · furchtbar · grottenhässlich · scheußlich · stockhässlich  ●  abstoßend (hässlich)  variabel · schaurig schön  scherzhaft · sehr hässlich  Hauptform · affrös  geh., veraltet · hässlich wie die Nacht  ugs. · potthässlich  ugs. · sauhässlich  derb
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›scheußlich‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›scheußlich‹.

Verwendungsbeispiele für ›scheußlich‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir haben es doch erlebt in diesen scheußlichen Jahren hinter uns. [Meißner, Hans-Otto: Man benimmt sich wieder, Giessen: Brühl 1950, S. 8]
Das hat er sich doch abgewöhnt, knorke zu sagen, es ist ein scheußliches Wort. [Feuchtwanger, Lion: Die Geschwister Oppermann, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1933], S. 219]
Mode ist so scheußlich, daß man sie jedes Jahr wechseln muß. [C't, 1997, Nr. 4]
Die Verantwortung für diese Behauptungen muß ich ihm überlassen, aber sie hören sich scheußlich genug an. [Tucholsky, Kurt: Bei den Verrückten. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1925], S. 3861]
Immerhin mußte ich einige Tage in dem scheußlichen Loch bleiben. [Blos, Wilhelm: Denkwürdigkeiten eines Sozialdemokraten, Bd. 1. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1914], S. 5038]
Zitationshilfe
„scheußlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/scheu%C3%9Flich>.

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