scheuen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung scheu-en
Wortbildung  mit ›scheuen‹ als Erstglied: Scheuklappe · Scheuleder  ·  mit ›scheuen‹ als Letztglied: zurückscheuen
eWDG

Bedeutungen

1.
etw., jmdn. scheuenvon Menschen   etw., jmdn. aus Ängstlichkeit, wegen möglicher Unannehmlichkeiten meiden, fürchten
Beispiele:
Anstrengungen, Arbeit, Auseinandersetzungen, Mühsal, Strapazen scheuen
die Verantwortung scheuen
keine Kosten, Mühe, Opfer, Schwierigkeiten scheuen
eine halbe Stunde Umweg nicht scheuen
sprichwörtlichdas gebrannte Kind scheut das Feuer
die Augenbindehaut entzündet sich, und die Patienten scheuen das Licht [ Gesundheit1967]
Ich scheue die Menschen [ EichStimmen34]
Ich bin der Tod, ich scheu keinen Mann [ Hofmannsth.Jedermann50]
bildlich
Beispiel:
das Licht (des Tages, der Welt, der Sonne) scheuen, nicht zu scheuen brauchen
auch von Tieren
Beispiel:
der Igel scheut nicht die Begegnung mit stärkeren Feinden
sich scheuenHemmung, Bedenken haben
Beispiele:
sich scheuen, etw. zu tun
ohne sich zu scheuen, schaute sie sich um
sich vor etw., jmdm. scheuenvor etw., jmdm. zurückschrecken
Beispiel:
sich vor keiner Arbeit, Aufgabe, vor niemandem scheuen
von Tieren   (vor dem Menschen) sofort fliehen, seine Gegenwart ängstlich meiden
Beispiel:
Obwohl die Trappe kein Kulturflüchter ist, scheut sie vor jeder Beunruhigung [ Natur u. Heimat1961]
2.
besonders von Pferden   durch Angst, Schreck in panikartige Erregung geraten, wild, scheu werden
Beispiele:
das Pferd hat vor einem Auto, vor dem Licht der Scheinwerfer gescheut
Ein paar Gäule scheuten und gingen durch [ Bergengr.Rittmeisterin221]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheu · Scheu · scheuen · Scheusal
scheu Adj. ‘schüchtern, zurückhaltend, furchtsam’. Mhd. schiech, schiehe, schie ‘verzagt, abschreckend, häßlich’ (noch obd. mundartlich schiech, s. d.), aengl. scēoh, engl. shy und (mit Ablaut und grammatischem Wechsel von h und g) mnd. schǖ(we), schügge, schūwe, mnl. scū, scou, nl. schuw, schwed. skygg führen auf germ. *skeuhwa-, *skūhwa-, *skugwa-. Setzt man danach ie. *skeuk- ‘gehetzt’ an, so kann dies als eine Gutturalerweiterung der Wurzel ie. *skē̌u- ‘werfen, schießen, stoßen’ (wozu auch schieben und schießen, s. d.) angesehen werden. Die heutige Form scheu (vgl. schew, scheuch bei Luther, schüch im 15. Jh.) hat sich lautlich an das Verb scheuen (s. unten) angelehnt. Scheu f. ‘Schüchternheit, (furchtsame) Zurückhaltung’, mhd. schiuhe ‘(Ab)scheu, Schreckbild’, frühnhd. Schew (Luther; noch Scheue im 18. Jh.), mnd. schǖwe, schū(w)e. S. dazu Abscheu, abscheulich. scheuen Vb. ‘zurückfahren, stutzen’, auch transitiv ‘aus Bangigkeit zu vermeiden suchen’ und reflexiv ‘Furcht, Widerwillen empfinden, sich zurückhalten’, ahd. skiuhen ‘sich entsetzen, meiden’ (8. Jh.), mhd. schiuhen, schiuwen, schūen ‘scheu machen, erschrecken, meiden, sich entsetzen, scheuchen, verjagen’, mnd. schǖwen, schū(w)en, mnl. scūwen, scouwen, nl. schuwen, gebildet zum Adjektiv. Scheusal n. ‘Schreckbild, grauenerregendes Wesen’, mhd. schiuwesal, frühnhd. schusel (15. Jh.), gebildet mit dem Suffix -sal, -sel (s. d.) zum Substantiv (s. oben) in seiner frühen Bedeutung ‘Schreckbild’ oder zum Verb im Sinne von ‘(Ab)scheuerregendes’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(einer Sache) aus dem Wege gehen · (sich) aus der Verantwortung stehlen · (sich) davonstehlen · (sich) der Verantwortung entziehen · (sich) einen schlanken Fuß machen · (sich) entziehen · (sich) nicht stellen · ausweichen · meiden  ●  (sich) drücken (vor)  ugs. · (sich) herumdrücken (um)  ugs. · fliehen (literar.)  geh. · kneifen (vor)  ugs. · scheuen  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
auf Abstand bleiben · meiden · scheuen · umgehen · vermeiden · versuchen zu vermeiden · zu vermeiden suchen  ●  (etwas) meiden wie der Teufel das Weihwasser  sprichwörtlich, variabel · (sich) um etwas herumdrücken  ugs. · (sich) vor etwas drücken  ugs. · bleiben lassen  ugs. · bleibenlassen  ugs. · einen (weiten) Bogen machen (um)  ugs.

Typische Verbindungen zu ›scheuen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›scheuen‹.

Verwendungsbeispiele für ›scheuen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vor längerer Zeit haben sich einige Forscher nicht gescheut, mit Kindern Experimente zu machen. [Schmidt-Rogge, Carl H.: Dein Kind – Dein Partner, München: List 1973 [1969], S. 311]
Aber dann lehne ich ebenso freundlich wie entschieden ab und scheue auch nicht davor zurück, das zweite Glas einfach stehenzulassen. [Oheim, Gertrud: Einmaleins des guten Tons, Gütersloh: Bertelsmann 1957 [1955], S. 120]
Er scheute sich indessen nicht, für eine Modifikation des Erbrechts einzutreten. [Giersch, Herbert: Allgemeine Wirtschaftspolitik, Wiesbaden: Gabler 1960, S. 137]
Zu diesem Zweck scheute man sich auch nicht, wiederholt angriffsweise vorzugehen. [Pflaum, Hans-Georg: Das römische Kaiserreich. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 28337]
Und anders als die meisten Frauen scheut sie sich nun auch nicht mehr, ihre Verbindungen zu nutzen. [Die Zeit, 16.09.1999, Nr. 38]
Zitationshilfe
„scheuen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/scheuen>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
scheuchen
scheu
schesen
scherzweise
scherzoso
scheuerfest
scheuermannsche Krankheit
scheuern
scheunenartig
scheußlich