Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

schief

Grammatik Adjektiv
Aussprache 
Wortbildung  mit ›schief‹ als Erstglied: Schieflage · schief gehen · schief getreten · schief gewickelt · schief laufen · schief sitzend · schief treten · schiefgehen · schiefgetreten · schiefgewickelt · schieflachen · schieflaufen · schiefliegen · schiefmaulig · schiefmäulig · schiefsitzend · schieftreten · schiefwinkelig · schiefwinklig
 ·  mit ›schief‹ als Letztglied: windschief  ·  mit ›schief‹ als Grundform: Schiefheit
eWDG

Bedeutungen

1.
(in unkorrekter Weise) gegen die Gerade, Senkrechte oder Waagerechte in einem spitzen Winkel geneigt, nicht gerade, schräg
Beispiele:
ein schiefer Pfosten, Zaun
eine schiefe Mauer, Wand
der Schiefe Turm zu Pisa
er hat eine schiefe Nase
Mathematik, Physikeine schiefe (= in einem bestimmten Winkel geneigte) Ebene
schiefe (= an einer Seite abgetretene) Absätze
einen schiefen (= seitlich verzogenen) Mund haben
eine schiefe (= verwachsene) Schulter
eine schiefe (= nachlässige, krumme) Haltung
ein schiefer (= aus den Augenwinkeln heraus nach der Seite gerichteter) Blick
ein schiefes (= ungleich gewachsenes, asymmetrisches) Gesicht
ein schiefes Lächeln (= ein Lächeln, bei dem sich der Mund einseitig und unnatürlich verzieht)
umgangssprachlichein schiefes Gesicht, einen schiefen Mund machen, ziehen (= den Mund einseitig verziehen, um sein Missfallen auszudrücken)
umgangssprachlich, saloppein schiefes Maul machen, ziehen (= den Mund einseitig verziehen, um sein Missfallen auszudrücken)
seine Buchstaben waren alle krumm und schief
der Hut sitzt schief
seine Schulter schmerzte ihn so sehr, dass er ganz schief ging
ein schief gewachsener Baum
den Kopf schief (= auf die Seite geneigt) halten, legen
ein schief sitzender Schlips
Flammend steht es über den buntgemalten, schiefen Giebeln der Altstadt [ UnruhNike9]
Der Mond stand schief und schon erbleicht im letzten Viertel [ AndresLiebesschaukel190]
bildlich
Beispiel:
saloppsich krumm und schief lachen (= heftig lachen)
übertragen
Beispiele:
jmd. ist auf die schiefe Bahn gekommen, geraten (= hat den sittlichen Halt verloren, ist sittlich entgleist)
jmd. ist auf die schiefe Ebene gekommen, geraten (= hat den sittlichen Halt verloren, ist sittlich entgleist)
er hat einen schiefen (= unaufrichtigen) Blick und schaut lieber weg
er fürchtete die schiefen (= verstohlenen, forschenden) Blicke seiner Wirtin
jmdn. schief (= abschätzig, verächtlich) ansehen
umgangssprachlichder Magen hängt mir schon schief (= ich habe großen Hunger)
2.
umgangssprachlich nicht ganz zutreffend, in einigen wesentlichen Zügen falsch, verzerrt
Beispiele:
ein schiefes Bild, Vergleich
eine schiefe Bemerkung, Bezeichnung
eine schiefe Ansicht, Meinung, Vorstellung
er gab ein schiefes Bild von der Sache
die Angelegenheit hat einen schiefen Gang genommen
etw., jmd. gerät in ein schiefes Licht (= wird falsch, unzutreffend beurteilt)
deine Darstellung des Sachverhalts ist durch und durch schief
etw. schief anfassen, ausdrücken
etw. kommt schief heraus
schief urteilen
die Voraussage hat sich als schief erwiesen
scherzhaftder Familiensegen hängt schief (= die Eintracht in der Familie ist gestört)
3.
umgangssprachlich nicht einwandfrei, nicht korrekt
a)
unklar, zweideutig
Beispiele:
in einer schiefen Lage, Position, Situation sein
eine schiefe Stellung gegen etw., jmdn. einnehmen
jmdn. in eine schiefe Situation bringen
b)
unaufrichtig, anrüchig
Beispiele:
schiefe Geschäfte, Sachen machen
eine Menge schiefer Entscheidungen hatten ihn/ihm seine Stellung gekostet
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat B1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schief Adj. ‘seitwärts geneigt, nicht gerade’, mhd. (md.) schief, schīf ‘ungerade, verkehrt, falsch’. Das Adjektiv dringt wohl aus dem Mnd. ins Md. vor und ist zunächst selten und ungewöhnlich; vgl. aber schon vereinzeltes ahd. skief ‘nicht gerade, schief’ (11. Jh.). Die Schreibweise mit -ie- bzw. -ī- versucht, den geschlossenen langen ē-Laut des Nd. wiederzugeben. Doch sind Lautform und Schreibung bis ins 18. Jh. erheblichen Schwankungen unterworfen (vgl. schieb, schief, scheif, schef, schöf Stieler 1691, schäf, scheif, schief Frisch 1741). Erst in der 2. Hälfte des 18. Jhs. setzt sich schief durch, und das Wort gewinnt in der Literatursprache allmählich an Verbreitung. Mnd. schēf, mnl. scheyff, nl. scheef, aengl. scāf- (in scāffōt ‘plattfüßig’), anord. skeifr, schwed. skev sowie nhd. (mundartlich) scheib (germ. *skaifa-, *skaiba-) und (mit affektischer Konsonantendoppelung) schepp lassen sich mit lit. skybẽlė ‘Stück, Scheibe, Abschnitt’, (landschaftlich) skybas ‘keilförmiges Stück Land’, lett. šḳībs ‘schief’ und (nasaliertem) griech. skimbós (σκιμβός) ‘hinkend, lahm’ auf ie. *skē̌ip-, *skē̌ibh- ‘schief, hinkend’ zurückführen.

Thesaurus

Synonymgruppe
quer · schräg  ●  schief  Hauptform · oblique  geh., lat., veraltet · schepp  ugs.
Synonymgruppe
diagonal · quer · schief · schräg
Synonymgruppe
krumm · schief · verbogen · verzogen · wellig · windschief  ●  krumm und schief  ugs.
Synonymgruppe
schief  fig. · unpassend (Vergleich o.ä.)  Hauptform · verrutscht  fig. · verunglückt  fig. · daneben gegangen  ugs., fig.

Typische Verbindungen zu ›schief‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schief‹.

Verwendungsbeispiele für ›schief‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Immer hatte er diesen kleinen steilen Hut schief auf dem Kopf. [Walser, Martin: Ein springender Brunnen, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1998, S. 166]
Dort stand tatsächlich so etwas wie eine Hütte mit einem schiefen Dach. [Dark, Jason [d.i. Rellergrad, Helmut]: Die Skelett-Vampire, Bergisch Gladbach: Bastei 1992 [1978], S. 38]
Es ging schiefer, als wir gedacht hatten, nämlich schon nach 24 Stunden. [Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 877]
Auf einem schiefen Brett kriecht sie nach der Richtung der steilsten Linie aufwärts. [Mach, Ernst: Erkenntnis und Irrtum. In: Philosophie von Platon bis Nietzsche, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1905], S. 9630]
Übelnehmen kann man Euch aber, daß Ihr nicht differenzieren wollt, und dadurch wird, was Ihr so klug schreibt, schief. [konkret, 1988]
Zitationshilfe
„schief“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schief>.

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