schief

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›schief‹ als Erstglied: ↗schiefgehen · ↗schiefgetreten · ↗schiefgewickelt · ↗schieflachen · ↗schieflaufen · ↗schiefliegen · ↗schiefmaulig · ↗schiefmäulig · ↗schiefsitzend · ↗schieftreten · ↗schiefwinkelig · ↗schiefwinklig
 ·  mit ›schief‹ als Letztglied: ↗windschief  ·  mit ›schief‹ als Grundform: ↗Schiefheit
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
(in unkorrekter Weise) gegen die Gerade, Senkrechte oder Waagerechte in einem spitzen Winkel geneigt, nicht gerade, schräg
Beispiele:
ein schiefer Pfosten, Zaun
eine schiefe Mauer, Wand
der Schiefe Turm zu Pisa
er hat eine schiefe Nase
Mathematik, Physikeine schiefe (= in einem bestimmten Winkel geneigte) Ebene
schiefe (= an einer Seite abgetretene) Absätze
einen schiefen (= seitlich verzogenen) Mund haben
eine schiefe (= verwachsene) Schulter
eine schiefe (= nachlässige, krumme) Haltung
ein schiefer (= aus den Augenwinkeln heraus nach der Seite gerichteter) Blick
ein schiefes (= ungleich gewachsenes, asymmetrisches) Gesicht
ein schiefes Lächeln (= ein Lächeln, bei dem sich der Mund einseitig und unnatürlich verzieht)
umgangssprachlichein schiefes Gesicht, einen schiefen Mund machen, ziehen (= den Mund einseitig verziehen, um sein Missfallen auszudrücken)
umgangssprachlich, saloppein schiefes Maul machen, ziehen (= den Mund einseitig verziehen, um sein Missfallen auszudrücken)
seine Buchstaben waren alle krumm und schief
der Hut sitzt schief
seine Schulter schmerzte ihn so sehr, dass er ganz schief ging
ein schief gewachsener Baum
den Kopf schief (= auf die Seite geneigt) halten, legen
ein schief sitzender Schlips
Flammend steht es über den buntgemalten, schiefen Giebeln der Altstadt [UnruhNike9]
Der Mond stand schief und schon erbleicht im letzten Viertel [AndresLiebesschaukel190]
bildlich
Beispiel:
saloppsich krumm und schief lachen (= heftig lachen)
übertragen
Beispiele:
jmd. ist auf die schiefe Bahn, Ebene gekommen, geraten (= hat den sittlichen Halt verloren, ist sittlich entgleist)
er hat einen schiefen (= unaufrichtigen) Blick und schaut lieber weg
er fürchtete die schiefen (= verstohlenen, forschenden) Blicke seiner Wirtin
jmdn. schief (= abschätzig, verächtlich) ansehen
umgangssprachlichder Magen hängt mir schon schief (= ich habe großen Hunger)
2.
umgangssprachlich nicht ganz zutreffend, in einigen wesentlichen Zügen falsch, verzerrt
Beispiele:
ein schiefes Bild, Vergleich
eine schiefe Bemerkung, Bezeichnung
eine schiefe Ansicht, Meinung, Vorstellung
er gab ein schiefes Bild von der Sache
die Angelegenheit hat einen schiefen Gang genommen
etw., jmd. gerät in ein schiefes Licht (= wird falsch, unzutreffend beurteilt)
deine Darstellung des Sachverhalts ist durch und durch schief
etw. schief anfassen, ausdrücken
etw. kommt schief heraus
schief urteilen
die Voraussage hat sich als schief erwiesen
scherzhaftder Familiensegen hängt schief (= die Eintracht in der Familie ist gestört)
3.
umgangssprachlich nicht einwandfrei, nicht korrekt
a)
unklar, zweideutig
Beispiele:
in einer schiefen Lage, Position, Situation sein
eine schiefe Stellung gegen etw., jmdn. einnehmen
jmdn. in eine schiefe Situation bringen
b)
unaufrichtig, anrüchig
Beispiele:
schiefe Geschäfte, Sachen machen
eine Menge schiefer Entscheidungen hatten ihn/ihm seine Stellung gekostet
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schief Adj. ‘seitwärts geneigt, nicht gerade’, mhd. (md.) schief, schīf ‘ungerade, verkehrt, falsch’. Das Adjektiv dringt wohl aus dem Mnd. ins Md. vor und ist zunächst selten und ungewöhnlich; vgl. aber schon vereinzeltes ahd. skief ‘nicht gerade, schief’ (11. Jh.). Die Schreibweise mit -ie- bzw. -ī- versucht, den geschlossenen langen ē-Laut des Nd. wiederzugeben. Doch sind Lautform und Schreibung bis ins 18. Jh. erheblichen Schwankungen unterworfen (vgl. schieb, schief, scheif, schef, schöf Stieler 1691, schäf, scheif, schief Frisch 1741). Erst in der 2. Hälfte des 18. Jhs. setzt sich schief durch, und das Wort gewinnt in der Literatursprache allmählich an Verbreitung. Mnd. schēf, mnl. scheyff, nl. scheef, aengl. scāf- (in scāffōt ‘plattfüßig’), anord. skeifr, schwed. skev sowie nhd. (mundartlich) scheib (germ. *skaifa-, *skaiba-) und (mit affektischer Konsonantendoppelung) schepp lassen sich mit lit. skybẽlė ‘Stück, Scheibe, Abschnitt’, (landschaftlich) skybas ‘keilförmiges Stück Land’, lett. šḳībs ‘schief’ und (nasaliertem) griech. skimbós (σκιμβός) ‘hinkend, lahm’ auf ie. *skē̌ip-, *skē̌ibh- ‘schief, hinkend’ zurückführen.

Thesaurus

Synonymgruppe
quer · schief · ↗schräg  ●  schepp  ugs.
Synonymgruppe
diagonal · ↗quer · schief · ↗schräg
Synonymgruppe
krumm · schief · verbogen · verzogen · ↗wellig · ↗windschief  ●  krumm und schief  ugs.
Assoziationen
  • Banane · Dessertbanane · Obstbanane  ●  Affenbrot  ugs. · Affeneis  ugs. · Affenhandy  ugs. · Affenknacker  ugs. · Affenkotelett  ugs. · Affenschnitzel  ugs. · Affensteak  ugs.
Synonymgruppe
schief  fig. · ↗unpassend (Vergleich o.ä.)  Hauptform · verrutscht  fig. · verunglückt  fig. · daneben gegangen  ugs., fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bild Ebene Fachwerkhaus Grinsen Kirchturm Licht Lächeln Maul Metapher Mund Nase Optik Schlachtordnung Turm Winkel Zahn gegangen gehen gelaufen gelegt hangen hängen hängend irgendwie krumm laufen meistens schräg sitzend ziemlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schief‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Immer hatte er diesen kleinen steilen Hut schief auf dem Kopf.
Walser, Martin: Ein springender Brunnen, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1998, S. 166
Das Bild hängt schief - Kinder, was macht ihr bloß den ganzen Tag!
Tucholsky, Kurt: Herr Wendriner erzählt eine Geschichte. In: Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1926]
Ein paar Minuten bummelte ich noch zwischen den schiefen Wänden meiner Stube umher.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 26340
Ihre Oberlippe war leicht hochgezogen, so dass man die schief stehenden Zähne sehen konnte.
Pressler, Mirjam: Malka Mai, Weinheim Basel: Beltz & Gelberg 2001, S. 1
Es war Nacht, und die drei Herren sangen tapfer und unglaublich schief das Deutschlandlied.
Illies, Florian: Generation Golf, Berlin: Argon 2000, S. 168
Zitationshilfe
„schief“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schief>, abgerufen am 06.12.2019.

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