schier

Grammatik Adverb
Aussprache  [ʃiːɐ̯]
eWDG

Bedeutung

drückt aus, dass etw. einem außerordentlichen, erstaunlichen Zustand, Grad oder Ausmaß sehr nahekommt   beinahe, fast
Beispiele:
das ist schier unmöglich
er geriet schier außer sich
sie wollte schier verzweifeln
eine schier unübersehbare Menschenmenge
Wenn ich abends ... in die schier unendliche Weite der liebgewonnenen Landschaft hineinträumte [ SchomburgkAfrika75]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schier1 Adv. ‘beinahe, fast’, ahd. skiero ‘schnell, sofort’ (8. Jh.), mhd. schier(e) ‘in kurzer Zeit, sogleich, schnell, bald’, mnd. schēr(e), mnl. scier(e), nl. schier sind wie das zugehörige (heute untergegangene) Adjektiv ahd. skieri ‘scharfsinnig, schnell im Unterscheiden’ (8. Jh.), mhd. schier ‘schnell, in kurzer Zeit erfolgend’ als Bildungen mit r-Suffix an die unter scheiden (s. d.) angeführte Wurzel ie. *skē̌i- ‘schneiden, trennen, scheiden, unterscheiden’ anzuschließen. Von ‘scharfsinnig im Unterscheiden’ führt die Bedeutung zu ‘schnell’ und ‘bald’ und geht von dort aus, zumal über Verbindungen mit Zeitangaben wie schier eine halbe stund, in ‘beinahe, fast’ über (15. Jh.).

Typische Verbindungen zu ›schier‹ (computergeneriert)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schier‹.

Verwendungsbeispiele für ›schier‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der schier unbegrenzten Freiheit der Initiative stand ein System regressiver Kontrollen gegenüber.
Heuß, Alfred: Hellas. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 3782
Unter mir war es ein schier geisterhaftes Rauschen und Rascheln.
Voß, Richard: Zwei Menschen, Stuttgart: Engelhorn 1911 [1949], S. 73
Eine jenseitige Glut faßte ihn an und verbrannte ihn schier.
Weismantel, Leo: Die höllische Trinität, Berlin: Union-Verl.1966 [1943], S. 472
So war für längere Geschichten eine schier riesenhafte Seitenzahl nötig.
Nadolny, Sten: Die Entdeckung der Langsamkeit, München: Piper 1983, S. 164
Anderseits aber ist ihm das Leben im Haus unter den obwaltenden Umständen schier unerträglich.
Christ, Lena: Madam Bäurin. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1920], S. 4601
Zitationshilfe
„schier“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schier#1>, abgerufen am 16.01.2022.

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schier

Grammatik Adjektiv
Aussprache  [ʃiːɐ̯]

Bedeutungsübersicht+

  1. [landschaftlich, besonders norddeutsch, umgangssprachlich] rein, unvermischt
  2. [übertragen] ...
eWDG

Bedeutungen

landschaftlich, besonders norddeutsch, umgangssprachlich rein, unvermischt
Beispiele:
schieres Fett
das Fleisch ist schier
die weiße schiere Milch
sein [des Ewers] Licht lag weit überm Strom, ein glitterndes Band von schierem Gold [ FrenssenBaas140]
übertragen
Beispiele:
die schiere Wahrheit
eine schiere Erfindung, Lüge
das ist schierer Undank für meine Mühe
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schier2 Adj. ‘unvermischt, rein’. Asächs. skīr(i) ‘lauter, rein’, mnd. schīr ‘licht, hell, klar, durchsichtig’, mhd. (md.) schīr ‘lauter, rein, glänzend’, mnl. scier, nl. schier ‘weiß, grau’, aengl. scīr, engl. (mundartlich) shire ‘durchsichtig, hell, rein’, anord. skīrr ‘rein, klar, unschuldig, deutlich’, schwed. skir, got. skeirs ‘klar, deutlich’ stellen sich als Bildungen mit r-Suffix (germ. *skeira-) zu der unter scheinen (s. d.) angeführten Wurzel ie. *sk̑āi-, *sk̑ī- ‘gedämpft schimmern’ (wozu auch Schemen und schimmern, s. d.). Das im Nhd. beibehaltene ī weist auf Übernahme des Adjektivs aus dem Nd. Der heutige Gebrauch beschränkt sich auf wenige Verwendungsweisen wie schieres Fleisch ‘reines Fleisch ohne Knochen’, schieres (‘unvermischtes, reines, lauteres’) Gold.

Typische Verbindungen zu ›schier‹ (computergeneriert)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schier‹.

Verwendungsbeispiele für ›schier‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch anstatt alle Mittel auf die Erzeugung von Spannung zu konzentrieren, gibt er sich der schieren Lust am Fabulieren hin.
Der Tagesspiegel, 26.05.2000
Einige ließen sich durch seine schiere Größe beeindrucken, andere überließen ihm nur die abgekauten Knochen.
Bild, 05.08.2003
Andererseits leidet die inhaltliche wie sprachliche Qualität unter der schieren Fülle an Informationen.
Die Zeit, 10.11.1999, Nr. 45
So wie die Götter in ihrem unerforschlichen Ratschluß ihre Lieblinge scheinbar aufgrund schierer Sympathie auswählen, sind auch die Unglücksraben Erwählte.
Schwanitz, Dietrich: Männer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 308
Sie kaut nicht, sie schlingt; sie atmet das schiere Fleisch ein.
Katz, Richard: Übern Gartenhag, München u. Zürich: Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. 1965, S. 117
Zitationshilfe
„schier“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schier#2>, abgerufen am 16.01.2022.

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