Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

schiffen

Grammatik Verb · schifft, schiffte, ist geschifft
Aussprache  [ˈʃɪfn̩]
Worttrennung schif-fen
Wortbildung  mit ›schiffen‹ als Erstglied: Schiffer · schiffbar  ·  mit ›schiffen‹ als Letztglied: ausschiffen · durchschiffen · einschiffen · umschiffen · überschiffen
eWDG

Bedeutung

gehoben, veraltend mit dem Schiff fahren, zu Wasser fahren
Beispiel:
über das Meer, die, den See schiffen
bildlich
Beispiel:
am blauen Himmel schifften die weißen Wolken [ HeineHarzreise3,25]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schiff · schiffen1 · schiffen2 · Schiffer · Schipper · schippern · Schiffbruch · Schiffahrt · schiffreich
Schiff n. ‘Wasserfahrzeug’, ahd. skif, skef ‘Wasserfahrzeug, Faß, Gefäß’ (8. Jh.), mhd. schif, schef, asächs. skip, mnd. schip, schep, mnl. scip, scep, nl. schip, afries. skip, aengl. scip, engl. ship, anord. skip, schwed. skepp, got. skip ist eine gemeingerm. schwundstufige Bildung (*skipa-), vielleicht zur Labialerweiterung ie. *skē̌ib- (s. Schicht) der Wurzel ie. *skē̌i- ‘schneiden, trennen, scheiden’ (s. scheiden), so daß von einer Bedeutung ‘ausgeschnittener, ausgehöhlter Baumstamm’ auszugehen ist. Im Sinne von ‘Kirchenlanghaus’ (seit etwa 1500) folgt Schiff dem Gebrauch von mlat. navis (eigentlich ‘Schiff’), das diese übertragene Verwendung vielleicht aus einer Vermischung von griech. naós (ναός) ‘Tempel’ und griech. ná͞us (ναῦς) ‘Schiff’ bezogen hat. – schiffen1 Vb. ‘zu Schiff reisen, mit dem Schiff befördern’, mhd. schiffen ‘sich einschiffen, zu Schiff fahren, befördern’, aengl. scipian, engl. to ship, mnd. schēpen, anord. *skipa ‘ein Schiff ausrüsten, fortbewegen’, vgl. skipa upp ‘ausladen, löschen’, heute vornehmlich in den Präfixbildungen sich einschiffen, etw. verschiffen, umschiffen. schiffen2 Vb. ‘Wasser lassen, harnen’ (18. Jh.), aus der Studentensprache, zu Schiff ‘Nachtgeschirr’; vgl. ahd. skif, nhd. (mundartlich) Schiff ‘Gefäß’ (s. oben). Schiffer m. ‘Schiffsführer, Schiffseigner’ (15. Jh.), entsprechend mnd. schipper und schiphere ‘Schiffsherr’; daraus auch in der Literatursprache Schipper m. ‘Kapitän’ (19. Jh.) sowie abgeleitetes schippern Vb. ‘mit dem Schiff fahren’ (19. Jh.). Schiffbruch m. ‘Untergang eines beschädigten oder gescheiterten Schiffes, Havarie’, mhd. schifbruch; vgl. mnd. schipbrȫke. Schiffahrt f. ‘Seereise, Schiffsverkehr, Verkehr zu Wasser’, ahd. skeffart (9. Jh.), mhd. schifvart (auch ‘Schiffsladung’), mnd. schipvārt. schiffreich Adj. ‘schiffbar’, mhd. schifrech, -rich, -ræch, -ræhe, mit t-Erweiterung mhd. schifrecht, -ræt(e), -rætic. Eine etymologische Zuordnung des Grundworts stößt infolge des im Mhd. teils Kürze, teils Länge aufweisenden Vokals auf Schwierigkeiten. Geht man von ursprünglicher Kürze und sekundärer Längung aus, so ist am ehesten eine Zusammensetzung mit mhd. (ge)rech(t) ‘geordnet, in rechtem Zustand’ anzunehmen, zu recht (s. d.); daher mhd. schifreches wazzer ‘für Schiffe geeignetes Gewässer’. Oder ist das Grundwort eine Bildung zu germ. *wrekan im Sinne von ‘treiben’ (s. rächen), also ‘Gewässer, das Schiffe treiben kann’? Schon früh wird im Hinblick auf reich (s. d.) mhd. -i- zu -ī- gelängt und der Wortsinn umgedeutet zu schiffreich ‘von vielen Schiffen befahren’.

Verwendungsbeispiele für ›schiffen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch die haben es wohl auch bisher geschifft, ihre Waren zu identifizieren. [Die Zeit, 12.05.1989, Nr. 20]
Ein Handicap, das tatsächlich der italienischen Wirtschaft immer heftiger zu schiffen macht, ist der starke Kurs der Lira gegenüber der Deutschen Mark. [Die Zeit, 07.09.1990, Nr. 37]
Dann hat man angefangen, uns auf die Patria zu schiffen. [Süddeutsche Zeitung, 12.01.1995]
Eine Stunde schifft er Gäste durch den Freihafen (28 Mark). [Bild, 19.09.1998]
Man steckte ihn kurzerhand in einen Sack und schiffte ihn per Yacht zunächst bis Barbados. [Süddeutsche Zeitung, 29.07.1995]
Zitationshilfe
„schiffen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schiffen#1>.

Weitere Informationen …

schiffen

Grammatik Verb · schifft, schiffte, hat geschifft
Aussprache  [ˈʃɪfn̩]
Worttrennung schif-fen
GrundformSchiff
Wortbildung  mit ›schiffen‹ als Letztglied: anschiffen

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. [derb] ⟨jmd. schifft⟩ Synonym zu urinieren
  2. 2. [salopp] ⟨es schifft⟩ (stark) regnen
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
derb jmd. schifft
Synonym zu urinieren
Beispiele:
Er war meist besoffen. Und wenn er das war, war er beim Geigespielen oft so in seine Musik vertieft, dass er sich dabei, Harndrang und Beherrschung vergessend, schon mal in die Hosen schiffte [Leipziger Volkszeitung, 12.10.2018]
Im Zeitalter der Aufklärung kam das Schiff ziemlich herunter, in der Studentensprache wurde daraus eine Benennung für den Nachttopf […]. Daraus entwickelte sich »schiffen« für urinieren. [Reutlinger General-Anzeiger, 17.04.2019]
Peter T[…] weist darauf hin, dass sein Geburtsort Schiffweiler den Necknamen »St. Urin« trägt, da das Wort schiffen auch urinieren bedeutet. [Saarbrücker Zeitung, 04.08.2012]
[…] man hat ihn dabei erwischt … Er hat ins Waschbecken geschifft. – Oh! Oh! Welches Waschbecken? [»The IT Crowd« From Hell, 2008, aufgerufen am 31.10.2014]
Und musste wer pinkeln, schiffte er in eine Ecke. [Süddeutsche Zeitung, 07.11.2003]
So tritt z. B. das auf dem Wasser fahrende Schiff in den Harnträumen ungarischer Träumer auf, obwohl dieser Sprache die Bezeichnung »schiffen« für »urinieren« fremd ist […]. [Freud, Sigmund: Die Traumdeutung. Leipzig [u. a.]: Deuticke 1914 [1900], S. 261]
2.
salopp es schifft(stark) regnen
Beispiele:
Irgendwann bürgerte sich umgangssprachlich »es schifft« für »es regnet« ein. [Reutlinger General-Anzeiger, 17.04.2019]
Früher haben wir auch anders über den Regen gesprochen. Wir wechselten die Verben, weil der Regen sich oft und immer wieder anders zeigte. Es schauerte, schüttete, schiffte, seichte. Tröpfelte, nieselte, pladderte, prasselte, triefte. [Badische Zeitung, 12.08.2020]
Stetig tropfte es ohne Unterlass vom Himmel. Aufmerksamkeit und Konzentration war trotzdem auf beiden Seiten stark. Die darstellenden Kinder hielten sich tapfer und führten ihre Rollen mit Bravour aus. Bürgermeister Sandro B[…] sagte, dass man noch Glück gehabt hätte, denn statt regnen hätte es ja auch »schiffen« können. [Mittelbayerische, 27.12.2018]
Wenn es, auf gut Deutsch, pisst und schüttet, aus allen Kübeln gießt und schifft, wenn im angelsächsischen Sprachraum sogar Hunde und Katzen aus dem Himmel fallen, dann sprechen die Wetterexperten vom Deutschen Wetterdienst, vergleichsweise nüchtern, von Starkregen. [Süddeutsche Zeitung, 11.06.2018]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schiff · schiffen1 · schiffen2 · Schiffer · Schipper · schippern · Schiffbruch · Schiffahrt · schiffreich
Schiff n. ‘Wasserfahrzeug’, ahd. skif, skef ‘Wasserfahrzeug, Faß, Gefäß’ (8. Jh.), mhd. schif, schef, asächs. skip, mnd. schip, schep, mnl. scip, scep, nl. schip, afries. skip, aengl. scip, engl. ship, anord. skip, schwed. skepp, got. skip ist eine gemeingerm. schwundstufige Bildung (*skipa-), vielleicht zur Labialerweiterung ie. *skē̌ib- (s. Schicht) der Wurzel ie. *skē̌i- ‘schneiden, trennen, scheiden’ (s. scheiden), so daß von einer Bedeutung ‘ausgeschnittener, ausgehöhlter Baumstamm’ auszugehen ist. Im Sinne von ‘Kirchenlanghaus’ (seit etwa 1500) folgt Schiff dem Gebrauch von mlat. navis (eigentlich ‘Schiff’), das diese übertragene Verwendung vielleicht aus einer Vermischung von griech. naós (ναός) ‘Tempel’ und griech. ná͞us (ναῦς) ‘Schiff’ bezogen hat. – schiffen1 Vb. ‘zu Schiff reisen, mit dem Schiff befördern’, mhd. schiffen ‘sich einschiffen, zu Schiff fahren, befördern’, aengl. scipian, engl. to ship, mnd. schēpen, anord. *skipa ‘ein Schiff ausrüsten, fortbewegen’, vgl. skipa upp ‘ausladen, löschen’, heute vornehmlich in den Präfixbildungen sich einschiffen, etw. verschiffen, umschiffen. schiffen2 Vb. ‘Wasser lassen, harnen’ (18. Jh.), aus der Studentensprache, zu Schiff ‘Nachtgeschirr’; vgl. ahd. skif, nhd. (mundartlich) Schiff ‘Gefäß’ (s. oben). Schiffer m. ‘Schiffsführer, Schiffseigner’ (15. Jh.), entsprechend mnd. schipper und schiphere ‘Schiffsherr’; daraus auch in der Literatursprache Schipper m. ‘Kapitän’ (19. Jh.) sowie abgeleitetes schippern Vb. ‘mit dem Schiff fahren’ (19. Jh.). Schiffbruch m. ‘Untergang eines beschädigten oder gescheiterten Schiffes, Havarie’, mhd. schifbruch; vgl. mnd. schipbrȫke. Schiffahrt f. ‘Seereise, Schiffsverkehr, Verkehr zu Wasser’, ahd. skeffart (9. Jh.), mhd. schifvart (auch ‘Schiffsladung’), mnd. schipvārt. schiffreich Adj. ‘schiffbar’, mhd. schifrech, -rich, -ræch, -ræhe, mit t-Erweiterung mhd. schifrecht, -ræt(e), -rætic. Eine etymologische Zuordnung des Grundworts stößt infolge des im Mhd. teils Kürze, teils Länge aufweisenden Vokals auf Schwierigkeiten. Geht man von ursprünglicher Kürze und sekundärer Längung aus, so ist am ehesten eine Zusammensetzung mit mhd. (ge)rech(t) ‘geordnet, in rechtem Zustand’ anzunehmen, zu recht (s. d.); daher mhd. schifreches wazzer ‘für Schiffe geeignetes Gewässer’. Oder ist das Grundwort eine Bildung zu germ. *wrekan im Sinne von ‘treiben’ (s. rächen), also ‘Gewässer, das Schiffe treiben kann’? Schon früh wird im Hinblick auf reich (s. d.) mhd. -i- zu -ī- gelängt und der Wortsinn umgedeutet zu schiffreich ‘von vielen Schiffen befahren’.
Zitationshilfe
„schiffen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schiffen#2>.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
schiffeln
schiffbrüchig
schiffbar
schießwütig
schießenlassen
schiffsbrüchig
schiften
schiitisch
schikanieren
schikanös