schiffen

GrammatikVerb · schiffte, ist geschifft
Aussprache
Worttrennungschif-fen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›schiffen‹ als Erstglied: ↗schiffbar  ·  mit ›schiffen‹ als Letztglied: ↗ausschiffen · ↗durchschiffen · ↗einschiffen · ↗umschiffen · ↗überschiffen
eWDG, 1974

Bedeutung

gehoben, veraltend mit dem Schiff fahren, zu Wasser fahren
Beispiel:
über das Meer, die, den See schiffen
bildlich
Beispiel:
am blauen Himmel schifften die weißen Wolken [HeineHarzreise3,25]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schiff · schiffen1 · schiffen2 · Schiffer · Schipper · schippern · Schiffbruch · Schiffahrt · schiffreich
Schiff n. ‘Wasserfahrzeug’, ahd. skif, skef ‘Wasserfahrzeug, Faß, Gefäß’ (8. Jh.), mhd. schif, schef, asächs. skip, mnd. schip, schep, mnl. scip, scep, nl. schip, afries. skip, aengl. scip, engl. ship, anord. skip, schwed. skepp, got. skip ist eine gemeingerm. schwundstufige Bildung (*skipa-), vielleicht zur Labialerweiterung ie. *skē̌ib- (s. ↗Schicht) der Wurzel ie. *skē̌i- ‘schneiden, trennen, scheiden’ (s. ↗scheiden), so daß von einer Bedeutung ‘ausgeschnittener, ausgehöhlter Baumstamm’ auszugehen ist. Im Sinne von ‘Kirchenlanghaus’ (seit etwa 1500) folgt Schiff dem Gebrauch von mlat. navis (eigentlich ‘Schiff’), das diese übertragene Verwendung vielleicht aus einer Vermischung von griech. naós (ναός) ‘Tempel’ und griech. ná͞us (ναῦς) ‘Schiff’ bezogen hat. schiffen1 Vb. ‘zu Schiff reisen, mit dem Schiff befördern’, mhd. schiffen ‘sich einschiffen, zu Schiff fahren, befördern’, aengl. scipian, engl. to ship, mnd. schēpen, anord. *skipa ‘ein Schiff ausrüsten, fortbewegen’, vgl. skipa upp ‘ausladen, löschen’, heute vornehmlich in den Präfixbildungen sich einschiffen, etw. verschiffen, umschiffen. schiffen2 Vb. ‘Wasser lassen, harnen’ (18. Jh.), aus der Studentensprache, zu Schiff ‘Nachtgeschirr’; vgl. ahd. skif, nhd. (mundartlich) Schiff ‘Gefäß’ (s. oben). Schiffer m. ‘Schiffsführer, Schiffseigner’ (15. Jh.), entsprechend mnd. schipper und schiphere ‘Schiffsherr’; daraus auch in der Literatursprache Schipper m. ‘Kapitän’ (19. Jh.) sowie abgeleitetes schippern Vb. ‘mit dem Schiff fahren’ (19. Jh.). Schiffbruch m. ‘Untergang eines beschädigten oder gescheiterten Schiffes, Havarie’, mhd. schifbruch; vgl. mnd. schipbrȫke. Schiffahrt f. ‘Seereise, Schiffsverkehr, Verkehr zu Wasser’, ahd. skeffart (9. Jh.), mhd. schifvart (auch ‘Schiffsladung’), mnd. schipvārt. schiffreich Adj. ‘schiffbar’, mhd. schifrech, -rich, -ræch, -ræhe, mit t-Erweiterung mhd. schifrecht, -ræt(e), -rætic. Eine etymologische Zuordnung des Grundworts stößt infolge des im Mhd. teils Kürze, teils Länge aufweisenden Vokals auf Schwierigkeiten. Geht man von ursprünglicher Kürze und sekundärer Längung aus, so ist am ehesten eine Zusammensetzung mit mhd. (ge)rech(t) ‘geordnet, in rechtem Zustand’ anzunehmen, zu ↗recht (s. d.); daher mhd. schifreches wazzer ‘für Schiffe geeignetes Gewässer’. Oder ist das Grundwort eine Bildung zu germ. *wrekan im Sinne von ‘treiben’ (s. ↗rächen), also ‘Gewässer, das Schiffe treiben kann’? Schon früh wird im Hinblick auf ↗reich (s. d.) mhd. -i- zu -ī- gelängt und der Wortsinn umgedeutet zu schiffreich ‘von vielen Schiffen befahren’.

Thesaurus

Synonymgruppe
harnen · ↗urinieren  ●  Wasser lassen  Hauptform · Lulu machen  ugs. · Pipi machen  ugs. · ablitern  ugs. · ↗abschlagen  derb · abwassern  ugs. · ↗austreten  ugs. · ↗brunzen  ugs., regional · eine Stange Wasser in die Ecke stellen  ugs. · miktieren  fachspr. · ↗pieseln  ugs. · ↗pinkeln  ugs. · ↗pissen  derb · ↗pullern  ugs. · schiffen  ugs. · ↗seichen  ugs. · ↗strullen  ugs.
Assoziationen
  • Harn · ↗Urin · ↗Wasser (in: Wasser lassen)  ●  ↗Natursekt  vulg. · Piese  derb · ↗Pinke  derb · ↗Pipi  ugs. · ↗Pisse  derb · ↗Seiche  derb
  • übermäßige Harnausscheidung  ●  ↗Polyurie  fachspr.
  • (die) Toilette benutzen (wollen) · (ein) dringendes Bedürfnis verspüren · (mal) auf die Toilette (gehen) müssen · (mal) verschwinden müssen · (mal) wohin müssen · (mal) zur Toilette (gehen) müssen · Stuhldrang haben  ●  (etwas) Dringendes zu erledigen haben  fig., verhüllend · (ein) menschliches Rühren verspüren  ugs., verhüllend · ↗(mal) müssen  ugs. · aufs Klo müssen  ugs.
  • (sich) in die Hose machen · (sich) in die Hose pinkeln · ↗einnässen
  • auf die Toilette gehen · aufs Klo gehen  ●  (sich) frisch machen  verhüllend · scheißen gehen  derb
Synonymgruppe
schiffen · ↗steuern (See und Luft)
Synonymgruppe
(heftig) regnen (es) · in Strömen regnen (es)  ●  Bindfäden regnen (es)  ugs. · ↗gießen (es)  ugs. · ordentlich was runterkommen (es)  ugs. · ↗pladdern (es)  ugs., norddeutsch · plästern (es)  ugs., ruhrdt. · schiffen (es)  ugs. · ↗schütten (es)  ugs. · wie aus Eimern gießen (es)  ugs. · wie aus Eimern schütten (es)  ugs. · wie aus Kübeln gießen (es)  ugs. · wie aus Kübeln schütten (es)  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bord Container Flagge Kanal Klippe Meer Ozean Tonne Weltmeer ausschiffen durchschiffen ein einschiffen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schiffen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch die haben es wohl auch bisher geschifft, ihre Waren zu identifizieren.
Die Zeit, 12.05.1989, Nr. 20
Dann hat man angefangen, uns auf die Patria zu schiffen.
Süddeutsche Zeitung, 12.01.1995
Im Golfkrieg von 1991 wurden 400000 Tonnen Munition nach Kuwait geschifft.
Der Tagesspiegel, 28.02.2003
Am Samstag vormittags schiffte es dann, was die Wolken ließen, und ich wagte erst gegen Mittag den Aufstieg zur Burg.
konkret, 1984
Viele Werke werden seit Jahren um die Welt geschifft, um ihren Leihgebern Leihgebühren einzuspielen, und waren auch in Deutschland schon zu sehen.
konkret, 1997
Zitationshilfe
„schiffen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schiffen#1>, abgerufen am 16.11.2018.

Weitere Informationen …

schiffen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungschif-fen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›schiffen‹ als Letztglied: ↗anschiffen
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
vulgär Wasser lassen
2.
salopp, derb
Beispiel:
es schifft (= es regnet)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schiff · schiffen1 · schiffen2 · Schiffer · Schipper · schippern · Schiffbruch · Schiffahrt · schiffreich
Schiff n. ‘Wasserfahrzeug’, ahd. skif, skef ‘Wasserfahrzeug, Faß, Gefäß’ (8. Jh.), mhd. schif, schef, asächs. skip, mnd. schip, schep, mnl. scip, scep, nl. schip, afries. skip, aengl. scip, engl. ship, anord. skip, schwed. skepp, got. skip ist eine gemeingerm. schwundstufige Bildung (*skipa-), vielleicht zur Labialerweiterung ie. *skē̌ib- (s. ↗Schicht) der Wurzel ie. *skē̌i- ‘schneiden, trennen, scheiden’ (s. ↗scheiden), so daß von einer Bedeutung ‘ausgeschnittener, ausgehöhlter Baumstamm’ auszugehen ist. Im Sinne von ‘Kirchenlanghaus’ (seit etwa 1500) folgt Schiff dem Gebrauch von mlat. navis (eigentlich ‘Schiff’), das diese übertragene Verwendung vielleicht aus einer Vermischung von griech. naós (ναός) ‘Tempel’ und griech. ná͞us (ναῦς) ‘Schiff’ bezogen hat. schiffen1 Vb. ‘zu Schiff reisen, mit dem Schiff befördern’, mhd. schiffen ‘sich einschiffen, zu Schiff fahren, befördern’, aengl. scipian, engl. to ship, mnd. schēpen, anord. *skipa ‘ein Schiff ausrüsten, fortbewegen’, vgl. skipa upp ‘ausladen, löschen’, heute vornehmlich in den Präfixbildungen sich einschiffen, etw. verschiffen, umschiffen. schiffen2 Vb. ‘Wasser lassen, harnen’ (18. Jh.), aus der Studentensprache, zu Schiff ‘Nachtgeschirr’; vgl. ahd. skif, nhd. (mundartlich) Schiff ‘Gefäß’ (s. oben). Schiffer m. ‘Schiffsführer, Schiffseigner’ (15. Jh.), entsprechend mnd. schipper und schiphere ‘Schiffsherr’; daraus auch in der Literatursprache Schipper m. ‘Kapitän’ (19. Jh.) sowie abgeleitetes schippern Vb. ‘mit dem Schiff fahren’ (19. Jh.). Schiffbruch m. ‘Untergang eines beschädigten oder gescheiterten Schiffes, Havarie’, mhd. schifbruch; vgl. mnd. schipbrȫke. Schiffahrt f. ‘Seereise, Schiffsverkehr, Verkehr zu Wasser’, ahd. skeffart (9. Jh.), mhd. schifvart (auch ‘Schiffsladung’), mnd. schipvārt. schiffreich Adj. ‘schiffbar’, mhd. schifrech, -rich, -ræch, -ræhe, mit t-Erweiterung mhd. schifrecht, -ræt(e), -rætic. Eine etymologische Zuordnung des Grundworts stößt infolge des im Mhd. teils Kürze, teils Länge aufweisenden Vokals auf Schwierigkeiten. Geht man von ursprünglicher Kürze und sekundärer Längung aus, so ist am ehesten eine Zusammensetzung mit mhd. (ge)rech(t) ‘geordnet, in rechtem Zustand’ anzunehmen, zu ↗recht (s. d.); daher mhd. schifreches wazzer ‘für Schiffe geeignetes Gewässer’. Oder ist das Grundwort eine Bildung zu germ. *wrekan im Sinne von ‘treiben’ (s. ↗rächen), also ‘Gewässer, das Schiffe treiben kann’? Schon früh wird im Hinblick auf ↗reich (s. d.) mhd. -i- zu -ī- gelängt und der Wortsinn umgedeutet zu schiffreich ‘von vielen Schiffen befahren’.

Thesaurus

Synonymgruppe
harnen · ↗urinieren  ●  Wasser lassen  Hauptform · Lulu machen  ugs. · Pipi machen  ugs. · ablitern  ugs. · ↗abschlagen  derb · abwassern  ugs. · ↗austreten  ugs. · ↗brunzen  ugs., regional · eine Stange Wasser in die Ecke stellen  ugs. · miktieren  fachspr. · ↗pieseln  ugs. · ↗pinkeln  ugs. · ↗pissen  derb · ↗pullern  ugs. · schiffen  ugs. · ↗seichen  ugs. · ↗strullen  ugs.
Assoziationen
  • Harn · ↗Urin · ↗Wasser (in: Wasser lassen)  ●  ↗Natursekt  vulg. · Piese  derb · ↗Pinke  derb · ↗Pipi  ugs. · ↗Pisse  derb · ↗Seiche  derb
  • übermäßige Harnausscheidung  ●  ↗Polyurie  fachspr.
  • (die) Toilette benutzen (wollen) · (ein) dringendes Bedürfnis verspüren · (mal) auf die Toilette (gehen) müssen · (mal) verschwinden müssen · (mal) wohin müssen · (mal) zur Toilette (gehen) müssen · Stuhldrang haben  ●  (etwas) Dringendes zu erledigen haben  fig., verhüllend · (ein) menschliches Rühren verspüren  ugs., verhüllend · ↗(mal) müssen  ugs. · aufs Klo müssen  ugs.
  • (sich) in die Hose machen · (sich) in die Hose pinkeln · ↗einnässen
  • auf die Toilette gehen · aufs Klo gehen  ●  (sich) frisch machen  verhüllend · scheißen gehen  derb
Synonymgruppe
schiffen · ↗steuern (See und Luft)
Synonymgruppe
(heftig) regnen (es) · in Strömen regnen (es)  ●  Bindfäden regnen (es)  ugs. · ↗gießen (es)  ugs. · ordentlich was runterkommen (es)  ugs. · ↗pladdern (es)  ugs., norddeutsch · plästern (es)  ugs., ruhrdt. · schiffen (es)  ugs. · ↗schütten (es)  ugs. · wie aus Eimern gießen (es)  ugs. · wie aus Eimern schütten (es)  ugs. · wie aus Kübeln gießen (es)  ugs. · wie aus Kübeln schütten (es)  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bord Container Flagge Kanal Klippe Meer Ozean Tonne Weltmeer ausschiffen durchschiffen ein einschiffen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schiffen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch die haben es wohl auch bisher geschifft, ihre Waren zu identifizieren.
Die Zeit, 12.05.1989, Nr. 20
Dann hat man angefangen, uns auf die Patria zu schiffen.
Süddeutsche Zeitung, 12.01.1995
Im Golfkrieg von 1991 wurden 400000 Tonnen Munition nach Kuwait geschifft.
Der Tagesspiegel, 28.02.2003
Am Samstag vormittags schiffte es dann, was die Wolken ließen, und ich wagte erst gegen Mittag den Aufstieg zur Burg.
konkret, 1984
Viele Werke werden seit Jahren um die Welt geschifft, um ihren Leihgebern Leihgebühren einzuspielen, und waren auch in Deutschland schon zu sehen.
konkret, 1997
Zitationshilfe
„schiffen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schiffen#2>, abgerufen am 16.11.2018.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
schiffeln
Schiffe
Schiffchenspitze
Schiffchennähmaschine
Schiffchenarbeit
Schiffer
Schifferbarke
Schifferbart
Schifferklavier
Schifferkneipe