Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

schimpfen

Grammatik Verb
Aussprache 
Worttrennung schimp-fen
Wortbildung  mit ›schimpfen‹ als Erstglied: Schimpfer · Schimpferei · Schimpfkanonade · Schimpfrede · Schimpftirade · Schimpfwort
 ·  mit ›schimpfen‹ als Letztglied: Geschimpf · Geschimpfe · anschimpfen · ausschimpfen · beschimpfen · drauflosschimpfen · herumschimpfen · losschimpfen
eWDG

Bedeutungen

1.
über jmdn., etw. laut durch Worte seinen Unwillen äußern, heftig schelten
Beispiele:
laut, tüchtig, grob, wüst, unflätig schimpfen
umgangssprachlichmächtig schimpfen
immerzu schimpfen
umgangssprachlichin einem fort schimpfen
fluchen und schimpfen
»Wieder bist du unpünktlich!« schimpfte er
umgangssprachlicher schimpft wie ein Rohrspatz (= erregt und laut)
in gemeinen Worten schimpfen
auf, über jmdn., etw. schimpfen
Beispiel:
sie schimpften auf, über ihn, auf, über das schlechte Wetter
umgangssprachlich mit jmdm. schimpfen
Beispiele:
die Mutter schimpft mit ihrem ungezogenen Kind (= schilt es aus)
er kann das Nörgeln und Schimpfen nicht lassen
2.
umgangssprachlich jmdn. etw. schimpfenmeist zu Unrecht jmdn. mit einem kränkenden Namen benennen
Beispiel:
jmdn. (einen) Feigling, Betrüger, Dieb, Faulenzer, Lügner schimpfen
salopp, spöttisch ›sich schimpfen‹ + Nomenetw. zu sein behaupten, sich nennen
Beispiele:
und sowas schimpft sich nun Fachmann
Und Sie schimpfen sich Handwerksmeister? Können nicht mal rechnen! [ FalladaJeder stirbt494]
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A2.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Schimpf · schimpfen · schimpflich
Schimpf m. ‘Beleidigung, Demütigung, Schande’, ahd. skimph ‘Scherz, Kurzweil’ (11. Jh.; vgl. skimphāri ‘Possenreißer, fahrender Schauspieler’, Hs. 12. Jh.), mhd. schimph, schimpf, auch ‘(Kampf)spiel, Spott, Verhöhnung’ (vgl. mhd. in sīme schimpfe hān, ze schimpfe hān, schimpf trīben ‘verspotten’), mnd. schimp ‘Scherz, Spaß, Spott, Hohn’, mnl. scimp, nl. schimp. Herkunft unbekannt. Die alte Bedeutung ‘Scherz’ hält sich bis ins 18. Jh. in der gegenüberstellenden Paarformel Schimpf und Ernst. Aus der bereits mhd. bezeugten Verwendung im Sinne von ‘Spott’ entwickelt sich im 16. Jh. ‘Ehrverletzung, Schmach, Schande’, vgl. Schimpf und Schande (18. Jh.). schimpfen Vb. ‘laut und zornig reden’, ahd. skimphen ‘scherzen, spielen, (ver)spotten’ (9. Jh.), mhd. schimphen ‘scherzen, spielen, zur Kurzweil kämpfen, (ver)spotten’, nhd. schimpfen ‘beleidigen, verunglimpfen, schelten’ (17. Jh.), ‘jmdn. verletzend mit einem Scheltnamen belegen’ (18. Jh.). schimpflich Adj. ‘beleidigend, schmachvoll’ (um 1600), mhd. schimph(e)lich ‘scherzhaft, kurzweilig, spöttisch’.

Thesaurus

Synonymgruppe
rüffeln · schelten · schimpfen · tadeln  ●  jemandem etwas geigen  ugs.
Synonymgruppe
(den) Namen haben · (den) Namen tragen · (der) Name ist · (der) Name lautet · (die) Bezeichnung (...) tragen · (sich) bezeichnen (als) · (sich) nennen · angesprochen werden (können) als · bezeichnet werden als · darstellen · figurieren (als) · firmieren (als) · firmieren (unter) · fungieren (als) · genannt werden · heißen · man nennt (ihn)  ●  (sich jemanden) als etwas vorstellen müssen (lit.)  geh. · (sich) schimpfen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
abkanzeln · ausschimpfen · beleidigen · entwerten · entwürdigen · herabsetzen · herabwürdigen · niedermachen  ●  (he)runtermachen  ugs. · (he)runterputzen  ugs. · abqualifizieren  ugs. · absauen  derb · anmachen  ugs. · anmotzen  ugs. · anpampen  ugs. · anpöbeln  ugs. · diffamieren  geh. · schimpfen  ugs. · zur Sau machen  derb, fig. · zur Schnecke machen  ugs., fig. · zusammenstauchen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
Krawall machen · Randale machen · Unmut äußern · Zorn äußern · fluchen · geifern · herumschreien · keifen · lautstark protestieren · nicht zu beruhigen sein · poltern · schimpfen · zetern  ●  Zeter und Mordio schreien  fig. · (die) Welle machen  ugs. · (ein) Geschrei erheben  geh. · (eine) Szene machen  ugs. · (einen) (mächtigen) Wirbel veranstalten  ugs. · (einen) Riesenaufstand machen  ugs. · (einen) Zwergenaufstand veranstalten  ugs. · (he)rumpalavern  ugs. · (mächtig) auf den Putz hauen  ugs. · ein großes Palaver veranstalten  ugs. · fluchen wie ein Bierkutscher  ugs. · fluchen wie ein Droschkenkutscher  ugs. · fluchen wie ein Fischweib  ugs. · herumzetern  ugs. · keifen wie ein Fischweib  ugs. · motzen  ugs. · rumschreien  ugs. · schimpfen wie ein Fischweib  ugs. · schimpfen wie ein Rohrspatz  ugs. · schnauzen  ugs. · wettern  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›schimpfen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schimpfen‹.

Verwendungsbeispiele für ›schimpfen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Statt dessen begann er, auf den alten Green zu schimpfen. [Schrott, Raoul: Tristan da Cunha oder die Hälfte der Erde; Hanser Verlag 2003, S. 471]
Solange er das aber nicht tat, konnte ich ihn schimpfen lassen. [Thelen, Albert Vigoleis: Die Insel des zweiten Gesichts, Düsseldorf: Claassen 1981 [1953], S. 1021]
Aber stolz war er bestimmt auf die Bahn, aber geschimpft hat er immer. [Die Zeit, 06.04.2000, Nr. 15]
Lieber igelt man sich ein und schimpft auf die ungeliebten Nachbarn. [Die Zeit, 08.11.1996, Nr. 46]
Sonst würden die andern nicht so wild auf ihn schimpfen. [Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 135]
Zitationshilfe
„schimpfen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schimpfen>.

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