schinden

GrammatikVerb · schund, hat geschunden (Prät. ungebräuchl.)
Nebenform landschaftlich schinden · Verb · schindete, hat geschunden (Prät. ungebräuchl.)
Aussprache
Worttrennungschin-den (computergeneriert)
Wortbildung mit ›schinden‹ als Erstglied: ↗Schindanger · ↗Schinder · ↗Schinderei · ↗Schindluder · ↗Schindmähre
 ·  mit ›schinden‹ als Letztglied: ↗abschinden · ↗herausschinden · ↗rausschinden
 ·  formal verwandt mit: ↗zerschunden
eWDG, 1974

Bedeutungen

1.
abwertend jmdn. durch übermäßige Beanspruchung seiner Leistungsfähigkeit quälen
Beispiele:
einen Gefangenen schinden
der Unternehmer schindet seine Arbeiter
die Soldaten wurden früher beim Exerzieren gedrillt und geschunden
das Vieh schinden
in den Kampfgebieten des Krieges hat sich ihm das Bild des geschundenen Menschen eingeprägt: als ein Objekt abstumpfenden physischen Drills und psychischer Entwürdigung [Bild. Kunst1957]
2.
umgangssprachlich sich schindensich mit etw. sehr abplagen, abmühen
Beispiele:
ich habe mich mit der Arbeit redlich schinden (und plagen) müssen
er hat sich mit dem Gepäck, damit (sehr) schinden müssen
ich habe mich (gerade, in meinem Leben) genug geschunden
3.
salopp etw. nicht bezahlen
Beispiel:
das Fahrgeld, Eintrittsgeld schinden
übertragen
Beispiele:
Zeilen schinden (= viel und mit großen Zwischenräumen schreiben, um viele Zeilen nachweisen zu können)
jmd. will (bei jmdm.) Eindruck schinden (= will vor jmdm. vorteilhaft wirken)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schinden · Schinder · Leuteschinder · Schindluder · Schindmähre
schinden Vb. ‘Viehkadaver abhäuten, jmdn. quälen, ausbeuten, (sich) abplagen’. Das ursprünglich schwache, in mhd. Zeit starke Flexion entwickelnde Verb ahd. skinten (9. Jh.), mhd. schinden, schinten ‘die Haut, die Rinde abziehen, enthäuten, schälen, berauben, peinigen, mißhandeln’, mnd. schinden ‘enthäuten, plündern, rauben’, mnl. scinden ‘mißhandeln, rauben’ (vgl. asächs. biskindan ‘sich abschälen’) ist abgeleitet von frühnhd. schint f. ‘Obstschale’ (15. Jh.), mnd. schinne f. ‘Kopfschuppe’, nl. (mundartlich) schinde ‘Fell, Baumrinde’, schin ‘Kopfschuppe’, anord. skinn n. ‘abgezogene Haut’, schwed. skinn ‘Haut, Fell’, wozu sich (außergerm.) bret. skant (aus *skṇto-) ‘Schuppen’ (Kollektivum) stellt. Auszugehen ist von einer mit to- bzw. tā-Suffix gebildeten Partizipialform ie. *skento-, *skentā ‘Abgespaltenes’ (z. B. ‘Haut, Schuppe, Rinde’) zu ie. *(s)ken- ‘abspalten’, wohl eine Nasalerweiterung der Wurzel ie. *sē̌k- ‘schneiden’ (s. ↗Säge, ↗Segel und ↗Messer). Dazu (mit Ablaut) auch anord. skān ‘Borke’, schwed. (mundartlich) skån ‘Schorf’. Aus der Bedeutung ‘die Haut abziehen’ (von Tieren, auch in literarischer Vorstellung als grausame Hinrichtungsart von Menschen) entwickelt sich in mhd. Zeit übertragener Gebrauch im Sinne von ‘quälen, mißhandeln, plagen’ (dazu reflexiv ‘sich plagen, sich abmühen’, 18. Jh.), dann ‘berauben, ausplündern’ und ‘bedrücken, aussaugen, erpressen’ (15. Jh.); in der Studentensprache ‘sich etw. verschaffen, ohne dafür zu zahlen, sich freihalten lassen’ (18. Jh.). Schinder m. ‘Abdecker, Henker’, frühnhd. schinder ‘Rindenschäler, Abdecker, Peiniger, Straßenräuber’ (15. Jh.). Leuteschinder m. ‘wer seine Untergebenen übermäßig beansprucht, roh behandelt, ausbeutet’ (16. Jh.). Schindluder n. Schimpfwort (18. Jh.), eigentlich ‘gefallenes Vieh, Aas’ (s. ↗Luder); besonders in der Redensart mit jmdm. Schindluder treiben ‘ihn verspotten, zum Narren halten’ (um 1800). Schindmähre f. ‘mageres, altes Pferd’, das nur noch für den Schinder taugt (17. Jh.); s. ↗Mähre.

Thesaurus

Synonymgruppe
enthäuten · ↗häuten · schinden · ↗schälen  ●  ↗pellen  ugs.
Assoziationen
  • Banane · Dessertbanane · Obstbanane  ●  Affenbrot  ugs. · Affeneis  ugs. · Affenhandy  ugs. · Affenknacker  ugs. · Affenkotelett  ugs. · Affenschnitzel  ugs. · Affensteak  ugs.
Synonymgruppe
(sich) abarbeiten · ↗(sich) abmühen · ↗(sich) abplagen · ↗(sich) abquälen · ↗(sich) abschinden · (sich) schinden  ●  (sich) herumschlagen (mit)  fig. · ↗(sich) abfretten  ugs., süddt. · ↗(sich) abrackern  ugs. · ↗(sich) fretten  ugs., süddt. · ↗(sich) mühen  geh.
Assoziationen
  • (sich) (mächtig) ins Geschirr legen · (sich) (mächtig) ins Zeug legen · arbeiten wie ein Pferd · bis zur Erschöpfung arbeiten · ↗rackern · schwer arbeiten · viel arbeiten · ↗werken  ●  (sich) in die Sielen legen  veraltet · hart arbeiten  Hauptform · (schwer) am Wirken sein  ugs., regional · ↗(sich) abfretten  ugs., süddt. · ↗(sich) fretten  ugs. · ↗ackern  ugs. · ackern wie 'ne Hafendirne  ugs. · ackern wie ein Hafenkuli  ugs. · ↗hackeln  ugs., österr. · ↗keulen  ugs., ruhrdt., regional · ↗malochen  ugs. · nicht kleckern, sondern klotzen  ugs. · plockern  ugs., regional · rabotten (regional, teilw. veraltet)  ugs. · ↗ranklotzen  ugs. · ↗reinhauen  ugs. · reinklotzen  ugs. · ↗roboten  ugs. · ↗rödeln  ugs. · schaffe, schaffe, Häusle baue  ugs., schwäbisch, Spruch · ↗schuften  ugs. · schwer zugange sein  ugs., ruhrdt. · ↗werkeln  ugs. · wullachen  ugs., ruhrdt. · wullacken  ugs., ruhrdt.
  • (sich) zu schaffen machen (an) · ↗hantieren · ↗herumlaborieren (an / mit) · ↗herummachen · ↗herumnesteln · ↗herumtüfteln · ↗herumwerkeln · vergeblich versuchen (zu) · ↗werkeln  ●  ↗(sich) mühen  geh. · (sich) versuchen an  geh. · ↗herumbasteln  ugs. · ↗herumbosseln  ugs. · ↗herumfrickeln  ugs. · ↗herumfriemeln  ugs. · ↗herumfuhrwerken  ugs. · ↗herumfummeln  ugs. · ↗herumhantieren  ugs. · herumhühnern  ugs. · ↗herumpfuschen  ugs., abwertend · ↗laborieren (an)  ugs.
  • (sich) umsonst anstrengen · (sich) vergeblich abmühen · es kommt nichts dabei heraus · keine Chance haben (gegen)  ●  (sich) die Zähne ausbeißen  ugs., fig. · auf Granit beißen  ugs., fig. · auf keinen grünen Zweig kommen  ugs., fig. · kein Bein auf die Erde kriegen  ugs., fig. · keinen Fuß auf die Erde kriegen  ugs., fig.
  • (seine / ihre) ganze Energie einsetzen · (sich) (echt) bemühen (um) · (sich) (richtig) Mühe geben · ↗(sich) (richtig) reinhängen · (sich) alle Mühe geben · (sich) große Mühe geben · (sich) voll reinhängen · Einsatz zeigen · Engagement erkennen lassen · Engagement zeigen · alle Kraft aufbieten · alle Kräfte aufbieten · alle Register ziehen · alles daransetzen · mit ganzem Herzen dabei sein · sein Bestes geben · vollen Einsatz zeigen  ●  ↗(sich) anstrengen  Hauptform · (sich) ins Geschirr legen  fig., veraltend · (sich) Arme und Beine ausreißen  ugs., fig. · (sich) auf die Hinterbeine stellen  ugs., fig. · ↗(sich) dahinterklemmen  ugs. · (sich) den Arsch aufreißen  derb · (sich) in die Sielen legen  ugs. · (sich) ins Zeug legen  ugs. · ↗(sich) reinknien  ugs. · Gas geben  ugs. · ↗powern  ugs. · ↗ranklotzen  ugs. · reinklotzen  ugs. · tun, was man kann  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Comeback Eindruck Elfer Elfmeter Freistoß Kraftraum Körper Laus Mitleid Strafstoß Tod Training Zeile Zwangsarbeiter abschinden ausbeuten beuteln demütigen ermorden foltern herausschinden köpfen mißbrauchen mächtig plagen prügeln quälen raus schänden täuschen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schinden‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Selbst bei nicht so guten Sprüngen - und davon hatten wir einige - hat jeder noch ein paar Meter geschunden.
Der Tagesspiegel, 25.02.2001
Er hat noch nie Gefallen gefunden daran, andere zu schinden.
Der Spiegel, 03.03.1980
Ich schinde mich wieder einen Meter in die Höhe und falle ab.
Strittmatter, Erwin: Der Laden, Berlin: Aufbau-Verl. 1983, S. 200
Beschmutzt und verdreckt, missbraucht und geschunden von dir, Iris, fühlte sich dann deine Missbrut!
Kerner, Charlotte: Blueprint Blaupause, Weinheim: Beltz & Gelberg 1999, S. 135
Ich bin froh, wenn ich die Zeit raus schinde, immer für Dich einen Brief zu schreiben.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 28.05.1943, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„schinden“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schinden>, abgerufen am 23.03.2019.

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