schläfrig

GrammatikAdjektiv
Nebenform seltenschläferig · Adjektiv
Aussprache
Worttrennungschläf-rig ● schlä-fe-rig (computergeneriert)
WortzerlegungSchläfer-ig
Wortbildung mit ›schläfrig‹ als Erstglied: ↗Schläfrigkeit  ·  mit ›schläfrig‹ als Letztglied: ↗doppelschläfrig · ↗einschläfrig · ↗zweischläfrig
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
müde
Beispiele:
das Kind hatte schläfrige Augen
ein schläfriges Gesicht
ein schläfriger Blick
schläfrig sein, werden
sie blinzelte, antwortete schläfrig
das Wetter, Bier machte ihn schläfrig
die Kleine war noch ganz schläfrig (= schlaftrunken)
übertragen langsam, träge
Beispiele:
seine schläfrigen Bewegungen
Das Meer war schläfrig geworden [E. ClaudiusGrüne Oliven25]
2.
einschläfernd
Beispiele:
er hielt den Vortrag mit einer schläfrigen Stimme
Es wurde eine stille und allmählich schläfrige Fahrt [St. ZweigUngeduld213]
wir [hatten begonnen] unsere lateinischen Regelsprüchlein im schläfrigen (= monotonen) Chor zu psalmodieren [HartungWunderkinder13]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schlafen · Schlaf · Schläfe · beschlafen · entschlafen · schläfern · einschläfern · schläf(e)rig · zweischläfrig · Beischlaf · Schlafmütze · Schlafrock
schlafen Vb. ‘sich in einem (physiologisch bedingten) Ruhezustand befinden, in dem die Wahrnehmung der Umwelt stark herabgesetzt, nahezu ausgeschaltet ist’. Das starke, ursprünglich reduplizierende Verb ahd. slāfan (um 800), mhd. slāfen, asächs. slāpan, mnd. mnl. slāpen, nl. slapen, afries. slēpa, aengl. slǣpan, engl. to sleep, got. slēpan (germ. *slēpan) gehört zu einer im Germ. reich entwickelten Wortgruppe. Sie schließt sich an die unter ↗Lappen (s. d.) genannte Wurzel ie. *lē̌b-, *lō̌b-, *lā̌b- ‘schlaff herabhängen(d)’ an, die hier, wie auch in ↗schlapp, ↗schlaff (s. d.), mit anlautendem s- auftritt. Dazu stellen sich lat. lābī ‘hin-, herabgleiten, sinken’ (s. ↗labil, ↗Lapsus, ↗kollabieren), lat. labor ‘Mühe, Anstrengung, Arbeit’ (s. ↗laborieren) und mit anlautendem s- lit. slõbti ‘schwach werden’, aslaw. slabъ, russ. slábyj (слабый) ‘schwach’. schlafen ist ursprünglich ‘schlaff sein’. Schlaf m. ‘Zustand des Schlafens’, ahd. (8. Jh.), mhd. slāf, asächs. mnd. slāp, mnl. slaep, nl. slaap, afries. slēp, aengl. slēp, slǣp, engl. sleep, got. slēps (germ. *slēpa-). Demgegenüber sind anord. svefn, schwed. sömn, dän. søvn, aengl. swefn (germ. *swefna-) ebenso wie die Bezeichnungen des Schlafes in anderen ie. Sprachen aind. svápnaḥ, griech. hýpnos (ὕπνος) (s. ↗hypnotisch), lat. somnus (s. ↗somnambul), aslaw. sъnъ, russ. son (сон) Fortsetzungen eines alten r/n-Stammes zur Wurzelerweiterung ie. *su̯ep-, *sup- ‘schlafen’, zu der ebenso mhd. swep (Genitiv swebes) ‘Schlaf, Schlummer’, aengl. swefan, anord. sofa, schwed. sova, dän. sove ‘schlafen’ gehören. Spätmhd. slāf wird auch Bezeichnung für ‘Schläfe’. Vielleicht als ‘Stirnseite, auf der der Schlafende ruht’? Vgl. mnd. slāp, mnl. slaep, nl. slaap ‘Schlaf, Schläfe’. Der in dieser Bedeutung auftretende Plural wird im 18. Jh. zum Singular Schläfe f. beschlafen Vb. ‘mit einer Frau schlafen’, mhd. beslāfen, auch ‘schwängern’; ‘eine Nacht Bedenkzeit verstreichen lassen, ehe ein Beschluß gefaßt wird’ (16. Jh.). entschlafen Vb. ‘sterben’, ahd. intslāfan (9. Jh.), mhd. entslāfen ‘einschlafen, sterben’. schläfern Vb. ‘müde, schläfrig sein’, mhd. slāfern ‘schläfrig werden, einschlafen’; heute selten und meist unpersönlich es schläfert mich; dazu einschläfern Vb. ‘müde, schläfrig machen, in Schlaf versetzen’ (17. Jh.), heute besonders ‘(Tiere) durch Medikamente schmerzlos töten’, auch ‘narkotisieren, betäuben’; älter einschläfen, zu mhd. slæfen ‘schläfrig machen’. schläf(e)rig Adj. ‘müde’, auch ‘träge’ (16. Jh.), ahd. slāf(e)rag (9. Jh.), mhd. slāferic, slæferic. zweischläfrig Adj. ‘für zwei Schläfer passend’ (18. Jh.). Beischlaf m. ‘das Miteinanderschlafen’ (15. Jh.); dafür ahd. mitislāf (um 1000). Schlafmütze f. ‘Mütze, die im Bett aufgesetzt wird’ (17. Jh.), ‘langsamer, träger Mensch’ (18. Jh.). Schlafrock m. ‘bequemer, zum Schlafengehen und im Haus zu tragender Mantel, Morgenrock’, mhd. slāfroc (14. Jh.); nicht aus Schlaufrock (‘zum Hineinschlüpfen’) herzuleiten (s. ↗Schlaufe).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemand) kann kaum die Augen aufhalten · (jemandem) fallen die Augen zu · (sich) kaum noch auf den Beinen halten (können) · ↗hundemüde · ↗müde · reif fürs Bett · ↗schlafbedürftig · ↗schlaftrunken · schläfrig · ↗sterbensmüde · ↗todmüde · unter Schlafmangel leiden · ↗verschlafen · vor Müdigkeit umfallen · übermüdet · ↗übernächtigt  ●  ↗(sich) Streichhölzer zwischen die Augen(lider) klemmen  ugs. · ↗dösig  ugs. · ↗verpennt  ugs.
Assoziationen
  • begriffsstutzig · ↗denkfaul · ↗langsam (im Kopf) · ↗stumpfsinnig  ●  ↗dösig  ugs. · ↗schlafmützig  ugs.
  • ruhen · ↗schlummern  ●  ↗schlafen  Hauptform · (sich) in Morpheus' Armen wiegen  geh. · Bubu machen  ugs., Kindersprache · an der Matratze horchen  ugs. · ↗dösen  ugs. · in Morpheus' Armen liegen  geh. · in Morpheus' Armen ruhen  geh. · ↗knacken  ugs. · ↗koksen  ugs. · ↗pennen  ugs., salopp · ↗pofen  ugs., salopp · ↗ratzen  ugs. · ↗schnarchen  ugs.
  • ermüden · müde werden · schläfrig werden
  • (sein) Haupt betten · ↗(sich) betten · (sich) ins Schlafzimmer zurückziehen · (sich) schlafen legen · (sich) zum Schlafen niederlassen · (sich) zum Schlafen zurückziehen · (sich) zur Ruhe begeben · ins Bett gehen · pofen gehen · zu Bett gehen  ●  heia machen  Kindersprache · in die Heia gehen  Kindersprache · schlafen gehen  Hauptform · (sich) aufs Ohr hauen  ugs., Redensart · (sich) aufs Ohr legen  ugs., Redensart · ↗(sich) hinhauen  ugs., salopp · ↗(sich) hinlegen  ugs. · (sich) in Morpheus' Arme begeben  geh. · in Morpheus' Arme sinken  geh., fig. · in die Kiste steigen  ugs. · in die Pofe gehen  ugs.
Synonymgruppe
benommen · ↗schlaftrunken · schläfrig · ↗somnolent

Typische Verbindungen
computergeneriert

Atmosphäre Auge Charme Eindruck Katze Löwe Nachmittag Nest Provinzstadt Riese Ruhe Stille Stimmung Wächter blinzeln eher fett geworden hocken keineswegs lauschen machend müde nicken still träge unkonzentriert wirken wirkend ziemlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schläfrig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mal blickt er schläfrig, dann reißt er die Augen auf, wirkt verängstigt.
Bild, 03.11.2003
Wenn es nur erst richtig warm wird, scheinen sie schläfrig zu denken.
Die Zeit, 04.03.1999, Nr. 10
Bei diesen schläfrig hingeworfenen Worten wurden die Hände des kleinen Lehrers eiskalt.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh II, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 362
Er hat schläfrig die Lider über die Augen gezogen und scheint gelangweilt vor sich hinzudösen.
Horster, Hans-Ulrich [d.i. Rhein, Eduard]: Ein Herz spielt falsch, Köln: Lingen 1991 [1950], S. 220
Er war matt und schläfrig, ihm fielen die Augen zu.
Preußler, Otfried: Krabat, Stuttgart: Thienemann o.J. [1995] [1971], S. 144
Zitationshilfe
„schläfrig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schläfrig>, abgerufen am 16.06.2019.

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