schlüpfen
GrammatikVerb · schlüpfte, ist geschlüpft
Worttrennungschlüp-fen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›schlüpfen‹ als Letztglied: ↗ausschlüpfen · ↗davonschlüpfen · ↗durchschlüpfen · ↗herausschlüpfen · ↗hereinschlüpfen · ↗hervorschlüpfen · ↗hinausschlüpfen · ↗hindurchschlüpfen · ↗hineinschlüpfen · ↗hinunterschlüpfen · ↗unterschlüpfen · ↗vorbeischlüpfen · ↗vorüberschlüpfen · ↗zurückschlüpfen
 ·  Ableitungen von ›schlüpfen‹: ↗entschlüpfen · ↗verschlüpfen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
sich gewandt und schnell gleitend (durch eine enge Öffnung) aus, in etw. bewegen
a)
mit Präposition
in Verbindung mit »aus«
Beispiel:
aus einem Loch, Versteck, aus dem Haus schlüpfen
in Verbindung mit »durch«
Beispiele:
er schlüpfte schnell, unauffällig, heimlich durch die Tür
die Eidechse, Maus schlüpfte durch die Mauerspalte
die Jungen schlüpften durch die Menschenmenge
in Verbindung mit »hinter«
Beispiel:
das Kind schlüpfte hinter den Vorhang
in Verbindung mit »in«
Beispiele:
rasch in das Haus, Zimmer schlüpfen
Darauf war sie wieder ins Bett geschlüpft [G. KellerVerlor. Lachen6,531]
in Verbindung mit »unter«
Beispiel:
unter die Decke schlüpfen
b)
sich aus dem Ei, der Puppe, Larve herauslösen, ausschlüpfen, auskriechen
Beispiele:
das Küken ist aus dem Ei geschlüpft
der Schmetterling schlüpft aus der Larve
die Vögel sind kurze Zeit nach dem Schlüpfen flugfähig
2.
in ein Kleidungsstück, in Schuhe schlüpfen umgangssprachlich ein Kleidungsstück, Schuhe schnell anziehen, überziehen
Beispiel:
sie schlüpfte in ihren Mantel, ihr Kleid, war in die Pantoffeln, Strümpfe geschlüpft
aus einem Kleidungsstück, Schuh schlüpfenein Kleidungsstück, einen Schuh schnell ausziehen
Beispiel:
aus den Kleidern, Sachen, Schuhen schlüpfen
übertragen
Beispiel:
keiner kann aus seiner Haut, in die Haut eines anderen schlüpfen (= keiner kann seine Eigenart völlig aufgeben, verleugnen)
3.
umgangssprachlich, übertragen
Beispiel:
er versuchte, durch die Maschen des Gesetzes zu schlüpfen (= die Unzulänglichkeiten des Gesetzes für sich auszunützen)
jmd. schlüpft jmdm. durch die Fingerjmd. entkommt jmdm.
Beispiel:
die Verbrecher waren der Polizei durch die Finger geschlüpft
ein Wort schlüpft jmdm. über die Zunge, Lippen, von den Lippenein Wort entfährt jmdm.
Beispiel:
die anderen Namen ... waren dem Kommissar wie von ungefähr und nebenbei von den Lippen geschlüpft [A. NeumannEs waren ihrer sechs46]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schlüpfen · schliefen · Schlupf · Durchschlupf · Unterschlupf · Schlüpfer · Schlupfloch · Schlupfwinkel
schlüpfen Vb. ‘sich gleitend (durch enge Öffnungen) fortbewegen, sich schnell und geschmeidig bewegen’, ahd. intsluphen ‘entkommen, entschwinden’ (9. Jh.), frühnhd. entslüpfen, mhd. slüpfen, slupfen, frühnhd. schlupfen ‘schlüpfen, schlürfen’, nhd. schlupfen und schlüpfen ist eine (Doppelkonsonanz aufweisende) Intensivbildung (germ. *slupp(j)an) zu dem im 17. Jh. aus der Literatursprache verschwundenen, heute nur noch in der Jägersprache üblichen stark flektierenden Verb schliefen ‘in den Fuchs- oder Dachsbau kriechen’, ahd. sliofan (9. Jh.), mhd. sliefen ‘gleiten, schlüpfen’, mnd. mnl. slūpen, nl. sluipen, aengl. slūpan, got. sliupan ‘schleichen, schlüpfen’ (germ. *sleupan), das sich (wie ↗Schleife, ↗Schlaufe, ↗Schlucht, s. d.) mit lat. lūbricus ‘schlüpfrig, glatt, gleitend’ auf ie. *(s)leubʰ- ‘gleiten, schlüpfen’ zurückführen läßt, eine Labialerweiterung der Wurzel ie. *(s)leu- ‘gleiten, schlüpfen’ (wozu auch ↗schlau, ↗Schlauch, s. d.). Schlupf m. ‘das Schlüpfen, enger Durchgang, Versteck, Schleife’, spätmhd. slupf ‘das Schlüpfen, Schlupfwinkel, Schlinge, Strick’, heute bes. Grundwort in Komposita wie Durchschlupf m. (um 1600), Unterschlupf m. (16. Jh.). Schlüpfer m. ‘etw., in das man hineinschlüpft, Muff’ (17. Jh.), ‘Damenunterhose’ (20. Jh.). Schlupfloch n. mhd. slupfloch. Schlupfwinkel m. ‘Versteck’ (15. Jh.).
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dach Ei Euro-Rettungsschirm Fittiche Frauenkleider Gewand Haut Jungtiere Kleider Kostüme Küken Larven Mantel Maschen Raupen Rettungsschirm Rolle Schmetterling Schuhe Trikot Uniform ausschlüpfen durchschlüpft herausschlüpft hinausschlüpfte hindurchschlüpft hineinschlüpft unterschlüpft vorbeischlüpfte zurückschlüpfte

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schlüpfen‹.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Schließlich haben wir es schon einmal geschafft, ihnen durch die Finger zu schlüpfen.
Funke, Cornelia: Tintenherz, Hamburg: Cecilie Dressler Verlag 2003, S. 439
Er schlüpfte sofort aus seinem Overall, sobald er an diesem Tag nicht mehr fahren musste.
Der Tagesspiegel, 18.09.2001
Und eines Tages darf man vielleicht in den Mantel der Geschichte schlüpfen.
Süddeutsche Zeitung, 25.07.1997
Weil ihr euch lächerlich vorkommt, schlüpft ihr in die Uniform.
Aichinger, Ilse: Die größere Hoffnung, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1966 [1948], S. 77
Als das geschehen war, kam mir auf einmal die Lust, noch einmal ins Bett zu schlüpfen.
Sapper, Agnes: Werden und Wachsen, Hannover: Gundert 1967 [1910], S. 86
Zitationshilfe
„schlüpfen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schlüpfen>, abgerufen am 20.11.2017.

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