schlampig

GrammatikAdjektiv
Worttrennungschlam-pig (computergeneriert)
Wortbildung mit ›schlampig‹ als Erstglied: ↗Schlampigkeit
eWDG, 1976

Bedeutung

salopp, abwertend sehr liederlich, nachlässig und ungepflegt wirkend
Beispiele:
eine schlampige Frau
ein schlampiger Kerl
sie war ziemlich schlampig
sie sah schlampig aus, war schlampig angezogen
ein schlampiger, zerknitterter Rock
ein schlampiger Haushalt
wenn es auch sonst bei Freese etwas schlampig zuging [PenzoldtErdenwurm186]
sehr liederlich, nachlässig in der Arbeitsweise
Beispiele:
schlampig arbeiten
Annette, die in der Schule faul und schlampig war [M. HaushoferinÖsterr. Erzähler2,229]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schlampen · Schlamp · Schlampe1 · Schlampe2 · Schlampen · schlampampen · Schlampamp · Schlampampe · schlampig · Schlamperei
schlampen Vb. ‘lose und nachlässig herabhängen, (um den Körper) schlenkern, unordentlich sein oder arbeiten’, spätmhd. slampen, frühnhd. schlampen ‘schlaff, schlottrig herabhängen’ (15. Jh.). Schlamp m. ‘üppiges Gastmahl, Gelage, Schleppe (am Kleid), nachlässiger, ungepflegter Mensch’ (16. Jh.). Schlampe1 f. ‘unordentliche, nachlässige, ungepflegte Frau’ (17. Jh.). Das Verb und die Substantive bilden eine vor allem in Umgangssprache und Mundarten verbreitete wort- und lautspielerisch weiterentwickelte Wortgruppe, vgl. spätmhd. slampieren ‘unmäßig essen’, schlampen, schlampern ‘gierig und geräuschvoll essen, nachlässig gehen, sich herumtreiben’. Schlampe2, Schlampen m. ‘Lumpen, Fetzen’. Einfluß teils von ↗Schlamm, teils von ↗schlemmen (s. d.) und Rückführung auf ie. *(s)lemb(h)-, die nasalierte Form der unter ↗Lappen (s. d.) genannten Wurzel ie. *lē̌b-, *lō̌b-, *lā̌b- ‘schlaff herabhängen(d)’, die hier (wie auch in ↗schlafen, ↗schlaff, ↗schlapp, s. d.) mit anlautendem s- auftritt, ist möglich. Dazu die Streckformen schlampampen Vb. ‘schmatzend, gierig essen, üppig schlemmen, prassen’ (16. Jh.), mnd. nl. slampampen. Schlampamp m. ‘üppiges Essen, Schmaus, Gelage’ (16. Jh.); vereinzelt Schlampamp(en) n. ‘Schlaraffenland’ (16. Jh.). Schlampampe f. ‘unordentliche, nachlässige, ungepflegte Frau’, literarisch bezeugt bei Chr. Reuter (im Titel) „… der ehrlichen Frau Schlampampe Krankheit“ (1696). Auch ‘schlechtes Getränk, Gesöff’ (19. Jh.). Vgl. nl. slampamper ‘Schmarotzer’. schlampig Adj. ‘schlaff, schlottrig, schmutzig, nachlässig, ungepflegt, liederlich’ (16. Jh.), anfangs auch schlampet (16. Jh.). Schlamperei f. ‘liederliche Lebensart, nachlässige Verfahrensweise, Unordnung’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
lax · ↗liederlich · ↗nachlässig · ↗schluderig · ↗schludrig · ↗unordentlich · ↗unsorgfältig  ●  pfuschig  ugs. · schlampert  ugs., süddt. · schlampig  ugs. · schlurig  ugs., regional · wie bei Hempels unterm Sofa  ugs. · wie bei Luis Trenker im Rucksack  ugs., scherzhaft, fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
(bunt) durcheinandergewürfelt · ↗(bunt) zusammengewürfelt · ↗chaotisch · ↗kunterbunt · ohne Plan · ohne Struktur · ohne System · ↗planlos · strukturlos · ↗unaufgeräumt · ↗unordentlich · wild durcheinander · ↗wirr  ●  ↗durcheinander  Hauptform · drunter und drüber  ugs. · kreuz und quer  ugs. · schlampig  ugs., abwertend · wie Kraut und Rüben (durcheinander)  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
zerknittert · zerwühlt · zerzaust  ●  zersaust  österr. · ↗krumpelig  ugs. · krumplig  ugs. · schlampig  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
achtlos · aus Sorglosigkeit · aus Unachtsamkeit · aus Unkonzentriertheit · ↗fahrlässig · ↗gedankenlos · ↗nachlässig · ohne einen Gedanken daran zu verschwenden · ohne weiter darüber nachzudenken · ↗unachtsam · ↗unaufmerksam  ●  frisch, fromm, fröhlich, frei  ironisch, selten · ↗gedankenverloren  geh. · schlampig  ugs. · ↗schludrig  ugs. · ↗unbedacht  geh.
Assoziationen
  • (ein) Risiko bergen · Risiken bergen · ↗gefährlich · ↗gewagt · ↗kühn · mit Risiken verbunden · mit einem Risiko verbunden · mit ungewissem Ausgang · nicht ungefährlich · ↗risikobehaftet · ↗riskant · ↗unsicher  ●  auf dünnem Eis  ugs., fig. · ↗heiß (Sache)  ugs.
  • (sich) nicht kümmern um · (sich) taub stellen · achtlos vorbeigehen an · ↗ausblenden · außen vor lassen · außer Acht lassen · außer Betracht lassen · nicht beachten · nicht berücksichtigen · nicht in Betracht ziehen · nicht in seine Überlegungen einbeziehen · nichts hören wollen (von) · nichts wissen wollen (von) · unberücksichtigt lassen  ●  (sich) nicht scheren um  veraltend · etwas an sich abperlen lassen  sprichwörtlich · ↗ignorieren  Hauptform · (sich) nicht kehren an (Dat.)  geh., fig. · auf d(ies)em Ohr ist er taub  ugs., fig., Spruch · ↗beiseite lassen  ugs. · einfach nicht zuhören  ugs. · in den Wind schlagen  ugs. · links liegen lassen  ugs.
  • gewagt · ↗leichtfertig · ↗risikoaffin · ↗risikofreudig · ↗waghalsig  ●  ↗leichtsinnig  Hauptform
  • ohne Ehrfurcht · ohne Respekt (gegenüber den Gefühlen anderer) · ↗respektlos · unehrfürchtig · verletzend  ●  ↗pietätlos  Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abspiel Aktenführung Amtsführung BSE-Test Bauausführung Bauweise Buchführung Ermittlungsarbeit Geheimdienstarbeit Genie Haushaltsführung Lektorat Recherche Rückpass Wartung Zuspiel ausgeführt dilettantisch fahrig formuliert gearbeitet lieblos nachlässig programmiert recherchiert redigiert unordentlich unprofessionell unpünktlich verlegt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schlampig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber ich werde höchstwahrscheinlich auch in diesem Jahr genauso schlampig sein wie immer.
Der Tagesspiegel, 02.03.2003
Die ganze Edition, lieblos bebildert, schlampig gedruckt, dafür doppelt so teuer, ist ein Witz.
Die Zeit, 06.12.1996, Nr. 50
Manchmal hatte er geglaubt, sie müsse schlampig sein und schlecht arbeiten.
Neutsch, Erik: Spur der Steine, Halle: Mitteldeutscher Verl. 1964 [1964], S. 397
Sie war siebzehn Jahre alt, schlank, zigeunerhaft, hübsch und schlampig.
Noll, Dieter: Die Abenteuer des Werner Holt, Berlin: Aufbau-Verl. 1984 [1960], S. 19
Unordentlich war er, schlampig und ungewaschen, stets mit Tintenflecken auf den Fingern.
Ewers, Hanns Heinz: Alraune, München: Herbig 1973 [1911], S. 12
Zitationshilfe
„schlampig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schlampig>, abgerufen am 10.12.2019.

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