schleichen

Grammatik Verb · schleicht, schlich, ist/hat geschlichen
Aussprache 
Worttrennung schlei-chen
Wortbildung  mit ›schleichen‹ als Erstglied: ↗Schleicherei · ↗Schleichhandel · ↗Schleichhändler · ↗Schleichweg · ↗Schleichwerbung · ↗schleichend
 ·  mit ›schleichen‹ als Letztglied: ↗anschleichen · ↗ausschleichen · ↗beschleichen · ↗dahinschleichen · ↗davonschleichen · ↗durchschleichen · ↗einherschleichen · ↗einschleichen · ↗emporschleichen · ↗erschleichen · ↗fortschleichen · ↗heranschleichen · ↗herausschleichen · ↗hereinschleichen · ↗herschleichen · ↗herumschleichen · ↗herunterschleichen · ↗herüberschleichen · ↗hinaufschleichen · ↗hinausschleichen · ↗hineinschleichen · ↗hinschleichen · ↗hinunterschleichen · ↗hinüberschleichen · ↗hochschleichen · ↗nachschleichen · ↗rumschleichen · ↗umherschleichen · ↗umschleichen · ↗vorbeischleichen · ↗vorüberschleichen · ↗wegschleichen
 ·  mit ›schleichen‹ als Binnenglied: ↗Erbschleicher
eWDG

Bedeutungen

leise, vorsichtig und möglichst unbemerkt gehen, sich fortbewegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
lautlos, langsam, heimlich, ängstlich schleichen
auf Zehenspitzen, auf leisen Sohlen schleichen
aus dem Hof, durch die Büsche schleichen
er schlich im Dunkeln nach Hause
sie sind über den Gang, um die Mauer geschlichen
der Dieb schlich zu seinem Versteck
sie hörten ein verdächtiges Schleichen
wir krochen ... schleichender, als die allerschönste Schlange das kann [ TravenGeneral133]
bildlich
Beispiele:
leichte Tritte schleichen über den Flur
die Zeit schleicht (= vergeht sehr langsam)
die Dämmerung schleicht in alle Winkel
die Grippe, die jetzt von Tür zu Tür schleicht [ St. ZweigAmok66]
schleichendlangsam, fast unmerklich fortschreitend
Grammatik: oft im Partizip I
Beispiele:
ein schleichendes Fieber, Gift
eine schleichende Krankheit, Missstimmung
die Tage vergingen schleichend langsam
eine schleichende Krise, Teuerung, Inflation
sich irgendwohin schleichen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
sich an das Fenster, in das Zimmer, in jmds. Nähe schleichen
sich näher schleichen
gehobensich von dannen schleichen
das Kind schlich sich zur Mutter
bildlich
Beispiele:
Misstrauen schlich sich in ihr Herz (= ergriff es)
sich in jmds. Vertrauen schleichen (= jmds. Vertrauen zu unlauteren Zwecken gewinnen)
Ihm selbst unerklärlich schlich sich eine lebenstolle, längst verlernte Leichtfertigkeit in sein Spiel [ U. BecherMänner15]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schleichen · Schleichen · Schleicher · Schlich
schleichen Vb. ‘sich geräuschlos, langsam und unbemerkt fortbewegen’, ahd. slīhhan (9. Jh.; vgl. furislīhhan, 8. Jh.), mhd. slīchen ‘leise gleitend gehen, feierlich schreiten’, mnd. slīken führen mit isl. slíkja ‘glätten’, den unter ↗Schlick (s. d.) genannten Formen und außergerm. mit griech. lígdēn (λίγδην) ‘oberflächlich berührend, streifend’, lígdos (λίγδος) ‘Reibstein, Mörser’, air. fosligim ‘beschmiere’, aslaw. slьzъkъ, russ. (landschaftlich) slízkij (слизкий) ‘schlüpfrig, glatt, schleimig’ auf ie. *(s)leig̑- ‘schleimig, gleiten, glätten’ (s. ↗schlecht, ↗schlicht), eine Erweiterung der auch anlautendes s- aufweisenden Wurzel ie. *lei- ‘schleimig, durch Nässe glitschiger Boden, ausgleiten, worüber hinschleifen oder -streichen’ (s. ↗Schleim, ↗Leim, ↗Lehm). Schleichen Plur. in der zoologischen Fachsprache (Oken 1816) durch Kürzung von Blindschleiche (s. ↗blind) gebildete Bezeichnung für eine Familie meist schlangenförmiger Echsen. Schleicher m. ‘wer schleicht’, mhd. slīchære; übertragen ‘Heuchler, Leisetreter’ (17. Jh.). Schlich m. ‘schleichende Bewegung, geheimer Pfad’, daher auch ‘List, Kniff’, vgl. die Schliche (‘die geheimen Pfade, Listen, Kniffe’) kennen (17. Jh.), jmdm. hinter die Schliche kommen (18. Jh.), ahd. slih ‘verborgener Weg, Spur’ (um 1000), mhd. slich ‘leise gleitender Gang, Schleichweg, Zug, Spur, List’, ablautende Abstraktbildung zum Verb.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) anpirschen · ↗(sich) heranschleichen · schleichen
Synonymgruppe
(sich) im Schneckentempo vorwärtsbewegen · im Kriechtempo · ↗kriechen · langsam vorankommen · schleichen  ●  langsam fahren  Hauptform
Assoziationen
  • (nur) millimeterweise · (sehr) verzögert · im Schleichtempo · im Schritttempo · im Zeitlupentempo · in Zeitlupe · kriechend · quälend langsam · ↗schleichend · ↗schleppend · sehr langsam  ●  (kommt) langsam wie beim Ochsen die Milch  ugs., scherzhaft · im Schnarchgang  ugs., fig., negativ · im Schneckentempo  ugs.
Synonymgruppe
(sich) vertschüssen · sich dünnemachen · sich trollen  ●  ↗(sich) dünnemachen  bundesdeutsch · ↗(sich) verzupfen  bayr., österr. · Leine ziehen  bundesdeutsch, schweiz. · ↗abfahren  schweiz. · ↗abschieben  bundesdeutsch · abschleichen  schweiz. · die Finken klopfen  schweiz. · die Platte putzen  bundesdeutsch · eine Fliege machen  bundesdeutsch · eine Mücke machen  bundesdeutsch · sich putzen  österr. · sich verkrümeln  bundesdeutsch, schweiz. · ↗(sich) rausscheren  ugs. · (sich) schleichen  ugs., österr., süddt. · sich über die Häuser hauen  ugs., österr.

Typische Verbindungen zu ›schleichen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schleichen‹.

Verwendungsbeispiele für ›schleichen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Gegen zwei Uhr morgens schlich er sich aus dem Zimmer.
Bild, 25.05.2002
Überhaupt haben sich einige Fotos ins Angebot geschlichen, die aufhorchen lassen.
Der Tagesspiegel, 10.10.1998
Wenn ich nun glaube, sie schläft fest, dann schleiche ich mich ins Zimmer.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 25.10.1944, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Jeder dieser fünf Tage schlich mit seinen Stunden, die wie Jahre dauerten, unerträglich dahin.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh II, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 384
Ohne noch einmal nach ihm umzusehen, schlich sie aus dem Zimmer.
Duncker, Dora: Jugend. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1905], S. 9592
Zitationshilfe
„schleichen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schleichen>, abgerufen am 09.05.2021.

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