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schleichen

GrammatikVerb · schlich, ist/hat geschlichen
Aussprache
Worttrennungschlei-chen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›schleichen‹ als Erstglied: ↗Schleicherei · ↗Schleichhandel · ↗Schleichhändler · ↗Schleichweg · ↗Schleichwerbung
 ·  mit ›schleichen‹ als Letztglied: ↗anschleichen · ↗ausschleichen · ↗dahinschleichen · ↗davonschleichen · ↗durchschleichen · ↗einherschleichen · ↗einschleichen · ↗emporschleichen · ↗fortschleichen · ↗heranschleichen · ↗herausschleichen · ↗hereinschleichen · ↗herschleichen · ↗herumschleichen · ↗herunterschleichen · ↗herüberschleichen · ↗hinaufschleichen · ↗hinausschleichen · ↗hineinschleichen · ↗hinschleichen · ↗hinunterschleichen · ↗hinüberschleichen · ↗hochschleichen · ↗nachschleichen · ↗rumschleichen · ↗umherschleichen · ↗umschleichen · ↗vorbeischleichen · ↗vorüberschleichen · ↗wegschleichen
 ·  mit ›schleichen‹ als Grundform: ↗beschleichen · ↗erschleichen
eWDG, 1976

Bedeutungen

mit Hilfsverb ›ist‹
leise, vorsichtig und möglichst unbemerkt gehen, sich fortbewegen
Beispiele:
lautlos, langsam, heimlich, ängstlich schleichen
auf Zehenspitzen, auf leisen Sohlen schleichen
aus dem Hof, durch die Büsche schleichen
er schlich im Dunkeln nach Hause
sie sind über den Gang, um die Mauer geschlichen
der Dieb schlich zu seinem Versteck
sie hörten ein verdächtiges Schleichen
wir krochen ... schleichender, als die allerschönste Schlange das kann [TravenGeneral133]
bildlich
Beispiele:
leichte Tritte schleichen über den Flur
die Zeit schleicht (= vergeht sehr langsam)
die Dämmerung schleicht in alle Winkel
die Grippe, die jetzt von Tür zu Tür schleicht [St. ZweigAmok66]
oft im Part. Präs.
schleichendlangsam, fast unmerklich fortschreitend
Beispiele:
ein schleichendes Fieber, Gift
eine schleichende Krankheit, Missstimmung
die Tage vergingen schleichend langsam
eine schleichende Krise, Teuerung, Inflation
mit Hilfsverb ›hat‹
sich irgendwohin schleichen
Beispiele:
sich an das Fenster, in das Zimmer, in jmds. Nähe schleichen
sich näher schleichen
gehoben sich von dannen schleichen
das Kind schlich sich zur Mutter
bildlich
Beispiele:
Misstrauen schlich sich in ihr Herz (= ergriff es)
sich in jmds. Vertrauen schleichen (= jmds. Vertrauen zu unlauteren Zwecken gewinnen)
Ihm selbst unerklärlich schlich sich eine lebenstolle, längst verlernte Leichtfertigkeit in sein Spiel [U. BecherMänner15]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schleichen · Schleichen · Schleicher · Schlich
schleichen Vb. ‘sich geräuschlos, langsam und unbemerkt fortbewegen’, ahd. slīhhan (9. Jh.; vgl. furislīhhan, 8. Jh.), mhd. slīchen ‘leise gleitend gehen, feierlich schreiten’, mnd. slīken führen mit isl. slíkja ‘glätten’, den unter ↗Schlick (s. d.) genannten Formen und außergerm. mit griech. lígdēn (λίγδην) ‘oberflächlich berührend, streifend’, lígdos (λίγδος) ‘Reibstein, Mörser’, air. fosligim ‘beschmiere’, aslaw. slьzъkъ, russ. (landschaftlich) slízkij (слизкий) ‘schlüpfrig, glatt, schleimig’ auf ie. *(s)leig̑- ‘schleimig, gleiten, glätten’ (s. ↗schlecht, ↗schlicht), eine Erweiterung der auch anlautendes s- aufweisenden Wurzel ie. *lei- ‘schleimig, durch Nässe glitschiger Boden, ausgleiten, worüber hinschleifen oder -streichen’ (s. ↗Schleim, ↗Leim, ↗Lehm). Schleichen Plur. in der zoologischen Fachsprache (Oken 1816) durch Kürzung von Blindschleiche (s. ↗blind) gebildete Bezeichnung für eine Familie meist schlangenförmiger Echsen. Schleicher m. ‘wer schleicht’, mhd. slīchære; übertragen ‘Heuchler, Leisetreter’ (17. Jh.). Schlich m. ‘schleichende Bewegung, geheimer Pfad’, daher auch ‘List, Kniff’, vgl. die Schliche (‘die geheimen Pfade, Listen, Kniffe’) kennen (17. Jh.), jmdm. hinter die Schliche kommen (18. Jh.), ahd. slih ‘verborgener Weg, Spur’ (um 1000), mhd. slich ‘leise gleitender Gang, Schleichweg, Zug, Spur, List’, ablautende Abstraktbildung zum Verb.

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) anpirschen · ↗(sich) heranschleichen · schleichen
Synonymgruppe
(sich) entfernen · ↗(sich) zurückziehen · auf und davon gehen · ↗davonziehen · plötzlich weg sein · ↗verschwinden · ↗weggehen  ●  ↗entfleuchen  scherzhaft, literarisch · (einen) Rückzieher machen  ugs. · ↗(sich) absentieren  geh., veraltend · (sich) davon machen  ugs. · (sich) in Luft auflösen  ugs. · ↗(sich) rausscheren  ugs. · ↗(sich) retirieren  geh., veraltet · (sich) schleichen  ugs., süddt. · (sich) selbständig machen  ugs., ironisch · (sich) von dannen machen  geh., veraltend, literarisch · abdackeln  ugs. · ↗abdampfen  ugs. · ↗abhauen  ugs. · ↗abschieben  ugs. · ↗abschwirren  ugs. · ↗abziehen  ugs. · abzischen  ugs. · ↗enteilen  geh. · ↗fortstreben  geh. · ↗gehen  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
  • (jemandem) davonlaufen · ↗(sich) absetzen  ●  ↗abspringen  fig. · ↗aussteigen  fig. · ↗desertieren  fig., militärisch · von der Fahne gehen  fig. · von der Stange gehen  fig. · ↗(sich) abseilen  ugs., fig. · ↗(sich) absentieren  geh., veraltet · ↗(sich) ausklinken  ugs., fig. · ↗(sich) verkrümeln  ugs. · ↗(sich) verpissen  derb
  • (jemandem) auskommen · ↗(jemandem) weglaufen · ↗ausbüxen · ↗ausreißen · das Weite suchen · ↗durchbrennen · ↗entlaufen · laufen gehen · sich aus dem Staub machen  ●  Reißaus nehmen  veraltend · ↗stiften gehen  ugs.
  • (das) Weite suchen · die Flucht ergreifen · ↗entkommen · ↗fliehen · ↗flüchten · ↗weglaufen · zu entkommen versuchen  ●  Fersengeld geben  veraltend · (sich) aus dem Staub machen  ugs. · ↗(sich) dünn(e) machen  ugs. · ↗(sich) verdrücken  ugs. · ↗abhauen  ugs. · ↗ausfliegen  ugs., ironisch · ↗stiften gehen  ugs. · ↗türmen  ugs. · ↗verduften  ugs. · zu entkommen suchen  geh.
  • (sich) fluchtartig entfernen · ↗davonlaufen · ↗davonrennen · es (auf einmal) (sehr) eilig haben · ↗fortlaufen · ↗fortrennen · laufen gehen · ↗weglaufen  ●  ↗wegrennen  Hauptform · (die) Beine in die Hand nehmen  ugs., fig., variabel · (die) Beine untern Arm nehmen  ugs., fig., variabel · (einen) flotten Schuh machen  ugs. · Hackengas geben  ugs. · ↗davonstieben  geh. · ↗enteilen (lit.)  geh.
  • Abflug! · Geh!  ●  Fort mit dir!  veraltet · Geh mit Gott, aber geh!  Redensart · Wegtreten!  militärisch · Abmarsch!  ugs. · Da ist die Tür!  ugs. · Fahr zur Hölle! (aggressiv)  derb · Geh mir aus den Augen!  ugs. · Geh mir vom Acker!  ugs. · Geh sterben!  vulg. · Geh weg!  ugs. · Hau ab!  ugs. · Mach 'n Abgang!  ugs. · Mach 'ne Fliege!  ugs. · Mach Meter!  ugs., österr. · Mach die Fliege!  ugs. · Mach, dass du wegkommst!  ugs. · Pack dich!  ugs. · Raus (mit dir)!  ugs. · Scher dich fort!  ugs., veraltend · Scher dich weg!  ugs., veraltend · Scher dich zum Teufel!  ugs., veraltend · Schieb ab!  ugs. · Schieß in'n Wind!  ugs. · Schleich di!  ugs., süddt. · Schleich dich!  ugs. · Schwirr ab!  ugs. · Sieh zu, dass du Land gewinnst!  ugs. · Verpiss dich!  derb · Verschwinde!  ugs. · Verzieh dich!  ugs. · Zieh Leine!  ugs. · Zisch ab!  ugs.
  • (sich) auf den Weg machen · ↗(sich) aufmachen · ↗losgehen · ↗losziehen · seinen Weg antreten  ●  ↗aufbrechen  Hauptform · (sich) auf die Beine machen  ugs. · (sich) auf die Socken machen  ugs. · ↗lossocken  ugs., regional
  • entschwunden · ↗fort · hat sich verflüchtigt · nicht auffindbar · nicht aufzufinden · nicht zu finden · spurlos verschwunden · ↗unauffindbar · ↗verloren · verloren gegangen · vermisst (werden) · ↗verschollen · verschwunden · vom Winde verweht · von jemandem fehlt jede Spur  ●  ↗weg  Hauptform · (sich) in Luft aufgelöst haben  ugs. · abhanden gekommen  ugs. · ↗dahin  geh. · ↗flöten  ugs. · flöten gegangen  ugs. · ↗futsch  ugs. · futschikato  ugs., scherzhaft · ↗hops  ugs. · ↗perdu  ugs., franz. · ↗sonst wo  ugs. · verschütt gegangen  ugs. · von Windows verweht  ugs., scherzhaft · wie vom Erdboden verschluckt  ugs. · wie weggeblasen  ugs.
  • (sich) davonmachen  ●  ↗(sich) verkrümeln  ugs. · (sich) vertschüssen  ugs. · ↗abhauen  ugs.
  • abtauchen · nicht mehr erreichbar sein · ↗untertauchen · von der Bildfläche verschwinden
Synonymgruppe
im Kriechtempo · ↗kriechen · langsam vorankommen · schleichen  ●  langsam fahren  Hauptform
Assoziationen
  • (sehr) verzögert · im Schleichtempo · im Schritttempo · im Zeitlupentempo · in Zeitlupe · kriechend · quälend langsam · ↗schleichend · ↗schleppend · sehr langsam  ●  (kommt) langsam wie beim Ochsen die Milch  ugs., scherzhaft · im Schneckentempo  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dieb Hintertür Kabine Katze Rasen Schlafzimmer Sohle Zehenspitze anschleichen dahinschleichen davonschleichen einschleichen entlangschleichen heimlich heranschleichen hereinschleichen herschleichen herumschleichen hinaufschleichen hinausschleichen hineinschleichen hinschleichen hinterher nachschleichen nachts umherschleichen unbemerkt vorbeischleichen wegschleichen zurückschleichen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schleichen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Gegen zwei Uhr morgens schlich er sich aus dem Zimmer.
Bild, 25.05.2002
Überhaupt haben sich einige Fotos ins Angebot geschlichen, die aufhorchen lassen.
Der Tagesspiegel, 10.10.1998
Wenn ich nun glaube, sie schläft fest, dann schleiche ich mich ins Zimmer.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 25.10.1944, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Jeder dieser fünf Tage schlich mit seinen Stunden, die wie Jahre dauerten, unerträglich dahin.
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh II, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 384
Ohne noch einmal nach ihm umzusehen, schlich sie aus dem Zimmer.
Duncker, Dora: Jugend. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1905], S. 9592
Zitationshilfe
„schleichen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schleichen>, abgerufen am 17.07.2019.

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