schleichen

Grammatik Verb · schleicht, schlich, ist/hat geschlichen
Aussprache 
Worttrennung schlei-chen
eWDG

Bedeutungen

leise, vorsichtig und möglichst unbemerkt gehen, sich fortbewegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Beispiele:
lautlos, langsam, heimlich, ängstlich schleichen
auf Zehenspitzen, auf leisen Sohlen schleichen
aus dem Hof, durch die Büsche schleichen
er schlich im Dunkeln nach Hause
sie sind über den Gang, um die Mauer geschlichen
der Dieb schlich zu seinem Versteck
sie hörten ein verdächtiges Schleichen
wir krochen … schleichender, als die allerschönste Schlange das kann [ TravenGeneral133]
bildlich
Beispiele:
leichte Tritte schleichen über den Flur
die Zeit schleicht (= vergeht sehr langsam)
die Dämmerung schleicht in alle Winkel
die Grippe, die jetzt von Tür zu Tür schleicht [ St. ZweigAmok66]
schleichendlangsam, fast unmerklich fortschreitend
Grammatik: oft im Partizip I
Beispiele:
ein schleichendes Fieber, Gift
eine schleichende Krankheit, Missstimmung
die Tage vergingen schleichend langsam
eine schleichende Krise, Teuerung, Inflation
sich irgendwohin schleichen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
sich an das Fenster, in das Zimmer, in jmds. Nähe schleichen
sich näher schleichen
gehobensich von dannen schleichen
das Kind schlich sich zur Mutter
bildlich
Beispiele:
Misstrauen schlich sich in ihr Herz (= ergriff es)
sich in jmds. Vertrauen schleichen (= jmds. Vertrauen zu unlauteren Zwecken gewinnen)
Ihm selbst unerklärlich schlich sich eine lebenstolle, längst verlernte Leichtfertigkeit in sein Spiel [ U. BecherMänner15]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schleichen · Schleichen · Schleicher · Schlich
schleichen Vb. ‘sich geräuschlos, langsam und unbemerkt fortbewegen’, ahd. slīhhan (9. Jh.; vgl. furislīhhan, 8. Jh.), mhd. slīchen ‘leise gleitend gehen, feierlich schreiten’, mnd. slīken führen mit isl. slíkja ‘glätten’, den unter Schlick (s. d.) genannten Formen und außergerm. mit griech. lígdēn (λίγδην) ‘oberflächlich berührend, streifend’, lígdos (λίγδος) ‘Reibstein, Mörser’, air. fosligim ‘beschmiere’, aslaw. slьzъkъ, russ. (landschaftlich) slízkij (слизкий) ‘schlüpfrig, glatt, schleimig’ auf ie. *(s)leig̑- ‘schleimig, gleiten, glätten’ (s. schlecht, schlicht), eine Erweiterung der auch anlautendes s- aufweisenden Wurzel ie. *lei- ‘schleimig, durch Nässe glitschiger Boden, ausgleiten, worüber hinschleifen oder -streichen’ (s. Schleim, Leim, Lehm). Schleichen Plur. in der zoologischen Fachsprache (Oken 1816) durch Kürzung von Blindschleiche (s. blind) gebildete Bezeichnung für eine Familie meist schlangenförmiger Echsen. Schleicher m. ‘wer schleicht’, mhd. slīchære; übertragen ‘Heuchler, Leisetreter’ (17. Jh.). Schlich m. ‘schleichende Bewegung, geheimer Pfad’, daher auch ‘List, Kniff’, vgl. die Schliche (‘die geheimen Pfade, Listen, Kniffe’) kennen (17. Jh.), jmdm. hinter die Schliche kommen (18. Jh.), ahd. slih ‘verborgener Weg, Spur’ (um 1000), mhd. slich ‘leise gleitender Gang, Schleichweg, Zug, Spur, List’, ablautende Abstraktbildung zum Verb.

Thesaurus

Synonymgruppe
Synonymgruppe
(sich) im Schneckentempo vorwärtsbewegen · im Kriechtempo · kriechen · langsam vorankommen · schleichen  ●  langsam fahren  Hauptform
Assoziationen
  • (nur) millimeterweise · im Schritttempo · in Zeitlupe · quälend langsam · schleichend · schleppend  ●  im Schneckentempo  übertreibend · im Zeitlupentempo  übertreibend · sehr langsam  Hauptform · (etwas) kommt so langsam wie beim Ochsen die Milch  ugs., scherzhaft · im Schleichtempo  ugs. · im Schnarchgang  ugs., fig., negativ
Synonymgruppe
abfahren  schweiz. · (die / eine) Fliege machen  ugs., bundesdeutsch · (die / eine) Mücke machen  ugs., bundesdeutsch · (sich) dünnemachen  ugs., bundesdeutsch · (sich) rausscheren  ugs. · (sich) schleichen  ugs., österr., süddt. · (sich) vertschüssen  ugs. · (sich) verzupfen  ugs., bayr., österr. · Leine ziehen  ugs., bundesdeutsch, schweiz. · abschieben  ugs., bundesdeutsch · abschleichen  ugs., schweiz. · die Finken klopfen  ugs., schweiz. · die Platte putzen  ugs., bundesdeutsch · sich dünnemachen  ugs. · sich putzen  ugs., österr. · sich trollen  ugs. · sich verkrümeln  ugs., bundesdeutsch, schweiz. · sich über die Häuser hauen  ugs., österr.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›schleichen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schleichen‹.

Verwendungsbeispiele für ›schleichen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch schleicht sie in der Nacht, auf Raub gehend, umher. [Bungartz, J.: Deutschlands Giftschlange. In: Praktischer Wegweiser, 26.11.1925, S. 939]
Dann glaubte er, etwas um den Wagen schleichen zu hören. [Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 310]
Dennoch schleiche ich regelmäßig ins Wahllokal, ebenfalls seit Jahrzehnten, und mache mein Kreuz. [konkret, 1994]
Frühmorgens schlichen wir dann, unsere Kinder im Arm, durch den sommerlichen Nebel. [konkret, 1982]
Leise schleicht sie sich auf den Platz vor der Kirche. [Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 351]
Zitationshilfe
„schleichen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schleichen>.

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