schleifen

Grammatik Verb · schleift, schleifte, hat/ist geschleift
Aussprache  [ˈʃlaɪ̯fn̩]
Worttrennung schlei-fen
Wortbildung  mit ›schleifen‹ als Erstglied: Schleifung  ·  mit ›schleifen‹ als Letztglied: anschleifen2 · durchschleifen · mitschleifen · nachschleifen1 · wegschleifen1
 ·  mit ›schleifen‹ als Binnenglied: Ziehschleifahle
eWDG

Bedeutungen

I.
sich ziehend, schleppend über eine Fläche dahinbewegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
die Kette schleift am Boden
das Rad schleift am Schutzblech
die Zügel schleifen auf der Erde
er lässt die Füße schleifen
sie kam mit schleifenden Schritten
Die Polen faßten ihn unter, und Pröll schleifte zwischen ihnen mit steifen Beinen [ ApitzNackt468]
bildlich
Beispiel:
die Zügel schleifen lassen (= nicht mehr so streng auf Ordnung, Disziplin achten)
etw., jmd. schleift über etw.
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’/‘ist’
Beispiele:
die lange Schleppe hat, ist über den Boden geschleift
er schleifte mit dem lahmen Fuß über den Weg
die Netze schleifen über den Meeresgrund
etw., jmdn. schleifen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
einen Koffer, den Korb schleifen
einen Sack hinter sich her schleifen
schwere Kisten über den Hof schleifen
das Kind schleifte die Puppe an den Haaren, Beinen mit sich
er wurde von der Bahn zu Tode geschleift
Wälder waren nicht zu holzen, wenn es keine Pferde zum Schleifen gab [ SternheimChronik196]
gehoben, bildlich
Beispiel:
Er sah das Edelste, Schönste seiner Seele entwürdigt, durch den Staub geschleift (= erniedrigt) [ BrodTycho Brahe169]
salopp, scherzhaft
Beispiele:
jmdn. durch alle Museen schleifen (= jmdn. halb widerstrebend in alle Museen führen)
seine Gäste von Lokal zu Lokal schleifen
salopp, abwertend
Beispiele:
wegen einer solchen Bagatelle wurde er vor Gericht geschleift (= brutal hingebracht)
Seine Emma wurde durch zwei Konzentrationslager geschleift [ O. M. GrafUnruhe437]
II.
ein (befestigtes) Bauwerk niederreißen, dem Erdboden gleichmachen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
eine Festung, Schanze schleifen
einen Wall, ein Haus schleifen
[eine Burg] deren übrige Mauern und Türme geschleift sind [ JahnnNiederschrift1,721]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schleifen2 Vb. ‘etw. über den Boden ziehen, schleppen (lassen), Festungswerke zerstören und abbrechen’. Das schwache Verb ahd. sleifen ‘schlüpfrig machen’ (11. Jh.), mhd. sleifen, sleipfen ‘gleiten machen oder lassen, schleppen, dem Erdboden gleichmachen’, mnd. slēpen ‘schleppen, schleifen’, mnl. slēpen, sleipen, nl. slepen ‘mit Mühe fortziehen’, afries. slēpa steht als Kausativum (westgerm. *slaipjan) zu dem unter schleifen1 (s. d.) behandelten starken Verb. Vgl. auch ahd. bisleifen ‘wanken machen, niederstoßen, zerstören’ (10. Jh.) und mit derselben Ablautstufe gebildetes ahd. sleifa ‘glatte Bahn’ (9. Jh.) bzw. sleipha ‘Bahn zum Holztransport’ (um 1000).

Typische Verbindungen zu ›schleifen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schleifen‹.

Verwendungsbeispiele für ›schleifen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich versuchte, den Alten über das Feld zu schleifen, aber er war zu schwer. [Rinser, Luise: Mitte des Lebens, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1952 [1950], S. 237]
Ein Stück eiserner Kette, das noch an seinem Bein hing, schleifte über das Pflaster. [Rosendorfer, Herbert: Großes Solo für Anton, Zürich: Diogenes 2000 [1976], S. 69]
Da packt sie ihn am Kragen und schleift ihn zur Wohnung hinaus. [Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 169]
Soll er nun also selbstlos sein und sogleich seine Festung schleifen lassen? [Hauptmann, Gerhart: Der Narr in Christo Emanuel Quint, Berlin: Aufbau-Verl. 1962 [1910], S. 370]
Sein Mantel schleifte hinter ihm auf der Erde, war sehr beschmutzt von dem nassen Lehm. [Perutz, Leo: Die dritte Kugel, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1988 [1915], S. 121]
Zitationshilfe
„schleifen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schleifen#1>.

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schleifen

Grammatik Verb · schleift, schliff, hat geschliffen
Aussprache  [ˈʃlaɪ̯fn̩]
Worttrennung schlei-fen
Wortbildung  mit ›schleifen‹ als Erstglied: Schleifapparat · Schleifband · Schleifbank · Schleifblock · Schleifer · Schleiferei · Schleiffunkenprobe · Schleifhexe · Schleifkörper · Schleiflack · Schleifmaschine · Schleifpapier · Schleifscheibe · Schleifstein · Schleifwerkzeug
 ·  mit ›schleifen‹ als Letztglied: abschleifen · anschleifen1 · ausschleifen · einschleifen · feinschleifen · glatt schleifen · glattschleifen · nachschleifen2 · wegschleifen2
 ·  mit ›schleifen‹ als Grundform: geschliffen  ·  formal verwandt mit: Gewindeschleifen
eWDG

Bedeutungen

1.
etw. durch gleitendes Reiben auf einem Werkzeug schärfen
Beispiele:
ein Messer, eine Schere schleifen
die Axt mit dem Schleifstein schleifen
der Bauer schliff seine Sense
das Beil ist scharf geschliffen
etw. glätten
Beispiel:
eine Platte mit Sandpapier, Schmirgel schleifen
Technik metallische und nichtmetallische Werkstücke mit der Schleifmaschine, einem Schleifwerkzeug glättend formen, sodass eine hochwertige und genaue Oberfläche erzielt wird
Beispiele:
Stahl, Holz, Glas, Edelsteine schleifen
eine Welle glatt, rund, passend schleifen
kunstvoll geschliffene Spiegel, Linsen
übertragen
Beispiel:
Er schulte sich an Goethes Stil, schliff den seinen bis in die letzte Silbe (= arbeitete ihn bis ins letzte formvollendet durch) [ SteinbergTag211]
2.
Soldatensprache jmdn. in einer Armee mit äußerster, schonungsloser Härte und Schikane ausbilden, drillen
Beispiele:
Rekruten scharf, gemein schleifen
salopper ist damals sehr geschliffen worden
saloppDann kannst du ihn schleifen (= dann kannst du ihn ganz unmenschlich drillen), daß ihm das Wasser im Hintern kocht [ RemarqueIm Westen84]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schleifen1 · Schleifstein · Schleifer · Schliff
schleifen1 Vb. ‘eine rauhe Oberfläche bearbeiten und glätten, schärfen’. Das starke Verb ahd. slīfan ‘schärfen’ (8. Jh.), intransitiv ‘(aus)gleiten, hinsinken, in Verfall geraten’ (9. Jh.), mhd. slīfen ‘schärfen, glätten’, intransitiv ‘(aus)gleiten, hinsinken, fallen’, mnd. mnl. slīpen, nl. slijpen, afries. slīpa (germ. *slīpan) stellt sich mit griech. (neutr.) olibrón (ὀλιβρόν) ‘schlüpfrig, glatt’ und vielleicht auch kymr. llym ‘scharf’, bret. lemm ‘scharf, Schneide eines Messers’ zu ie. *(s)leib- ‘schleimig, schlüpfrig, gleiten, darüber streichen, glätten’, einer mit s- anlautenden Labialerweiterung der unter Leim (s. d.) angeführten Wurzel ie. *lei- ‘schleimig, durch Nässe glitschiger Boden, ausgleiten, worüber hinschleifen oder -streichen, schmieren’ (s. auch Lehm, Schleim). Die Ausgangsbedeutung ‘über eine Fläche hingleiten’ ist bereits im Ahd. weiterentwickelt zu ‘(durch Gleiten über den Schleifstein) schärfen’. Aus der übertragenen Verwendung einen Lehrjungen schleifen ‘ihm gute Lehren, Verhaltensregeln geben’ (um 1700) wird schleifen in die Soldatensprache übernommen für ‘im Dienst, beim Exerzieren hart rannehmen, drillen’. Schleifstein m. ‘Wetzstein’, ahd. slifstein (9. Jh.), mhd. slif-, slīfstein. Schleifer m. ‘wer schleift, schärft’, mhd. slīfære, slīfer. Schliff m. ‘das Schleifen, geschliffene Stelle’, ahd. slif ‘abgeschliffene Metallreste’ (Hs. 13. Jh.), mhd. slif ‘Abgeschliffenheit, Abgenutzheit, das Ausgleiten’; übertragen ‘gutes Benehmen’ (19. Jh.). Auch Schliff, Schlief ‘unausgebackene Stelle im Brot, Kuchen’ (17. Jh.), die glatt, wie geschliffen aussieht. Obsächs. Schliff backen ‘Pech haben’.

Typische Verbindungen zu ›schleifen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schleifen‹.

Verwendungsbeispiele für ›schleifen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie waren glatt geschliffen und fühlten sich an wie Seide. [Pressler, Mirjam: Malka Mai, Weinheim Basel: Beltz & Gelberg 2001, S. 143]
Karg sind ihre Geschichten, wahr sind sie, gehärtet die Worte und die Sätze, geschliffen, gnadenlos. [Die Welt, 30.07.2005]
Vor den Hütten standen die Bauern und schliffen den Stahl an den rötlichen Steinen. [Roth, Joseph: Radetzkymarsch, Köln: Kiepenheuer & Witsch 1978 [1932], S. 393]
In keiner Maschine ist das winzigste Rädchen zu brauchen, das nicht vollkommen geschliffen ist. [Schaeffer, Albrecht: Helianth II, Bonn: Weidle 1995 [1920], S. 626]
Man schleift auch den Diamanten und erhöht dadurch seinen Wert. [Gratiolet, K. [d.i. Struppe, Karin]: Schliff und vornehme Lebensart. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1918], S. 21668]
Zitationshilfe
„schleifen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schleifen#2>.

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