schleifen

GrammatikVerb · schleifte, hat/ist geschleift
Aussprache
Worttrennungschlei-fen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›schleifen‹ als Erstglied: ↗Schleifung  ·  mit ›schleifen‹ als Letztglied: ↗anschleifen2 · ↗durchschleifen · ↗mitschleifen · ↗nachschleifen1 · ↗wegschleifen1
eWDG, 1976

Bedeutungen

I.
mit Hilfsverb ›hat‹
sich ziehend, schleppend über eine Fläche dahinbewegen
Beispiele:
die Kette schleift am Boden
das Rad schleift am Schutzblech
die Zügel schleifen auf der Erde
er lässt die Füße schleifen
sie kam mit schleifenden Schritten
Die Polen faßten ihn unter, und Pröll schleifte zwischen ihnen mit steifen Beinen [ApitzNackt468]
bildlich
Beispiel:
die Zügel schleifen lassen (= nicht mehr so streng auf Ordnung, Disziplin achten)
mit Hilfsverb ›hat‹, mit Hilfsverb ›ist‹
etw., jmd. schleift über etw.
Beispiele:
die lange Schleppe hat, ist über den Boden geschleift
er schleifte mit dem lahmen Fuß über den Weg
die Netze schleifen über den Meeresgrund
mit Hilfsverb ›hat‹
etw., jmdn. schleifen
Beispiele:
einen Koffer, den Korb schleifen
einen Sack hinter sich her schleifen
schwere Kisten über den Hof schleifen
das Kind schleifte die Puppe an den Haaren, Beinen mit sich
er wurde von der Bahn zu Tode geschleift
Wälder waren nicht zu holzen, wenn es keine Pferde zum Schleifen gab [SternheimChronik196]
gehoben, bildlich
Beispiel:
Er sah das Edelste, Schönste seiner Seele entwürdigt, durch den Staub geschleift (= erniedrigt) [BrodTycho Brahe169]
salopp, scherzhaft
Beispiele:
jmdn. durch alle Museen schleifen (= jmdn. halb widerstrebend in alle Museen führen)
seine Gäste von Lokal zu Lokal schleifen
salopp, abwertend
Beispiele:
wegen einer solchen Bagatelle wurde er vor Gericht geschleift (= brutal hingebracht)
Seine Emma wurde durch zwei Konzentrationslager geschleift [O. M. GrafUnruhe437]
II.
mit Hilfsverb ›hat‹
ein (befestigtes) Bauwerk niederreißen, dem Erdboden gleichmachen
Beispiele:
eine Festung, Schanze schleifen
einen Wall, ein Haus schleifen
[eine Burg] deren übrige Mauern und Türme geschleift sind [JahnnNiederschrift1,721]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schleifen1 · Schleifstein · Schleifer · Schliff
schleifen1 Vb. ‘eine rauhe Oberfläche bearbeiten und glätten, schärfen’. Das starke Verb ahd. slīfan ‘schärfen’ (8. Jh.), intransitiv ‘(aus)gleiten, hinsinken, in Verfall geraten’ (9. Jh.), mhd. slīfen ‘schärfen, glätten’, intransitiv ‘(aus)gleiten, hinsinken, fallen’, mnd. mnl. slīpen, nl. slijpen, afries. slīpa (germ. *slīpan) stellt sich mit griech. (neutr.) olibrón (ὀλιβρόν) ‘schlüpfrig, glatt’ und vielleicht auch kymr. llym ‘scharf’, bret. lemm ‘scharf, Schneide eines Messers’ zu ie. *(s)leib- ‘schleimig, schlüpfrig, gleiten, darüber streichen, glätten’, einer mit s- anlautenden Labialerweiterung der unter ↗Leim (s. d.) angeführten Wurzel ie. *lei- ‘schleimig, durch Nässe glitschiger Boden, ausgleiten, worüber hinschleifen oder -streichen, schmieren’ (s. auch ↗Lehm, ↗Schleim). Die Ausgangsbedeutung ‘über eine Fläche hingleiten’ ist bereits im Ahd. weiterentwickelt zu ‘(durch Gleiten über den Schleifstein) schärfen’. Aus der übertragenen Verwendung einen Lehrjungen schleifen ‘ihm gute Lehren, Verhaltensregeln geben’ (um 1700) wird schleifen in die Soldatensprache übernommen für ‘im Dienst, beim Exerzieren hart rannehmen, drillen’. Schleifstein m. ‘Wetzstein’, ahd. slifstein (9. Jh.), mhd. slif-, slīfstein. Schleifer m. ‘wer schleift, schärft’, mhd. slīfære, slīfer. Schliff m. ‘das Schleifen, geschliffene Stelle’, ahd. slif ‘abgeschliffene Metallreste’ (Hs. 13. Jh.), mhd. slif ‘Abgeschliffenheit, Abgenutzheit, das Ausgleiten’; übertragen ‘gutes Benehmen’ (19. Jh.). Auch Schliff, Schlief ‘unausgebackene Stelle im Brot, Kuchen’ (17. Jh.), die glatt, wie geschliffen aussieht. Obsächs. Schliff backen ‘Pech haben’.

schleifen2 Vb. ‘etw. über den Boden ziehen, schleppen (lassen), Festungswerke zerstören und abbrechen’. Das schwache Verb ahd. sleifen ‘schlüpfrig machen’ (11. Jh.), mhd. sleifen, sleipfen ‘gleiten machen oder lassen, schleppen, dem Erdboden gleichmachen’, mnd. slēpen ‘schleppen, schleifen’, mnl. slēpen, sleipen, nl. slepen ‘mit Mühe fortziehen’, afries. slēpa steht als Kausativum (westgerm. *slaipjan) zu dem unter ↗schleifen (s. d.) behandelten starken Verb. Vgl. auch ahd. bisleifen ‘wanken machen, niederstoßen, zerstören’ (10. Jh.) und mit derselben Ablautstufe gebildetes ahd. sleifa ‘glatte Bahn’ (9. Jh.) bzw. sleipha ‘Bahn zum Holztransport’ (um 1000).

Thesaurus

Synonymgruppe
schleifen · ↗wetzen
Synonymgruppe
scharf machen · schleifen · ↗schärfen
Synonymgruppe
abtragen · ↗niederreißen · schleifen
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bastion Diamant Festung Kante Klinge Kufe Mob Rohdiamant Zügel abschleifen anschleifen bohren durchschleifen einschleifen feilen fräsen herschleifen herumschleifen hinausschleifen hobeln hämmern lackieren mitschleifen nachschleifen polieren schweißen spachteln sägen wegschleifen zurecht

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schleifen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So kann man darauf verzichten, sich mit seinen Argumenten geschliffen auseinander zu setzen.
Der Tagesspiegel, 13.07.2001
Damit hatte er - übrigens im geschliffensten Deutsch aller seiner Schriften - so ziemlich alle gegen sich aufgebracht.
Die Zeit, 16.06.1997, Nr. 24
Ich versuchte, den Alten über das Feld zu schleifen, aber er war zu schwer.
Rinser, Luise: Mitte des Lebens, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1952 [1950], S. 237
Man kann übrigens die Teile vor der endgültigen Montage schleifen und einzeln lackieren, nachdem man alle Teile zuvor gebohrt hat.
Bernd Käsch, Heimwerker-Handbuch: Wiesbaden: Falken-Verlag Erich Sicker 1968, S. 138
Sie waren glatt geschliffen und fühlten sich an wie Seide.
Pressler, Mirjam: Malka Mai, Weinheim Basel: Beltz & Gelberg 2001, S. 143
Zitationshilfe
„schleifen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schleifen#1>, abgerufen am 16.12.2018.

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schleifen

GrammatikVerb · schliff, hat geschliffen
Aussprache
Worttrennungschlei-fen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›schleifen‹ als Erstglied: ↗Schleifband · ↗Schleifblock · ↗Schleifer · ↗Schleiferei · ↗Schleifhexe · ↗Schleiflack · ↗Schleifmaschine · ↗Schleifpapier · ↗Schleifscheibe · ↗Schleifstein · ↗Schleifwerkzeug
 ·  mit ›schleifen‹ als Letztglied: ↗abschleifen · ↗anschleifen1 · ↗ausschleifen · ↗einschleifen · ↗feinschleifen · ↗glattschleifen · ↗nachschleifen2 · ↗wegschleifen2
 ·  mit ›schleifen‹ als Grundform: ↗geschliffen  ·  formal verwandt mit: ↗Gewindeschleifen
eWDG, 1976

Bedeutungen

1.
etw. durch gleitendes Reiben auf einem Werkzeug schärfen
Beispiele:
ein Messer, eine Schere schleifen
die Axt mit dem Schleifstein schleifen
der Bauer schliff seine Sense
das Beil ist scharf geschliffen
etw. glätten
Beispiel:
eine Platte mit Sandpapier, Schmirgel schleifen
Technik metallische und nichtmetallische Werkstücke mit der Schleifmaschine, einem Schleifwerkzeug glättend formen, sodass eine hochwertige und genaue Oberfläche erzielt wird
Beispiele:
Stahl, Holz, Glas, Edelsteine schleifen
eine Welle glatt, rund, passend schleifen
kunstvoll geschliffene Spiegel, Linsen
übertragen
Beispiel:
Er schulte sich an Goethes Stil, schliff den seinen bis in die letzte Silbe (= arbeitete ihn bis ins letzte formvollendet durch) [SteinbergTag211]
2.
Soldatensprache jmdn. in einer Armee mit äußerster, schonungsloser Härte und Schikane ausbilden, drillen
Beispiele:
Rekruten scharf, gemein schleifen
salopp er ist damals sehr geschliffen worden
salopp Dann kannst du ihn schleifen (= dann kannst du ihn ganz unmenschlich drillen), daß ihm das Wasser im Hintern kocht [RemarqueIm Westen84]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schleifen1 · Schleifstein · Schleifer · Schliff
schleifen1 Vb. ‘eine rauhe Oberfläche bearbeiten und glätten, schärfen’. Das starke Verb ahd. slīfan ‘schärfen’ (8. Jh.), intransitiv ‘(aus)gleiten, hinsinken, in Verfall geraten’ (9. Jh.), mhd. slīfen ‘schärfen, glätten’, intransitiv ‘(aus)gleiten, hinsinken, fallen’, mnd. mnl. slīpen, nl. slijpen, afries. slīpa (germ. *slīpan) stellt sich mit griech. (neutr.) olibrón (ὀλιβρόν) ‘schlüpfrig, glatt’ und vielleicht auch kymr. llym ‘scharf’, bret. lemm ‘scharf, Schneide eines Messers’ zu ie. *(s)leib- ‘schleimig, schlüpfrig, gleiten, darüber streichen, glätten’, einer mit s- anlautenden Labialerweiterung der unter ↗Leim (s. d.) angeführten Wurzel ie. *lei- ‘schleimig, durch Nässe glitschiger Boden, ausgleiten, worüber hinschleifen oder -streichen, schmieren’ (s. auch ↗Lehm, ↗Schleim). Die Ausgangsbedeutung ‘über eine Fläche hingleiten’ ist bereits im Ahd. weiterentwickelt zu ‘(durch Gleiten über den Schleifstein) schärfen’. Aus der übertragenen Verwendung einen Lehrjungen schleifen ‘ihm gute Lehren, Verhaltensregeln geben’ (um 1700) wird schleifen in die Soldatensprache übernommen für ‘im Dienst, beim Exerzieren hart rannehmen, drillen’. Schleifstein m. ‘Wetzstein’, ahd. slifstein (9. Jh.), mhd. slif-, slīfstein. Schleifer m. ‘wer schleift, schärft’, mhd. slīfære, slīfer. Schliff m. ‘das Schleifen, geschliffene Stelle’, ahd. slif ‘abgeschliffene Metallreste’ (Hs. 13. Jh.), mhd. slif ‘Abgeschliffenheit, Abgenutzheit, das Ausgleiten’; übertragen ‘gutes Benehmen’ (19. Jh.). Auch Schliff, Schlief ‘unausgebackene Stelle im Brot, Kuchen’ (17. Jh.), die glatt, wie geschliffen aussieht. Obsächs. Schliff backen ‘Pech haben’.

schleifen2 Vb. ‘etw. über den Boden ziehen, schleppen (lassen), Festungswerke zerstören und abbrechen’. Das schwache Verb ahd. sleifen ‘schlüpfrig machen’ (11. Jh.), mhd. sleifen, sleipfen ‘gleiten machen oder lassen, schleppen, dem Erdboden gleichmachen’, mnd. slēpen ‘schleppen, schleifen’, mnl. slēpen, sleipen, nl. slepen ‘mit Mühe fortziehen’, afries. slēpa steht als Kausativum (westgerm. *slaipjan) zu dem unter ↗schleifen (s. d.) behandelten starken Verb. Vgl. auch ahd. bisleifen ‘wanken machen, niederstoßen, zerstören’ (10. Jh.) und mit derselben Ablautstufe gebildetes ahd. sleifa ‘glatte Bahn’ (9. Jh.) bzw. sleipha ‘Bahn zum Holztransport’ (um 1000).

Thesaurus

Synonymgruppe
schleifen · ↗wetzen
Synonymgruppe
scharf machen · schleifen · ↗schärfen
Synonymgruppe
abtragen · ↗niederreißen · schleifen
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bastion Diamant Festung Kante Klinge Kufe Mob Rohdiamant Zügel abschleifen anschleifen bohren durchschleifen einschleifen feilen fräsen herschleifen herumschleifen hinausschleifen hobeln hämmern lackieren mitschleifen nachschleifen polieren schweißen spachteln sägen wegschleifen zurecht

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›schleifen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So kann man darauf verzichten, sich mit seinen Argumenten geschliffen auseinander zu setzen.
Der Tagesspiegel, 13.07.2001
Damit hatte er - übrigens im geschliffensten Deutsch aller seiner Schriften - so ziemlich alle gegen sich aufgebracht.
Die Zeit, 16.06.1997, Nr. 24
Ich versuchte, den Alten über das Feld zu schleifen, aber er war zu schwer.
Rinser, Luise: Mitte des Lebens, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1952 [1950], S. 237
Man kann übrigens die Teile vor der endgültigen Montage schleifen und einzeln lackieren, nachdem man alle Teile zuvor gebohrt hat.
Bernd Käsch, Heimwerker-Handbuch: Wiesbaden: Falken-Verlag Erich Sicker 1968, S. 138
Sie waren glatt geschliffen und fühlten sich an wie Seide.
Pressler, Mirjam: Malka Mai, Weinheim Basel: Beltz & Gelberg 2001, S. 143
Zitationshilfe
„schleifen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/schleifen#2>, abgerufen am 16.12.2018.

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